Beschneidung bei Einjährigem – notwendig? alternativen?

  • Wie seppel schon schrieb, ist es dringend angeraten, auf der Einverständniserklärung unbedingt zu vermerken, dass eine Beschneidung keinesfalls gewünscht wird, sonst kann es passieren, dass der Arzt während der OP entscheidet, das eine Beschneidung doch medizinisch angezeigt ist.

    Die männliche Vorhaut ist kein Hautlappen, sondern ein hoch spezialisiertes und sensibles Organ.

    Wer seinen natürlichen und vollkommen gesunden Körper als unhygienisch und unästhetisch empfindet, hat die Ursache für seine Probleme nicht bei seinem Schwanz zu suchen, sondern in einer grundsätzlich falschen Einstellung gegenüber seinem Körper und seiner Sexualität.

  • Ich habe die Einverständniserklärung schon vorliegen, und da steht bei eventuell weiteren notwendigen operativen Eingriffen nichts von Beschneidung. Es schadet aber nicht, es trotzdem zu vermerken. Danke für den Hinweis, @John1984, @seppel und @Bela2012!

    Danke für den Hinweis. Der Link funktioniert jedoch leider nicht. Hast du einen aktuelleren? Auch auf Google hab ich nichts gefunden...


    Daten aus Schweden, wo Neugeborenenbeschneidung fast nicht vorkommt, besagen, dass das UTI-Risiko bei Jungen nach dem ersten Lebensjahr zwischen 0,08 und 0,2 % liegt.

    Unser Kleiner hat wiederkehrende HWIs (= UTI), daher liegt der Fall ganz anders. Sein Risiko steht also bei 100%. Siehe oben...

    Ich bin grad dabei medizinischen Rat bei kritischen Ärzten einzuholen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was dabei rauskommt. Ich halt euch auf dem Laufenden!

  • "Those who cannot remember the past are condemned to repeat it"

    "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."


    George Santayana (1863-1952)

  • Kurzes Update: Also eine Beschneidung ist schon eine Möglichkeit, Harnwegsinfekte zu verhindern, aber das bringt ohne medizinische Indikation natürlich nix, weil sie ansonsten sehr selten sind. Bei unserem Fall ist es aber de facto schon so, dass es eine Indikation gibt und die HWIs die Niere schädigen können. Nun ist es aber so, dass sie nur dann geschädigt werden, wenn sie unbehandelt bleiben. Das ist mal das eine.

    Die andere Seite ist: Die HWIs werden in unserem Fall durch eine (natürliche) Phimose wahrscheinlicher, weil sich dort Bakterien sammeln können. Das Problem wäre anders ohne Phimose, da man die Vorhaut da besser reinigen könnte. Eine mögliche Lösung ohne Beschneidung ist laut Arzt, die Phimose zu lösen. Das geht recht einfach mit Kortison- und Östrogen-Salbe, ganz ohne systemische Nebenwirkungen (auch wenn diese Praxis erst im Alter von ab 4-5 Jahren üblich ist). Damit sollte sich die Vorhaut von der Glans lösen und man kann die Vorhaut regelmäßig reinigen.

    Außerdem: Der Arzt meint, es wäre gar kein Problem, die Reflux-OP ohne Beschneidung zu machen und dann zu beobachten, ob die HWIs weg sind. Es ist eben wie gesagt nicht so, dass jeder neuerliche HWI sofort die Niere strukturell gefährdet. Ob eine Beschneidung oder sonst was theoretisch notwendig ist, könnte man dann immer noch entscheiden.

    Die Nierenbeckenerweiterung kann (und wird höchstwahrscheinlich) sich bei Behebung des Reflux komplett zurückbilden, die Niere also wieder komplett normal (was bei Erwachsenen nicht möglich wäre).

    Insgesamt doch recht erfreuliche Nachrichten :)

  • Eine Salbenbehandlung ist natürlich eine (gering invasive) Möglichkeit. Normalerweise in dem Alter (und m. E. auch mit 4-5 Jahren ohne besonderen Grund) unangemessen, aber in diesem Fall sicher sinnvoll. Ganz im Gegensatz zu einer Beschneidung, die lebenslange, oft gravierende, Folgen hätte. Dagegen wären ein paar HWI's möglicherweise ein Klacks. Abgesehen davon, dass es ja gar nicht unbedingt durch das Vorhandensein der natürlichen Vorhaut zu HWI's kommen muss.

  • Eine mögliche Lösung ohne Beschneidung ist laut Arzt, die Phimose zu lösen. Das geht recht einfach mit Kortison- und Östrogen-Salbe, ganz ohne systemische Nebenwirkungen (auch wenn diese Praxis erst im Alter von ab 4-5 Jahren üblich ist). Damit sollte sich die Vorhaut von der Glans lösen und man kann die Vorhaut regelmäßig reinigen.


    Wow! Da will ein Arzt rund 50% der Penishaut amputieren, zig tausend Nervenzellen ins Jenseits befördern, nur weil im der Versuch mit einer Salbe vermutlich mehr Zeit kostet und damit weniger Honorar einbringt als eine Beschneidung.

    Dir ist bekannt, dass nach einer Beschneidung die Glans eine Art Hornhaut bildet, weil sie ja eigentlich als innere Haut ausgebildet ist. In der Folge daraus, verliert Dein Sohn Sensibilität, was seine Sexualität für immer beeinträchtigen wird.

    Natürlich hört sich die Geschichte mit den Nieren auch nicht so toll an. Sofern jedoch ein Arzt selbst die Option einer Salbenbehandlung nicht deshalb kategorisch ausschließt, weil vielleicht ein akuter Verlust beider Nieren im Raum steht, wüsste ich persönlich, wie ich mich für mein Kind entscheiden würde. Dennoch ist mir auch bewusst, dass es für Euch keine leichte Entscheidung sein wird, weil ihr irgendwo zwischen einem Restrisiko hinsichtlich der Nieren und eine teilweisen Verlust im sexuellen Empfinden Eures Sohnes eine Entscheidung treffen müsst.

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Die Salbentherapie ist erfolgversprechend und schadet nicht, mal abgesehen davon, dass Erwachsene am Genital des Jungen hantieren. In dem Alter halte ich das allerdings für relativ harmlos.
    Wenn die Salbentherapie nicht anschlägt UND die HWI mit Gefahr für die Nieren tatsächlich durch die enge Vorhaut begünstigt werden, gibt es immer noch die Möglichkeit, chirurgisch an die Sache heran zu gehen, beispielsweise durch eine Vorhautplastik, also eine Erweiterung. Eine Amputation scheint da noch immer nicht angezeigt.

    Aber so, wie ich moltobene verstehe, ist das im Grunde eh so geplant. Keine Beschneidung, sondern Salbentherapie und die Reflux OP ebenfalls ohne die Vorhaut zu entfernen.

    Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
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    https://tredition.de/autoren/clemen…aperback-44889/

  • Aber so, wie ich moltobene verstehe, ist das im Grunde eh so geplant. Keine Beschneidung, sondern Salbentherapie und die Reflux OP ebenfalls ohne die Vorhaut zu entfernen.


    Ich sehe dies genauso und halte dies auch für die vernünftigste Lösung. Dennoch ist dieser Fall völlig anders als die vielen üblichen Zwangsbeschneidungsfälle. Es ist nicht auszuschließen, dass der Verzicht auf eine Beschneidung hier ein Restrisiko bezüglich der Nieren mit sich bringt. Wir sind keine Mediziner und selbst die werden keine sichere Prognose abgeben können, ob eine Salbentherapie zum Ziel führt. Die Eltern stehen also vor der grausamen Wahl, dem Jungen für immer seine Sexualität ein Stück weit zu vergällen oder das Restrisiko in Kauf zu nehmen, dass die Nieren einen irreparablen Schaden nehmen.

    Wie schon geschrieben, wüsste ich, wie ich mich entscheiden würde. Selbst wenn es mit den Nieren Probleme geben würde, sind diese mal krass gesagt "ersetzbar". Eine Vorhaut oder die abgestorbenen Nervenzellen kann man aber in keinem Fall transplantieren.

    Mir geht es darum, dass sich die Eltern bewusst entscheiden. Tun sie dies nicht, werden sie sich später Vorwürfe machen, dass sie den Verlust der Nieren für ein "kleines Stück Haut" in Kauf genommen haben. Dass dies Unsinn ist, wissen wir, aber ohne eine bewusste Entscheidung besteht die Gefahr, dass die Eltern sich hier von entsprechenden Ärzten auch noch Schuldgefühle einreden lassen, obwohl sie dann aus meiner Sicht die einzig richtige Entscheidung getroffen haben.

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Außerdem: Der Arzt meint, es wäre gar kein Problem, die Reflux-OP ohne Beschneidung zu machen und dann zu beobachten, ob die HWIs weg sind. Es ist eben wie gesagt nicht so, dass jeder neuerliche HWI sofort die Niere strukturell gefährdet. Ob eine Beschneidung oder sonst was theoretisch notwendig ist, könnte man dann immer noch entscheiden.

    Das ist die Vernünftigste Lösung, abwarten. Eine Beschneidung kann man jederzeit durchführen
    Ist der Reflux entfernt, erholt sich auch die Nieren. Habe im Bekanntenkreis auch Männer die auch einen Reflux als Kind hatten. Hatte sich alles zurückgebildet und die Vorhaut ist bei jedem noch vorhanden. Wichtig ist, dass der Reflux beseitigt wird, damit sich kein Urin mehr in die Niere zurück staut, denn das schädigt die Nieren massiv. Dass ein Harnwegsinfekt zu einem Verlust einer Niere führt, da habt ihr statistisch gesehen wohl eher einen 6er im Lotto. Wenn ein HWI eintritt und dieser entsprechend behandelt wird, passiert da nichts.

  • Dass ein Harnwegsinfekt zu einem Verlust einer Niere führt, da habt ihr statistisch gesehen wohl eher einen 6er im Lotto. Wenn ein HWI eintritt und dieser entsprechend behandelt wird, passiert da nichts.


    Im Umkehrschluss würde dies dann aber auch bedeuten, dass die Ärzte, welche ausdrücklich zur Beschneidung geraten haben, fast schon einen Kunstfehler oder laienhaft beinahe eine grob fahrlässige Körperverletzung begehen wollten. Sicher bin ich auch gegenüber Ärzten kritisch, aber laufen tatsächlich solche Vollpfosten mit Approbation rum und wenn ja, warum sorgen die anderen nicht dafür, dass diesen Kurpfuscher dann das Handwerk gelegt wird. Deren Fehler schädigen doch dann den Ruf des gesamten Berufsstands.

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Im Umkehrschluss würde dies dann aber auch bedeuten, dass die Ärzte, welche ausdrücklich zur Beschneidung geraten haben, fast schon einen Kunstfehler oder laienhaft beinahe eine grob fahrlässige Körperverletzung begehen wollten.

    Nein, das heißt das nicht. Es gibt Leitlinien, nach denen die Ärzte arbeiten. Eine Leitlinie ist aber eben nur eine Leitlinie, also eine Richtschnur nachdem man handeln sollte. Diese ist nicht in Stein gemeißelt. Die Ärzte können, sollen und müssen auf jeden einzelnen Fall individuell eingehen ( das ist letztlich auch die Vorgabe der Rechtsprechung ). Ein Befürworter der Beschneidung, wird daher auch immer mit befürworten, dass beschnitten wird. Jeder Arzt hat da einen gewissen Spielraum. Von einem Kunstfehler kann da keine Rede von sein. Ein Kunstfehler liegt vor wenn eine medizinische Behandlung nicht nach den zum Zeitpunkt der Behandlung bestehenden, allgemein anerkannten fachlichen Standards erfolgt, soweit nicht etwas anderes vereinbart ist. Da die meisten Ärzte geschickt sind und sich im Vorfeld die Zustimmung oder sich einen Handlungsspielraum einräumen lassen, ist es oftmals sehr schwer einen Kunstfehler nachzuweisen.

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