• Vermutlich habe ich hier wohl bei den Aussagen und den 90°-Wendungen einer Advokatin langsam den Überblick verloren.

    Die MGM ist halt beides, Tradition und religiöses Ritual. Mal so, mal so, wie frau es gerade braucht. Die FGM wird (fälschlicherweise) als religionsfreie Tradition (am besten noch mit dem Zusatz "patriarchalisch!!!" (auch das Blödsinn)) dargestellt. Mit diesen Hütchenspielertricks kann man dann "das eine ins Töpfchen, das andere ins Kröpfchen" befördern.

    There is no skin like foreskin

  • Die MGM ist halt beides, Tradition und religiöses Ritual. Mal so, mal so, wie frau es gerade braucht. Die FGM wird (fälschlicherweise) als religionsfreie Tradition (am besten noch mit dem Zusatz "patriarchalisch!!!" (auch das Blödsinn)) dargestellt.

    Die MGM ist lediglich beim Judentum ein religiöses Ritual, dass aber selbst dort nicht eindeutig als religiöse Pflicht und schon gar nicht für Minderjährige festgemacht werden kann. Wäre die Beschneidung wirklich wichtig, hätten wir 11 Gebote. Und selbst Gebote sind keine Pflicht, sondern eine "moralische" Aufforderung (Alle Staaten dieser Welt verfügen schließlich über Waffen, um andere zu töten!!!)

    Dass uns aus islamistischen Kreisen die Beschneidung als religiöse Pflicht immer mal wieder untergejubelt wird, ist eigentlich fast schon peinlich. Wenn man schon seine Kinder zwangsbeschneiden lässt, sollte man doch wenigstens halbwegs wissen, was der Koran dazu sagt, in dem doch alles Wichtige geschrieben steht ;)

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • was der Koran dazu sagt,


    vor allem was er dazu nicht sagt.

    • Die Vorhaut kann mit einer Rosenknospe verglichen werden. Wie eine Rosenknospe wird sie erst blühen, wenn die Zeit gekommen ist. Niemand öffnet eine Rosenknospe, um sie zum Blühen zu bringen (Dr. med. H. L. Tan).
    • Alle Wahrheit verläuft in drei Stadien: Im ersten wird sie verlacht. Im zweiten wird sie vehement bekämpft. Im dritten wird sie als selbstverständlich anerkannt (Arthur Schopenhauer).
    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • ehem muss mal nachfragen, obwohl kaum Ahnung mitbringe. Kommt da nicht häufig ein Verweis auf irgendwelche Hadithen oder eine andere Quelle, die von Muslimen als wichtige Ergänzung zum Islam anerkannt wird? Wonach, da Mohamed ohne Vorhaut auf die Welt kam, es für Muslime erstrebenswert sei, ohne Vorhaut zu leben - und manche richten sich sehr streng nach dieser Ansicht? Kenne freilich aus dem Christentum, dass die Auswahl angeblich bedeutender Bibelstellen ziemlich willkürlich erfolgt ...

    ...Wir haben bis jetzt keine Freiheit des Einzelnen, des Individuums, des Bürgers. [Allen Menschen bei uns ist das Zugehörigkeitsgefühl] am wichtigsten. Sie sind Mitglieder der Nation oder Religion, aber nicht selbstbewusste und -verantwortliche Menschen.
    ein katholischer Theologe in einer Doku über Ex-Jugoslavien

    Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
    Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. ...
    Khalil Gibran

  • vor allem was er dazu nicht sagt.

    Danke für den Hinweis. Ich hatte übersehen, dass die Betreffenden ja tatsächlich in völliger Unkenntnis der religiösen Vorschriften ihre Kinder verstümmeln lassen bzw. Tradition, Sitte und Religion nicht im Ansatz unterscheiden können.

    Aber kann man dies auch von einem Gläubigen überhaupt erwarten, wenn sogar Juristen, die habilitiert haben, nicht in der Lage sind die Grundrechte nach ihrer Reihenfolge im Grundgesetz richtig einzuordnen.

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Quote from NoCut

    Die MGM ist lediglich beim Judentum ein religiöses Ritual...

    Bei den säkularen Juden schon mal nicht. Wer nicht an Gott glaubt kann sich nicht auf ihn berufen. Bis 1990 war das hier angeblich die große Mehrzahl der Juden hier.

    Natürlich gibt es auch Muslime, die sich auf Abraham berufen. Und das als religiöse Verpflichtung sehen (ist doch glaube ich Teil der Sunna, oder wie das heißt (ich habe nicht vor, Islam-Experte zu werden)) Und es gibt auch Christen, die sich bei der MGM auf die Bibel berufen. Oder wenn sie ihre Kinder züchtigen, usw...

    Warum soll man sich darüber überhaupt den Kopf zerbrechen?

    Religion, Weltanschauung, Tradition, Kultur, das geht doch sowieso alles fließend in einander über.
    Religion ist ja auch nichts statisches, Religionen verändern sich - sie müssen das auch, um sich am Markt behaupten zu können (man kann das durchaus marktwirtschaftlich oder auch evolutionär sehen).
    So hat das Christentum die MGM weitgehend (bis auf die Kopten) abgeschafft, die Juden hingegen haben die Zirkumzision sogar noch erheblich verschärft. Heute gibt es Priesterinnen, Rabbinerinnen (gibt es schon Imaninnen?) - gab es früher nicht (oder nur ganz früher wieder doch...)
    Wenn man also sagt Religionsfreiheit geht über alles, dann stell man einen Blankoscheck aus. Denn irgend ein Pontifex maximus sagt dann: "das muss!" Und dann ist das legal.

    Warum soll da eines dem anderen gegenüber benachteiligt oder bevorzugt sein?
    Das mit der Religionsfreiheit wird ja gerne missbraucht, um die MGM gegenüber der FGM zu rechtfertigen. Das eine religiös (=gut), da andere patriarchalisch (=böse). Aber auch die FGM ist z.T. in Religion eingewoben, und oft eher matriarchalisch.
    Im übrigen steht im Grundgesetz, dass weltanschauliche Gemeinschaften den Religionsgemeinschaften gleichgestellt sind. Und dass sich beide an die Gesetze halten müssen. Da steht nicht, dass die Gesetze einzelnen Minderheitenreligionen angepasst werden müssten
    Du kannst also jederzeit eine Weltanschauung gründen, dass Kindern hier oder dort ein wenig vom kleinen Körper abgeschnitten werden sollte.
    Nein, nicht Kindern, nur Jungen natürlich.

    There is no skin like foreskin

  • Quote

    Religion, Weltanschauung, Tradition, Kultur, das geht doch sowieso alles fließend in einander über.

    Mir fällt da der Vortrag von Frau Dr Deusel ein (nach der Erläuterung der diversen Ausnahmeregelungen vom göttlichen Beschneidungsbefehl):

    "Ein Unbeschnittener ist schon noch ein Jude über die Mutter, aber er wird oft nicht als vollständiger Mann angesehen."

  • "Ein Unbeschnittener ist schon noch ein Jude über die Mutter, aber er wird oft nicht als vollständiger Mann angesehen."


    Ich weiß, man kann das auch üüüüüberhaupt nicht vergleichen, aber

    Quote

    Sie bettelte und flehte und hoffte so sehr, dass sie bald endlich zu einer richtigen Frau werden würde.

    http://www.welt.de/politik/deutsc…t-bedeutet.html

    Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
    Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
    Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
    https://tredition.de/autoren/clemen…aperback-44889/

  • Natürlich gibt es auch Muslime, die sich auf Abraham berufen. Und das als religiöse Verpflichtung sehen (ist doch glaube ich Teil der Sunna, oder wie das heißt (ich habe nicht vor, Islam-Experte zu werden)) Und es gibt auch Christen, die sich bei der MGM auf die Bibel berufen. Oder wenn sie ihre Kinder züchtigen, usw...


    Eigentlich sollte man jeden, der die Stelle mit der Beschneidung im alten Testament gelesen hat und diese befolgt, fragen, ob er noch bei Sinnen ist oder anders gesagt, was würdet ihr tun, wenn ihr ein uraltes Rezept aus einem alte Kochbuch finden würdet, wo am Anfang als Backzeit 1,5 Stunden stehen würde und am Ende dann ungefähr 30 Minuten. Ich würde mir nicht die Mühe machen, dieses Rezept auszuprobieren, weil ich ja dann nicht weiß, wie viele Fehler durch die Überlieferung, Übersetzung und vorsätzliche Fälschung sich noch darin verstecken.

    Ismail war bei seiner Beschneidung laut Bibel 13 Jahre  :||  alt (1.Moses 17, 25). Ein paar Kapitel weiter (ca. 2 Jahre später) heißt es dann:

    "Am nächsten Morgen nahm Abraham Brot und einen Schlauch mit Wasser, gab beides Hagar, legte ihr das Kind 8o auf die Schultern und schickte sie fort." (1. Moses 21, 14)

    Ein "Kind" von rd. 15 Jahren sollte doch in der Lage sein eigenständig zu gehen :rolleyes:

    So hat das Christentum die MGM weitgehend (bis auf die Kopten) abgeschafft, die Juden hingegen haben die Zirkumzision sogar noch erheblich verschärft.

    Die Beschneidung bzw. der "beste Bund mit Gott" ist eine Art Wettstreit zwischen den Religionen geworden. Die eine Richtung besagt sinngemäß, dass man Gott man nächsten steht, wenn es am meisten weh tut oder wenn man die meisten Verbote beachtet. Der andere Weg ist, dass man sich möglichst säkular oder zeitgemäß verhält. Alle Religionen eiern hier bei diesem Wettstreit wild durcheinander. Mal schickt man Ritter auf Kreuzzüge und verbrennt vermeintliche Hexen oder man macht aus der Beschneidung eine Totalamputation der Vorhaut. Hier soll dann irdischer "Aberglaube" den fehlenden inneren Glauben ersetzen.

    Was hat dies aber noch mit dem Juristentag zu tun? Frau Prof. Hörnle & Co. scheinen das Grundgesetz mit ähnlichen Methoden zu verwässern, wie es die geistigen Irrlichter bei den Religionen seit je her getan haben. Im besten Fall kann man hier Profilneurosen als Grund unterstellen und im schlimmsten Fall sogar Zynismus, so jedenfalls mein persönlicher Eindruck.

    Habt Ihr Euch schon mal gefragt, ob man vielleicht sogar bewusst den schwarzen Peter wieder an die Religionen zurückgegeben hat? Wären in Deutschland Zangsverstümmelungen verboten worden, hätte man damit aufhören können, ohne "selbstverschuldet" eine religiöse Pflicht zu missachten. Nehmen wir doch die vielen Menschen aus Russland, denen offenbar ohne Beschneidung nie etwas gefehlt hat. Sie waren in der komfortablen Lage, dass sie die Beschneidung nie aktiv abschaffen mussten. Außerdem scheint es so zu sein, dass diese auch jetzt nach ihrer Ausreise nicht das innere Bedürfnis empfinden, sich freiwillig im Erwachsenenalter noch beschneiden zu lassen, was einem doch zu denken geben sollte!

    Der deutsche Gesetzgeber "erlaubt" nun aber ausdrücklich eine Körperverletzung an Kinder zu begehen, egal ob dies mit dem Grundrecht im Einklang steht oder nicht. Steckt hier vielleicht sogar System dahinter?!

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Außerdem scheint es so zu sein, dass diese auch jetzt nach ihrer Ausreise nicht das innere Bedürfnis empfinden, sich freiwillig im Erwachsenenalter noch beschneiden zu lassen, was einem doch zu denken geben sollte!

    Ich habe keine Zahlen darüber und die paar, von denen man hört, dass sie das nachholen, die kann man kaum zum Maßstab machen.

    Eines ist aber klar. Wenn der einzige Kristallisationspunkt, der einem einen Gemeinschaftssinn verspricht, die Synagoge oder die Gemeinde ist, wenn Einwanderungsbehörden jüdische, russische Einwanderer, wie es verbrieft ist, zur jüdischen Gemeinde geschickt haben ("dort wird man euch beim Ausfüllen der Papiere helfen") und wenn dann noch die Akzeptanz dieser Neuzuwanderer nicht allzu dolle ist, dann muss man sich nicht wundern, wenn die Rückbesinnung auf diesen Kristallisationspunkt (Religion und Gemeinde) zu integristischen Neigungen führt.

    Viele opfern dann die Vorhaut Ihres Sohnes...

    • Die Vorhaut kann mit einer Rosenknospe verglichen werden. Wie eine Rosenknospe wird sie erst blühen, wenn die Zeit gekommen ist. Niemand öffnet eine Rosenknospe, um sie zum Blühen zu bringen (Dr. med. H. L. Tan).
    • Alle Wahrheit verläuft in drei Stadien: Im ersten wird sie verlacht. Im zweiten wird sie vehement bekämpft. Im dritten wird sie als selbstverständlich anerkannt (Arthur Schopenhauer).
    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)

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