Kinderrechtsdiskussion mit erschreckenden Mängeln - Welche Forderungen sind realistisch?

  • Formale Fehler müssten schon gravierend sein, um eine Rolle zu spielen. Selbst bei den Lissabon-Klagen gab es ein paar Patzer, die dann unerheblich waren.

    Was vielleicht daran gelegen haben könnte, dass der über die Annahme entscheidenden Kammer daran gelegen war, dass das BVerfG über diese Angelegenheit entscheidet. Wenn sie eine Fragestellung nicht mögen, mag ein Formalfehler in der internen Diskussion vielleicht gern genommen werden, um sich vor sich selbst zu rechtfertigen und wenn man das nach außen nicht mal offen legen muss, um so besser. Hier kann das BVerfG Politik betreiben.

  • R2D2, in dem Punkt (und wir sind uns ja auch noch in ein paar anderen Punkten einig) gebe ich dir Recht - das wird irgendwie ermüdend.

    Weil eine Frau Virginia-Beatrice Hennes meint, dass sich Stimmen meldeten, dass "der Eingriff des Gesetzgebers in das elterliche Züchtigungsrech" verfassungswidrig sei gibt es jetzt ein elterliches Züchtigungsrecht?

    März 2015:

    Zitat

    Einen Klaps auf den Hintern oder auf die Wange: In Frankreich dürfen Kinder von ihren Eltern noch immer körperlich bestraft werden, so steht es im Gesetz.

    Ja, in Frankreich, aber gottlob nicht mehr hier!

    Zitat

    Das Komitee für soziale Rechte des Europarats entschied an diesem Mittwoch über eine Beschwerde der britischen Kinderschutzorganisation Approach. Dass Frankreich - anders als etwa Deutschland - Prügelstrafen für Kinder nicht völlig verboten hat, wertet das Gremium als Verstoß gegen die Europäische Sozialcharta.

    Zitat

    Artikel 17 der Europäischen Sozialcharta verpflichtet die Unterzeichnerstaaten hingegen, "jede Form" von Gewalt gegen Kinder mit "klaren, verbindlichen und präzisen" Regelungen zu unterbinden.

    Zitat

    Der Europarat in Straßburg rügte nun das Land und erhöht so den Druck auf die Regierung in Paris.

    http://www.spiegel.de/schulspiegel/f…-a-1021682.html

    PS: Danke, Europarat!

    There is no skin like foreskin

  • R2D2: "Hunderttausende von muslimischen und jüdischen Eltern im Gefängnis nicht stimmt."
    und
    R2D2: "Dieses Verbot ist das klare Signal, dass widerrechtlich gehandelt wird und zeigt, dass der Gesetzgeber diesen Schaden als relevant und verbotswürdig erachtet. Ich glaube auch, dass dies auch für Juden und Muslime ein verständliches Signal ist, dass viele befolgen werden, weil sie gerne hier leben und sich an Recht und Gesetz halten wollen." (https://www.beschneidungsforum.de/index.php?page…42707#post42707)

    Na was denn nun, befolgen nun viele "Juden und Muslime" ein Verbot oder sind "Hunderttausende von muslimischen und jüdischen Eltern im Gefängnis"?

    Weguer: "Diese Diskussion hier wirkt auf mich bizarr, ich kann es nicht anders sagen."

    Wie bizarr (so nehme ich an) die Situation dann erst für Dich werden wird, wenn unter Einhaltung des Gleichheitsgrundsatzes mit Bestreben nach einer Straffreiheit für die männliche Genitalverstümmelung, darum geschachert wird, was alles so straffrei vom Mädchengenital heruntergeschnitten werden kann. Denn unter Berücksichtigung des massiven Gewebeverlustes bei der männlichen Genitalverstümmelung wurde ja auch hier richtig erkannt, dass die männliche Genitalverstümmelung einen höheren Schaden als bestimmte Formen der weiblichen Genitalverstümmelung erzeugt. Und ich bin mir sicher, diese Diskussion wird kommen, hier hatten wir ja schon Anfänge davon.

    Weguer: "Hier aber zu diskutieren, welches Strafmaß Eltern erwarten sollten, wenn sie einem Gesetz, das es noch gar nicht gibt, zuwiderhandeln, ist - man verzeihe mir den Ausdruck - lächerlich."

    Hier wird gerade damit begonnen die Wiedereinführung des Züchtigungsrechtes zu bewerben, die Relativierung der Genitalverstümmelung am Klaps auf den Po wird hier beklatscht, die Unbestrafbarkeit von Tätergruppen wird hier befürwortet. Das ist natürlich alles andere als lächerlich. Das ist erschütternd.

    Die Strafbarkeit der Beschneidung ist das eigentliche Problem von Anfang an. Der Schaden der Beschneidung wird aus einem einzigen(!) Grund nicht anerkannt. Nicht etwa, weil die Abgeordneten ein Erkenntnisproblem über den Schaden haben, sondern weil die Tätergruppen nicht bestraft werden sollen. Die Anerkennung des Schadens der Beschneidung ist identisch(!) mit der Anerkennung der Bestrafungsnotwendigkeit der Täter. Die Beschneidung über Straffreiheit oder Bagatellstrafen fortführen können zu helfen ist unvereinbar mit der Anerkennung des Schadens.

    Tätergruppen vom Strafrecht zu befreien, ist der Brandanschlag auf den Rechtsstaat. Er ist das Äquivalent zum Brandanschlag auf das Asylbewerberheim. Beide sind die zwei Seiten derselben Medaille. Hier das Etablieren einer über dem Gesetz stehenden Klasse von Menschen, dort die Verweigerung von Menschenrechten. Die Medaille heißt Rassismus.

    Die hier aufgeworfenen Fragen zur strafrechtlichen Verfolgung und zum Strafmaß werden irgendwann gelöst werden müssen. Wer das in § 226a StGB festgelegte und auf die Genitalverstümmelung von männlichen Kindern zu übertragende Strafmaß nicht wieder beseitigen will, muss sich Gedanken über die Vollzugsbedingungen machen. Zuvörderst, wie diese besonders kindeswohlverträglich gestaltet werden können, und wie die möglicherweise anfänglich erhöhten Anforderungen umzusetzen sind. Später dann, wie die Auswertung der Flut an internationalen Dankschreiben logistisch zu bewältigen ist, von all denen die intakt geblieben sind und denjenigen denen die konsequente Umsetzung von Demokratie, Menschenwürde und Gleichberechtigung zum Maßstab geworden ist. Das wird sicher die größte Herausforderung.

    Irgendwann muss jeder eine Entscheidung treffen. Soviel ist sicher.

  • Zitat von Steffen Wasmund

    Die Strafbarkeit der Beschneidung ist das eigentliche Problem von Anfang an.

    Nein, richtig muss es heißen: Die Nicht-Strafverfolgung der "Beschneidung" ist das eigentliche Problem von Anfang an. Schon lange vor 2012.

    Weil es ein völlig falsches Signal gibt, wenn Verbrechen gegen Kinder nicht verfolgt werden.

    Dann kam 2012. Da haben selbst die Negierer der des Rechtes auf körperliche Unversehrtheit gesagt: "ja eine Körperverletzung ist das schon, aber eben keine strafbare Körperverletzung!". Darüber wurde 2012 gestritten, ob MGM eine strafbare Körperverletzung ist oder nicht.
    Was soll also jetzt ein Vorschlag, dass MGM keine strafbare Körperverletzung sei?


    Vielen Dank Joeye, für den Hinweis auf den Text von Tonio Walter. Über den sollte man ruhig ein paar Worte verlieren.
    Da steht sehr viel gutes, sehr viel richtiges und interessantes drin. Um so erstaunlicher für mich, dass er dann zu den dort genannten Schlüssen kommt. Für mich ist das eine Kehrtwendung um 180 Grad.

    Denn es geht ihm ja am Ende nur noch um Gesetzes-Kosmetik. Das Gesetz soll formal nicht so aussehen, wie es in der Praxis wirkt.Der Vorschlag von R2D2 ist ja unrealistisch genug. Aber wenn es noch eine Steigerung von unrealistisch gibt, dann ist es der Vorschlag von Walter. Dazu auch noch richtig schön bürokratisch.

    1. Er schafft die eine grundgesetzwidrige Diskriminierung ab, allerdings genau auf die falsche Tour!
    Er stellt auch noch eine Form der FGM straffrei, heidewitzka! :thumbdown:
    Denn er schreibt nicht mehr "männliches Kind" sondern "Kind".
    Damit macht er ein neues Fass auf, das niemals zu öffnen ist. Alice Schwarzer, ick hör' dir trapsen! (den Spagat schafft die locker) :D

    2. Er führt eine neue grundgesetzwidrige Diskriminierung ein, die strafrechtliche Privilegierung von "bestimmten unbestimmten", bzw. noch zu bestimmenden (per Gutachter! :rolleyes: ) Religionsgemeinschaften. Das ist schon wieder ein ganz neues Fass.
    Alle Muslime, Juden (nur die gläubigen, oder auch die unreligiösen?) (und wer gehört noch zum privilegierten Kreis? Auch Aleviten, Yesiden, Philippinos, koptische Christen...) sollen sich doch bitteschön mal irgendwo "religiös registrieren" lassen, damit alles seine gute deutsche Ordnung hat.
    Gerade aber eine solche "Erfassung" wird aber von nicht wenigen abgelehnt.
    Allein, ob für Muslime die MGM ein zwingendes religiöses Gebot ist, ist fraglich genug - im Koran, der Grundlage des Islams ist sie nicht erwähnt.
    Wäre sie aber wichtig, gar existenziell für den Islam dann müsste man doch annehmen, dass der Prophet Mohammed ihr ein wenigstens ein paar Zeilen gewidmet hätte.

    Zitat

    Um sicherzustellen, dass sich das Gesetz auf den muslimischen und den jüdischen Ritus konzentriert und jedenfalls Sekten und Individualmarotten außen vor bleiben...

    Bei dem Satz zucke ich zusammen, nein, da fällt mir die Kinnlade herunter. Gute Religionen - schlechte Religionen? Was soll überhaupt diese willkürliche und oft herabsetzend gemeinte Einteilung in Religionsgemeinschaften und Sekten?

    Der Staat wird jetzt zum "religiösen Erbsenzähler". Er schwingt sich auf, um Religionen zu begutachten. Die einen ins Töpfchen (straflos), die andern ins Kröpfchen (Strafe!) Das kann der Staat überhaupt nicht, das ist nicht des Staates!
    Nach dem Grundgesetz sind "weltanschauliche Gemeinschaften" in ihren Rechten den Religionsgesellschaften gleichgestellt. Wie ist das denn mit Afrikanern, für die MGM eine unabdingbare, verbindliche Stammestradition ist?
    Walter begibt sich auf ein uferloses Glatteis... :wacko:

    Oder anders herum wir die Willkürlichkeit des Satzes von Walter schön offenbar:

    Warum soll man ausgerechnet in Deutschland Menschen christlichen Glaubens mit Kriminalstrafen verfolgen, wenn sie Gebote erfüllen, die ihnen ihr Glaube – aus ihrer Sicht – zwingend auferlegt. Wenn sie ausgerechnet im EU-Nachbarland Frankreich nicht verfolgt werden?

    Hat sich Walter eigentlich wirklich Gedanken über das Judentum gemacht? Hatte uns Frau Deusel (oder wer war das?) nicht über dessen binären (oder dualen?) Charakter aufgeklärt, einerseits als Religionsgemeinschaft, anderseits als Stammesgemeinschaft (wer Kind einer jüdischen Mutter ist...)?
    Dass es Juden gibt, die gar nicht an einen Gott glauben, und sich daher auch nicht auf ein Gebot desselben berufen können?
    Walter schreibt "...ausgerechnet in Deutschland", eine Formulierung, die per se schon rassistisch ist (sind wir zum Schutz von Kindern auf weniger berechtigt als alle anderen Länder?) - und spielt damit auf den Holocaust an. Und gerade die Überlebenden des Holocaust in Deutschland und deren Nachfahren sollen ja angeblich zu einem großen Teil unreligiös sein - will er "ausgerechnet die" von der Straflosigkeit ausnehmen?

    Und dann gibt es auch unter den Türken bzw. türkischstämmigen Deutschen Eltern, die sich nicht als religiös ansehen, aber für die die MGM unverzichtbarer Teil des "Türkentums" ist. Das kann man dann wohl schlecht als "Individualmarotte" abtun. Die muslimischen Türken straflos, und die anderen bestrafen? :FP01

    Zitat

    Wirkungsvoll unterbunden werden können der
    Schmerz bei einer Beschneidung und der folgende Wund-
    schmerz nur durch eine Allgemeinanästhesie (Vollnarkose)
    ergänzt durch eine Leitungsanästhesie, das heißt durch eine
    zusätzliche lokale Betäubung per Injektion. 20

    Walter will "Vollnarkose" vorschreiben. Aber lt. rel. Vorschrift muss die "brit milah" am achten Tag stattfinden. Dann aber wäre eine Vollnarkose (ohne dass Lebensgefahr besteht) völlig unverantwortlich! Das ist einfach nicht zu Ende gedacht, Walter fordert letztlich nicht anderes, als dass die MGM frühestens ab dem 2. Lebensjahr straflos stattfinden kann. Was der Zentralrat dazu sagt, kann man sich vorstellen.
    Und warum dann nicht gleich Nägel mit Köpfen machen - ab dem 18. Lebensjahr? Da ginge das dann auch ohne Vollnarkose - weniger Risiko. Die perverse Begründung kann nur lauten: weil die das dann ja selbst entscheiden könnten.

    Zitat

    Wie sollen Ärzte und Richter,
    wie soll überhaupt jemand jenseits religiöser Vorgaben all-
    gemeinverbindlich bestimmen, was gute und was schlechte
    elterliche Motive pro Beschneidung sind?

    Gute und schlechte Motive?

    Der objektive Schaden für das Kind - der Verlust der Vorhaut und evtl. des Frenulums - ist völlig unabhängig von der Motivation der Eltern. Allein bei einer tatsächlich medizinisch unabdingbaren Zirkumzision wird er durch den im Unterlassungsfall anzunehmenden Schaden überkompensiert.
    Das hat überhaupt nichts mit religiösen Vorgaben zu tun. Die Eltern haben praktisch immer "edle Motive", sie meinen es stets gut mit dem Kind - das gilt für MGM wie für FGM. Ob sie sich nun auf eine "gutachterlich anerkannte Religion" berufen, oder auf "Wunderglauben", oder auf eine uralte Tradition aller Vorfahren. Für den Schaden ist das unerheblich.

    Zitat

    Es führt leider auch an dieser Stelle kein
    Weg daran vorbei, dass es vom Standpunkt eines aufgeklär-
    ten und sachkundigen Dritten aus – und abgesehen von einer
    medizinischen Indikation – überhaupt kein vernünftiges
    Motiv für die Beschneidung der Jungen gibt.

    Warum leider? Was ist so schade daran, dass man keine vernünftigen Grund findet, eine medizinisch sinnlose Amputation an einem Kind durchzuführen? ?(

    Die Sorgebrechtigten. Also beide. Nun ist es gar nicht so selten, dass z.B. Vater Muslim ist und Mutter z.B. ev getauft, aber im Grunde unreligiös, oder einfach gar nichts. Die Eltern sind sich einig, der Junge soll amputiert werden - und dann werden sie bestraft, weil nur der Vater Muslim ist?
    Dann muss also Mutter formal dem Islam beitreten - was ja bekanntlich eine Sache von Sekunden ist - und dann ist wieder alles OK? ?(

    Was macht das für einen Sinn?

    Und wo kommt jetzt die staatliche Ächtung zum Ausdruck? Für Hinz und Kunz heißt das: "ist legal!": "Kann jeder machen, wie er lustig ist"

    Und was soll diese scheinheilige "Vetorecht"? Wenn ein Kind nicht einsichts- und urteilsfähig ist, hat es logischerweise kein Vetorecht bzgl einer OP. Eben weil es nicht einsichts- und urteilsfähig ist! Alles andere ist doch unlogisch.
    Das Kind hat einen schweren Herzfehler muss operiert werden, sonst stirbt es - das Kind sagt "will nicht, räbäh!" - und dann lässt man es sterben? :rolleyes: Ist doch Kokolores!

    Was soll das Familiengericht denn entscheiden? Entscheiden heißt, es kann in die eine oder andere Richtung entscheiden. Wenn es nun entscheidet, das Kind solle trotz allem Flennen amputiert werden, ja , dann wird man wohl einige kräftige "Krankenpfleger" brauchen, die es festhalten. *Brech*
    Oder setzt Walter voraus, dass das Familiengericht eh "Nein" sagt? Dann braucht man gar kein Gericht!

    Zitat

    Keinen Vorschub leisten soll das natürlich einer „Be-
    arbeitung“ des Kindes so lange, bis es seinen Widerstand
    aufgibt. Lediglich gilt es zu verhindern, dass jedwede Äuße-
    rung eines „Neins“ die Operation sofort unzulässig macht.

    Das Kind wird z.<B. einfach vorher so bearbeitet, bedroht und vergattert, dass es dann beim Arzt brav die Klappe hält. Obwohl es das nicht will. "Wehe, du sagst dass du das nicht willst! Dann hau ich dich windelweich!" Dazu mangelt es Walter wohl an Phantasie.

    Zitat

    Das Kind muss fähig
    sein, sich verständlich zu äußern; mündlich, schriftlich oder
    in einer Gebärdensprache. Schreien und Strampeln reicht da-
    für nicht
    .Und die Weigerung muss nachhaltig sein, das heißt
    das Kind muss sie wiederholt äußern, wenn man es erneut
    befragt.

    Jetzt wird es abartig. *Brech*

    Was alles für Ansprüche an die "Willenserklärung" eines "nicht einsichts- und urteilsfähigen" Kindes gestellt werden! Schreien und Strampeln reicht nicht, muss auf Kommando reproduzierbar sein und dann muss sich das "nicht einsichts- und urteilsfähigen" Kind auch noch vor einem Gericht rechtfertigen... :rolleyes: :rolleyes: :rolleyes:

    Zitat

    ...gilt es zu verhindern, dass jedwede Äuße-
    rung eines „Neins“ die Operation sofort unzulässig macht.

    Wäre das wirklich eine Katastrophe, wenn eine Genitalverstümmelung wegen einer kindlichen Willensäußerung ins Wasser fällt?

    Warum gilt es, das zu verhindern?
    Dieses, "es gilt" das ist so ein "sich selbst verstecken". Walter möchte das verhindern, ich nicht!

    Und die Eltern? Die brauchen nur einmal sagen "Abschneiden!", uns dann heißt es: "hier bitte noch unterschreiben".

    Zitat

    Gleichwohl ist es sachgerecht,
    eine solche Mitgliedschaft zu verlangen: Sie macht plausibel,
    dass tatsächlich die Religion das Motiv der Eltern ist und
    dass ihr Sohn in einem Umfeld aufwächst, das Gruppendruck erzeugen kann.

    Dieser Satz ist für mich besonders schlimm. Er erkennt das Mobbing von intakten Kindern (das es ja lt. Auskunft von muslimischen und jüdischen Vertretern 2012 überhaupt und gar nicht gibt) für geradezu legitim. Wegen diese Mobbing müssen Jungen weiter verstümmelt werden - das wäre ein ewiger Kreislauf, aus dem es kein Entrinnen gibt. Furchtbar!
    Nicht gegen das Mobbing muss vorgegangen werden, sondern gegen das kindliche Genital? *Brech*

    Ich hatte nach dem ZEIT-Artikel große Hoffnungen in Tonio Walter gesetzt. Leider sind die wie ein Kartenhaus eingestürzt. Schade, schade!

    Ein "Kompromiss" soll das lt. Walter sein. Dass man Jungen straflos radikal die Vorhaut amputiert. Ein Kompromiss!
    Da kamen ja selbst "von der anderen Seite" schon Vorschläge, die immerhin tatsächlich einen gewissen Kompromisscharakter andeuten.
    Dass man nicht mehr so viel, so radikal abschneidet. Dass man es so hält wie die Juden früher. Dass die Funktionalität der Vorhaut im wesentlichen gewährleistet ist, in dem zumindest die empfindlichsten Bereiche der Eichel abgedeckt wären. Dass ein großer Teil der für die Empfindung wichtigen inneren Vorhaut erhalten bliebe. Dass somit auch eine spätere Restauration durch Dehnung viel, viel leichter wäre....

    Dahinter bleibt Walter mit seinem unausgegorenen und unrealistischen Vorschlag weit zurück.

    There is no skin like foreskin

    Einmal editiert, zuletzt von Selbstbestimmung (30. Juli 2015 um 14:35)

  • Selbstbestimmung: "Nein, richtig muss es heißen: Die Nicht-Strafverfolgung der "Beschneidung" ist das eigentliche Problem von Anfang an. Schon lange vor 2012."

    Nein. Genau eben nicht. Denn die sonst immer eintretende Strafbarkeit für diesen Vorgang (indikationsfreie Körperverletzung mit diesem Schädigungsausmaß, das sonst niemals von der stellvertretenden Einwilligung über die elterliche Sorge gerechtfertigt werden kann) erzeugt hier im Ergebnis die Bestrafung des Juden, der diesen Vorgang durchführt oder veranlasst. Dieses Ergebnis, die Bestrafung des Juden (durch Strafbarkeit des Vorganges), soll unter allen Umständen verhindert werden. Da der Gesetzgeber nun nicht offen formulieren kann, der Jude wird für etwas nicht bestraft, für das jeder andere Mensch natürlich bestraft wird, kann er nur so vorgehen, den Vorgang selbst - die Schädigung - abzustreiten. In diesem Sinne ist die Strafbarkeit das Problem.

    Auch der Nicht-Strafverfolgung vor 2012 liegt genau diese Problematik zu Grunde. Das Ergebnis, der Jude im Gefängnis, hat zur gesellschaftsweiten Verdrängung des Problems geführt. Nur einige Juristen, Mediziner und Journalisten haben die entscheidende Vorarbeit geleistet, um es dann mit dem Kölner Urteil in das Gesellschaftsbewusstsein zu heben.

    Selbstbestimmung: "Was soll also jetzt ein Vorschlag, dass MGM keine strafbare Körperverletzung sei?"

    Einen solchen Vorschlag gibt es in meinem Beitrag nicht. Dort steht sinngemäß, die Strafen aus § 226a StGB (weibliche Genitalverstümmelung) sind auf die Genitalverstümmlung von Jungen zu übertragen. Die Beschneidung von Jungen ist damit ebenfalls strafbar, mit den dort (§ 226a StGB) vorgesehenen Gefängnisstrafen. Man muss die Umsetzung diskutieren und darf sich dann auf die positiven Rückmeldungen freuen. Die Beschreibung des Ausmaßes der positiven Rückmeldung wird von einem Augenzwinkern begleitet.

    Die Absurditätsexplosion von Tonio Walter hatte ich ja schon in meiner Antwort auf Joeyes Beitrag als "Absolut verfassungswidrig." eingestuft.

    Der Vorschlag von Walter: "Absatz 1 gilt nicht für die Beschneidung eines einsichts- und ur- teilsunfähigen Kindes, wenn seine Religionsgemeinschaft und die der Sorgeberechtigten die Beschneidung gebietet." entkoppelt den Vorgang der Beschneidung vom Sorgerecht dahingehend, dass die Religionszugehörigkeit der Sorgeberechtigten und des Kindes eine allgemeine, für jeden, der Arzt ist, gültige Straffreiheit auslöst. Irgendein Arzt könnte sich also Listen mit Kindern anlegen, deren Religionsgemeinschaft die Beschneidung gebietet und deren Sorgeberechtigte einer entsprechenden Religionsgemeinschaft angehören, und könnte diese Kinder ohne Zustimmung der Eltern beschneiden, ohne nach § 223 Abs. 1 StGB bestraft werden zu können. Er hat die Straffreiheit an das Vorhandensein des Sorgerechtes gekoppelt, nicht aber die Ausführung an das der Eltern gebunden.
    Er hätte also schreiben müssen "... gilt nicht für die Beschneidung eines einsichts- und ur- teilsunfähigen Kindes, die innerhalb der elterlichen Sorge erfolgt, wenn ...". Damit hätte er aber eine Straftat, die nicht über das Sorgerecht rechtfertigungsfähig und deshalb über das Strafrecht straffrei gestellt werden muss, womit sie automatisch kindeswohlschädlich ist, im Sorgerecht platziert, welches nun wiederum die Kindeswohlschädlichkeit ausschließt.

    Das soll aber nur ein Gedanke gewesen sein. Der Rest Deines Beitrages zeigt für jeden nachvollziehbar, dass der Vorschlag von Tonio Walter in jeder Hinsicht inakzeptabel ist.

    Selbstbestimmung: "Jetzt wird es abartig."

    Das würde ich auch so sehen.

    Wenn ich also wahrnehme dass eine solche "Lösung" hier im Beschneidungsforum - abgesehen von einer weiteren Stimme - nicht nur widerspruchslos vorgebracht wird, sondern auch noch Beifall erhält, ist das - um meiner Erschütterung erneut Ausdruck zu verleihen - als wenn ein Kind vor dem häuslichen sexuellen Missbrauch flieht und in der Hilfseinrichtung dann der Prostitution zugeführt wird. Unter dem Deckmantel der Hilfe kommt das Beschneidungsmesser hervor. Wie anders sollte ein unter einem entsprechenden Ermöglichungsgesetz beschnittener und ggf. weitergehend verstümmelter Junge das empfinden? Kommt, wenn er dann fragt, wie das zuglassen werden konnte, Pizarro73 daher und antwortet "Du, ich habe jetzt keine Zeit für deine Wohlfühlfragen."?

    Die Erschütterung - um auch das ebenso deutlich zu machen - kann natürlich nur deshalb entstehen, weil diese Eindrücke von meiner bisherigen Wahrnehmung des Forums so eklatant abweichen. Scheinbar weichen aber nur meine illusionären Schlussfolgerungen aus der bisherigen Wahrnehmung von der tatsächlichen Realität ab.

  • Die Erschütterung - um auch das ebenso deutlich zu machen - kann natürlich nur deshalb entstehen, weil diese Eindrücke von meiner bisherigen Wahrnehmung des Forums so eklatant abweichen. Scheinbar weichen aber nur meine illusionären Schlussfolgerungen aus der bisherigen Wahrnehmung von der tatsächlichen Realität ab.

    Treffend formuliert!

    In Bezug auf dieses Forum kann ich nur hinzufügen: man sollte jeden Morgen erneut einen Blick darauf werfen, neben wem man aufwacht.

  • Sorry, aber die ganze Diskussion hier...für mich ein wenig...absurd?

    Ich überflieg diese ellenlangen Beiträge nur noch, denn wenn ich die ganze Zeit nur von irgendwelchen §en und Strafen lese...für mich ist dieses Forum nicht da, um auszudiskutieren, was wie bestraft werden soll oder oder könnte...es geht für mich darum aufzuklären, was eine Beschneidung in einem Menschen anrichten kann...

    Und eine Bitte, vor ihr hier weiter Seiten füllt, und euch die Finger wundtippt, beschwert euch doch mal deswegen:
    http://www.dgu.de/fileadmin/MDB/…yer_Phimose.pdf

    Was hat sowas in einem Infoflyer der DGU zur Phimose verloren? Warum machen Ärzte sowas, einen irreversiblen Eingriff an nicht einsichtsfähigen Menschen?

    Fragen und Beschwerden an die Pressestelle
    Informationen zu den Meldungen:

    Bettina-Cathrin Wahlers
    Sabine Martina Glimm

    Stremelkamp 17
    21149 Hamburg
    Tel.: 040 - 79140560
    Mobil: 0170 - 4827287
    [email protected]
    mehr dazu

    Und jeder der sich da beschwert hat, darf sich hier dann weiterkloppen ;)

    Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet ist, weil Dinge geliebt und Menschen benutzt werden. -Dalai Lama

  • Hier Reinhard Merkel aus dem Zusammenhang gerissen zu zitieren und daraus abzuleiten, er befürworte eine ewige Kollektivschuld o.ä., ist schlichtweg unglaublich.
    Der Threat war dazu ausgeschrieben REALISTISCHE Forderungen zum Schutz von Jungen auszuloten! Wer die einzig wahre Lehre diskutieren will, und sei es in völliger Ignoranz gesellschaftlicher Realitäten und ohne jedes Bewusstsein für die Situation der Jungen im hier und jetzt, mache bitte einen neuen Threat auf oder lasse es lieber. Das braucht nämlich niemand.
    Merkel hat ausserdem völlig Recht mit der besonderen Verantwortung Deutschlands. Die Frage stellt sich einzig, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind und ob heutzutage Kinder mit ihren Schmerzen und lebenslangen Beeinträchtigungen dafür zu bezahlen haben.

  • Ich habe meinen letzten Beitrag gelöscht weil er hier nicht zum Thema passt. Mir zu unterstellen, ich behauptete Merkel befürworte eine "ewige Kollektivschuld" ist allerdings unglaublich.

    There is no skin like foreskin

  • Die Erschütterung - um auch das ebenso deutlich zu machen - kann natürlich nur deshalb entstehen, weil diese Eindrücke von meiner bisherigen Wahrnehmung des Forums so eklatant abweichen. Scheinbar weichen aber nur meine illusionären Schlussfolgerungen aus der bisherigen Wahrnehmung von der tatsächlichen Realität ab.

    In Bezug auf dieses Forum kann ich nur hinzufügen: man sollte jeden Morgen erneut einen Blick darauf werfen, neben wem man aufwacht.

    Ich fasse zusammen:
    Weil der Großteil der Mitglieder dieses Forums nicht mit Hurragebrüll der Argumentation von zwei bis drei Diskutanten folgt, wird "dem Forum" als Ganzes mal eben zwischen den Zeilen Verrat an der Sache unterstellt. Habe ich das so richtig erfasst? Falls ja, wäre das eine - vorsichtig ausgedrückt - abenteuerliche Darstellung der Sachlage.

    Das Ziel, das wir hier erreichen wollen, ist wohl bei allen nahezu gleich. Worin wir uns unterscheiden, sind Weg, Laufstil und -geschwindigkeit. Irgendwann, am Ende eines wahrscheinlich langen Weges, muss das Ziel eines Verbotes der medizinisch nicht indizierten Genitalbeschneidung von Kindern stehen. Ja, auch mit der Konsequenz von Strafen für Ausführende und Veranlasser von Kinderbeschneidungen.
    Ich darf hierzu aus unserer Charta zitieren:

    Zitat

    Unser Ziel ist ein strafbewehrtes Verbot der Beschneidung von Knaben, ebenso wie es für die Beschneidung von Mädchen gilt. Um dies zu erreichen, setzen wir auf Information und Aufklärung auf der Grundlage wissenschaftlicher Forschungsergebnisse über die medizinischen, psychologischen, sozialen und rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit der Beschneidung von Kindern. Auch geben wir der ethischen Diskussion ihren Raum.
    ...
    Wir wollen gleichzeitig denjenigen, in deren Familien aus traditionellen Gründen die Beschneidung von Jungen ausgeführt wird und die an der Richtigkeit dieser Handlung Zweifel haben, ermutigen einen neuen Weg zu gehen. Wir wissen, dass sie wegen des sozialen Drucks in ihren Familien und in ihren Religionsgemeinschaften besonderen Belastungen ausgesetzt sind.
    Wir wollen aber auch diejenigen, die glauben, in ihren Familien die Tradition der Beschneidung fortführen zu müssen, über die große Tragweite ihrer Entscheidung für ihre Söhne aufklären.
    Nicht zuletzt bieten wir den von einer Beschneidung Betroffenen ein Forum, in dem sie sich über ihre persönliche Geschichte und ihre Erfahrungen im Umgang mit den möglichen körperlichen und seelischen Verletzungen austauschen können.

    (Hervorhebungen durch mich)

    Dieses Forum ist nicht dazu da, politische Revolutionen vom Zaun zu brechen, es kann keine Entscheidungen treffen, es kann keine Gesetze ändern. Es ist dazu angetreten, Menschen AUFZUKLÄREN und Betroffenen einen geschützten Raum zu geben.
    Das ist Sinn und Zweck dieses Forums.

    In unserer aktuellen Situation können wir nicht mehr tun, als die Menschen, die sich heute, hier und jetzt sowie in naher Zukunft vor der Frage sehen, ob sie ihren Söhnen die Vorhaut abschneiden lassen sollen, die gesamte Tragweite ihrer Entscheidung - die im übrigen nicht die ihre sein sollte - aufzuzeigen. Diese Menschen jedoch vor den Kopf zu stoßen, sie mit der Forderung nach Strafen abzuschrecken und sie dadurch zu brüskieren, hilft niemandem. Kein einziger Junge wird durch Diskussionen wie diese hier geschützt, keinem einzigen Jungen wird damit Leid erspart. Ganz im Gegenteil: Ich weiß von zwei muslimischen Frauen, die kurz hier mitgelesen hatten, dass sie sich von diesem Forum abwandten, weil sie sich hier diffamiert und beleidigt sahen. Durch Diskussionen wie diese hier, durch unreflektiertes Geschrei und empathieloses Gezeter.

    Können sich die oben zitierten Herren vorstellen, dass es abseits dieses Forums, in dem man sich bequem hinter einer Tastatur verstecken kann, eine reale Welt gibt, die es nicht interessiert, was hier an radikalen Forderungen gestellt wird?
    Oder stellt man sich vor, dass nach der Lektüre dieses Threads und der darin vorgebrachten Thesen ein x-beliebiger Politiker vor die Kameras tritt und verkündet

    Zitat von X-beliebiger Politiker

    Ich bin froh, dass mir ein paar Aktivisten des Beschneidungsforums die Leviten gelesen haben. Jetzt erst verstehe ich, welchem Gesetz ich 2012 zugestimmt habe. Sie können mir glauben, dass ich meine Kollegen im Parlament mobilisieren werde, dieses Gesetz schnellstmöglich zu Fall zu bringen.

    ?

    Oder glaubt jemand, dass Bundeskanzlerin Merkel in den nächsten Tagen eine Pressekonferenz einberufen wird um mit entschlossener Mine eine Erklärung wie diese zu verlesen:

    Zitat von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel

    Ich habe heute Justizminister Heiko Maas angewiesen, den offensichtlich grundgesetzwidrigen Paragrafen 1631d BGB durch ein neues Gesetz zu ersetzen, das allen Kindern das uneingeschränkte Recht auf körperliche Unversehrtheit zugesteht.
    Ich möchte in diesem Zusammenhang einigen aufrechten Aktivisten des Beschneidungsforums danken, welche mich durch ihre überzeugende Argumentationsarbeit zu dieser Entscheidung veranlassten.

    ?
    Wenn niemand von derlei Möglichkeiten ausgeht, was ist dann der Sinn, das Ziel Eurer Forderungen?

    Was wir brauchen, ist SInn und Verstand. Natürlich müssen wir Forderungen stellen, aber sie müssen realistisch sein.
    Wir brauchen das Gespräch, mit Politikern, Ärzten, Eltern, Religionsvertretern. Aber Gespräche bekommt man nicht mit Drohungen, Beleidigungen und überzogenen Erwartungen, sondern indem man sich auf Augenhöhe begegnet. Das ist lästig, das kostet Zeit und Nerven. Aber nur so kommen wir weiter, nur so können wir was erreichen.

    Seht bitte mal über Euren Tellerrand hinaus, schraubt Rhetorik und Lautstärke zurück und denkt an diejenigen, die sich "draußen" tatsächlich um unser Anliegen kümmern. Denn denen fallt Ihr mit Eurer Argumentation in den Rücken.

    Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
    Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
    Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
    https://tredition.de/autoren/clemen…aperback-44889/

  • "Wie Du Dich an Deiner Reinheit festhälst, Kleiner! Wie Du Angst hast, Dir die Hände schmutzig zu machen. Aber was soll das bringen und warum bist Du dann zu uns gekommen? Reinheit ist was für Fakire und Mönche. Ihr Intellektuellen und Anarchisten nehmt sie zum Vorwand um gar nichts zu tun. Nichts tun, starr bleiben, die Fäuste geballt in der Tasche lassen, Handschuhe tragen. Ich habe schmutzige Hände. Bis zu den Ellenbogen. Ich habe sie in Scheisse und Blut getaucht. Und was nun? Meinst Du, man kann unschuldig regieren?"

  • Weil der Großteil der Mitglieder dieses Forums nicht mit Hurragebrüll der Argumentation von zwei bis drei Diskutanten folgt,


    Ich stellt fest: Weguer spricht für den Großteil der Mitglieder dieses Forums. Interessant!


    wird "dem Forum" als Ganzes mal eben zwischen den Zeilen Verrat an der Sache unterstellt.


    Was du zwischen Zeilen liest, ist deine Sache. Vielleicht wird dies auch durch deine Voreingenommenheit gefördert.


    Durch Diskussionen wie diese hier, durch unreflektiertes Geschrei und empathieloses Gezeter.


    ??? Aber andere zur Sachlichkeit mahnen, gell!


    Können sich die oben zitierten Herren vorstellen, dass es abseits dieses Forums, in dem man sich bequem hinter einer Tastatur verstecken kann, eine reale Welt gibt, die es nicht interessiert, was hier an radikalen Forderungen gestellt wird?


    1. Wer stellt wo radikale Forderungen? Ist die konsequente Durchsetzung von Menschenrechten neuerdings radikal?

    2. Kann sich der Autor des Buches Ent-Hüllt vorstellen, dass es eine reale Welt gibt, die sich für das Leiden Betroffener nicht interessiert? Falls nicht, woher möchte er wiederum das Wissen nehmen, dieselbe Welt würde sich für Forderungen und Lösungsvorschläge für die sofortige Beendigung der Fortsetzung dieses Leids nicht interessieren.


    Oder glaubt jemand, dass Bundeskanzlerin Merkel in den nächsten Tagen eine Pressekonferenz einberufen wird um mit entschlossener Mine eine Erklärung wie diese zu verlesen:


    Achso, weil Frau Merkel taub und untätig ist, soll man also seine Klappe halten. Wie bescheuert ist das denn?


    Wenn niemand von derlei Möglichkeiten ausgeht, was ist dann der Sinn, das Ziel Eurer Forderungen?

    Welches Verständnis von Politik verbirgt sich eigentlich hinter dieser unsäglichen Frage?


    Natürlich müssen wir Forderungen stellen, aber sie müssen realistisch sein.


    Und wer bestimmt, was realistisch ist?

    Also immer schön Weguer fragen, was realistisch ist!

  • @ Ludwig: welche konkreten Erfahrungen in Politik und Gesellschaft hast du denn bislang mit dem Thema gemacht? Ich spreche konkret von Aktivitäten, die Du selbst durchgeführt hast. Sei so freundlich und erzähle bitte davon, dann können wir diese eher theoretische Diskussion doch mal mit Leben füllen.

  • Zitat

    Bitte um Ruhe und Rückkehr zur Sachlichkeit


    Uneingeschränkte Zustimmung!

    Das Ziel, das wir hier erreichen wollen, ist wohl bei allen nahezu gleich. Worin wir uns unterscheiden, sind Weg, Laufstil und -geschwindigkeit. Irgendwann, am Ende eines wahrscheinlich langen Weges, muss das Ziel eines Verbotes der medizinisch nicht indizierten Genitalbeschneidung von Kindern stehen. Ja, auch mit der Konsequenz von Strafen für Ausführende und Veranlasser von Kinderbeschneidungen.


    Auch hier stimme ich uneingeschränkt zu. Mitforenten unlautere Absichten zu unterstellen, nur weil sie einen anderen Weg als man selbst für zielführender halten, ist letztlich nicht besser als der von Beschneidungsrechtfertigern häufig gebrachte Antisemitismusvorwurf.

    Diese Menschen jedoch vor den Kopf zu stoßen, sie mit der Forderung nach Strafen abzuschrecken und sie dadurch zu brüskieren, hilft niemandem.


    Hier geht es um beschneidungswillige Eltern. Mit denen ist in der Tat ein Gespräch auf einer ganz anderen Ebene zu suchen als beispielsweise mit Politikern.

    Natürlich müssen wir Forderungen stellen, aber sie müssen realistisch sein.


    Wobei sich die Geister schon bei der Frage, was realistisch ist, unterscheiden dürften. Bei einer mehrheitlich beschneidungsablehnend eingestellten Bevölkerung scheint mir ein (strafbewehrtes) Verbot nicht unrealistisch. Außerdem gibt es diverse Zitate der Art "Man muss Unmögliches verlangen, um das Mögliche zu erreichen" (in diesem Fall von Bismarck), sprich: wer von sich aus seine Forderungen herunterschraubt, wird am Ende noch weniger als das erreichen. Aber ich stimme Dir insofern zu, als auch eine kompromißlose Haltung erhebliche Risiken birgt. Welcher Weg letztlich die Zahl unnötiger Beschneidungen am schnellsten minimiert, ist schwer zu prognostizieren.
    Ansonsten sehe ich das (in der Sache) ähnlich wie Selbstbestimmung: Das Haupthindernis auf dem Weg zu einem Verbot ist die Weigerung unserer Politiker, die möglichen negativen Folgen von Beschneidung anzuerkennen. Ohne diese Einsicht gibt es aber keinen Grund für ein Verbot (ob nun strafbewehrt oder nicht). Mit dieser Einsicht wiederum ist ein straffreies Verbot kaum zu rechtfertigen. (Deshalb möglicherweise dieser Eiertanz.)

    Wir brauchen das Gespräch, mit Politikern, Ärzten, Eltern, Religionsvertretern.


    Das sind aber ganz unterschiedliche Adressaten, die auch unterschiedlich zu behandeln sind. Beschneidungswilligen Eltern, die sich auf Grund ihrer Sozialisation in ihrer kulturellen Identität bedroht sehen und bei einem Verbot tatsächlich in einen Gewissenskonflikt kommen, sollte man zunächst mit Aufklärung kommen, am besten mit den Reaktionen von Eltern, die diesen Schritt später bitter bereuen ("circumcision regret"). Im übrigen betrifft m.E. die Strafe im Falle eines Verbots ja primär den Beschneider.
    Ganz anders bei Politikern - wer aus karrieristischen Gründen die Augen vor der Realität verschließt, darf nicht auf mein Mitleid rechnen.

    Ein gerupfter Spatz verspottet das Gefieder seiner Artgenossen. (Sorbisches Sprichwort)

  • @ Cato: man kann Strafe nicht teilen. Entweder fallen alle Täter, Mittäter, Anstifter und Beihelfer darunter - also auch die Eltern - oder niemand. Ich finde die Diskussion über das Thema im Übrigen so sinnlos wie Zahnschmerzen.

    Nur aus Neugier: Hast Du schon mal mit einem Politiker über Beschneidung diskutiert? Wie bist du vorgegangen? Was war das Ergebnis?

  • @ Ludwig: welche konkreten Erfahrungen in Politik und Gesellschaft hast du denn bislang mit dem Thema gemacht? Ich spreche konkret von Aktivitäten, die Du selbst durchgeführt hast. Sei so freundlich und erzähle bitte davon, dann können wir diese eher theoretische Diskussion doch mal mit Leben füllen.

    Die Strategie hinter dieser Fragestellung ist doch durchschaubar.

    Bei einer schwachen Argumentationslage fokussiert man sich dann eben auf persönliche Dinge des Gegners. Ich habe jedoch nicht die Absicht, mich mit Aktivitäten zu brüsten, um meiner Stimme Gewicht zu verleihen. Für mich zählt nur das Argument und sonst nichts, egal von wem es kommt.

    Eine kleine Gegenfrage hätte ich jedoch: handelt es sich hier um die Maria Werner, die mir 2014 im FR-Blog durch Cybermobbing aufgefallen ist? Durch folgenden Beitrag (207 # Maria Werner 30. Dezember 2014 14:58)

    Zitat

    Ich habe die Beschneidungsdebatte in Foren und im Internet sehr genau verfolgt und ich persönlich habe ÜBERHAUPT KEINEN Antisemitismus wahrgenommen, abgesehen von den Aussagen eines gewissen D***** B****, der allgemein als geistig nicht gesund gilt und nirgendwo in den mir bekannten Foren und Gruppierungen geduldet wird.

    Den Klarnamen des Betroffenen, für den ich keine Sympathie empfinde, habe ich gekürzt. Der Beitrag wurde am 13.01.2014 zensiert.

    https://frblog.de/rund-um-das-th…/#comment-33673

    Bitte um Verständnis für diese Frage. Ich möchte nur gerne wissen, mit wem ich mich unterhalte.

    Und noch eine Frage zu guter Letzt: Ist "Maria Werner" ein Pseudonym oder ein Klarname?

    Vielen Dank.

  • @ Ludwig: ich habe die Frage gestellt, weil du Weguer dafür angegriffen hast, dass er auf realistische Maßnahmen verweist. Weguer, Pizarro73, Guy, Bela usw. usf. haben alle reichlich Erfahrungswerte vorzuweisen, was den Umgang mit dem Thema "da draußen" betrifft. Sie wissen, wovon sie reden. Am allermeisten Pizarro73. Bevor du also mit dem Knüppel auf ihnen herumschlägst, wäre es hilfreich, wenn du mal darlegen könntest, was DEINE Erfahrungswerte sind.

    Ja klar bin ich "die" Maria Werner. Cybermobbing, ich lach mich schlapp! :D JAHAHA! Hauptsache mal persönlich angreifen - das ist absolut Deine Strategie, Ludwig, aber nicht meine. ;)

  • Entweder fallen alle Täter, Mittäter, Anstifter und Beihelfer darunter - also auch die Eltern - oder niemand.


    Ja, schon, aber das Strafmaß kann unterschiedlich ausfallen.
    (Nur aus Neugier: Beim Kölner Urteil war ja nur der Arzt angeklagt, hätte es formal gesehen auch eine Klage gegen die Eltern geben müssen?)

    Ich finde die Diskussion über das Thema im Übrigen so sinnlos wie Zahnschmerzen.


    Na ja, ganz sinnlos finde ich es nicht (abgesehen von den unsachlichen Entgleisungen). Wir können hier natürlich keine Gesetze beschließen, klar, aber es geht ja generell um mögliche Strategien und Argumente.

    Nur aus Neugier: Hast Du schon mal mit einem Politiker über Beschneidung diskutiert? Wie bist du vorgegangen? Was war das Ergebnis?


    Ausführliche Diskussionen mit Politikern zu diesem Thema hatte ich noch nicht. Ich hatte 2012 diverse E-Mail-Kontakte, auf abwiegelnde Antworten (also unverbindliches Blabla ohne schlüssige Argumente) allerdings nicht weiter reagiert, weil ich das für Zeitverschwendung halte. Hast Du diesbezüglich bessere Erfahrungen?

    Ein gerupfter Spatz verspottet das Gefieder seiner Artgenossen. (Sorbisches Sprichwort)

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