Richtig, das macht die Sache ja eher noch schlimmer. Ich gehe davon aus, dass dieser Eingriff bei NikSerof etwa um das Jahr 2010 herum erfolgt ist. Das war bereits im Informationszeitalter und es gab zu diesem Zeitpunkt noch viele weitere Studien zu diesem Thema. Diese Ärztin hat den Stand der Wissenschaft offenbar ignoriert. Es kann natürlich sein, dass in diesem Fall wirklich eine Narbenphimose vorgelegen hat, was den Eingriff etwas stärker indiziert hätte. Eine Radikalbeschneidung mit Entfernung des Frenulums, so wie sie der TE beschreibt, hätte man sich aber sicher sparen können.
Ja, aber was ich noch hätte schreiben wollen, aber es dann nicht getan habe: Østers Studie und seine Erkenntnisse gingen an englischsprachigen und erst recht der deutschsprachigen Sekundär-Literatur vollkommen vorbei.
Außerdem hat Øster die Ergebnisse seiner Studie in einer etwas missverständlichen Art und Weise dargestellt. Obwohl man natürlich annehmen müsste, Leute, die ein Medizinstudium absolvierten, wären in der Lage, das zu entziffern. Øster unterschied in verschiedene Grade der Zurückziehbarkeit - "Tight Prepuce" (dt. Enge Vorhaut), "Adhesions" (dt. Verklebungen) sowie den schwersten Grad der kompletten Nicht-Zurückziehbarkeit, die er als "Phimosis" (dt. Phimosis) bezeichnete. Wenn man mal einen Blick auf den Originalartikel wirft, so sieht man, dass diese drei Grade in keiner Tabelle zusammengefasst wurden.
Das, was Øster in seiner Studie als "Phimose" bezeichnete hat nichts mit dem zu tun, was heute in der Fachliteratur als Phimose bezeichnet wird -weder eine pathologische Phimose noch eine physiologische Phimose.
Dies führte zu Fehldarstellungen in der Sekundärliteratur, dass lediglich 8% der 6-Jährigen und 3% der 12-Jährigen eine - irgendwie behandlungsbedürftige - "Phimose" aufweisen würden und entsprechend 92% der 6-Jährigen und 97% der 12-Jährigen eine vollständig zurückziehbare Vorhaut hätten. Dabei hatten laut Øster tatsächlich noch ganze 77% der 6-Jährigen und immerhin noch 40% der 12-Jährigen eine komplett oder teilweise nicht-zurückziehbare Vorhaut.
Auch beschrieb Øster alle drei Grade der Nicht-Zurückziehbarkeit als physiologisch und nicht-behandlungswürdig.
Innerhalb der indigenen Bevölkerung scheint der Eingriff zumindest hier in der Gegend ultraselten zu sein.
Aus welcher Gegend kommst Du denn, wenn die Frage erlaubt ist. Du kannst mir diese Frage auch gerne per PM beantworten.