Patientenakte angefordert, ist es eine Klage wert?

  • Hallo,

    ich bin nun seit ein paar Monaten am restoring und deswegen lässt mich auch meine Vorgeschichte nicht los. Das ich nämlich mit 2 Jahren medizinisch (fälschlich indiziert) beschnitten wurde vermutlich. (Heutiges Alter: 19 Jahre)

    Ich habe nun auch beim Krankenhaus in dem ich damals operiert wurde angefragt und tatsächlich ist die Akte noch da. Deswegen habe ich sie gleich angefordert, samt aller Unterlagen. Allein wegen dem emotionalen Wert war mir das schon wichtig.

    Ich weiß das ich mir nicht Zuviel Hoffnungen machen sollte, aber da hier relativ selten über Klagen berichtet wird, wie sieht es aus? Kann jemand (evtl. Jemand anderes) über seine Erfahrungen bzw. Tipps berichten?

    Vor allem bei den rechtlichen Aspekten höre ich oft verschiedene Meinungen.

  • Vor 17 Jahren - das war lange vor der Änderung der S2k-Leitlinien Phimose.

    Das ist das Problem. Wenn man dem Arzt nicht nachweisen kann, dass er entgegen den Leitlinien gehandelt hat.

    Es gibt einen Präzedenzfall, den Fall Florian. Schau dir die (hervorragende) arte-Doku von Insa Onken an:

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    Es gibt kein Gewohnheitsrecht die eigene Ehefrau zu schlagen (gab es mal)

    Es gibt kein Gewohnheitsrecht die eigenen Kinder zu züchtigen (gab es mal)

    Es gibt kein Gewohnheitsrecht andere Menschen vollzuqualmen (gab es mal)

    Es gibt kein Gewohnheitsrecht auf geschlechtliche Diskriminierung (gibt es leider in einer Form immer noch, §1631d BGB)

    Es gibt kein Gewohnheitsrecht auf Körperverletzung (gibt es leider in einer Form immer noch, §1631d BGB)

  • Witzigerweise habe ich soeben festgestellt das genau an dem Tag meiner Anfrage ein Cyber Angriff auf das Krankenhaus stattfand.

    Das Krankenhaus in dem ich damals beschnitten wurde und letzte Woche die Patientenakte verlangt habe.

  • So,

    ich musste jetzt nochmal bei dem Nachfolger des Urologen von damals anfragen, weil er Belegarzt war und das Krankenhaus deswegen nichts hatte.

    Ergebnis: OP Bericht und Entlassungsbericht fehlen, der Rest der Akte ist verfügbar.

    Was bedeutet das? Irgendwie ist das suspekt….

  • Florian aus dem Dokumentarfilm „Jungenbeschneidung - Mehr als nur ein kleiner Schnitt“ versuchte das tatsächlich, doch die Klage flog kurzerhand aus dem Fenster.

    Im aktuellen Zeitalter wird, wie bekannt sein müsste, Vorhautbeschneidung vom „Rechtssystem“ leider nicht ernstgenommen.

    Die Guten gewinnen in Märchen und DreamWorks-Filmen. In der Realität gewinnen sie nicht.

  • Florian aus dem Dokumentarfilm „Jungenbeschneidung - Mehr als nur ein kleiner Schnitt“ versuchte das tatsächlich, doch die Klage flog kurzerhand aus dem Fenster.

    Im aktuellen Zeitalter wird, wie bekannt sein müsste, Vorhautbeschneidung vom „Rechtssystem“ leider nicht ernstgenommen.

    Ja, die Katze ist jetzt aus dem Sack:


    Alle Akten wurden bereits vernichtet. Sowohl beim Urologen als auch beim Krankenhaus.

    Eine Klage ist wahrscheinlich unmöglich.

    Und ich habe mit meiner Mutter gesprochen.

    Meine Mutter war natürlich trotz normaler Fragen direkt beleidigt und hat sich angegriffen gefühlt.

    Folgendes:
    der Urologe soll damals als Grund paraphimose genannt haben, was ich allerdings aus der Beschreibung meiner Mutter hörte war lediglich eine ballonierung.

    Der Kinderarzt soll die Beschneidung auch dringend empfohlen haben.

    Der Urologe hat meinen Eltern gesagt, ich solle mich melden, sofern ich jemals Beschwerden hätte oder sowas in der Zukunft.
    Na dann! Gleich mal einen Termin ausgemacht. Ich kann ja nichts mehr verlieren.

    Meine Mutter hat natürlich den Arzt vertraut. Es wurde keine konservative Methode erwogen.

    Mein Vater soll außerdem erst mit 22 beschnitten worden sein nachdem er eine echte paraphimose hatte die aber auch nicht konservativ behandelt werden sollte vom Urologen, obwohl er die Vorhaut behalten wollte.

    Mein Vater wurde auch nur nicht früher beschnitten weil meine Oma den Ärzten nicht geglaubt hatte. Sie war vehement dagegen.

    Ja, jetzt hat er (Achtung, Verharmlosung!) „Probleme“ weil seine Beschneidung verpfuscht war. Außerdem hat ein Urologe bei einem anderen Eingriff seine Arterie an der Leiste verletzt und er wäre fast verblutet. Deswegen hat er zusätzlich wahrscheinlich noch mehr Probleme als sowieso schon.

    Also, das ich meine Oma nochmal zu sowas fragen muss hätte ich auch nicht gedacht, aber vielleicht ist sie neutraler.

  • Die Aufbewahrungsfristen für medizinische Dokumente findest du hier: Aufbewahrungsfristen

    Vermutlich wird es nichts mehr geben. Wenn der Arzt Belegarzt war, dann ist er für die Aufbewahrung und Dokumentation verantwortlich. Das Krankenhaus stellt nur die Infrastruktur. OP, Bettenstation ggf., Anästhesie usw. Für die Diagnose und OP ist der Belegarzt verantwortlich.


  • Und ich habe mit meiner Mutter gesprochen.

    Meine Mutter war natürlich trotz normaler Fragen direkt beleidigt und hat sich angegriffen gefühlt.

    Das ist leider so. Gerade in Amerika erfahren das viele Eltern. Allerdings ist es wichtig, dass das Thema angesprochen wird. Ansonsten wird es nie zum Thema bei anderen. Es wird ja immer als Bagatelle abgetan und das glauben auch die meisten Eltern. Ohne Widerspruch keinen Widerstand.

    Ich gehe davon aus, dass deine Mutter das nicht aus böser Absicht oder traditioneller Willkür getan hat. Trotzdem ist es wichtig, das zu thematisieren. Ansonsten bleibt es immer ein Elefant im Raum.

    Vielleicht trägt sie das irgendwo anders weiter und verhindert damit bei einem anderen Jungen diesen lebenslangen Schaden.

  • „Der Urologe hat meinen Eltern gesagt, ich solle mich melden, sofern ich jemals Beschwerden hätte oder sowas in der Zukunft.
    Na dann! Gleich mal einen Termin ausgemacht. Ich kann ja nichts mehr verlieren.“

    Jetzt wäre ich mal sehr gespannt, was der Urologe hier für Lösungen anbietet, wenn du ihm deine Beschwerden schilderst. Ich würde mich freuen, wenn du hier darüber berichtest.

  • Post by BijiGw (July 31, 2026 at 3:03 PM).

    This post was deleted by Selbstbestimmung: Meidet das Glücksspiel. Es kann leicht süchtig machen und zum Verlust von Haus und Hof, Familie und Freunden führen. Und ins Gefängnis. (July 31, 2026 at 10:19 PM).

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