Warum hat sich die Beschneidung als legitime medizinische Behandlung etabliert?

  • Ich verstehe bis heute noch nicht so ganz, wie es sein kann, dass die Amputation eines Körperteils nur beim männlichen Genital das Allheilmittel schlechthin geworden ist.

    Gibt es in der Medizin nicht normalerweise den Grundsatz, möglichst minimalinvasiv vorzugehen und Amputation ist immer nur die letzte Möglichkeit? Woher kommt diese Anomalie?


    Sicherlich spielt die routinemäßige Normalisierung des Eingriffs durch die beiden Weltreligionen eine große Rolle.

    Warum wurden und werden standardmäßig von vielen Kinderärzten Amputationen an den Genitalien von männlichen (Klein-)Kindern schulterzuckend als notwendig angesehen? Es leben doch tausende andere Säugetierarten mit gesunden Vorhäuten. Wie viele Kinder sind schon an verklebten oder verengten Vorhäuten verstorben?
    Warum war es bis vor wenigen Jahren nicht bekannt, dass eine physiologische Phimose bei Kindern ganz normal ist und sich von alleine behebt, ohne dass eine Amputation durchgeführt werden muss?

    Warum wusste das mein studierter und einfühlsamer Kinderarzt nicht und versuchte gewaltsam, mir meine beschwerdefreie Vorhaut im Alter von 4-5 Jahren zurückzuziehen? Warum wurde daraufhin von einem Chirurgen, der ebenfalls studiert hat, ein Teil meines Penis amputiert?

    Hätte man das auch getan, wenn ich ein verklebtes Augenlid gehabt hätte? Oder hätte man mir bei einer Venentrombose mein Bein amputiert?

    Fragen über Fragen.

    „Je hilfloser ein Lebewesen ist, desto größer ist sein Anrecht auf Schutz vor menschlicher Grausamkeit.“

    -Mahatma Gandhi-

  • Die Sache dürfte viele Ursachen haben.

    Einmal eine religiöse bzw. kulturelle Tradition. So etwas wird üblicherweise nicht hinterfragt. Wer dagegen verstößt, der hat in der Gesellschaft oder seiner Glaubensgemeinschaft ein Problem. Es wird nicht gefragt, ob das Sinn macht, ob man Schaden anrichtet oder nicht. Das ist so und es hat keiner in Frage zu stellen. Überlege mal, ein Muslim oder ein Jude würden diese Tradition in Frage stellen. Im Gegenteil, selbst wenn sie Probleme damit haben, werden sie diese Tradition weiter verteidigen. Evtl. auch, um sich selbst einzureden, dass es normal und etwas ganz Tolles ist. Der Zwang innerhalb der Gemeinschaft ist einfach zu intensiv. Zudem würde man dann den Glauben hinterfragen. In Gottesreligionen ist so etwas nicht gewünscht und war lange Zeit tödlich – in manchen Ländern heute noch. Du sollst glauben, nicht denken oder wissen. Genau genommen ist es nichts anderes als ein Menschenopfer.

    In den USA wachen die Menschen langsam auf. Aber es dauert. In Südkorea, wo die Amerikaner diese Tradition eingeführt haben, dauert es noch etwas länger. Weil man da über so etwas gar nicht spricht. Die Rate dort ist auch nicht so hoch.

    In der Medizin ist es ein ähnliches Phänomen. Bereits im hippokratischen Eid (nicht rechtsverbindlich) verpflichteten sich die Ärzte, Schaden von den Patienten abzuwenden. Die Frage ist, wie man das auslegt.

    »Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil; ich werde sie bewahren vor Schaden und willkürlichem Unrecht.«

    Heute gilt das Genfer Gelöbnis, welches in die Berufsordnung der Ärzte übernommen wurde.

    Lehrmeinungen werden nicht hinterfragt, aus Angst, man könnte sich mit den Oberen anlegen. Abhängigkeiten spielen da eine große Rolle. Erst wenn Ärzte älter werden, eine eigene Existenz haben und von den Verbänden u. Ä. nicht mehr abhängig sind, können sie es sich leisten, zu hinterfragen. Wenn sie denn wollen. Leider habe ich das persönlich gerade bei diesem Thema bisher nicht erlebt. Zudem hat es immer etwas Schwieriges, wenn man eine längere oder anspruchsvollere organerhaltende Behandlung am Geschlechtsteil eines Minderjährigen vornehmen soll. Weg mit dem Ding und allen erzählen, dass es nur ein Stück Haut ist.

    Interessant ist, dass vielen bewusst ist, dass hier etwas falsch läuft. Ich habe relativ spät noch eine Pflegeausbildung nachgeschoben und mich grundsätzlich geweigert, im Einsatz auf der Neugeborenenstation bei der Babyverstümmelung zu assistieren. Ja, das gibt es auch in Deutschland. Ich habe deutlich auf das Recht auf körperliche Unversehrtheit hingewiesen. Das war noch vor dem Kölner Urteil. Ich wurde böse angesehen, aber keiner hat gewagt, mich dazu zu zwingen. Der Ruf der Klinik steht da auf dem Spiel. Das will keiner in den Medien haben. Es ist eine absolute Doppelzüngigkeit.

    Zudem besteht bei den Ärzten noch etwas im Raum. Das Geld. Es ist schlicht und einfach lukrativ, mit legaler Menschenverstümmelung Geld zu verdienen. Das Wartezimmer sitzt voll mit kleinen »Alis und Mohammeds«. Die Eltern befürworten es, die Betroffenen können sich nicht wehren, wenn sie es könnten, ist es im Regelfall verjährt, und die Mitglieder unserer Parteien haben den nicht volljährigen männlichen Menschen das verfassungsmäßige Recht auf Unversehrtheit abgesprochen. Ihnen sogar den Weg zu den höchsten Gerichten verwehrt. Es ist ein Geschäftsmodell und wird regelmäßig betrügerisch sogar über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet.

    Versuche heute einmal, bei einem Arzt/Urologen deine Probleme mit den Verstümmelungsfolgen zu thematisieren. Das läuft praktisch immer ins Nichts. Erstmal, weil sie nichts reparieren können. Zweitens, weil du deren Geschäftsmodell in Frage stellst.

    Ich habe bis heute kein Interesse an meinen Problemen gefunden. Schulterzucken, nächstes Thema.

    Und dann gibt es noch die Eltern, denen die Weitsicht oder Intelligenz fehlt. Ist doch sauberer. Ist doch gesünder und beugt Krankheiten vor. Dann spielt er nicht so viel daran herum. Sein Vater ist es auch und er soll genauso sein. (Könnte ja sein, dass es dem Sohn besser geht, er besser als der Vater ist.) Ich habe da Recht, das zu entscheiden …

    Betroffen, Verstümmelt, Frustriert, Deprimiert, Alleine ... Penisbehindert.

    Beschneidung verstümmelt ein ganzes Leben.

  • Hoodie


    Ich bin gerade aufgewühlt weil ein Medikament das ich nehme, nun (so vermute ich) mein sexuelles Erleben deutlich gemindert hat und muss deswegen natürlich jetzt zum Urologen gehen, darauf freue mich überhaupt nicht….

    Hier auf dem Dorf ist man sowieso abhängig von so wenig Ärzten und die Beschneidungsrate liegt hier wahrscheinlich bei fast 20% an „medizinischen“ Fällen. Ja, nur ethnisch deutsche.

    Scheint leider familiär gehäuft zu sein, wessen Vater meist keine Beschneidung brauchte der hat selber meist auch keine weil die Vorhaut meist genetisch sehr locker ist.

    Aber ich und mein Freund sowie unsere Väter hatten leider Pech und „mussten“ alle operiert werden.

    Das einzige was man beim Urologen vielleicht sinnvolles machen kann ist sich Viagra holen, das hilft nämlich angeblich beim restoring laut den amerikanischen Foren.

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