Wie ist die Beschneidung eigentlich entstanden?

  • Der australische Medizinhistoriker Rober Darby hat speziell zu dieser Frage bereits mehrfach geschrieben:

    In dem 2003 im "Medical Journal of Australia" veröffentlichen Artikel "Medical history and medical practice: persistent myths about the foreskinsch" schreibt Darby:


    Und in einer überarbeiteten, ergänzten Version dieses Journal-Artikels, die er auf seiner Webseite veröffentlichte, ergänzte Darby noch dieses anschauliche Beispiel des britischen Forschungsreisende Wilfred Thesinger:

    5 Mal editiert, zuletzt von Sokrates (26. Januar 2018 um 18:28)

  • Das mit der "Förderung der Selbstbeherrschung" dürfte hinreichend durch die lange Liste von prominenten vorhautlosen sexmaniacs und Frauenbelästigern widerlegt sein.

    Manchmal frage ich mich, ob solche "sexmaniacs" und "Frauenbelästiger" mitunter auch aufgrund ihrer Beschneidung so geworden sind? Weil sie auf der Suche nach etwas, einer Befriedigung/Empfindung/Erfüllung sind, die sie nicht mehr spüren können, weil ihnen dazu was wichtiges fehlt?

    Aber da spielen sicher viele Faktoren rein, individuell durch Prägungen/Verletzungen/Traumatisierungen. Auch der Umgang der jeweiligen Kultur/des Umfelds des Einzelnen mit dem Thema Sexualität, die Offenheit. Da ist verklemmt noch eine harmlose Beschreibung...

    Aber wenn ich mir den Umgang mit Sexualität in beschneidenden Kulturen, der Umgang dort mit Frauen/das dort herrschende Frauenbild ansehe...fantasier ich mir da nur was zusammen? (das Phänomen "Kölner Sylvesternacht", welches in den Heimatländern der Täter nicht unbekannt zu sein scheint...)

    Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet ist, weil Dinge geliebt und Menschen benutzt werden. -Dalai Lama

  • Zitat von Urolüge

    Aber wenn ich mir den Umgang mit Sexualität in beschneidenden Kulturen, der Umgang dort mit Frauen/das dort herrschende Frauenbild ansehe...fantasier ich mir da nur was zusammen? (das Phänomen "Kölner Sylvesternacht", welches in den Heimatländern der Täter nicht unbekannt zu sein scheint...)


    Frau Necla Kelec hat - denke ich - sich mit dieser Frage beschäftigt.

  • Ich glaube nicht das die Beschneidung dafür sorgt das aus einem Mann ein Sexualstraftäter wird.

    Wenn müsste es ja auch in Israel solche Vorfälle geben. Das tut es aber nicht.

    Bis vor ein paar Jahren gab es auch öfters Vorfälle auf dem Oktoberfest.
    Ich glaube der durchschnittliche mönnliche Wiesenbesucher ist Christlich getauft.
    Es gibt genug Männer die auf einmal mit 2 Litern Bier im Körper es witzig finden einer Kellnerin unters Dirndle zu fassen.


    Ich hab mal irgendwann mal gehört das es bei einem Volk bei der Genitalverstümmelung darum ging vom Männlichen Körper das weibliche und vom Weiblichen Körper das Männliche zu entfernen.


  • Ich hab mal irgendwann mal gehört das es bei einem Volk bei der Genitalverstümmelung darum ging vom Männlichen Körper das weibliche und vom Weiblichen Körper das Männliche zu entfernen.

    Ja, die Theorie habe ich auch schon gehört.

    Wie gesagt, gibt es da eine Vielzahl unterschiedlicher Theorien. Da die Beschneidung an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten entstand, wird es wohl nicht nur die "eine" Genese gegeben haben.

  • Ich glaube nicht das die Beschneidung dafür sorgt das aus einem Mann ein Sexualstraftäter wird.

    Das glaube ich auch nicht...es gibt eine Studie, wonach ALLE Straftäter Gewalterfahrung in ihrer Kindheit gemacht haben...heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass alle mit Gewalterfahrung in der Kindheit zu Straftätern werden...da spielt mehr mit rein...

    Wenn müsste es ja auch in Israel solche Vorfälle geben. Das tut es aber nicht.

    und auch in den USA müsste solche Vorfälle geben...richtig, gibt es da wie dort nicht.

    Fakt ist aber, dass das Phänomen "Kölner Sylvesternacht" in bestimmten Kulturen absolut nicht unbekannt ist, sogar einen eigenen Namen hat? Aber...Hausaufgabe für dich ;) (und alle anderen die da mitmachen wollen)...wo ist der Unterschied zu Beschneidungen in muslimischen Ländern und bei Israel/USA? Alter? Und schau dir mal auf Youtube ein Interview mit Ali Utlus Erfahrungen an und lies in "Unaussprechliche Verstümmelungen" von Lindsay R. Watson den Bericht von Muslim Man auf Seite 190/191 an...was macht das als kollektive Erfahrung aller Männer eines Volkes/Gruppierung?

    Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet ist, weil Dinge geliebt und Menschen benutzt werden. -Dalai Lama

  • Frau Necla Kelec hat - denke ich - sich mit dieser Frage beschäftigt.

    Prof. Mathias Franz auch...aber hören und sehen will das niemand...man schreit nach härteren Strafen...aber das man auch mal nach Ursachen schaut, und nicht nur die Auswirkungen sanktioniert, davon sind wir noch Lichtjahre entfernt...

    Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet ist, weil Dinge geliebt und Menschen benutzt werden. -Dalai Lama

  • Ich hab mal irgendwann mal gehört das es bei einem Volk bei der Genitalverstümmelung darum ging vom Männlichen Körper das weibliche und vom Weiblichen Körper das Männliche zu entfernen.

    Und im Prinzip egal, warum die Beschneidung entstand, wir leben hier und jetzt, was war können wir eh nicht mehr ändern? Ändern können wir nur die Zukunft...ändern oder verbessern...aber wie soll schon mal einer vor 2000 Jahren gesagt haben

    Sie haben Augen...doch sie sehen nicht. Sie haben Ohren...doch sie hören nicht. Sie haben Münder...doch sie reden nicht. Verhärtet sind ihre Herzen...

    Damals wie heute...werden wir uns je ändern?

    Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet ist, weil Dinge geliebt und Menschen benutzt werden. -Dalai Lama

  • Ich glaube nicht das die Beschneidung dafür sorgt das aus einem Mann ein Sexualstraftäter wird.

    Das hatte ich auch nicht behauptet. Erstmal, ein "sexmaniac" ist noch lange kein Straftäter.
    Aber das, was sich Maimonides u.a. davon erhofft haben, eine Dämpfung des Triebs - kann gar nicht funktionieren, weil der Trieb im Kopf ist, und nicht im Penis. Und auch eine Veminderung der Selbstbefriedigung, die früher als Sünde galt ist nicht der Fall, eher das Gegenteil. Wobei SB nichts schlimmes ist, ein ganz natürlicher Teil der menschlichen Sexualität. Und Eltern kein Recht haben, da einzugreifen.
    Wenn der Trieb nicht vermindert ist, aber die Befriedigung eingeschränkt, dann kann das aber schon zu gesteigertem Verlangen führen. Ähnlich wie bei nikotinreduzierten "light"-Zigaretten.
    Wenn es so richtig schön toll und erfüllend war, dann klingt das auch noch eine Weile nach in dir.
    Wenn es aber Frust war, dann kommt "Verdammt, das muss doch besser gehen" und die nächste Enttäuschung, und die nächste Wut...
    D.h. aber nicht unbedingt, dass daraus Straftaten resultieren.

    There is no skin like foreskin

  • Ich finde eher die Theorie realistischer, dass die Beschneidung einerseits als Ersatz für Menschenopfer eingeführt wurde, sprich dass man einen relativ unwichtigen, aber bedeutsamen Teil des Körpers opfert. (So scheint es zumindest im Judentum gewesen zu sein, mit dem Konzept sind sie wohl über Ägypten in Kontakt gekommen)

    Die Beschneidung im Islam finde ich persönlich etwas komischer, die Tradition entstand ja dadurch, dass Propheten der Sage nach ohne oder mit sehr kurzer Vorhaut geboren wurden, und man wollte, dass der Sohn denselben möglichst nahe ist, aber eigentlich wäre das ja Blasphemie, man faked ja quasi "Prophetensein".

    Köln lag meiner Meinung nach am Alkohol und daran, dass Bayern aus ganz Deutschland Polizisten angefordert hat, unteranderem auch eine Hundertschaft aus Köln, die dann an Sylvester fehlte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dassselbe auch beim Oktober fest passieren würde, wenn dort keine Polizei wäre. Viele Menschen kamen zum ersten mal in Kontakt mit großen Mengen Alkohol, kannten ihre Grenze nicht.....

  • Es gibt Theorien nach denen der Islam ein etwas kruder Abklatsch des Christentums ist bzw. zu Mohammeds Zeiten die Thora und christliche Schriften bekannt waren und bei der Entstehung des Koran verwurstet wurden.

    Gruß
    Hickhack

  • Wenn irgendwo eine Straftat passiert wo keine Polizei vor Ort ist - dann ist das Schuld der Polizei?
    Wenn Frauen angegrabscht und sexuell belästigt werden ist das nicht Schuld der Polizei, sondern der Täter.

    Die Täter kamen ganz überwiegend vom Maghreb. Und da hat man als unverschleierte Frau einen schweren Stand. Dafür gibt es auch einen Begriff: "Taharrusch dschama'i"
    Und dann ħaben die Frauen natürlich noch den "Fehler" gemacht, nicht die berühmte "Armlänge Abstand" einzuhalten. Was ihnen allerdings auch unmöglich gemacht wurde.
    Im Übrigen gab es in der Silvesternacht in Hamburg ganz ähnliche Vorfälle.

    Und da kann die Genitalverstümmelung in der Kindheit durchaus eine Rolle spielen. Zum einen die schmerzhafte Gewalterfahrung im Genitalbereich und dann die Message: "Du bist jetzt ein Mann, du stehst jetzt über den Frauen" Dazu dann noch die Diktion, dass "unzüchtig" (unverschleiert) gekleidete Frauen Dirnen sind.

    Den Umgang mit Alkohol haben wir alle lernen müssen. Ohne, dass die meisten von uns wildfremde Mädchen oder Frauen angegrabscht hätten.

    Wie und warum die BGM entstanden ist wird man heute kaum noch herausfinden. Sie kann auch an verschiedenen Orten aus unterschiedlichen Gründen entstanden sein.
    Festzuhalten ist, dass es heute zumindest keine rationalen Gründe dafür gibt, und dass es eine krasse Menschenrechtsverletzung ist.

    There is no skin like foreskin

  • Ich bin ebenfalls der Meinung, dass die Leute, die das gemacht haben, Arschlöcher sind. Nur die Generalisierung, dass sie Arschlöcher sind weil sie Ausländer sind, finde ich gefährlich und dumm. (Übrigens ist es statistisch deutlich wahrscheinlicher angezeigt zu werden, wenn man fremdländisch aussieht)

  • Nur die Generalisierung, dass sie Arschlöcher sind weil sie Ausländer sind, finde ich gefährlich und dumm

    Hat hier aber keiner gemacht?

    Ich bin ebenfalls der Meinung, dass die Leute, die das gemacht haben, Arschlöcher sind

    Und ich frage mich immer, wenn sich jemand wie ein "Arschloch" verhält...warum tut er das? Was ist der Hintergrund, was ist sein Beweggrund, seine Motivation? Kein Mensch wird als "Arschloch" geboren...

    Viele Menschen kamen zum ersten mal in Kontakt mit großen Mengen Alkohol, kannten ihre Grenze nicht.....

    Alkohol glaube ich nicht, dass es eine besondere Rolle spielte, denn das Phänomen gibt es auch in den Herkunftsländern...schon mehr das die ihre Grenzen nicht kennen...aber bei den meisten Tätern wurden doch ziemlich sicher auch schon Grenzen verletzt...als Kind? (soll keine Entschuldigung für die Täter sein...)

    Und da kann die Genitalverstümmelung in der Kindheit durchaus eine Rolle spielen. Zum einen die schmerzhafte Gewalterfahrung im Genitalbereich und dann die Message: "Du bist jetzt ein Mann, du stehst jetzt über den Frauen"

    Denk ich auch...sogar noch mehr auf einer anderen Ebene?

    Was da in Köln geschah...ich habe gelesen, das man es auch "antanzen" nannte? Die Täter haben mit ihren Opfern zuerst noch getanzt? Dann umringt, vereinzelt, bedrängt, in den Intimbereich ans Genital, und dann oft noch bestohlen?

    Wenn ich mir da die Zeugnisse von Muslim Man oder Ali Utlu ansehe, wie sie solche rituelle Beschneidungen erlebten? man hat mit ihnen getanzt, gefeiert, vereinzelt, eindringen in den Intimbereich, Schmerzen und dann wurden sie noch bestohlen, ihnen ein Teil des Körpers genommen? Was macht sowas mit Kindern? In einer Gesellschaft, die sie damit im Stich lässt, sie dieses Trauma sicher nie angemessen verarbeiten lässt?

    Sicher ein komplexes Thema wo noch mehr Faktoren reinspielen...aber das Trauma einer Beschneidung spielt das sicher auch eine Rolle...

    Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet ist, weil Dinge geliebt und Menschen benutzt werden. -Dalai Lama

  • Genau...der Berliner Psychologe W. Albrecht schrieb mal auf seiner Website dazu:

    "Bei der Beschneidung bzw. Genitalverstümmelung werden entweder zeitnah nach der Geburt oder zu einem späteren Zeitpunkt Operationen am Genital des Kindes bzw. der/des Jugendlichen ohne der/dessen vollgültiges Einverständnis vorgenommen. Die Gründe dafür werden teilweise religiös ummäntelt, fußen aber in der Regel auf Traditionen aus vorhistorischer Zeit und haben zum Ziel, die sexuelle Erregbarkeit und die Ausbildung von erotischen Phantasien zu hemmen oder ganz zu unterdrücken...."


    So würde ich dies auch sehen. Bei der Beschneidung geht es i.d.R. um kindliche Genitalien und damit um den Sexualtrieb. Der oder diejenigen, welche sich die Beschneidung ausgedacht haben, waren sich mit Sicherheit ihrer eigenen sexuellen Triebe bewusst und hatten wohl auch erfahren, welche Macht und welchen Reiz Sexualität auf uns Menschen ausübt. Entweder wollten sie diese Macht verdammen oder für sich selbst nutzen, in dem sie versuchten andere dieses Erlebnis in seiner vollen Intensität zu rauben, um damit selbst Macht über diese auszuüben. (wg. Macht der Sexualität siehe z.B. auch Sexualmagie, Ordo Templi Orientis, etc.)

    Das Thema sexuelle Enthaltsamkeit bzw. generell die Fixierung vieler Religionen auf das Thema Sexualität zeigt ja eigentlich, wie pervers die Weltreligionen in Wahrheit sind. Die beschneidenden versuchen die Sexualität mit äußerster Brutalität zu "bändigen", die christliche Religion nur in einigen Ausprägungen, aber ob es nun das Zölibat oder das moralisch auferlegte Verbot sexueller Begegnungen außerhalb dem "heiligen Bund" der Ehe sind (z.B. vorehelicher Geschlechtsverkehr), wird Sexualität in allen Religionen streng reglementiert.

    @brokendream
    Deine Überlegung, dass es in Ländern mit hoher Beschneidungsrate mehr Sexualstraftäter geben müsste, würde voraussetzen, dass solche Verbrechen in den jeweiligen Ländern auch entsprechend verfolgt und bestraft werden. Es gibt ja aber sogar Länder, wo junge ledige Frauen gesteinigt werden, weil sie verheiratete Ehemänner zur "Vergewaltigung verführt" haben sollen! Und Israel würde ich auch keinen Freifahrtschein ausstellen. Was passiert denn dort mit den Kindern, die an den Folgen einer Beschneidung versterben. Sie verschwinden aus dem Stammbaum und damit aus dem kollektiven Bewusstsein.

    Dein Beispiel mit dem betrunkenen Wiesenbesucher zeigt doch sehr deutlich, dass wir hier in Sachen Sexualität nicht frei von Fehl und Tadel sind, aber dennoch das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung viel aufgeklärter behandeln. Ein Betrunkener, der einer Frau unter das Dirndl fasst, kann sich auf eine saftige Anzeige gefasst machen. Selbst der erzwungene Beischlaf unter Ehegatten haben wir zwischenzeitlich als Straftatbestand im Gesetz. Wie sieht es aber in patriarchisch geprägten Gesellschaften aus, wo sich Frauen den Männern unterordnen müssen. Und ist es hier auszuschließen, dass es hier zu Übergriffen kommt, die weder bestraft noch öffentlich publik werden.

    @Johannes Micha
    Sicherlich ist die Beschneidung ein pars pro toto Menschenopfer. Und hier stellt sich dann aber auch die ethische Frage, wie beispielsweise die jüdische oder islamische Religion besonders auch in der heute aufgeklärten Zeit damit umgehen will, dass hier bewusst ein religiöses Menschenopfer Bestandteil dieser Religionen geworden ist. Natürlich ist dieses Menschenopfer wohl nur ein theologischer Vorwand einer perversen Sexualmoral. Fakt ist aber, dass dies im alten Testament so zu lesen ist und Mohamed die Gläubigen angeblich aufgefordert haben soll dem Beispiel von Abraham zu folgen.

    Die ethische Frage der Beschneidung führt übrigens aus meiner Sicht unweigerlich in eine Schuldfrage und damit zu dem Dilemma, wie man mit der bis dato begangenen Schuld umgehen wird bzw. wie man diese aufarbeiten möchte. Gerade die jüdische Religion wird in Deutschland aufgrund der Nazi-Verbrechen als Opfer wahrgenommen. Wie schwer wird hier der Paradigmenwechsel sein, wenn man sich nun selbst gegenüber den zwangsbeschnittenen Kindern für schuldig bekennen muss. Wir haben ähnliche Sachverhalte in den christlichen Kirchen hinsichtlich der Hexenverfolgung im Mittelalter oder den Missbrauchsfällen erlebt und noch immer kann man verfolgen, wie schwer und peinlich die Schuldfrage an den Kirchen nagt.

    @Selbstbestimmung
    Deine Überlegung mit der Light-Zigarette würde ich nicht auf die Zwangsbeschneidung übertragen wollen. Ein Raucher, der vorher die volle Dröhnung mit Nikotin, Teer und allem als normal erlebt hat, wird bei der Light-Zigarette etwas vermissen und dies durch einen gesteigerten Konsum auszugleichen versuchen. Die Zwangsbeschneidung wird ja aber an Kindern verübt, welche dann den Unterschied nicht kennen bzw. auch daran gehindert werden, jemals zu erleben, wie es anders gewesen wäre.

    @all
    Wie die Beschneidung entstanden ist, lässt sich ja definitiv nicht mehr beantworten. Theorien bezüglich der Religionen oder Aberglaube, dass am Mann weibliche und bei der Frau männliche Anteile amputiert werden müssten, würde ich tendenziell als Rechtfertigungen oder Vernebelungstaktik hinsichtlich der wahren Hintergründe betrachten. Und somit bleibt am Ende wohl nur Sex und Macht übrig. Wer an eine Religion glauben will, die von (negiertem) Sex und Macht besessen ist, wird somit bei allen drei Weltreligionen fündig. Wer jedoch an einen gütigen Schöpfer und freie Geschöpfe glauben will, wird nicht umhin kommen, sich mit seinem eigenen Glauben kritisch auseinander zu setzen.

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Die Zwangsbeschneidung wird ja aber an Kindern verübt, welche dann den Unterschied nicht kennen

    Sie kennen den Unterschied nicht, also gibt es ihn nicht?
    Sie kennen den Unterschied nicht, also wirkt er sich nicht aus?

    Das wären ja geradezu die Argumente der BGM-Befürworter!

    Niemand hat von sich aus ein Verlangen nach Nikotin. Die Nikotinabhängigkeit stellt sich erst nach wiederholtem Konsum ein.
    Aber fast jeder Mann hat ein Verlangen nach Sex, ob er intakt ist ist oder nicht, ob er sexuelle Erfahrung hat oder nicht. Es ist eine Sache der Hormone, die seit der Pubertät gebildet werden.

    Dieses Verlangen wird durch Sex befriedigt. Wenn der Sex befriedigend ist.

    Hast du mal das Buch "Ent-hüllt" von Clemens Bergner gelesen? Da beschreibt der Autor, wie er unter seiner Sex-Sucht gelitten hat, und führt das auf seine VA zurück. Mir erscheinen solche Effekte nicht unplausibel.
    Ein lesenswertes Buch!

    There is no skin like foreskin

  • Ich sprach vor Kurzem mit einem Arzt. Er mache mich auf die Epigenese der Vorhaut aufmerksam.
    Unsere nächsten Verwandten (Chimpansen) hätten kaum Gefühl in der Vorhaut und bei den meisten Tieren liege der Penis intraabdominal und habe lediglich eine Hülle, aus der er herausgleiten kann. Das Gefühlszentrum liegt dort im Glied selbst.
    Beim Menschen herrscht die Eigenart, dass sich das Lustzentrum verschoben hat, um über die Hälfte, auf das Gewebe der Vorhaut, das Frenulum, usw.. So wurde und das nur beim Mann, die Vorhaut zum Lustorgan, zusätzlich zu ihrer schützenden Funktion.
    Beim Orgasmus des intakten Mannes, trete anschließend eine Sattheit ein, ja sogar eine Zurückweisung des Partners in sexueller Hinsicht, die beim Beschnittenen eher nicht einkehre. Er bleibt "hungrig" und unbefriedigt, was dazu führt, dass er eher dazu neigt, das Experiment schneller zu wiederholen, als der intakte Mann. Eine Jagd nach echter Befriedigung, über den reinen Orgasmus hinaus, trete ein. Das erkläre wohl, warum Beschnittene tendenziell (also nicht alle, ja?) sexuell interessierter seien und hinter der immerwährenden Erneuerung der Erfahrung her seien, um genau diese Zufriedenheit zu erreichen.
    So erzählte mir das dieser Arzt.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Die These, dass durch eine Beschneidung der Hunger nach Sex nicht ausreichend gestillt werden kann und daher irgendwo ein latentes sexuelles Bedürfnis bestünde, klingt im ersten Moment plausibel. Was passiert aber mit einem Menschen, dem Sex aufgrund einer solchen Einschränkung auch nur eingeschränkt Lust bereitet. Ein Muskel der nicht trainiert wird, athrophiert mit der Zeit. Laut Prof. Schnarch soll dieses Prinzip auch auf den Hormonhaushalt übertragbar sein. Seine These lautet: Use it or loos it.

    Dennoch finde ich die These mit der Jagd nach mehr oder intensiverer Befriedigung sehr interessant. Im Umkehrschluss würde dies ja bedeuten, dass die Beschneidung dann tendenziell dafür gedacht gewesen sein könnte, die Fruchtbarkeit zu erhöhen.

    Im Grunde ist aber das Ergebnis, wie man Beschneidung beurteilt, immer das Gleiche. Wenn es Lust reduzieren soll, reden wir von Unterdrückung und wenn es der Fortpflanzung hätte dienlich sein sollen, stellt sich die Frage, ob man wirklich ein Dutzend Kinder haben möchte. In früheren Kulturen mag die Säuglings- und Kindersterblichkeit höher gewesen sein, so dass hier mehr Schwangerschaften die Chance erhöht hatten, dass man am Ende wenigsten das eine oder andere Kind durchgebracht hätte, welches einem dann selbst im Alter versorgt hätte.

    Nachtrag:
    Beim Orgasmus wird u.a. Dopamin ausgeschüttet. Wird aber die Lust zum Frust, kann dies Stress bedeuten und der Körper kann hier Prolaktin ausschütten. Prolaktin wirkt dann in Bezug auf die Lust wieder dämpfend. Hier brächte man dann wohl aber Studien von einem Endokrinologen.

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

    2 Mal editiert, zuletzt von NoCut (6. Februar 2018 um 18:10)

  • Ich möchte der These von Guy zustimmen. Als Beschnittener Mann braucht man einfach diese Kick, Sex wird zur Droge und nicht zur Suche nach Geborgenheit und Liebe, das kann für Menschen fatal werden. Wenn der Blick nur nach außen gerichtet wird und sich jeer zweite Gedanken um Sex dreht, macht das was mit den Menschen. So auch mit mir. Seit dem ich restore spüre ich eine innere Zufriedenheit dich ich vorher nie hatte, der Blick geht bei mir zum ersten mal nach innen, ich sehe was ich habe und nicht was ich brauche um glücklich zu sein.

    Ich denke der Schaden der bei der Beschneidung emotional entsteht ist zu groß für die Menschen um es zu umreißen, deswegen behaupten viele es wäre nichts Schlimmes.
    Ich denke man kann das nur beurteilen wenn man als beschnittener restored. Wenigstens kann ich da mitreden.

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