Der australische Medizinhistoriker Rober Darby hat speziell zu dieser Frage bereits mehrfach geschrieben:
In dem 2003 im "Medical Journal of Australia" veröffentlichen Artikel "Medical history and medical practice: persistent myths about the foreskinsch" schreibt Darby:
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There is no evidence that customary circumcision first arose as a hygiene measure. Many primitive cultures carried out a variety of mutilating procedures on different parts of the body, including the genitals of both boys and girls, but the origins and rationale of these practices are obscure and contested. These societies also practised cannibalism, human sacrifice, infanticide, widow-burial, foot-binding and many other traditions not endorsed today. Many conflicting theories have been advanced to account for the rise of ritual operations on the male and female genitals 2, among which are the following:
(...)
The only point of agreement among proponents of the various theories is that a pragmatic aim like hygiene had nothing to do with it. In the days before aseptic surgery, any cutting of flesh was about the least hygienic thing anybody could do, carrying a high risk of bleeding, infection and death.
**** **** ****Es gibt keine Belege dafür, dass die rituelle Beschneidung ursprünglich als eine Hygienemaßnahme entstand. Viele primitive Kulturen praktizierten eine Reihe von Verstümmelungsverfahren an unterschiedlichen Körperteilen einschließlich der Genitalien sowohl von Jungen als auch von Mädchen, doch die Ursprünge oder Beweggründe für dieser Praktiken liegen im Dunkeln und sind umstritten. Diese Gesellschaften praktizierten auch Kanibalismus, Menschenopfer, Kindstötungen, Wittwen-Beerdigungen, Füße-Abbinden und viele andere Praktiken, die heute nicht mehr toleriert werden. Viele widersprüchliche Theorien wurden hervorgebracht, um die Entstehung ritueller Operationen an männlichen und weiblichen Genitalien zu erklären2, unter diesen seien die folgenden genannt:
(...)
Die einzige Übereinstimmung zwischen den Befürwortern der jeweiligen Theorien besteht darin, dass irgendein praktischer Zweck wie etwa die Hygiene nichts damit zu tun hatte. In der Zeit vor der aseptischen Chirurgie, war das Schneiden ins Fleisch wohl die aller unhygienischste Sache, die man hätte tun können, und brachte ein hohes Risiko für Blutungen, Infektionen und Todesfälle mit sich.
Und in einer überarbeiteten, ergänzten Version dieses Journal-Artikels, die er auf seiner Webseite veröffentlichte, ergänzte Darby noch dieses anschauliche Beispiel des britischen Forschungsreisende Wilfred Thesinger:
Alles anzeigenIn the days before aseptic surgery, any cutting of flesh was about the least hygienic thing anybody could do, carrying a high risk of bleeding, infection and death. Travelling in Iraq in the 1930s the English doctor Wilfred Thesiger reported that Arab boys undergoing circumcision:
sometimes took two months to recover, suffering great pain in the meanwhile. One young man came to me for treatment ten days after his circumcision, and … the stench made me retch. His entire penis, his scrotum and the inside of his thighs were a suppurating mess from which the skin was sloughing away, the pus trickling down his legs (9).
None of the ancient cultures which practised circumcision have traditionally claimed that the ritual was introduced as a hygiene measure: African tribes, Arabs, Jews, Moslems and Australian Aboriginals explain it different ways, but divine command, tribal identification, social role, family obligation, respect for ancestors and promotion of chastity figure prominently (10, 11). It was only in the late nineteenth century, when mass circumcision was being introduced for “health” reasons, that doctors sought legitimacy for the new procedure by claiming continuity with the distant past and attempting to explain the origins of circumcision in terms of their own hygienic agenda (12).
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Deutsche Übersetzung:
In der Zeit vor der aseptischen Chirurgie, war das Schneiden ins Fleisch wohl die aller unhygienischste Sache, die man hätte tun können, und brachte ein hohes Risiko für Blutungen, Infektionen und Todesfälle mit sich. Als er in den 1930gern den Irak bereiste, berichtete der englische Arzt Wildred Thesinger, dass die arabischen Jungen, die der Beschneidung unterzogen wurden…
„…manchmal Monate brauchten um sich von ihrer Operation zu erholen und in der Zwischenzeit unter starken Schmerzen litten; Ein junger Mann kam 10 Tage nach seiner Beschneidung zu mir, um sich behandeln zu lassen, und…. der Gestank drehte mir den Magen um. Sein gesamter Penis, sein Hodensack und die Innenseite seinen Oberschenkel waren ein eiterndes Durcheinander, von dem sich die Haut abschälte, und von dem der Eiter an seinen Beinen herabfloss.“(9)
[b]Keine der Kulturen, die die Beschneidung praktizieren, haben traditionellerweise behauptet, dass dieses Ritual als eine gesundheitliche Maßnahme eingeführt wurde. Afrikanische Stämme, Juden, Muslime, und australische Aboriginies erklären es zwar auf unterschiedliche Weise, aber das göttliche Gebot, die Stammesidentifikation, soziale Rolle, familiäre Verpflichtung, Achtung vor den Vorfahren, und die Förderung der Selbstbeherrschung nehmen eine bedeutende Stellung ein (10, 11). Erst im späten 19. Jahrhundert, als die Massen-Beschneidung aus „gesundheitlichen“ Gründen eingeführt wurde, versuchten Ärzte dem neuen Eingriff dadurch Legitimität zu verleihen, indem sie sich auf die Tradition einer weit entfernten Vergangenheit beriefen und versuchten, den Ursprung der Beschneidung in Übereinstimmung mit ihrer eigenen hygienischen Agenda zu erklären (12).