Hubschrauber haben doch keine Flügel

  • Hi, bin hier relativ neu und wollte einfach mal meine Geschichte euch mitteilen.Ich habe hier schon paar Erlebnisse von anderen gelesen und wollte auch etwas dazu erzählen.

    Ich bin 17 Jahre alt und komme aus Zentralasien und lebe seit ca. 8 Jahren in Deutschland.Der Grund wieso ich hier etwas schreibe ist, dass meine Beschneidung mich seit paar Jahren sehr belastet.Ich kann mich noch daran erinnern wie alles passiert ist.Ich war etwas 6 Jahre alt und eigentlich relativ friedlich.Ich mochte meine Eltern, obwohl sie oft miteinander stritten.Eines Tages erzählte meine Mutter zu mir, dass wir zu Arzt gehen müssten.Ich dachte mir nichts dabei und ging mit ihr.Als wir beim Arzt waren meinte er, ich solle meine Hose ausziehen."Es sei eine medizinische Untersuchung."Ich glaube, dass er zu mir gesagt hat, ich solle mich auf dem Bett legen.Danach haben mich meine Mutter und eine andere Krankenschwester mich festgehalten.Der Arzt spritze mir etwas in meinen Penis mittels einer Spritze.Es sollte wohl eine Betäubung sein, welches schon bereits sehr weh tat.Ich konnte mich nicht wehren, da ich die ganze Zeit festgehalten wurde.Danach griff wohl der "Arzt" zum Skalpel oder was es auch immer war und begann mit der Beschneidung.Ich konnte nichts machen und weinte die ganze Zeit.Ich schrie zu meiner Mutter, dass sie mich loslassen solle.Der Schmerz war unerträglich.Dass meine eigene Mutter mir sowas antun könnte, kann ich heute kaum glauben.Während ich mich der Schmerz mich nahezu psychisch zerstörte, fragte mich der Arzt, um mich zu beruhigen, ob denn Hubschrauber mit Flügeln fliegen würden.Am Anfang nahm ich seine Frage gar nicht wahr, jedoch wiederholte er sie und ich antwortete daraufhin, dass ja Hubschrauber keine Flügeln hätten.Wohlgemerkt tat währenddessen meine Beckenbereich so sehr weh, und ich konnte mich überhaupt nicht wehren, oder bewegen, da ich festgehalten worde.Nachdem die ganze Tortur vorbei war, kam mein Vater und brachte mich nach Hause.Mal ganz davon abzuschweigen, dass ich schon Schmerzen beim Pinkeln hatte und die Narbe sehr weh tat, konnte ich meine Verbände nicht ablösen.Der arzt hatte gesagt, dass man die Verbände nach ein paar Wochen entfernen sollte, was jedoch nicht ging.Sie klebten an meiner Haut fest und als ich in der Badewanne saß konnte ich bzw. meine Mutter sie nicht entfernen, da es sonst zu große Schmerzen verursachte.Also gingen wir wieder zu dem "Arzt".Schon wieder wurde ich festgehalten und diesmal war mein Bruder dabei.Ich weiß überhaupt nicht wieso.Er war zu dem Zeitpunkt knapp 5 Jahre alt.Als der "Arzt" sah, dass meine Verbände nicht abgingen, riss er sie einfach mit Gewalt ab.Es bereitete mir solche Schmerzen.Es war eigentlich nicht auszuhalten.Zweimal wurde ich gegen meinen Willen zu etwas gezwungen-im Namen "Gottes" wohlgemerkt.

    Es ist ätzend um ganz ehrlich zu sein.Wenn ich mir heute die Narben der Beschneidung ansehe, dann kommt mir eine Trauer hoch.Es ist einfach entstellt, nicht mal die narben sind gerade.Nichteinmal die Beschneidung wurde richtig und fachgerecht durchgeführt.Als Folge habe ich natürlich Selbstzweifel, wie ich das später eigentlich machen soll.Ich habe bis jetzt noch keine Freundin gehabt und weiß auch gar nicht wie ich ihr dieses enstellte, hässliche "Ding" überhaupt erklären soll.Tja Arschkarte für mich.

    Ahja und viele andere Sachen belasten mich natürlich auch wie z.B. Verlust der Sensibilität usw. und so fort.Wobei ich mir eh nicht vorstellen kann, dass irgendeine Frau mit jemanden schlafen will-geschweige denn zusammensein will xD-, der naja ihr wisst schon

    btw. bin beim Therapeuten wegen den ganzen Druch etc. etc. kann euch also auf dem laufenden halten.

    MfG

    Einmal editiert, zuletzt von blankspace (12. Januar 2016 um 23:32)

  • Moin @blankspace … puh, harter Tobak, was Du erzählst. Mir fehlen da bissl die Worte.

    Ich möchte nur eines sagen: Du bist nicht allein, und es ist gut, dass Du hier mit uns bist und dass wir immer mehr werden, die aufstehen und gemeinsam dieser Barbarei ein Ende bereiten werden!

    Ach, und bezüglich Sex und Beziehungen etc.: Gut, dass Du so früh schon ein Bewusstsein über Deine Beschneidung hast … dadurch kannst Du Dich z.B. mit Tantra und sowas befassen, was den Sex sicher für Dich erlebbar und schön machen wird. Mach nur immer LANGSAM (wenn ich als alter Sack Dir überhaupt eine Rat geben darf), übereile nichts. Ich wusste damals NICHTS, bin von einem Abenteuer ins Nächste getaumelt und gehetzt auf meiner verzweifelten Suche nach dem Glück. Du hast die Möglichkeit, wenn es mit einer Partnerin »ernst« wird, offen darüber zu sprechen, sie aufzuklären, und wenn sie etwas für Dich empfindet, wird sie gemeinsam mit Dir erforschen wollen, wie Ihr beide zusammen glücklich werden könnt.

    Und denk dran: LANGSAM. Auch beim Sex. Zeit nehmen zum Fühlen. Wenn das Fühlen taub geworden ist, dann hilft ZEIT. Es gibt keinen Grund zur Eile, es geht ja nicht um olympisches Vögeln oder sowas.

    Das ist wie mit dem Kucken im Dunkeln:
    Zuerst siehst Du überhaupt nichts, und wenn Du dann einfach losrennst, kannst Du ganz böse auf die Fresse fallen.
    Wenn Du aber ruhig bleibst und einfach weiter ins Dunkel schaust, mit weit geöffneten Augen, dann werden sich mit der Zeit Konturen und Kontraste aus dem Dunkel herauslösen, und Du siehst …

    Bleib dran!

    LG Tom

    Der einzige Unterschied zwischen mir und einem Wahnsinnigen ist, dass ich nicht wahnsinnig bin.
    — Salvador Dalì

  • blanckspace

    Es ist vielleicht ein schwacher Trost,aber wenn eine Frau sich in einen Mann verliebt hat(in sein Wesen,Charaker etc.),ist Äußerlichkeiten nur Nebensächlich.
    Das Problem wird eher sein,daß du deinen Zustand unerträglich findest und du darunter leidest.
    Dein Selbstwertgefühl ist verständlicherweise tief unten und du mußt daran arbeiten,um deiner selbst Willen.
    Du bist jetzt hier in einem Forum,indem du Hilfe bekommen kannst bezüglich der Thematik Beschneidung.
    Trotzallem solltest du weiterhin zum Therapeuten gehen,damit du dein Erlebtes und die Folgen verarbeiten kannst.


    Viel Erfolg und Glück auf deinen weiteren Weg

  • Hey willkommen :)

    Es ist dir Unrecht getan, so wie vielen hier im Forum.
    Ich kann deine Sorgen verstehen. Es schnürt einen die Luft weg, da es aus dieser Situation scheinbar keinen Ausweg gibt.
    Aber dem ist nicht so.

    Zu allererst denk ich nicht, dass dich ein Mädchen ablehnen wird, weil du beschnitten bist. In deinem Alter kennen sich Mädchen damit nicht so sehr aus, also wird dies kein Ausschlusskritierium sein.
    Das wichtigste ist, dass du damit klar zu kommen lernst. Für viele ist der einzige Weg diesen Eingriff zu verarbeiten eine Vorhaut Wiederherstellung. Es wird durch dehnen der Resthaut versucht, der optischen korrektheit einer Vorhaut wieder nahe zu kommen. Auch wird durch die neue Haut die Eichel geschützt und du wirst neue Sensibilität verspüren.
    Diese Wiederherstellung dauert jedoch einige Jahre und KANN teuer sein, wenn du zb mit Geräten deine Vorhaut restorierst. Natürlich kann man auch mit manuellen Methoden also durch dehnen mit der Hand einen ähnlichen Zustand erreichen.

    Interessant für dich wäre es auf jeden Fall, da so deine nicht gewollten Narben mit der Zeit durch Haut abgedeckt werden und es natürlicher aussieht. Dies scheint für dich ja ein wichtiger Punkt zu sein.

    Du packst das schon :thumbup:

    Der Link zum Einsteigen :
    http://www.restoringforeskin.org/public/manual-tugging/method-2

  • Dass meine eigene Mutter mir sowas antun könnte, kann ich heute kaum glauben.


    Deine Geschichte erschüttert mich zutiefst und ich danke Dir für die offenen Worte.

    Man spürt aus Deinen Schilderungen sehr deutlich, was da nicht nur physisch mit Dir passiert ist. Ich kenne mich medizinisch absolut nicht aus und habe keine Ahnung, was man hier noch "retten" kann. An Deiner Stelle würde ich aber vermutlich versuchen mit ärztlicher Hilfe eine Lösung zu finden, die für Dich besser akzeptabel ist als der aktuelle Zustand. Natürlich ist mir auch bewusst, dass Du nach Deinen Erfahrungen große Vorbehalte gegen Ärzte haben wirst.

    Darf ich fragen, wie Du nach diesen Erlebnissen zu Deinen Eltern stehst. Du bist ja noch minderjährig und damit vermutlich einerseits auf Deine Eltern angewiesen und auf der anderen Seiten wohl auch bitter von diesen enttäuscht worden. Deine Eltern muss ja außerdem durch Deine Therapie bewusst geworden sein, was diese Erlebnisse bei Dir angerichtet haben. Ich bin auch auf diesem Gebiet absoluter Laie, aber neben den physischen Verletzungen wirst Du hier ja sicherlich auch massiv unter den emotionalen Wunden leiden.

    Jedenfalls habe ich großen Respekt davor, dass Du Deine Geschichte öffentlich gemacht hast und somit dazu beiträgst, dass andere vor einem solchen Schicksal vielleicht bewahrt werden können. Und in Bezug auf Frauen hast Du doch mit der öffentlichen Schilderung bewiesen, dass Du Mumm in den Knochen hast. Mich würde es daher nicht wundern, wenn Deine Haltung seitens des anderen Geschlechts hier auch irgendwann entsprechend honoriert werden würde ;)

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Hi bezüglich deiner Frage wie ich denn zu meinen Eltern im Moment stehe.Da unser Verhältnis eh nicht gut war,besonders der mit meinem dad mag ich die nicht gerade sehr.Sagen wir es mal so:wir hatten so oft schon Stress und Streitereien,dass ich wegen akute suizidalität schon vor paar Wochen in die jugendpsychiatrie musste.Details kann man sich wohl schon ausdenken.Sie wissen auch ebenfalls nicht wieso ich in der Therapie bin,da ich denen nicht vertraue.Im Endeffekt sind sie schon lange für mich gestorben.

  • Im Endeffekt sind sie schon lange für mich gestorben.

    Ich kann Deine Reaktion sehr gut verstehen. Es ist gut, dass Du Hilfe von den "Profis" annimmst. Ein Forum kann Dir Anregungen liefern, aber um mit so einer Geschichte fertig zu werden, brauchst Du wohl mehr Rückhalt.

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Hi bezüglich deiner Frage wie ich denn zu meinen Eltern im Moment stehe.Da unser Verhältnis eh nicht gut war,besonders der mit meinem dad mag ich die nicht gerade sehr.Sagen wir es mal so:wir hatten so oft schon Stress und Streitereien,dass ich wegen akute suizidalität schon vor paar Wochen in die jugendpsychiatrie musste.Details kann man sich wohl schon ausdenken.Sie wissen auch ebenfalls nicht wieso ich in der Therapie bin,da ich denen nicht vertraue.Im Endeffekt sind sie schon lange für mich gestorben.

    ich denke aber,daß du ein ernsthaftes Gespräch mit deinen Eltern führen solltest,sobald du in der Verfassung dazu bist.
    Sie sollten erfahren,was sie dir angetan haben und wie du dich fühlst und,daß alles was dich angeht mit der Beschneidung zusammenhängt.
    Ich glaube deinen Eltern ust gar nicht bewusst,was sie dir genau angetan haben.
    Es hat mehrere Gründe die dafür sprechen mit den Eltern zu sprechen,zum einen um deinen Frust an richtiger Stelle rauszulassen und zum anderen um deine Eltern wachzurütteln.
    Ich weiß ja nicht,ob die Kinderplanung bei deinen Eltern abgeschlossen ist,wenn aber nicht,dann ist jeder neue Bruder potenzielles Opfer der Beschneidung.
    Selbst wenn die Familienplanung abgeschlossen wurde,bewirkt evtl.deine klaren Worte etwas bei deiner Familie.

    Sei stark und alles Gute

  • ich denke aber,daß du ein ernsthaftes Gespräch mit deinen Eltern führen solltest,sobald du in der Verfassung dazu bist.

    Sie sollten erfahren,was sie dir angetan haben und wie du dich fühlst und,daß alles was dich angeht mit der Beschneidung zusammenhängt.

    Wir sind keine Psychologen. Stell Dir aber mal vor, Deine Eltern hätten Dir dies im Alter von nur 6 Jahren angetan. Wie viel Porzellan geht hier zu Bruch und wie viel Vertrauen eines Kindes wird hier für immer zerstört.

    Der TO ist heute 17 Jahre alt bzw. liegt die "Tat" somit bereits 11 Jahre zurück und noch immer leidet er offensichtlich emotional darunter, dass seine eigenen Eltern ihm das angetan haben. Ob hier eine Aussprache bzw. gar irgend eine Art von Aussöhnung oder ehr ein kompletter Abbruch der Beziehungen zu den Eltern besser ist, wird wohl der Therapeut besser einschätzen können.

    Sicherlich mag es vielen Eltern nicht bewusst sein, was sie ihren Kindern mit einer Beschneidung antun. Dennoch laufen sie gerade wie hier in diesem Fall Gefahr, ihr Kind für immer (emotional) zu verlieren. Bitter für die Eltern, aber noch bitterer für den TO, dem mein volles Mitgefühl gilt.

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Vielen Dank, dass Du Deine Geschichte hier erzählt hast.
    Auch wenn es keine Kleinigkeit ist, die Dir da angetan wurde, ein Mädchen das mit Dir sexuell verkehren will, sollte sich zu diesem Zeitpunkt bereits in Dich verliebt haben, und da ist dann das Aussehen des Penis keine große Sache mehr. Ich nehme doch an, dass Du mit deinem übrigen Erscheinungsbild zufrieden bist, und zum Aufbau einer Beziehung sind eher Charakter, Einfühlungsvermögen etc. wichtig. Mir ist natürlich klar, dass man allererst selbst mit seinem Körper zufrieden sein muss, und ich nehme an, dass Du Dein Problem mit dem Penis durch den Kontakt mit anderen Betroffenen einigermaßen hinkriegen wirst.

    Was Deine Eltern betrifft, so glaubten sie eben, dass die teuflische Beschneidung „Gottes Gebot“ sei, auch viele nicht religiöse Eltern aus beschneidenden Gesellschaften glauben ihren Kindern das antun zu müssen. Und auch bei uns gibt es Beschneidungsfanatiker die die Religion über das Gesetz stellen, und letzten Endes den §1631d der die Beschneidung nicht einsichtsfähiger Jungen ausdrücklich erlaubt durchgeboxt haben. Ich schreibe viele Postings gegen Beschneidungsliebhaber, die sind aber gegen Argumente resistent. Es fehlt einfach die Empathie gegenüber männlichen Kindern.

    Und es ist natürlich ganz schlimm, wenn die eigene Mutter der man bis jetzt immer vertraut hat einem das antut. Andere lügen wenigstens vor, wie wichtig eine Beschneidung wäre, da man doch ohne diese ewig Kind bleiben würde usw. Und mit soviel Überredung glaubt dann so mancher Junge, dass es unbedingt sein müsse. Wenn ich an meinen Sohn denke, so kam der immer sofort angerannt wenn er irgendein Problem hatte und ich stelle mir daher vor, dass eine Kindheit ganz schlimm sein muss, wenn man niemandem mehr vertrauen kann.

    Es ist gut wenn Du professionelle Hilfe annimmst. Und genau Leute wie Du müssen Kinder kriegen, damit diese unselige Tradition der Genitalverstümmelung gebrochen wird.

  • Wir sind keine Psychologen.

    Richtig,wir sind keine Psychologen.
    Ich schreibe aus Sicht eines Menschen und auch als Mutter.
    Ich als Frau ,werde mich nie richtig in diese Situation nachempfinden können.
    Doch die Trauer,Wut und Hilflosigkeit kann ich nachempfinden.

    Sie laufen gerade Gefahr ihr Kind für immer(emotional)zu verlieren?!Ich denke, sie haben ihn längst verloren.
    Mein Mitgefühl gilt auch den TE

  • Sie laufen gerade Gefahr ihr Kind für immer(emotional)zu verlieren?!Ich denke, sie haben ihn längst verloren.


    Ich hatte bewusst geschrieben, dass Eltern "wie hier" Gefahr laufen, ihr Kind für immer zu verlieren. Es gibt bestimmt viele Eltern, die ihre Kinder aus welchen Gründen auch immer beschneiden lassen und keine Sekunde daran denken, dass sie neben dem Leid, welches sie ihren Kindern zufügen, im Zweifel auch mit der Konsequenz leben müssen, dass die Kinder irgendwann jeglichen Kontakt zu ihnen abbrechen werden.

    Es mag in anderen Kulturen, wo die Mehrheit der Menschen (Männer oder Frauen) zwangsbeschnitten wurden anders sein als hier. Erst der gedankliche Vergleich, dass alles hätte anders sein können, kann hier noch stärker eine Situation schaffen, die aus diesem grausamen Ritual eine "familiäre Spaltaxt" werden lässt, die alles trennt und den Traum von einer harmonischen "Großfamilie" wie eine Seifenblase platzen lässt.

    Hier berichten Menschen über ihr persönliches Leid mit der Beschneidung und hoffen auf Mitgefühl seitens der Mitforisten. Es werden sich hier aber wohl auch immer wieder Menschen "Informationen" suchen, die mit dem Gedanken spielen, ihr eigenes Kind beschneiden zu lassen. So gesehen können auch Betroffene indirekt denen helfen, die bisher von diesem Schicksal verschont blieben.

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Also erstmal danke für die netten Worte hier.Jedoch muss ich auch einige Sachen klarstellen:ich werde höchstwahrscheinlich nie mit meinen Eltern darüber reden,da so etwas für Sie normal ist.Daher gehe ich nicht davon aus,dass sie irgendeine Art Mitleid mit mir haben werden.Zweitens ist der Therapeuten den ich dann bald in 2 haben werde mir noch unbekannt.Der erste Therapeut hatte für meinen Anliegen nur paar Worte übrig.Er meinte dass es nicht schlimm wäre,da es ja Gebrauch in meinem Kultur wäre und man ja dann eh nicht Aids bekommen könnte.Zusätzlich auch,dass ja intensiver beim Sex wäre etc und es ja im Endeffekt "ein Stück haut"wäre.Also ja hoffe ich,dass mein nächster Therapeut hoffentlich besser ist.

  • Der erste Therapeut hatte für meinen Anliegen nur paar Worte übrig.Er meinte dass es nicht schlimm wäre,da es ja Gebrauch in meinem Kultur wäre und man ja dann eh nicht Aids bekommen könnte.Zusätzlich auch,dass ja intensiver beim Sex wäre etc und es ja im Endeffekt "ein Stück haut"wäre.


    Hallo blankspace,

    tut mir leid was dir zu gestoßen ist und wie abfälilig dich dein Therapeut behandelt hat. Das Große Problem ist, dass viele Ärzte und Therapeuten nicht sensiblisiert sind und sich deswegen nicht einmal annähernd vorstellen können, das jemand damit richtige Probleme haben kann. Ich habe mich meinem Problem bis jetzt drei Ärzten anvertraut. Von von einer Ärztin wurde ich nicht abgeweisen. Sie wusste aber auch keine Lösung für mein Problem.

    Ich hoffe du kannst einen Therapeuten finden, der sich besser in dich hineinversetzen kann.

  • Hallo blankspace, auch von mir noch ein herzliches Willkommen.

    Deine Geschichte...heftig...und dann auch noch keine wirkliche Hilfe und Unverständnis bei Therapeuten.

    Kenn ich leider auch...und mussdir sagen, wenn du von denen Hilfe und Verständnis willst, musst du die erst aufklären. Was dir der erste da sagte, bodenlos, hat keine Ahnung. Ein guter Therapeut nimmt einen Patienten IMMER ernst und informiert sich über die Probleme, wenn er sich nicht auskennt.

    Es gibt Bücher zu unserem Thema. "Ent-hüllt" von Clemens Bergner, und "Unaussprechliche Verstümmelungen" von Lindsay R. Watson. Kannst du dir eines besorgen und deinem neuen Therapeuten zu lesen geben?
    Oder verlink ihm dieses Forum. Ich war bei einem, der hat sich auch null ausgekannt und der hat dann dieses Forum einmal quergelesen...

    Falls du Hilfe bei der Aufklärungsarbeit bei deinem Therapeuten brauchst...gerne...frag einfach hier nach. Ich würde den sogar persönlich anschreiben, wenn ich dir damit helfen könnte.

    Damit dir Therapeuten überhaupt helfen können, STEH ZU DEINEM PROBLEM, und mach es ihnen klar.

    Und das mit deinen Eltern...Mist...aber nie darüber reden?
    Sie sehen und wissen das es dir schlecht geht, und sie haben nicht die leiseste Ahnung weshalb? Nicht sagen, weil du kein Verständnis erwartest, weil es für sie normal ist? Aber für dich ist es NICHT normal, und NUR das zählt. Du solltest es ihnen irgenwann sagen, wenn du bereit dafür bist. Aber nicht als Vorwurf oder auf der Suche nach Schuldigen. Ich würde ihnen sagen "ICH leide unter meiner Beschneidung..." vielleicht aber erst, wenn du einen Therapeuten hast, der eine Ahnung von der Materie hat, und dir beistehen kann. Aber deine Elterrn sollten auch eine Chance haben, und wenigstens wissen was Sache ist

    Noch weitere Fragen...gerne...und denk daran, du bist nicht allein mit diesem Problem...

    Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet ist, weil Dinge geliebt und Menschen benutzt werden. -Dalai Lama

  • Also ja hoffe ich,dass mein nächster Therapeut hoffentlich besser ist.

    Ich weiß jetzt nicht genau, wie das bei Psychotherapeuten geregelt ist, aber auch hier müsste es eine Beschwerdestelle geben. Vielleicht kann Dir aber notfalls auch das Bundesnetzwerk für Beschwerdestellen einen entsprechenden Ansprechpartner nennen, der Dich dabei unterstützt, dass Du einen Therapeuten bekommst, der Dir auch wirklich weiterhilft.

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Folgendes hat mir einmal jemand geschrieben:

    „Ich bitte doch um eine etwas differenziertere Betrachtungsweise. Die Beschneidung des Mannes verringert das Risiko von Portiokarzinomen bei Frauen entscheidend. Die reduzierte Empfindlichkeit des Penis führt zu einer geringeren Inzidenz von Ejaculatio präkox und bietet somit die Chance einer erfüllteren Sexualität von Frauen und Männern.“

    Auf Grund der Ausdrucksweise nahm ich an, es handle sich um einen Arzt. Auf Grund des Eintretens für Beschneidung nahm ich an es sei einer der damit Geld verdient. Tatsächlich ist der Mann Psychotherapeut. Wenn man zu so einem „Fachmann“ kommt, braucht man sich nicht wundern, dass der nicht versteht wie man mit dem Glück so eine gesunde Beschneidung erhalten zu haben, ein Problem haben kann.

    Leider ist es nun mal so, dass viele Psychotherapeuten keine Ahnung haben. Aber es gibt natürlich andere, wie Professor Matthias Franz(Düsseldorf) der gar ein Buch über das Problem geschrieben hat. (Die Beschneidung von Jungen: Ein trauriges Vermächtnis)

  • Egal ob ein Therapeut meint, dass ein Beschnittener "einen an der Waffel hat", egal ob die Beschneidung wirklich die Ursache für sein Unwohlsein ist, genau dieses Unwohlsein muss ein Therapeut ernst nehmen als Wirklichkeit annehmen. Nur wenn er es ernstnimmt, kann er dem Patienten helfen eventuelle Verdrängungen zu beseitigen.

    Ein guter Therapeut nimmt notfalls auch Zwangsvorstellungen ernst und fängt nicht damit an die Wahnvorstellungen selbst in Frage zu stellen. Er benutzt sie um ev. dem Patienten auf den Weg zurück in die Realität zu bringen.

    Insofern, halte ich in solchen Fällen eine Beschwerde für angebracht.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Ja, eine Beschwerde wäre angebracht...aber bringt sie blankspace weiter, oder würde sie nicht nur unnötig Kraft kosten? Kraft die er woanders braucht?

    (OT...wo gibt es eine Bundesbeschwerdestelle für Urologie...ich hätt da auch was...)

    Klar kann man sich aufregen, daß Psychotherapeuten keine Ahnung habe, bzw. Männer mit Beschneidungsproblemen nicht ernst nehmen...aber wenn zu denen keine Männer kommen die damit ein Problem haben, diese Therapeuten aber wissen, dass ungefähr ein Drittel aller Männer beschnitten ist...warum sollten sie da tiefer in die Materie eintauchen?
    Auch Prof. Franz brauchte erst ein "Erweckungserlebnis".

    Ich habe auch meine Erfahrungen mit Therapeuten...mit solchen, die mich auch nicht ernst nahmen, alle meine Problem auf rein psychisch einstuften...einer schmiess quasi die Therapie hin, liess mich hängen, weil ich nicht einsehen wollte das meine Probleme absolut keinen physischen Ursachen haben...einer bekam grosse Augen, und meinte er habe keine Kompetenzen, keine Erfahrungen dazu...einer wurde zusehends unsicher, unterbrach den Blickkontakt, mein Bericht wurde ihm zusehends unangenehm und kam mir am Schluss mit der Bibel, den manchmal helfe halt nur der Glaube...und einer nahm mich glaub anfangs auch nicht ganz ernst, wirkte erstaunt, arbeitete sich ein...und war dann entsezt, was eine Beschneidung anrichten kann...und gleichzeitig verwundert, dass er trotz über 30jähriger Berufserfahrung noch NIE einen Mann über Probleme durch eine Beschneidung reden hörte...

    @blankspace
    Was zum Lesen für deinen neuen Therapeuten

    Externer Inhalt www.youtube.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne Ihre Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    Prof. Franz über Beschneidung

    http://www.w-a-praxis.de/beschneidung-g…-in-berlin.html Ein Berliner Psychologe über Beschneidung und die Folgen daraus, er hat praktische Erfahrungen, Patienten, mit dieser Problematik...

    und wenn dich dein neuer auch abspeist, such dir einen anderen...

    Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet ist, weil Dinge geliebt und Menschen benutzt werden. -Dalai Lama

  • Ein guter Therapeut nimmt notfalls auch Zwangsvorstellungen ernst und fängt nicht damit an die Wahnvorstellungen selbst in Frage zu stellen. Er benutzt sie um ev. dem Patienten auf den Weg zurück in die Realität zu bringen.


    Um zu vermeiden, dass hier Begrifflichkeiten eventuell zu Missverständnissen führen, möchte ich kurz nach bestem Wissen die Unterschiede zwischen einem Psychotherapeuten und einen Psychiater aufzeigen. Ein Psychotherapeut "kümmert" sich praktisch ausschließlich um die Psyche eines Menschen. Ein Psychiater dagegen arbeiten im Bereich der Psychotherapie und der Psychiatrie. Psychiatrische Erkrankungen haben im Gegensatz zu psychologischen Problemen "organische" Ursachen. "Wahnvorstellungen" haben neben neurotischen Ursachen oft psychotischen Hintergrund.

    Der TO wurde jedoch als Kind zwangsbeschnitten und hat dadurch neben dem körperlichen Trauma (=Verletzung) wohl vermutlich auch ein psychisches Trauma davongetragen. So wie Menschen nach Autounfällen oder ähnlichen nicht nur mit den physischen Folgen belastet sind, ist es wohl auch dem TO ergangen. Und auch bei Unfällen (z.B. mit bleibenden Schäden), brauchen viele therapeutische Hilfe, um ein solches Trauma zu lindern oder gar zu überwinden.

    Dies nur als Einwurf, weil die Probleme des TO aus meiner Sicht eine völlig "gesunde Reaktion" auf eine "kranke Situation" sind. Gäbe es nicht so viele Länder, wo Menschen zwangsbeschnitten werden, würde man vermutlich bereits jeden, der auch nur mit dem Gedanken spielt sein eigenes Kind zwangsbeschneiden zu lassen, zum Therapeuten schicken. Die aktuelle Situation ist aber, dass die Opfer (=Kinder) der "wirklichen Patienten" (=Eltern) bei den Therapeuten als Patienten landen.

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!