Posts by Hoodie

    Wenn der Arzt die Eltern unter Druck setzt, dann kommt er damit durch. "Sie wollen doch das Beste für ihr Kind."

    Ich weiß nicht, ob schon mal jemand eine Statistik gemacht hat, wie viele Jungs bzw. Leben auf Kosten der Allgemeinheit verstümmelt wurden. Ich vermute, das will auch niemand aus politischer Panik. Zumal es auch schwer zu beweisen ist.

    Das beste wäre, wie Hickhack ganz richtig schreibt dem Kinderarzt die aktuelle s2k-Leitlinie Phimose und Paraphimose bei Kindern und Jugendlichen unter die Nase zu halten Kannst du ja ausdrucken. Dann sollte sich das Thema Zirkumzision eigentlich erledigt haben. Ein Arzt, der sich nicht an die Leitlinie hält kann eventuell später verklagt werden.

    Ganz so einfach ist es leider nicht. Wenn die Eltern der Verstümmelung zustimmen, warum auch immer, dann ist der Arzt fein raus und kann sich seinen Geldbeutel füllen. Die Mitglieder der Parteien haben in diesem Land die willkürliche Genitalverstümmelung und die damit verbundene Aufhebung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit ermöglicht.

    Irgendwie muss man die Genitalverstümmelung rechtfertigen. Da bietet sich doch eine Krankheit an.

    Als ich in der Klinik in der Ausbildung war, habe ich mir zwar böse Blicke eingehandelt, weil ich mich geweigert habe, bei Beschneidungen von Säuglingen sogar nur anwesend zu sein. Keiner hat jedoch etwas gesagt. Ich konnte ja meine persönliche Geschichte nicht erzählen. Damals war das Recht auf körperliche Unversehrtheit durch die Mitglieder der Parteien noch nicht außer Kraft gesetzt.

    Ich hatte dann immer den Vorschlag gemacht, doch den Bauchnabel zu entfernen. Der hat tatsächlich keine relevante Funktion mehr. Als dann die Argumentation auf Hygiene und Krankheiten kam, hatte ich vorgeschlagen, Säuglingen am besten gleich das Herz zu entfernen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache. Da hätte man dann erfolgreich vorgebeugt.

    /Sarkasmus Ende

    Nein. Erst mal stirbt man nicht ohne Vorhaut.

    Aber wenn du Pech hast, kann es sich so anfühlen.

    Wenn du keinen Sex (mehr) erleben kannst, dann wird das Leben ziemlich leer. Wenn du Begehren und Verlangen hast, du angeregt wirst, aber nichts mehr ausleben kannst, dann macht das krank. Seelisch und auch körperlich. Du würdest gerne jemanden ansprechen, berühren, in den Arm nehmen, lässt es aber bleiben, weil du kaputt gemacht worden bist.

    Und es ist nicht nur der Sex und die Körperlichkeit, die dir fehlen. Wenn du körperlich nicht funktionierst, dann wird es nichts mit einer Partnerschaft. So viele Freunde der platonischen Liebe gibt es nicht. Und dann wird es im Alter immer einsamer und deine Seele, dein Inneres geht kaputt.

    Und ja, evtl. nimmst du dann irgendwann die Abkürzung zum Ende. Nein, erst mal stirbt man nicht.

    Woher ich das weiß. Aus eigener Erfahrung.

    Bei einem Termin beim Urologen nebenbei angesprochen meinte dieser nur, dass es nicht mit der Beschneidung zu tun haben kann, vielleicht mit Testosteron oder Psyche...

    Das sehe ich inzwischen als das eigentliche Problem an. Psychisch überlagert, fertig. Mit Hinterfragen bringt man das Geschäftsmodell der Ärzte ins Wanken und stellt die Frage nach der Haftung. Es werden doch genug gesunde Kinder ins Wartezimmer gesetzt, denen das lukrativ angetan wird. Ich glaube, die Ärzte sind sich der Folgen durchaus bewußt. Aber wer kann das Beweisen und wer wird sich nach Jahren beschweren. Besonders wenn er aus religiösem Fanatismus verstümmelt wurde.

    Ich wurde auch als Kind aus medizinischen Gründen verstümmelt. Nicht mal vom Frenulum haben die etwas übriggelassen.

    Ganz ehrlich. Seitdem spüre ich in dem Ding nur noch, dass es da ist. Sexuelle Sensibilität oder irgendwas Vergleichbares ist komplett weg. Bevor ich verstümmelt wurde, war das definitiv da. Damals war ich knapp zehn Jahre alt. Ich hatte damals keine Ahnung, was sich da so "geil" angefühlt hat, aber seit der Verstümmelung habe ich das nie wieder gespürt.

    Die ganze Welt außenrum redet immer nur von einem Stückchen Haut und dass das alles nicht so schlimm ist und dass ganz viele das haben. Ich hab lange gebraucht, das zu realisieren, weil die Erektion ja damals noch funktioniert hat. Aber ohne Rückmeldung schläft die auch ein.

    Mittlerweile bin ich fast 60. Außer ein paar hochpeinlichen Erlebnissen in der frühen Jugend habe ich nichts erlebt.

    Ich hoffe und wünsche dir, dass du zumindest etwas von der Sensibilität behältst. Das Leben ist sonst ganz schön besch***en. Ich hab keine Ahnung, wie ich das bisher überhaupt durchgehalten habe. Aufstehen macht schon lange keinen Spaß mehr.

    Hallo zusammen,

    ich bin seit längerem stiller Mitleser und fange jetzt an, mich doch mal einzubringen.

    Was mich erst einmal interessiert:

    Wie ist eure Erfahrung mit dem Thema, wenn ihr eure Probleme bei einem Arzt/Urologen o. Ä. ansprecht? Werdet ihr überhaupt ernst genommen? Habt ihr überhaupt Hilfe bekommen?

    Ich bin über die Jahre zutiefst enttäuscht. Gerade erst heute wieder. Freundliches Schulterzucken. Hach ja, ist halt schwierig. Schnell das Thema gewechselt: Kommen Sie wieder, wenn sich etwas ändert. Möglicherweise liegt es auch daran, dass ich Kassenpatient bin.

    Eines habe ich über die vielen Jahre gelernt: Sag niemals, dass du mit deiner Beschneidung optisch nicht glücklich bist. Dann werden alle anderen somatischen Probleme einfach auf die Psychoschiene abgedrückt. Psychisch überlagert, Thema erledigt.

    Mich würde wirklich mal interessieren, was ihr da für Erfahrungen habt oder wie und ob ihr es geschafft habt, bei dem Thema Hilfe zu bekommen.

    LG
    Hoodie