• Selbst die Muslime, die der Verstümmelung mehr oder weniger kritisch gegenüberstehen sind i.a. vehement gegen ein Verbot. Da schließt sich sofort die Wagenburg. Das wird als Angriff auf die eigene Minderheit verstanden.
    Die fordern höchstens, dass "Reformen aus der Religionsgemeinschaft selbst heraus kommen müssen", etc...
    Aber Verbot? Das ist wieder ganz etwas anderes!


    Ich wär da mit Klischees vorsichtig. So geschlossen sind die Wagenburgen nicht. Es wird auch viel gesagt, was nicht gemeint wird.

    Mal so ein fiktives Beispiel um eine Parallele zu ziehen: man stelle sich vor, der Vatikan würde ein totales Kondom- und Pilleverbot fordern, da ansonsten katholisches Leben in Deutschland nicht mehr möglich sei. Der Verkauf von Kondomen und Pille müsse verboten werden. Mitgliederschwund durch Austritte müssten schließlich durch Steigerung der Geburtenraten beim verbleibenden harten Kern kompensiert werden. "Sündige" dürften sich außerdem nicht länger der Strafe Gottes in Form von Aids mit Kondomen entziehen.

    So - und nun käme die Kanzlerin und würde verkünden: Kondome können in Deutschland nicht länger verkauft werden, wir machen uns ja sonst zur Komikernation.

    Von wievielen Katholiken, glaubst du, würde sie deshalb gewählt werden?

    So, ich hoffe, ich habe jetzt keine Gemüter von Katholiken überstrapaziert. War ja halb satirisch gemeint.

    Einmal editiert, zuletzt von Lutz Herzer (1. Juni 2013 um 23:58)

  • Das ist für Politiker eine ganz nüchterne Kosten-Nutzen-Rechnung.
    Ca. 2 Millionen Muslime haben dt. Staatsbürgerschaft. Ein erheblicher Teil davon dürfte im wahlberechtigte Alter sein.
    Von denen würden die Linken praktisch keine Stimmen mehr bekommen, falls sie eine Forderung zu MGM ins Programm schreiben würden.

    Diese Einschätzung mag dem Umgang der Parteien mit MGM zugrunde liegen, doch sie ist meines Erachtens völlig falsch. Gerade wer aus einem Kulturkreis kommt, in dem es bei diesem Thema einen hohen Gruppendruck einschließlich kulturell-religiöser Überhöhung und intergenerationeller Erwartungen gibt, dürfte für eine Befreiung aus dem entsetzlichen Täter-Opfer-Zyklus besonders dankbar sein. Das gilt auch für diejenigen, die niemals darüber sprechen würden. In der Anonymität einer Wahlkabine fällt es da schon leichter, seinen wahren Gefühlen und Überzeugungen Ausdruck zu verleihen.

  • Mal so ein fiktives Beispiel um eine Parallele zu ziehen: man stelle sich vor, der Vatikan würde ein totales Kondom- und Pilleverbot fordern, da ansonsten katholisches Leben in Deutschland nicht mehr möglich sei.


    Kein gutes Beispiel. Falls sich "katholisches Leben" tatsächlich nur am Verzicht auf Verhütung festmachen würde (allein das erscheint absurd) - wäre "ja katholisches Leben" auch ohne Kondomverbot problemlos möglich. Denn es gäbe ja keinen "Kondomzwang".

    There is no skin like foreskin

  • Diese Einschätzung mag dem Umgang der Parteien mit MGM zugrunde liegen, doch sie ist meines Erachtens völlig falsch. Gerade wer aus einem Kulturkreis kommt, in dem es bei diesem Thema einen hohen Gruppendruck einschließlich kulturell-religiöser Überhöhung und intergenerationeller Erwartungen gibt, dürfte für eine Befreiung aus dem entsetzlichen Täter-Opfer-Zyklus besonders dankbar sein. Das gilt auch für diejenigen, die niemals darüber sprechen würden. In der Anonymität einer Wahlkabine fällt es da schon leichter, seinen wahren Gefühlen und Überzeugungen Ausdruck zu verleihen.

    Es gibt unter den meisten Muslimen eine Grundsolidarität. Wer die "Beschneidung" kritisch sieht, ist noch lange nicht für ein Verbot.
    Für die stellt sich eine Partei, die gegen die MGM antritt als multikulti- bzw. ausländerfeindlich da - gestorben.
    Schiiten und Sunniten sind immer wieder heftigst im Clinch - aber beschneiden tun sie alle. Da ziehen sie an einem Strang.
    Die MGM ist ja sogar der kleinste gemeinsame Nenner von den ansonsten meistens spinnefeinden Muslimen und Juden.
    Und der Anteil der Muslime bzw. "Kulturmuslime" an der Bevölkerung dürfte eher zu- als abnehmen.

    There is no skin like foreskin

  • Die Piraten haben aber anscheinend auch nichts entsprechendes im Programm.

    Will die AfD denn MGM bestrafen?

    Zumindest haben diese Parteien keine Schuld auf sich geladen. Mehr kann man vielleicht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erwarten, was sich jedoch mit zunehmender Aufklärung, an der wir hier und an anderen Stellen arbeiten, ändern wird. Diese Aufklärung wird langfristig auch in den anderen Parteien zum Umdenken führen und teilweise sind hier schon Ansätze erkennbar - man denke etwa an die "säkularen Grünen".

    Und haben diese Parteien ein realistische Chance, über 5% zu kommen? Es geht bei der nächsten Wahl nun mal nicht nur um Kindesverstümmelung, es gibt auch noch andere, nicht ganz unwichtige Themen.

    Dann verhelfen wir ihnen eben über die 5 % - Hürde. Es ist durchaus möglich, dass dieses Thema für die entscheidenden Stimmen sorgt, die die genannten Parteien ins Parlament bringen. Dabei müssen sie sich selbst noch nicht einmal dazu äußern - es genügt, dass die anderen aufgrund ihres Verhaltens im letzen Jahr für genügend Leute nicht mehr wählbar sind. Und selbst wenn es nicht reichen sollte, wären die entsprechenden Stimmen wichtig. Andere Themen gibt es in der Tat - daher begrüße ich es, zwei Alternativen zu sehen - doch sie erscheinen im Vergleich zu diesem Giga-Menschenrechtsthema sekundär, um nicht zu sagen ganz unwichtig.

    Ja, wenn sie denn noch mal kandidieren! Marlene Rupprecht z.B. steht nicht zur Verfügung.

    Die meisten der 100 Aufrechten werden sicherlich nochmal antreten. Wenn diese und andere Kandidaten, die derzeit noch nicht im Bundestag vertreten sind, direkt gewählt werden, und gleichzeitig Piraten und AfD einziehen können, werden viele derjenigen, die am 12. 12. ihr Gewissen, dem sie doch nach der Verfassung verpflichtet gewesen wären, nicht finden konnten, ihr Mandat verlieren. Die haben dann ein paar Jahre Zeit, nachzudenken und Reue zu zeigen.

  • Mit dem Argument, man könne Politikern die Rechnung präsentieren bei der nächsten Wahl, oder sie belohnen, für einen mit unserer Meinung konformes Verhalten, verkennt man, was Politik insgesamt ist. Sie reduziert sich nicht auf das Thema Beschneidung, sonst wäre Sie wie die Gischt auf den Wellen.


    Was wir hier tun ist die Tiefenströmung in Gang bringen.
    Man kann nun depressiv oder ungeduldig sein, darob dass sich kurzfristig nichts tut, aber den Kampf haben wir schon jetzt gewonnen. Und das wissen unsere Gegner.
    Ich hoffe sehr, dass wir in diesem Leben noch darauf anstoßen können, dass keine Erwachsenen kleinen Jungen mehr in die Windel greifen, um ihre religiösen Bedürfnisse zu befriedigen.

    Das Thema, wer nun wählbar ist und wer nicht (mehr) ist müßig. Das muss jeder für sich entscheiden und dieses Thema führt uns weg vom Kern unserer Bemühungen und kann uns nur entzweien (das hat Politik so an sich).

    Wir klären auf und ermöglichen Betroffenen aus dem Schatten ihrer Scham und ihres Leids zu treten.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Diskutieren darf man Politik allemal - auch das gehört zum Kern ihres Wesens - und dabei strategische Überlegungen einfließen lassen sowie fordern, dass einem Thema die ihm zustehende Bedeutung gegeben wird. Nicht wenige Journalisten leben davon, dass sie genau das jeden Tag tun, weil sehr viele Leute eben daran interessiert sind.

    In seltenen Ausnahmefällen kann es vorkommen, dass einzelne politische Entscheidungen so eklatant im Widerspruch zu den elementaren Grundfesten der Humanität stehen, dass die dafür Verantwortlichen unabhängig von ihren sonstigen Zielen und Leistungen nicht mehr tragbar sind und genau dieser Fall ist aus meiner Sicht mit dem Beschneidungsgesetz eingetreten. In diesem Thread wurde gefragt, wie der Souverän, wie jeder einzelne Wähler, der es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, solchen Leuten noch einmal an die Macht zu verhelfen - eine legitime und honorige Einstellung - mit einer solchen Situation umgehen kann. Ich hatte mir vor geraumer Zeit die selbe Frage gestellt und bin dabei zu den oben skizzierten Antworten gekommen.

    Was Deine übrigen Ausführungen angeht, lieber Guy, teile ich Deine Hoffnung und Meinung :)

    Einmal editiert, zuletzt von Pensador (3. Juni 2013 um 09:38)

  • Es gibt unter den meisten Muslimen eine Grundsolidarität. Wer die "Beschneidung" kritisch sieht, ist noch lange nicht für ein Verbot.
    Für die stellt sich eine Partei, die gegen die MGM antritt als multikulti- bzw. ausländerfeindlich da - gestorben.
    Schiiten und Sunniten sind immer wieder heftigst im Clinch - aber beschneiden tun sie alle. Da ziehen sie an einem Strang.
    Die MGM ist ja sogar der kleinste gemeinsame Nenner von den ansonsten meistens spinnefeinden Muslimen und Juden.
    Und der Anteil der Muslime bzw. "Kulturmuslime" an der Bevölkerung dürfte eher zu- als abnehmen.

    Ich kann nur immer wieder davor warnen, sich Täterpropaganda zu eigen zu machen. In der Tat haben interessierte Kreise versucht, den Kampf gegen männliche Genitalverstümmelung zu verleumden und zu verunglimpfen, unter anderem auch als "ausländerfeindlich". Dass das Gegenteil richtig ist, wissen allerdings auch die meisten Muslime und viele von ihnen haben mir das im persönlichen Gespräch bestätigt.

  • Zitat

    Bringt denn keine Partei den Mut auf, sich klar und deutlich für das Recht auf genitale Unversehrtheit einzusetzen?
    Langsam bin ich ratlos, was die anstehende Bundestagswahl angeht ...


    Es gibt eine in Gründung befindliche Partei, Die Humanisten, die sich klar und deutlich gegen Zwangsbeschneidung einsetzen. Leider werden sie noch nicht zur Bundestagswahl 2013 antreten.
    http://die-humanisten.org/

    http://www.wissenbloggt.de/?p=16244

  • @ Gerhard

    Danke für den Hinweis.

    Aufrichtig zu sein kann ich versprechen, unparteiisch zu sein aber nicht. (JWvG)
    Auch für die Religionsfreiheit gilt: "Freiheit ist immer nur die Freiheit des anders Denkenden." (R.Luxemburg)

  • Was ist denn jetzt aus dieser neuzugründenden Humanisten-Partei geworden? Kennt jemand einen funktionierenden Link zu einer Webseite von denen?

    ...Wir haben bis jetzt keine Freiheit des Einzelnen, des Individuums, des Bürgers. [Allen Menschen bei uns ist das Zugehörigkeitsgefühl] am wichtigsten. Sie sind Mitglieder der Nation oder Religion, aber nicht selbstbewusste und -verantwortliche Menschen.
    ein katholischer Theologe in einer Doku über Ex-Jugoslavien

    Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
    Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. ...
    Khalil Gibran

  • Was ist denn jetzt aus dieser neuzugründenden Humanisten-Partei geworden? Kennt jemand einen funktionierenden Link zu einer Webseite von denen?


    Zur Zeit funktioniert wohl nur die Facebook-Seite, die Gründe, warum die offizielle Webseite nicht mehr funktioniert kenne ich allerdings auch nicht.
    Auf "wissen bloggt" gab es im Januar noch einen Beitrag.

    https://www.facebook.com/DieHumanisten

    http://www.wissenbloggt.de/?p=22222

  • Danke für die Links. Sieht so aus, dass da etwas passiert.

    ...Wir haben bis jetzt keine Freiheit des Einzelnen, des Individuums, des Bürgers. [Allen Menschen bei uns ist das Zugehörigkeitsgefühl] am wichtigsten. Sie sind Mitglieder der Nation oder Religion, aber nicht selbstbewusste und -verantwortliche Menschen.
    ein katholischer Theologe in einer Doku über Ex-Jugoslavien

    Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
    Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. ...
    Khalil Gibran

  • Zitat

    Top 5) Gründung der Partei

    Die zur Gründung vom Bundeswahlleiter gestellten Anforderungen sind gegeben (Satzung, Mitglieder, Parteiprogramm). Nach längerer Diskussion entscheidet sich die Versammlung gegen eine medial unterstützte Parteigründung. Diese soll im kleinen Kreis von ca. 50 Personen stattfinden, evtl. sollen Blogger und andere Multiplikatoren anwesend sein und sie soll kostenarm sein.

    Auf dem Gründungsparteitag sollen Satzung, Programm verabschiedet und entsprechende Wahlen durchgeführt werden. Voraussichtlicher Termin ist der 04.10.14. Die Landespartei „Initiative Humanismus – Berlin“ wird im Anschluss gegründet.

    Protokoll Road Map | Initiative Humanismus


    Aus dem Parteiprogramm der Initiative Humanismus:

    Zitat

    Religiöse Sondergesetze betreffend z.B. Beschneidung oder Tanzverbote an kirchlichen Feiertagen u. dgl. sind ersatzlos zu streichen.

    parteiprogramm:trennung_von_staat_und_religion - Wiki der Initiative Humanismus

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