Anzeige gegen Rabbi Teichtal wegen der Durchführung einer Metzitzah b'Peh Beschneidung

  • Ich wünsche Christian Bahls viel Kraft. Ich bin froh, dass er so viel Mut hat und diese gefährliche Körperverletzung anzeigt. Die Antisemitismusvorwürfe werden nicht lange auf sich warten lassen, aber wir wissen alle, wie unberechtigt diese sind.
    Danke Christian!

    Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
    Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
    Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
    https://tredition.de/autoren/clemen…aperback-44889/

  • Antisemitismusvorwürfe


    Deswegen gleich zu Beginn die umfangreiche und vorauseilende Entschärfung dieser wahrscheinlichen Vorwürfe.
    Mal sehen, wer sich als Erster lächerlich macht. Graumann? Broder? die Wetten laufen!

    Ich hoffe sehr, dass das gemäßigte Judentum erkennt, dass diese Extermisten ihnen absolut keinen Gefallen tun, nachdem was sie in 2012 erreicht haben.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Christian Bahls ist nicht der einzige, der Anzeige erstattet hat. Er ist allerdings bisher der einzige, der das öffentlich gemacht hat. Ich hoffe, dass er den nun einsetzenden Shitstorm gut übersteht. Frau Pyka ist bereits drauf angesprungen:

    "Jennifer N. Pyka ‏@MissPyka 11h
    "Menschenrechtler" & ihre Fixierung auf die jüdische Hose - Episode 4395: dt. Michel zeigt Rabbi an. Warum ich den orthodoxen Rabbiner Yehuda Teichtal für die Beschneidung seines Sohnes anzeige | MOGiS und Freunde … #beschneidung"

  • Dann gilt mein Dank, meine Bewunderung und mein Wunsch nach ausreichend Kraft und Durchhaltevermögen all denen, die ebenfalls Anzeige gegen dieses grausame Ritual erstattet haben.

    Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
    Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
    Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
    https://tredition.de/autoren/clemen…aperback-44889/

  • Großartig finde ich, dass Christian Bahls seine Beweggründe auch auf Englisch, Hebräisch und Russisch veröffentlicht hat:
    Home | MOGiS und Freunde

    Ich hoffe auf eine gute und sachliche Diskussion, gerade auch in der jüdischen Welt, und auf eine überzeugende rechtliche Klärung der aufgeworfenen Fragen.

    Vielleicht könnte jemand noch eine französische Übersetzung hinzufügen?

    Für unwahrscheinlich halte ich es, dass die Peria als zweiter Schritt der Radikalzirkumzision in einem Nebenraum der Synagoge durchgeführt worden sein soll. Ich vermute eher in der Synagoge selbst. Ultraorthoxe Beschneider benutzen dafür - der Tradition verhaftet - einen ihrer Fingernägel als Operationswerkzeug. Das entspricht natürlich ebenfalls nicht den heutigen Regeln der ärztlichen Kunst. Außerdem zeigen mir die Gründe, warum die Peria von den Tannaiten wahrscheinlich im 2. Jahrhundert u. Z. als Radikalisierung der Beschneidung eingeführt wurde, dass sie nicht mit dem allgemeinen Selbstbestimmungsrecht des Menschen und seiner Menschenwürde vereinbar ist. Die Peria soll(te) nämlich den Epispasmos, also die Wiederherstellung der Vorhaut, für den so beschnittenen Jungen für sein ganzes weiteres Leben unmöglich machen. Eine andere Frage, die sich mir auch noch stellt, ob Rabbi Yehuda Teichtal seinen Sohn Mendel mit etwas anderem als einem Tropfen Wein "betäuben" ließ bzw. was er gegen die Schmerzen des Kindes überhaupt tun ließ.

  • Auf der Mogis-Seite hat Christian Bahls heute geschrieben:

    "Da bereits vielfach gefragt: für die Metzitzah sind Zeugen benannt. Diese wissen dies auch. Ebenso hat der Herr Fleischmann auf Nachfrage angegeben eine Metzitzah durchgeführt zu haben. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass Herr Teichtal die Durchführung der Metzitzah verleugnen wird, da er sie höchstwahrscheinlich als wesentlichen Teil der "korrekten" Zirkumzision seines Sohnes betrachten wird."

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Möglicherweise war der Zeitpunkt für die Öffentlichmachung der Anzeige dumm gewählt.
    Heute abend beginnt das Pessach-Fest mit dem Seder-Abend.
    Morgen am 26.3.2013 ist der 1. Pessachtag, am 2.4.2013 dann der 8. und letzte Pessachtag.
    Chabad Lubawitsch gibt die Antwort, wie es mit der Arbeitsruhe über die Pessach-Feiertage aussieht:
    Der Rest von Pessach - Pessach

    Vor einem Jahr wurde Günter Grass übrigens vorgeworfen, dass er sein umstrittenes Gedicht "Was gesagt werden muss" kurz vor Pessach veröffentlichte. Im Mittelalter war das immer wieder die Zeit der antijüdischen Ritualmord-Legenden und der Pogrome.
    «Ritualmord vor dem Pessach-Fest»: Grass-Gedicht stösst auf breite Kritik – Israelische Botschaft in Berlin reagiert - International Nachrichten - NZZ.ch

    Nun hoffe ich, dass alle wenigstens acht Tage Zeit haben, um nachzudenken.

  • Möglicherweise war der Zeitpunkt für die Öffentlichmachung der Anzeige dumm gewählt.


    Zweck der Anzeige ist ja auch kaum, Sympathie zu erzeugen. Falls es wegen des Zeitpunkts Beanstandungen gibt, würde ich zu einer überschwenglichen Entschuldigung raten. Wer vorhat, die Anzeige wie auch immer zu attackieren, sollte sich über den Barbra-Streisand-Effekt im klaren sein.

    Im übrigen: wer das Ritual Metzitzah B'Peh nach der Beschneidungsdebatte und dem Gesetzbeschluss in Deutschland praktiziert und meint, der Öffentlichkeit demonstrieren zu müssen, dass er das kann, braucht nicht einen auf feinfühlig zu machen.

    Soll doch nach der Beschneidungsdebatte noch eine Metzitzahdebatte folgen und noch ein § 1631e BGB - Vorschläge für den Inhalt werden noch angenommen - beschlossen werden. Ich freu mich schon auf die Reden im Bundestag.

  • Religiöses Ritual : Oberrabbiner hält Beschneidung für nicht verhandelbar - Aktuelle Nachrichten - Politik - Berliner Morgenpost - Berlin

    Interessant oder...Körperliche Unversehrtheit ist eine "Ideologie" - aber jegliche Betäubung wird abgelehnt, da es "religiös begründet" sei, dass es auf "natürlichem" Wege ausgeführt werde...
    Der Gesetzgeber hat sich also von absoluten Hardlinern "beraten" lassen.

    Die jetzige Anzeige ist richtig.

  • Hardlinern

    Mit wem wir es hier zu tun haben, konnte man schon früh erkennen. Aber, man wollte nicht. Ist schon blöd, genau von denen desavouiert zu werden, denen man die religiöse Praxis legalisiert hat. Irgendwie undankbar.
    Schlimm ist, dass sie von vorneherein erklärt hatte, dass sie jegliche Einschränkung ablehnen würden.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Es wäre wirklich interessant zu wissen, wie die Gespräche zwischen den Hardlinern und den deutschen Politikern abgelaufen sind. In gewisser Weise muss das Gesetz ein harter Schlag für sie hinsichtlich der Betäubungsfrage gewesen sein. Haben sie sich dazu später eigentlich mal geäussert?
    Rabbi Goldberg hat ihnen ja eine Brücke gebaut, indem er schrieb, Schmerz liesse sich auch bei Betäubung nie ganz vermeiden.

    Der Mitbegründer der israelischen Gesellschaft für Medizinethik, Mordechai Halperin, hat übrigens herausgefunden, dass das Weglassen (!) des Blutabsaugens geradezu gesundheitsgefährdend ist.

    "Metzitza… How? After the incision and splitting the membrane, one immediately brings the penis into his mouth and sucks out blood with all one’s strength, because if he does not suck, the blood will clot in the top of the penis and this is dangerous.It is similarly said in chapter Rabbi Eliezer [the 19th chapter of Masechet Shabbat]: ‘Rav Pappa said: A mohel who does not perform Metzitza endangers the baby and is dismissed’ because the blood will clot within the penis and this is dangerous.”


    Metzitza and Bathing in Warm Water in Circumcision

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Der Mitbegründer der israelischen Gesellschaft für Medizinethik, Mordechai Halperin, hat übrigens herausgefunden, dass das Weglassen (!) des Blutabsaugens geradezu gesundheitsgefährdend ist.

    "Metzitza… How? After the incision and splitting the membrane, one immediately brings the penis into his mouth and sucks out blood with all one’s strength, because if he does not suck, the blood will clot in the top of the penis and this is dangerous.It is similarly said in chapter Rabbi Eliezer [the 19th chapter of Masechet Shabbat]: ‘Rav Pappa said: A mohel who does not perform Metzitzaendangers the baby and is dismissed’ because the blood will clot within the penis and this is dangerous.”


    An Hammer-Statements mangelt es nicht. Wer gerne amerikanische Realsatire liest, für den hab ich eine Stellungnahme des Arztes Daniel S. Berman herausgesucht:

    Metzitzah B'peh: Daniel S. Berman, M.D.: Circumcision’s Third Step, The Drawing of Blood

    Er schreibt, dass manche Mohalim erst dann Handschuhe und Glasröhrchen benutzen, wenn sie befürchten, sie könnten sich vom Baby Krankheiten einfangen, dessen Eltern in ihrer Jugend möglicherweise unachtsam waren und einer modernen Lebensweise nachgehen.

    Er ist Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten am New York Westchester Square Hospital.

  • Soso, es ist also "dangerous", nicht abzusaugen. Aber, dass Beschneidung an sich "dangerous" sein könnte, das kommt denen nicht in den Sinn. Wo das denken aufhört, macht sich das Dogma breit.
    Diese art der Argumentation ist haarsträubend und widerlich.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Es ist auch überaus dangerous, ein ägyptisches Mädchen nicht an den Genitalien zu verstümmeln und somit zu riskieren, dass es aufgrund seiner Unreinheit niemals einen Ehemann finden kann.
    Most dangerous ist es aber, einem Mädchen nicht gleich nach der Geburt die Brustdrüsen zu entfernen und damit geradezu fahrlässig, ja vorsätzlich eine Brustkrebserkrankung dieses Mädchen zu provozieren. >Ironieoff<

    Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
    Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
    Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
    https://tredition.de/autoren/clemen…aperback-44889/

  • "Traditional circumcision raises risk of infection, study shows.

    The researchers believe the infection is caused by the bandage left on the penis after circumcision.

    "When the mohel finishes cutting, he takes a piece of dressing and wraps it around the member. That's the root of the problem - the bandage doesn't allow the baby to urinate completely. The baby sometimes stays for 15 or 20 hours with this bandage, and if the circumcision is performed before Shabbat, it is sometimes two days before the mohel removes the bandage," Amir added.
    Menachem Fleischman, a mohel who supervises new members of the profession in the central region of the country, said they must be aware of the effect the bandage could have. "It is preferable that the bandage does not press too hard. One must pay attention, and a mohel who is adequately trained will make sure to surround the area with special cotton wool right after cutting."

    Traditional circumcision raises risk of infection, study shows - Israel News | Haaretz Daily Newspaper

    Menachem Fleischmann war der Mohel, den die angezeigte Beschneidung durchgeführt hat.

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

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