Kinderkanal setzt pro-Beschneidungs-Propaganda auf Programm

  • Ich möchte hier nicht missverstanden werden: auch ich halte noskins Kommentar für sehr wertvoll.

    Meine Frage bezog sich auf seine Formulierung: "die" Kinder. Das ist ja eine generalisierte Aussage.

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Und: sollte das öffentlich-rechtliche Fernsehen diese Sichtweise pädagogisch vermitteln?


    Wie ich bereits in einem früheren Kommentar geschrieben habe, halte ich diese und andere Sendungen auf dem Kinderkanal für äusserst bedenklich.

  • Es fängt auf dem Spielplatz an, mit den Hänseleien der Spielkameraden, dann hat er selbst sicher schon Beschneidungsfeste gesehen und jetzt wird er der Mittelpunkt und kriegt aus allen Ecken gut zugeredet. Aus der Nummer konnte er nicht rauskommen und irgendwie muss er das als seine Welt akzeptieren, weil er ansonsten in schwerer Konflikte geraten würde.


    Es gibt in der Türkei durchaus, wenn auch nur wenige, kritische Kommentare zur Beschneidung. Einzig das Buch "Sünnet " von Nil Gün behandelt die Thematik kritisch. In den Kommentaren gibt es neben den üblichen negativen Kommentaren auch durchaus positive und auch solche, die ihren Sohn nicht beschneiden wollten und dann schlussendlich doch beschnitten werden musste, da der Druck in der Schule einfach zu gross wurde. Der gesellschaftliche Druck ist hier enorm und zu wiederstehen ist wirklich nicht einfach.

  • 0:41 Gehlen: das ist ja im Kika so, dass man überall mitmachen kann

    35:18 Gehlen: Herr Stumpf, wie können sie sich das erklären, dass man schon im Vorfelde einer solchen Sendung über 600 mails bekommt [ist das ein Wunder bei einer skandalösen Sendung?], die völlig unterschiedlichen Charakters sind, und war das für sie ein Schock, oder war das WOW!, es gibt Reaktionen, der Kika ist ja dafür bekannt, dass er interaktiv ist, Kika zeigt keine Gewalt [Kindesverstümmelung IST Gewalt], wie werden sie persönlich damit fertig? [Sie Ärmster!]

    Stumpf: "*Kichern* ich kann damit sehr gut, sehr gut *Kichern* leben wir haben viele gelesen, also wir haben das am Donnerstag, als wir gemerkt haben ok, das ist ein Thema, was auch gefunden wird, da haben wir uns zum einen mal gefreut, ok, man setzt sich mit unserem Programm auseinander, man sieht, was wir tun

    Wir haben auch gesehen, OK, Eltern beschäftigen sich mit dem, was Kinder im Fernsehen sehen, das finden wir erst mal per se gut, also da haben wir gar kein Problem damit wir haben aber auch gesehn, dass dieser Gesprächsbedarf so groß ist, das wir gedacht habe, ok, wie können wir uns öffnen, das wollen wir generell machen...

    [4 mal OK! Alles in Butter!]


    Wir öffnen uns gerne für diese Diskussion, da habe ich kein Problem damit..
    Insofern finde ich es jetzt richtig, den Diskurs auch jetzt zu machen, ...

    wie gesagt man kann sich an uns wenden und unsere Zuschauerredaktion, da sind wir einfach dialogbereit
    drüber reden ist im Endeffekt auch genau das, was wir auch wollen.."
    [Reden jederzeit, bloß zuhören ist das letzte, was ihr wollt]

    So und jetzt kommt der Realitätstest. Viele Leute haben an den Kika geschrieben, oder sind an ihn weitergeleitet worden. In individuellen Schreiben haben sie ihre Argumente und Bedenken vorgetragen. Und was kam zurück? Ist der Kika in einen Dialog eingetreten, ist er auf Argumente eingegangen?
    Nein, Ein billiges Standardschreiben kam zurück. Jede Art Input führt offenbar zu dem selben Output. Sieht so Dialog aus?

    Das Standardschreiben ist inzwischen noch mal überarbeitet worden, z.B. wurde aus

    Eine Verherrlichung von Beschneidung findet nicht statt.

    -> Eine positive Darstellung von Beschneidung findet nicht statt.

    ...findet nicht statt. *Auf den Boden stampf!* Ich hab' abba recht! Ihr seid alle doof! Kinderkanal...

    Das ist also "Dialog" für den Kinderkanal.

    Fleischer:

    Zitat

    Wenn ein Kind jetzt diesen Film gesehen hat, und fand den Thasin, fand den lustig, ja und fand das Fest irgendwie gut, ja dann ist das auch in Ordnung gewesen, ne?

    ..also das sind ja positive Anregungen, die dieser Film da Kindern und Eltern auch geben kann...

    ...wir haben 'ne positive Auflösung, ne, diesem Jungen geht's gut, ja?

    There is no skin like foreskin

    Einmal editiert, zuletzt von Selbstbestimmung (22. Januar 2014 um 16:27)

  • Der geselschaftliche Druck ist hier enorm und zu wiederstehen ist wirklich nicht einfach.

    Zumindest fragen wird man sich dürfen, warum man in unseren Kindergärten infolge der sexuellen Missbrauchsfälle seit Jahren die Kampgne "Mein Körper gehört mir" fährt und die Kinder dazu befähigt, "Nein!" zu sagen. Diese Bemühungen werden durch den Kika-Film nicht nur in ihr Gegenteil verkehrt, sondern diese Verkehrung wird auch noch beschönigt.
    In diesem Forum ist - völlig zu Recht - von "Täter-Opfer-Kreisläufen" und der "Identifikation mit dem Aggressor" schon oft die Rede gewesen. Genau dieses wird mit dem Film transportiert.
    Letztlich in dieselbe Richtung geht der Umgang mit der von Selbstbestimmung so zutreffend entlarvten "Interaktivität": kritische Stimmen werden mit Worthülsen abgebügelt, "Interaktivität" findet ausschliesslich unter den Befürwortern statt. Der Rest ist Schweigen.
    Kika transportiert hier einen Umgang mit Kindern, der genauso hinter die erreichten Ziele zurückfällt wie das Beschneidungsgesetz hinter das Prügelverbot.

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Lieber werner,

    das ...

    Zumindest fragen wird man sich dürfen, warum man in unseren Kindergärten infolge der sexuellen Missbrauchsfälle seit Jahren die Kampgne "Mein Körper gehört mir" fährt und die Kinder dazu befähigt, "Nein!" zu sagen. Diese Bemühungen werden durch den Kika-Film nicht nur in ihr Gegenteil verkehrt, sondern diese Verkehrung wird auch noch beschönigt.
    In diesem Forum ist - völlig zu Recht - von "Täter-Opfer-Kreisläufen" und der "Identifikation mit dem Aggressor" schon oft die Rede gewesen. Genau dieses wird mit dem Film transportiert.
    Letztlich in dieselbe Richtung geht der Umgang mit der von Selbstbestimmung so zutreffend entlarvten "Interaktivität": kritische Stimmen werden mit Worthülsen abgebügelt, "Interaktivität" findet ausschliesslich unter den Befürwortern statt. Der Rest ist Schweigen.
    Kika transportiert hier einen Umgang mit Kindern, der genauso hinter die erreichten Ziele zurückfällt wie das Beschneidungsgesetz hinter das Prügelverbot.


    ... ist so exzellent formuliert, dass es – so hoffe ich – in einem Brief an KiKa, Intendanz von ARD/ZDF, Programmaufsicht etc. steht. Falls nicht, bitte unbedingt nachholen. Ich werde auch noch schreiben und diese Punkte aufgreifen. :thumbup:

    In die Expertenrunde hätte (u.a.) eben auch ein Psychologe wie Prof. Franz gehört, der den erwachsenen unbedarften Zuschauern mal erläutert, was Eltern dazu bringt, einem geliebten Kind diese Schmerzen zufügen zu lassen, es gesundheitlichen Risiken auszusetzen (bis hin möglicherweise zum Tod) und sein sexuelles Empfinden für den Rest des Lebens zu verändern (oder in seltenen Fällen sogar zu zerstören).

    Und in dem für Kinder aufbereiteten Chat hätten sie in der Tat unbedingt erfahren müssen, dass hierzulande Jungen das Recht auf einen eigenen Willen haben, und die "Teilnahme" an dieser Feier verweigern können. Und zwar ganz sicher einmal an dem Teil des Festes, wo es darum geht, ihnen Schmerzen zu bereiten und was vom Penis abzuschneiden.

  • Es gibt in der Türkei durchaus, wenn auch nur wenige, kritische Kommentare zur Beschneidung.


    Ich habe mal im Bekanntenkreis gehört, dass die Beschneidung in westlich orientierten Akademikerkreisen kein Thema sein soll bzw. tendenziell eher die "einfacheren Leute" bis hin zur Mittelschicht im blinden Gehorsam gegenüber der Sunna (der Koran schreibt ja keine Beschneidung vor) ihre Kinder beschneiden lassen. Ist an diesem "Gerücht" tatsächlich was dran?

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Unsere beiden Wahlurnen sind jetzt geschlossen worden. Hier ist das amtliche Endergebnis:

    Abstimmung Nr.1:
    Soll das Thema "Beschneidungsfest auf KIKA" wieder zu einem Thema zusammengeführt werden?
    Insgesamt 11 Stimmen
    64% sagten:
    „Ja, dann kommt zusammen, was zusammen gehört.“ (7 Stimmen)
    36% sagten:
    „Nein, ist mir zu unübersichtlich, lieber getrennt lassen.“ (4 Stimmen)


    Abstimmung Nr.2:
    Soll es für Schweiger einen gesonderten Strang geben?
    Insgesamt 12 Stimmen
    8% sagten:
    „Ja, ich möchte, dass alle bisherigen Beiträge von ihm entfernt und in einem extra-Strang aufgeführt werden.“ (1 Stimme)
    58% sagten:
    Ja, ich möchte, dass die bisherigen Beiträge über ihn kopiert und die Kopien in einem extra-Strang aufgeführt werden. (7 Stimmen)
    33% sagten:
    „Nein, ich möchte das nicht, alles soll so bleiben wie es ist.“ (4 Stimmen)


    Die technischen Bastelarbeiten werde ich heute Abend nicht mehr angehen, aber es wird natürlich umgesetzt, was die jeweilige Mehrheit bei den Umfragen wollte.

  • Ich verstehe daraus, dass alles in einen Strang kommt.
    Nur der Schweiger soll rauskopiert (wohlgemerkt kopiert und nicht verschoben) werden.

    Das erste mache ich sofort.
    Das Zweite irgendwann  :S

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • http://mogis-verein.de/blog/2014/01/2…chneidungsfest/

    Kritik: KiKA-Sendung “Schau in meine Welt – Tahsins Beschneidungsfest”
    Bereits bevor der Film “Tahsins Beschneidungsfest” im KiKA lief, haben Ärzteverbände sowie Kinder- und Menschenrechtsorganisationen, uns eingeschlossen, den Film kritisiert. Dabei wollten wir es natürlich nicht belassen, wir möchten auch sehen, ob der Beitrag wirklich so schlimm war wie befürchtet. Unsere Ansicht: Ja!

    Wer eine Reportage macht, muss sich natürlich immer fragen, wie weit er die beschriebenen Geschehnisse einordnet und bewertet. Ist der Beitrag an Erwachsene gerichtet, so ist es durchaus in Ordnung, diese Einordnung weitestgehend auszulassen. Man kann erwarten, dass der mündige Bürger selbst in der Lage ist, die Schilderungen zu bewerten.

    Handelt es sich beim Zielpublikum aber speziell um Kinder, so wäre mehr Sorgfalt erforderlich.

    Natürlich soll und will man auch Kindern ihre Meinung nicht vorschreiben. Aber wenn die gezeigten Personen durchweg eine bestimmte einseitige Haltung einnehmen (bedingt durch ihren kulturellen oder religiösen Hintergrund), dann wäre es wichtig zu erwähnen, dass es bei einem kontroversen Thema auch andere Stimmen gibt.

    Im Rahmen der Serie “Schau in meine Welt” wurde am Sonntag im KiKA die Reportage “Tahsins Beschneidungsfest” gezeigt. Sie handelt von der Beschneidung des elfjährigen muslimischen Jungen Tahsin in der Türkei, sowie über das anschließende Fest.

    Von Sorgfalt oder einer Anregung zum eigenen Nachdenken kann hier allerdings keine Rede sein, stattdessen kommt es bereits am Anfang zu einem Fehler:


    Zitat

    Sprecher:
    Die Beschneidung. Das ist ein uraltes religiöses Ritual, das auch für Muslime selbstverständlich ist.

    Die Beschneidung ist im Islam aber keine religiöse Vorschrift, andersals im Judentum. Sie ist lediglich aufgrund von Traditionen üblich.

    Ansonsten kam vom Sprecher, also den Autoren des Films, nichts wirklich Falsches, aber auch nichts Hilfreiches.

    Stattdessen blieb vieles einfach unkommentiert stehen:

    • Das Mobbing, das man als Unbeschnittener erfährt:
    Zitat

    Tahsin:
    Ich finde es blöd, dass meine Beschneidung jetzt erst stattfindet. Eigentlich sagen ja alle, dass man als Dreijähriger schon beschnitten werden sollte. Man fühlt sich echt nicht gut, weil alle anderen einen ständig hänseln.

    • Die beschwichtigenden Worte des Vaters vor der Beschneidung:
    Zitat

    Ihr braucht keine Angst zu haben, alles wird in 5 Minuten vorbei sein, es werden Gäste kommen, es wird Essen geben, Süßigkeiten werden verteilt, Musiker werden spielen. Und es wird nicht geweint, in Ordnung? Hast Du Angst?

    Genau, es wird gefälligst nicht geweint, sei ein Mann!


    • Die Gemütlichkeit, mit der “kleine” chirurgische Eingriffe von Nicht-Ärzten beim Hausbesuch abgewickelt werden:
    • Das Glück der Familie nach der Beschneidung:
    Zitat

    Vater:
    Es gibt ein Sprichwort, das besagt, dass es nicht jedem vergönnt ist, solche Vaterfreuden zu erleben. Da ist was dran. Ich bin jetzt stolz und richtig glücklich.
    [...]
    Mutter:
    Heute [Tag der Beschneidungsfeier] ist wirklich ein sehr wichtiger Tag für die ganze Familie.

    • Und natürlich das tolle Fest, das zwei Wochen nach der Beschneidung stattfindet:

    Jetzt sagt Tahsin, es ginge ihm gut. Aber wenn das gar nicht stimmt?
    Wem könnte er sich anvertrauen? Soll sich ein Elfjähriger gegen sein gesamtes Umfeld auflehnen, das ihn in dieser Frage manipuliert hat seit er denken kann? Woher sollte er die Kraft nehmen, die Rolle zu verweigern, die man ihm zugedacht hat – in kompletter Abhängigkeit stehend?

    Und selbst wenn es ihm im Moment gut geht.

    Wird KiKA Tahsin auch in 20 oder 30 Jahren wieder befragen? Dann nämlich, wenn die Operation selbst vielleicht fast vergessen sein wird, dafür aber die Auswirkungen auf seine Sexualität erst präsent werden. Wird KiKA sich auch dafür interessieren, falls Tahsin irgendwann erfahren sollte, dass ihm bis zu 70 % seiner sexuellen Empfindungsfähigkeit auf dem heimischen Wohnzimmertisch weggeschnitten wurde?

    Falls er irgendwann erkennen sollte, dass ihm weder Vater, noch Mutter, noch die beiden “Männer aus der Gemeinde” auch nur ein Sterbenswörtchen darüber gesagt haben, dass es Männer gibt, die später an den Folgen einer Vorhautamputation leiden? Wenn ihm klar wird, dass es diese Menschen, denen er völlig vertraute, nur einen Klick im Internet gekostet hätte, um von diesen möglichen negativen Folgen zu erfahren und die einzig mögliche Konsequenz daraus zu ziehen, ihn und seinen Bruder davor zu beschützen?

    Falls er sich belogen und betrogen vorkommen sollte, unvollständig oder entblöst und verstümmelt? Falls ihm Masturbation oder die Narben Schmerzen bereiten? Wer wird ihm dann zuhören?

    Sein Vater etwa, der so froh und stolz über die Vorhautamputation seiner Söhne war und darüber, dass sie für ihn ihre Ängste unterdrückten? Die Kumpels, die Tahsin wegen seines noch intakten Penis gehänselt hatten? Wird sich KiKA auch dann noch für diesen Menschen interessieren und ihm und seinem Erleben eine Stimme verleihen?

    Wahrscheinlich wird Tahsin niemand zuhören. Wie eben auch den meisten negativ betroffenen Männern niemand zuhört.
    Nach der Operation, nach der großen Party mit Geschenken und Geld beginnt das große SCHWEIGEN.

    Vielleicht fühlt sich Tahsin dann auch als Versager. Weil er die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen konnte: froh und dankbar zu sein, dass man ihm einen Teil seines Körpers entfernt hat, der nur ihm gehörte. Weil er es einfach nicht schafft, so zu sein, wie alle anderen.
    Woher soll er denn auch wissen, dass noch so viele andere schweigen?

    Wer wird schon das zu hinterfragen wagen, was einen zum Mann gemacht hat. Schließlich möchte man ein Mann bleiben.

    Der KiKA erleichtert durch den einseitig manipulativen Charakter des Films auch Eltern in Deutschland, Vorhautamputationen sich selbst schönzureden und hilflose Jungen dafür gefügig zu machen. KiKA macht sich mitschuldig an den entstehenden körperlichen und seelischen Schäden.

    Denn das Fazit, das der Film vermittelt, lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Eine Beschneidung tut kaum weh, kann unkompliziert im eigenen Wohnzimmer ausgeführt werden, danach gibt es eine schöne Feier und Anerkennung von Familie und Freunden, während man sich jetzt über die noch unbeschnittenen Außenseiter lustig machen kann.

    Alles super also – solange man nur dem öffentlich-rechtlichen Kinderfernsehen vertraut.

  • Toll, ich war voll im Editing - und dann alles weg - ungültiger Link. Super! Zurück zur vorherigen Seite - nichts. Alles neu eintippen!
    Klasse Sache, dieses Thread-Zusammenführen! :cursing:

    Bitte, machen wir also weiter mit dem Mischmasch - das bezieht sich jetzt auf den "Talk":

    Stumpf redet so schön von: von der Diskussion öffnen, ist gar kein Problem, Gesprächsbedarf, Diskurs, dialogbereit, blablabla

    Na, dann schaun wir uns mal ein Beispiel fü den tollen Kika-Dialog an! (Ge: Gehlen, Ce: Cetin, St: Stumpf)

    Da sind also tatsächlich Fragen, sogar ganz viele:

    Ge:Ich hab ganz viele Fragen an H Cetik jetzt noch, (*Lach*) [was ist daran witzig?] da ist erst mal was die Frage der Diskussion auch außerhalb des Films, natürlich und des Kikas auch angeht, das muss ja irgendwo auch weitergehen, welche Erfahrungen haben sie da gemacht und was wünschen sie sich, noch diskutiert sein?

    [Waren das jetzt Zuschauerfragen? Die Sendung sollte doch eigentlich auf Zuschauerfrage eingehen. Wenn da von den Zuschauern "ganz vielen Fragen"kamen bezogen sich doch vermutlich auf die Diskussion der MGM, wie das weitergehen soll.]

    Ce: Das Problem
    Ge: ja
    Ce: also unsere Wahrnehmung als Muslime
    Ge: ja
    Ce: und muslimische Verbände ist gerade, dass die Debatte über Religion, insbesonders über den Islam zuwenig geführt wird, auch zu wenig in den Schule leider geführt wird - es ist von Lehrer zu Lehrer teilweise auch anders, aber als das Thema 2012 bis 2013 hinein diskutiert wurde, auch in der Öffentlichkeit, da haben wir auch gemerkt, dass mehr und mehr mails, e-mail, DROHBRIEFE, rassistische mails an die .. unsere Moschee Vereine kamen, wo wir gesagt haben immer auch dann, wen Sarrazin auch sein Buch
    Ge: ja
    Ce: veröffentlich hat
    Ge: ja
    Ce: oder auch anderes, dann gibt es immer auch den Drang von rassistischen Tendenzen gegen Moscheen oder irgendwas vorzugehen und das haben wir auch bei der Beschneidungdebatte erlebt, da finden wir als Muslime dass sehr viele Vorurteile [ist das denn jetzt ein Vorurteil, dass viele Muslime ihren Jungen die Vorhaut rauben?] leider noch bestehen, ja und das Problem ist teilweise auch dass wir nicht gut professionell strukturiert sind als Muslime, keine eigenen Medien haben, wo wir an die Öffentlichkeit rantreten können, uns erklären können wer wir sind, wie wir hier leben als Muslime in Deutschland, und diese Vorurteile sind da, wir können höchstens Moscheeführungen machen und die Menschen aufklären deshalb bedanke ich mich bei der Kika [eine Hand wäscht die andere] dass sie doch sehr offen sind - offen gegen andere Religionen und Kulturen und auch uns die Gelegenheit geben zu erklären, wie wir dazu stehen, also was wir sind und wie wir denken leider wird dieses gemeinsame Zusammenleben durch sehr viel Vorurteile und rassistische Tendenzen.immer wieder geschwächt und wir denken immer als Muslime, wir sind zwar seit 50 Jahren hier in Deutschland [Zeit genug, um mit Kindsverstümmelung aufzuhören], aber wir müssen immer wieder von Null wieder anfangen, da müssen wir mehr tun, und da brauchen wir natürlich auch Unterstützung....

    Also statt irgendwie auf das Thema "Bescheidung"/MGM einzugehen kommt *bautz!* - die Rassismuskeule, wird die Täterperspektive flugs gegen die Opferperspektive ausgewechselt, wird schnell noch der Sarazin reingerührt - Angriff ist immer die beste Verteidigung - und dann "wir brauchen, wir wollen" eigenen Fernsehkanal, um die Ungläubigen aufzuklären/zu bekehren... u.a vermtl. zur "Wohltat" der Genitalverstümmelung.

    Also so werden Fragen beantwortet, toller Dialog. Und die anderen "ganz vielen Fragen" - fielen leider unter den Tisch.

    Da werden sich die Bälle schön gegenseitig zugeworfen, Gehlen streut geflissentlich ein zustimmendes "ja"ein... chaplinesk:

    Ge: Nun haben sie ja mehrere Journalisten hier sitzen wo ich sagen kann ich glaube die nötige Journalistische Distanz
    St: ja
    Ge: war in dem Film unbedingt da. ich denke, darüber müssen wir nicht
    St: ja
    Ge: diskutieren hier, das glaube ich schon.
    Stumpf: ja

    Kasperltheater... irgendwie scheint da noch "altes Denken" vorhanden zu sein: "Die Partei, die Partei, die hat immer Recht..." -> "Der Kanal, der Kanal, der hat immer Recht.."

    Aber man beschäftigt sich beim Kika auch mit den Opfern! Ja, wirklich!

    Ge: Wir dürfen nicht unerwähnt lassen, es gibt Opferverbände, erreicht uns ja auch, natürlich Opferverbände wo es schiegfgegangen ist, oder wo man dann eben sagt wo eben Nachfolgewirkungen sind und haben sie da eine Diskussion, sind sie mit solchen Verbänden in Diskussionen, oder spielt das bei ihnen keine Rolle?

    Ce: Nein, bis jetzt ist mir zumindest im Landesverband Berlin...
    Ge: Ja!
    Ce: oder Moscheen in Berlin ist mir da nix bekannt, also keiner ist an uns rangetreten von den Opferverbänden und hat da was gesagt, zumal wir ja auch ganz klar der Meinung sind, dass wir sagen wenn die Beschneidung stattfindet, dann müssen die hygienischen Voraussetzungen gegeben sein - sonst sind wir auch nicht dafür.

    [Wie - und wenn die hygienischen Voraussetzungen gegeben sind -dann bleibt die Vorhaut dran, das Genital intakt?]

    Und damit ist das Thema "Opfer" auch schon abgehakt!
    Edit: Die Opferbände haben sich nicht an den gaaanz wichtigen Herrn Cetin gewendet, somit braucht da nicht weiter drauf eingegangen zu werden - soll man lachen oder weinen?

    Stumpf hat auch einen Tweet. Die rechte Diskussion will da aber auch nicht aufkommen, einzig:

    Zitat

    @michastumpf Skandalös was sie sich erdreistet haben zu senden, inkl. des anschließenden Propaganda-Talks mit kirchlichen "Experten"!

    https://twitter.com/michastumpf/status/424162859476865024

    There is no skin like foreskin

    Einmal editiert, zuletzt von Selbstbestimmung (23. Januar 2014 um 08:25)

  • Man hätte die "Expertenrunde" natürlich auch anders zusammensetzen können.

    Z.B.: als Journalisten Markus Schulte von Drach oder Reinhard Müller, als Kinderschutzbeauftragte Marlene Rupprecht, als Juristen Thomas Fischer oder Ralf Eschelbach, als Arzt Matthias Franz oder Wolfram Hartmann, dann vielleicht noch Memet Kilic oder Necla Kelek....

    Aber dann wäre eben nicht "der Kanal, der Kanal, der hat immer Recht!" rausgekommen...

    There is no skin like foreskin

  • Zitat

    Wenn den zuschau­en­den Kindern erklärt wird, dass man erst dann zum Mann (und also erwach­sen) wird, wenn man sich seine Penisvorhaut ampu­tie­ren lässt, dann ist das nicht nur ein Skandal. Sondern Anstiftung zur Körperverletzung. Denn wel­cher Junge im Alter zwi­schen drei und drei­zehn will nicht »ein Mann« sein?

    http://nicsbloghaus.org/2014/01/16/der-kinderkanal-mission/

    There is no skin like foreskin

  • Ich habe mal im Bekanntenkreis gehört, dass die Beschneidung in westlich orientierten Akademikerkreisen kein Thema sein soll bzw. tendenziell eher die "einfacheren Leute" bis hin zur Mittelschicht im blinden Gehorsam gegenüber der Sunna (der Koran schreibt ja keine Beschneidung vor) ihre Kinder beschneiden lassen. Ist an diesem "Gerücht" tatsächlich was dran?


    Das ist tatsächlich so. Allerdings in sakulären Akademikerkreisen vorwiegend wegen der Hygiene beschnitten wird. Mit diesen Leuten kann man auch vernünftig über das Thema diskutieren. Die Familien, die ihre Söhne nicht beschnitten haben, gibt es wirklich. Allerdings ist das ein Thema, was man in der Türkei nur unter vorgehaltener Hand bespricht. Leider.

  • ... in der Türkei nur unter vorgehaltener Hand bespricht. Leider.


    Es gibt in türkischen Familien generell keine Kritik, geschweige denn einen Widerstand gegen die Eltern, vor allem nicht gegen die Väter. Deshalb liegt es auch nahe, Tashins Jubelarien unter "Identifikation mit dem Angreifer" einzuordnen. Das damit verbundene Bild der Eltern-Kind-Beziehungen ist gottseidank aus unserem Erziehungsbild weitgehend verschwunden. Die Kika-Sendung ist deshalb eine Rolle rückwärts.

    Den Vorwurf, ich würde hier das türkische Familienbild einseitig darstellen, nehme ich auf mich, denn diese Erkenntnis ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern ist die Konsequenz aus meinen vielfältigen und jahrelangen Beziehungen zur türkischen Community.

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • as ist tatsächlich so. Allerdings in sakulären Akademikerkreisen vorwiegend wegen der Hygiene beschnitten wird


    Bist du sicher, dass die säkularen Akademiker wirklich ihre Söhne der "Hygiene" wegen beschneiden oder ernsthaft an das Hygiene-Argument glauben. Ich würde behaupten, dass bei den säkularen Akademikerkreisen hier andere Gründe greifen, wie wir sie auch bei der säkularen Beschneidung in den angelsächsischen Ländern vorhanden sind: Gruppendruck -familiär und gesellschaftlich, die psychisch-bedingten Zwänge beschnittener Väter (u. a. die von werner genannte "Identifikation mit dem Angreifer", welche das Weitergeben der Beschneidung von Generation zu Generation begünstigen.


    Es gab zur Lebzeiten Attatürks auch einige mit Attatürk assoziierte Reformer, die soweit gingen, die Beschneidung von Jungen anzugreifen und deren Abschaffung zu fordern- allerdings war das Selbstbestimmungsrecht und körperliche Unversehrtheit des Kindes nicht Teil der Argumentation- dieses Konzept gab es damals auch in Europa eigentlich nicht - und war auch nicht Teil der Argumentation der zeitgenössischen westlichen Beschneidungsgegner.

    Folgende ist eine Meldung des Jewish Telegraph Agency vom 15. Januar 1929:

  • Das ist tatsächlich so. Allerdings in sakulären Akademikerkreisen vorwiegend wegen der Hygiene beschnitten wird.


    Dann ist das wohl so ähnlich wie bei den Royals in Großbritannien, die dank ausreichender Bildung offenbar selbst das Hygiene-Märchen nicht mehr glauben wollen.

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Die Legende der Tradition der Beschneidung im englischen Königshaus ist übrigens eine urban legend.
    Gerne suche ich nach den Belegen.
    Irgend ein Rabbi hat diese hartnäckige Gerücht in die Welt gesetzt.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)

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