Halbes Jahrhundert vorhautlos

  • Nachdem ich sehr interessiert schon einige Zeit die Beiträge hier verfolge, möchte ich mich nun als Betroffener einmal vorstellen, indem ich über meine persönlichen Erfahrungen erzähle und verzeiht dass es etwas länger ist, schließlich habe ich schon 55 Jahre am Buckel.

    So ganz genau kann ich nicht mehr sagen, wann meine Beschneidung erfolgte. Ich bin Anfang der 1970er in einer österreichischen, erzkatholischen Provinz-Kleinstadt geboren und es muss so etwa im 3.- 4. Lebensjahr gewesen sein und war sicher aufgrund von ärztlichem Anraten. Trotz meines sehr großen Zweifels kann ich nicht wirklich beurteilen, ob es tatsächlich notwendig war in diesem Alter.

    Eine einzige Erinnerung hat sich in mir festgebrannt: ich stapfte an der Hand meines Vaters im Flur des örtlichen Krankenhauses entlang. Damals gab es sehr viele Geburten im Familien-, Freundes- und Kollegenkreis meiner Eltern und ständig waren wir hier, um irgendwelche mir oft unbekannten jungen Mütter mit Neugeborenen zu besuchen. So war ich auch an diesem Tag gelassen und gelangweilt, auch noch als mein Vater an eine Tür klopfte. Als wir eintraten, wunderte ich mich, dass das nicht nach Krankenzimmer aussah, sondern ein Arztbehandlungszimmer war und eine Krankenschwester stand dicht vor mir. Noch in derselben Sekunde meiner Verwirrung drückte mir die Krankenschwester etwas auf Nase und Mund und schon roch ich das Narkosemittel und verlor das Bewusstsein. Neben dem unvergessenen Geruch des Gases und besonders dieses Gefühl von den eigenen Eltern in die Falle gelockt worden zu sein, kann ich mich an nichts mehr sonst daran erinnern.

    Die Wundheilung dürfte nicht ganz optimal verlaufen sein, denn später einmal habe ich meine Mutter mit einer anderen Mutter darüber reden gehört, dass sie nicht mehr zu dem damals behandelnden Arzt gehen würde, denn als sie ihm geschildert habe, dass ich ständig mit den Händen da unten hin fasse und Verbände runterreiße, meinte er, dass sie mir eben bis zur Wundheilung die Hände hinter den Rücken festbinden solle. Das hat sie sehr empört. Weiters habe ich sie irgendwann einmal sagen gehört, dass sie Kamillentee nicht mehr aushalte, geschweige denn trinke, weil sie wochenlang mein Pimmelchen ständig in Kamillentee eintauchen und es baden hat müssen.

    Dass mir da unten etwas weggeschnitten wurde, weil etwas zusammengewachsen ist und ich sonst nicht mehr pinkeln würde können, wurde mir offenbar als Kind erklärt, denn ich wuchs dann weiter mit dem Bewusstsein auf, dass mir etwas am Penis weggeschnitten wurde und er darum anders als bei normalen Männern aussieht. Dementsprechend war ich zum einen extrem schamhaft und vermied es unter allen Umständen, mich vor anderen nackt zu zeigen. Zum anderen aber war ich sehr neugierig, wie ein "richtiger" Penis aussehen würde, aber umgeben von einer sehr prüden Umgebung sah ich nicht einmal meinen Vater nackt, geschweige denn dass ich mit den Eltern darüber reden konnte. Ich fühlte mich lange als "beschädigter" Junge.

    Mit etwa 11 Jahren waren wir mit einer bekannten Familie im Urlaub und ich war mit dem Jungen der Familie alleine in einem Zimmer untergebracht. Wenn wir unsere Unterhosen wechselten, dann machten wir das versteckt unter der Bettdecke (Das war aber damals bei Jungs in unserem Jahrgang so Usus - auch auf Schulsportwochen und dergleichen - man zeigte sich nie vor den anderen nackt - Umziehen war immer unter der Decke oder unter dem Handtuch, Duschen mit Badehose). Genau in so einem Moment - wir beide kämpften gerade unter der Decke umständlich mit dem Unterhosenwechsel - traten unsere Mütter in das Zimmer und beobachteten unser Herumgetue. Da sagte meine Mutter zur anderen Mutter "Mein Sohn schämt sich eben, weil er beschnitten ist." - darauf die andere: "das ist meiner ja auch". Sie schüttelten ob unserer Schamhaftigkeit den Kopf und gingen wieder weg. Bei mir gab es aber ein riesiges "Aha"-Erlebnis: zum einen hatte ich einen Begriff dafür, was da unten mit mir passiert ist: ich bin "beschnitten" - zum anderen hatten das offenbar auch andere Jungs. Mit dem Zimmergenossen hatte ich aber nicht so ein gutes Verhältnis, dass ich mit ihm darüber gesprochen hätte. Aber von nun an waren Augen und Ohren fokussiert auf den Begriff "Beschneidung".

    Internet gab es damals noch nicht und so einfach waren Informationen nicht zugänglich. Aber dann wurde ich im religiösen Bereich aufmerksam auf den Begriff "Beschneidung": "Jesus wurde am 8. Tag beschnitten", "Tag der Beschneidung des Herrn", "Und ihr sollt das Fleisch eurer Vorhaut beschneiden. Und das soll das Zeichen des Bundes sein zwischen mir und euch.".... Nach und nach begriff ich, dass offenbar im Judentum alle Männer auch beschnitten waren und dass dieser Eingriff ohne medizinischen Grund gemacht wurde. Also war mein Penis nicht so kurios, das gab es öfter - aber anderswo - jüdische Jungs gab es bei uns nicht.

    In der Schule hatten wir einmal im Jahr die gefürchtete Schularzt-Visitation: alle Jungs standen nach dem Wiegen und der Größenmessung nur in der Unterhose in einer Reihe hintereinander vor dem Schularzt, der den Schüler genau körperlich untersuchte: in den Mund schauen, Herz und Atmung abhören,... die anderen dahinter schauten genau zu und bekamen natürlich auch die Dinge mit, die der Arzt seiner Sekretärin zum Notieren für die Gesundheitsakten ansagte. Dabei gehörte auch die Untersuchung des Genitalbereichs, wo er die Hose etwas weg vom Leib zog und die Hoden abtastete. Als er dies bei mir machte, meinte er beim Blick in die Hose: "ah, du bist beschnitten!", ich nickte verschämt und die Sekretärin notierte brav diesen Umstand. Dies war meinem Hintermann nicht entgangen und nach der Untersuchung fragte er mich neugierig danach und ich erklärte es ihm, dass meine Vorhaut weggeschnitten wurde. Sein angewidertes Gesichtsausdruck und anschließendes kicherndes Getuschel mit anderen Schulkollegen war nicht gerade förderlich für mein Körperbewusstsein.

    Die Ergebnisse solcher Untersuchungen wurden dann Tage später mittels brieflichen Anordnungen des Schularztes in der Klasse unter lautem Vorlesen verteilt. Einige Jahre später lief das ungefähr so ab: "Müller: braucht eine Brille", "Meier: Zahnarztbesuch erforderlich", "Fischer: Hodenhochstand untersuchen lassen", "Schuster: behandlungspflichtige Vorhautverengung", "… " Oha! Da blüht einem Klassenkollegen dasselbe wie mir. Zwar sprach ich ihn darauf nicht an, aber das war wie ein Knoten in mir, der sich löste: es gibt doch mehr andere Jungs mit beschnittenem Penis in meinem Umfeld, was sich auch im Laufe der Schulzeit mehrmals bestätigte. Es verringerte sich dann auch die Scham, mich nackt beim Duschen oder in der Umkleide zu zeigen.

    Dennoch empfand ich wenig Gefallen an meinem Penis, sowohl weil er beschnitten ist, als auch weil die Schnittstelle unschön unregelmäßig vernarbt ist. Unbeschnittene gefielen und gefallen mir immer noch viel besser. Bei mir wurde die Vorhaut radikal entfernt (ich glaube man nennt es high & tight), das Vorhautbändchen ist - zum Glück - unbeschadet geblieben und dort liegt auch mein sexuell sensibelstes Hauptareal. Während ich als Jugendlicher entdeckte, diesen Bereich befriedigend zu stimulieren, wandten sich meine Phantasien und Gefühle im Kopf komplett dem Männerkörper, dem eigenen Geschlecht zu. Schwul in der Provinz als introvertierter Jugendlicher zu leben ist zusätzlich nicht sehr selbstbewusstseinsfördernd. Erst als ich zum Studium in die Großstadt zog, sammelte ich erste sexuelle Erfahrungen mit anderen unbeschnittenen Männern, wobei ich anfangs wegen meines beschnittenen Penis ziemliche Angst vor Zurückweisung hatte. Jedoch außer ein bloß feststellendes "oh du bist beschnitten", war das nie ein großes Thema. Ich merkte aber, dass Unbeschnittene an ihrem Penis andere Sensibilitäten hatten als ich. Dies schrieb ich aber einfach individuellen Unterschieden zu - jeder ist eben ein bisschen anders.

    Sehr erhellend war schließlich die Lektüre der Bücher "Ent-hüllt!" und "Unaussprechliche Verstümmelungen". Mir fiel es dabei wie Schuppen von den Augen. Plötzlich fand ich für so einiges in meinem Leben plausible Erklärungen und ich habe das Thema auch intensiver mit meinem (unbeschnittenen) Ehemann besprochen: Zum einen wie tief diese Beschneidung, dieses unausgesprochene Gefühl des Verstümmeltseins auch in meine Psyche gedrungen ist und auch immer noch mein Verhalten beeinflusst, zum anderen dass ich wichtige Gefühlsareale am Penis verloren habe. Z.B. Ist meine Eichel aufgrund der Verhornung quasi unempfindlich. Glücklicherweise harmonisieren mein Mann und ich auch sexuell so gut, dass er weiß, wie er mich zu meiner Befriedigung anfassen muss. Doch wie stark die Unterschiede sind, ist uns erst durch diese Gespräche bewusst geworden.

    Und das ist im Prinzip auch die Conclusio dieser vielen Zeilen meiner Beschneidungsgeschichte: Das Schlimmste daran war, niemanden zum Reden gehabt zu haben bzw. den Mut dazu nicht gehabt zu haben, allein gelassen worden zu sein mit meinen Ängsten und Problemen. Ich hoffe dass sich mittlerweile die Zeiten geändert haben und zumindest Eltern mehr Gesprächsbereitschaft zeigen. Zum Glück aber gibt es heute das Internet und solche Foren wie dieses, die mir damals eine sehr große Hilfe gewesen wären.

  • Hallo Tauro,

    eine solche "Biografie" hatte ich mir auch schon überlegt zu schreiben. Mach ich vielleicht auch noch. Da sind einige Punkte ähnlich. Soll ja fast therapeutisch wirken.

    Zum Glück gab es solche entwürdigenden Schularztuntersuchungen bei uns nicht. Aber wirklich besser war es in manch anderer Situation auch nicht.

    Du hast Glück, dass du noch etwas spürst. Bei mir ist alles weg. Ich hatte lange gebraucht, bis ich kapiert habe, dass das Problem nicht in meinem Kopf ist. Geändert hätte es auch nichts. Außer, dass ich ein paar sehr peinliche Situationen hätte vermeiden können. Dass du trotzdem nicht alleine bist, ist ein großes Glück für dich. Habe ich nicht.

    Hoodie

    Betroffen, Verstümmelt, Frustriert, Deprimiert, Alleine ... Penisbehindert.

    Beschneidung verstümmelt ein ganzes Leben.

  • eine solche "Biografie" hatte ich mir auch schon überlegt zu schreiben. Mach ich vielleicht auch noch. Da sind einige Punkte ähnlich. Soll ja fast therapeutisch wirken.

    Dazu kann ich dich nur motivieren - es ist sicher nicht nur für andere in ähnlicher Situation wertvoll zu lesen. Und ja - irgendwie hatte es auch etwas Therapeutisches, die Schlüsselmomente auszuformulieren.

    Du hast Glück, dass du noch etwas spürst. Bei mir ist alles weg.

    Stimmt - da bin ich doch froh darüber und gleichzeitig wütend, wie die lebensqualitätsminderne Folgen dieser ungehemmten Rumschnipplerei ignoriert oder heruntergespielt werden.

  • Es macht mich traurig und wütend von dieser demütigenden Schularztuntersuchung zu lesen. Zum Glück blieb mir das in der Schule erspart, da ich ohnehin schon kein beliebter Schüler war.

    Mir war die Musterung schon peinlich genug, bei der ich aufgefordert wurde die Vorhaut zurückzuziehen. Da hatte ich sie noch...

    Aber es motiviert mich meine Leidensgeschichte auch zu veröffentlichen.

    Es wundert mich, dass es aus unserer Generation nicht mehr Amokläufer gibt, so wie man uns seinerzeit behandelt hat.

  • Mir war die Musterung schon peinlich genug, bei der ich aufgefordert wurde die Vorhaut zurückzuziehen.

    Ich frage mich, was das soll. Leidet die Kampftauglichkeit unter einer Phimose?

    War bei meiner Musterung nicht. Nur die Leistenuntersuchung mit der Aufforderung zum Husten und das Abtasten der Hoden (was sinnvoll ist, Hodenkrebs ist die häufigste Krebstodesursache bei jungen Männern. Früh erkannt zu praktisch 100% heilbar.).

    Ob man eine Phimose hat sollte eigentlich Privatsache sein. Wenn sie Beschwerden macht kann man immer noch ärztlichen Rat einholen.

    Ich hoffe, dass es diese unangebrachten Überweisungen von vorpubertären Jungen zur Zirkumzision durch Schulärzte inzwischen nicht mehr gibt. Schließlich habe wir eine neue Leitlinie "Phimose". Aber für manche kommt das leider zu spät.

    There is no skin like foreskin

  • Unbeschnittene gefielen und gefallen mir immer noch viel besser.

    Während ich als Jugendlicher entdeckte, diesen Bereich befriedigend zu stimulieren, wandten sich meine Phantasien und Gefühle im Kopf komplett dem Männerkörper, dem eigenen Geschlecht zu.

    Das habe ich nun in ähnlicher Form schon öfter gelesen. Dass Männer ihre Entwicklung zur Homosexualität mit der angeblich medizinisch indizierten Zirkumzision im Kindesalter und der damit verbundenen Sonderstellung in Zusammenhang bringen.

    Wäre interessant, das einmal statistisch zu untersuchen. Ob es bei aus angeblichen medizinischen Gründen im Kindesalter Beschnitttenen eine anderen Prozentsatz von Homosexuellen gibt als bei den intakten Männern. Wäre nicht undenkbar, dass sich das auf die Entwicklung der sexuellen Präferenz auswirken kann. (Völlig klar ist natürlich, dass es jede Menge intakte Schwule und vorhautlose Heteros gibt, es also kein Automatismus ist.)

    There is no skin like foreskin

  • "Ich frage mich, was das soll. Leidet die Kampftauglichkeit unter einer Phimose?"

    Auch Frauen, die zur Bundeswehr wollen, müssen mit einem Untersuchungsbogen zum Gynäkologen.

    Der Zustand der Genitalien scheint offensichtlich entscheidend zu sein.

    Möglicherweise kollidiert die Phimose mit der "Pflicht des Soldaten zur Gesunderhaltung" wer weiß?

  • Denke es geht da drum das man bestimmteGesundheitliche Einschränkungen im Einsatz vermeiden soll.
    Früher durften Kampfpiloten keine Zahnfüllungen haben oder es hieß vor dem Freiwilligen Auslandseinsatz.
    Auch wurde vor Auslandseinsätzen die Weißheitszähne geprüft.

    Aber tatsächlich wurde bei der Musterung nach Operationen und seperat Operationen am Genital gefragt.

  • Das habe ich nun in ähnlicher Form schon öfter gelesen. Dass Männer ihre Entwicklung zur Homosexualität mit der angeblich medizinisch indizierten Zirkumzision im Kindesalter und der damit verbundenen Sonderstellung in Zusammenhang bringen.

    Wäre interessant, das einmal statistisch zu untersuchen. Ob es bei aus angeblichen medizinischen Gründen im Kindesalter Beschnitttenen eine anderen Prozentsatz von Homosexuellen gibt als bei den intakten Männern. Wäre nicht undenkbar, dass sich das auf die Entwicklung der sexuellen Präferenz auswirken kann. (Völlig klar ist natürlich, dass es jede Menge intakte Schwule und vorhautlose Heteros gibt, es also kein Automatismus ist.)

    Das kann auch ein Problem der Wahrnehmung sein. Ich gehöre auch zu diesen Typen, die lieber einen Mann als eine Frau an ihrer Seite gehabt hätten. Wobei ich mich von dieser ganzen Queer- und LGBT…-Szene distanziere. Die Personen, welche die Öffentlichkeit suchen, repräsentieren nicht unbedingt die breite Masse.

    Ob eine Beschneidung das »Homosexualitätsrisiko« erhöht? Da habe ich meine Zweifel. In Amerika dürfte der Anteil der schwulen Männer nicht höher sein, als im Rest der Welt. In Israel ist das Thema recht entspannt. Deswegen wird dort gerne der Eindruck erweckt, die Anzahl sei höher. In streng islamischen Ländern dürfte die Sache ganz anders aussehen. Zumal dort ein Outing durchaus mit akuter Lebensgefahr verbunden ist. In Japan ist es egal, solange man nicht darüber spricht. In Südkorea ist es ein Tabu und wird kaum akzeptiert.

    Schwierige Bedingungen für eine Studie. Dazu muss man auch noch viele andere wenig erforschte Themen berücksichtigen. Genetik, Erziehung, Aufwachsen ohne Vater wird oft besprochen, usw.

    Natürlich ist für einen schwulen Mann die Wahrnehmung eine andere. In völliger Erfahrungslosigkeit behaupte ich einmal, dass es beim eigentlichen Geschlechtsverkehr von Mann und Frau für die Frau nicht so relevant ist, ob der Penis eine Vorhaut hat oder nicht. Die Stimulation dürfte für sie annähernd die gleiche sein. Ein Dildo funktioniert ja auch. Relevant ist es eher beim »Spielen« außen herum. Wobei hier persönliche Präferenzen eine Rolle spielen.

    Kommen zwei Männer zusammen, dann gibt es da eine Vergleichsmöglichkeit. Man(n) hat seine eigenen Erfahrungen und Wahrnehmungen zu seinem Geschlechtsteil und vergleicht das dann mit dem des Partners. Wenn hier etwas fehlt oder etwas anders ist, dann hat das ein anderes Gewicht. Wobei auch hier Präferenzen eine Rolle spielen. Nebenbei neigen Männer (schon als Jungs) gerne dazu, zu vergleichen. Bei meinen wenigen peinlichen Versuchen habe ich das bitter erfahren dürfen.

    Möglicherweise ist deshalb die Wahrnehmung eines Verlustes schwerwiegender.
    Der hat etwas, was ich nicht habe. Der kann mit etwas spielen, was ich nicht kann.

    Mein persönliches Fazit: Beschneidung macht keine Schwulen. Die Wahrnehmung bei diesen ist eine andere. Sexualität besteht nicht nur aus der persönlichen Befriedigung, sondern auch daraus, den oder die andere zu erfahren und zu berühren.


    Sorry für meine Direktheit. Aber ich denke, wir sind hier erwachsen genug und wissen, worum es geht.

    Betroffen, Verstümmelt, Frustriert, Deprimiert, Alleine ... Penisbehindert.

    Beschneidung verstümmelt ein ganzes Leben.

  • Beschneidung macht keine Schwulen.

    Das habe ich ja auch gesagt:

    Zitat

    Völlig klar ist natürlich, dass es jede Menge intakte Schwule und vorhautlose Heteros gibt, es also kein Automatismus ist.


    Zitat

    ...dass es beim eigentlichen Geschlechtsverkehr von Mann und Frau für die Frau nicht so relevant ist, ob der Penis eine Vorhaut hat oder nicht.

    Da gibt es durchaus Frauen, die das anders sehen. Die den Sex "ohne" rauer, härter, unangenehmer finden, jene Männer wurden so hart stoßen... und natürlich auch Frauen die vorhautlose Männer bevorzugen (vielleicht, weil sie in ihrem "Kulturkreis" auf nichts anderes stoßen oder weil ihnen von Kindesbeinen eingeimpft wurde, dass Vorhaut igittpfuibah ist, Krankheiten und den Tod durch Cervixkarzinom brächte).

    Und nach meiner Erfahrung beschäftigen sich nicht nur Männer, sondern auch Frauen ganz gerne mit der Vorhaut des Partners.

    In Amerika dürfte der Anteil der schwulen Männer nicht höher sein, als im Rest der Welt.

    Du meinst sicher in den USA. In Südamerika ist die Beschneidungsrate niedrig.

    Das ist nicht vergleichbar! In den USA wurden zeitweise 90% der Jungen verstümmelt.

    Das ist gerade Europa auf den Kopf gestellt: Nicht der Vorhautlose war der "Sonderling", sondern der Intakte.

    Am besten wäre man würde das mal statistisch untersuchen. Denn sonst ist alles Spekulation. Aber bitte nicht von Herrn Voß! :P

    There is no skin like foreskin

  • Ich glaube das Homosexuelle Männer sich noch mehr aktiv mit ihrem Genital und den ihrer Partner beschäftigen. Das führt vielleicht auch zu einer höheren Zahl an freiwilligen Körpermodifikationen als Erwachsene.

  • Ich glaube das Homosexuelle Männer sich noch mehr aktiv mit ihrem Genital und den ihrer Partner beschäftigen. Das führt vielleicht auch zu einer höheren Zahl an freiwilligen Körpermodifikationen als Erwachsene.

    Möglich. Z.T geht das auch in Richtung Fetischismus. Es gibt da einen "Club" im Internet mit bezeichnendem Namen. Ist verpartnert mit einem hier einschlägig bekannten Fetisch-Forum. Ich erinnere mich, dass da vor etlichen Jahren einige Leute angemeldet waren. Ich hätte mich da nicht anmelden können, zur Anmeldung musste man per Nacktfotos beweisen, dass man vorhautlos war. Da ging es um den Fetisch "vorhautloser Penis", das war da Kult. Und nach Aussage eines angemeldeten waren die Teilnehmer zu geschätzt 95% homo- oder bisexuell. Da ging es auch um "Dominanz und Unterwerfung", da wurden "Sklaven" gesucht..

    Ich habe da kein Problem mit, mein Motto: "Jedem das seine!". Der Knackpunkt ist der, wo es um Kinderrechte geht. Dort wurde man z.T. angegangen, wenn man sich für Kinderrechte einsetzte.

    Was Homosexualität angeht bin ich Outsider, ich habe nur den Eindruck, dass es unter schwulen Männern zwei Lager gibt. Männer, die sich entschieden für genitale Autonomie einsetzen und dann die vom Typ Volker Beck, die sich vehement, geradezu fanatisch. dagegen einsetzen. Aber diese Lager gibt es eben bei den Heteros auch. Aber bei heterosexuellen Männern gibt es wohl nicht diese Faszination des vorhautlosen Penis, die es bei einem Teil der schwulen Männer offensichtlich gibt.

    There is no skin like foreskin

  • Ich glaube das Homosexuelle Männer sich noch mehr aktiv mit ihrem Genital und den ihrer Partner beschäftigen. Das führt vielleicht auch zu einer höheren Zahl an freiwilligen Körpermodifikationen als Erwachsene.

    Der erste Satz beschreibt das, worum es beim Sex geht. :saint: Das ist bei Mann/Frau nicht anders.

    Weiter muss man aufpassen, dass man nicht etwas zuschreibt, was im realen Leben quantitativ keine wirkliche Bedeutung hat. Ich bin nur theoretisch da unterwegs, aber ich könnte nicht sagen, dass da viele modifiziert sind. Und von freiwilligen Beschneidungen oder Modifikationen habe ich auch nichts mitbekommen. Können also nicht sehr viele sein. Das Zerrbild der Medien kann man schnell fehlinterpretieren. Geht mir genauso.

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    Beschneidung verstümmelt ein ganzes Leben.

  • Vielleicht lese ich auch zuviele Comics von Ralf König der auch Botschafter von Intaktiv e.V. ist der manche Sachen etwas überspitzt darstellt.

    Ein Teil der Homosexuellen Männer lebt sehr stark ihre Sexualität aus. Und da wird auch untereinander verglichen z.B. in entsprechenden Saunen. Ich stelle mal die Behauptung auf das z.B. Intimpiercings unter Homosexuellen weiter verbreitet sind als bei Hetero-Männern.

  • Möglich. Z.T geht das auch in Richtung Fetischismus. Es gibt da einen "Club" im Internet mit bezeichnendem Namen. Ist verpartnert mit einem hier einschlägig bekannten Fetisch-Forum. Ich erinnere mich, dass da vor etlichen Jahren einige Leute angemeldet waren. Ich hätte mich da nicht anmelden können, zur Anmeldung musste man per Nacktfotos beweisen, dass man vorhautlos war. Da ging es um den Fetisch "vorhautloser Penis", das war da Kult. Und nach Aussage eines angemeldeten waren die Teilnehmer zu geschätzt 95% homo- oder bisexuell. Da ging es auch um "Dominanz und Unterwerfung", da wurden "Sklaven" gesucht..

    Ich habe da kein Problem mit, mein Motto: "Jedem das seine!". Der Knackpunkt ist der, wo es um Kinderrechte geht. Dort wurde man z.T. angegangen, wenn man sich für Kinderrechte einsetzte.

    Was Homosexualität angeht bin ich Outsider, ich habe nur den Eindruck, dass es unter schwulen Männern zwei Lager gibt. Männer, die sich entschieden für genitale Autonomie einsetzen und dann die vom Typ Volker Beck, die sich vehement, geradezu fanatisch. dagegen einsetzen. Aber diese Lager gibt es eben bei den Heteros auch. Aber bei heterosexuellen Männern gibt es wohl nicht diese Faszination des vorhautlosen Penis, die es bei einem Teil der schwulen Männer offensichtlich gibt.

    Beim Thema Fetisch muss man sehr vorsichtig sein. Die Bandbreite ist extrem vielfältig. Weil sich da ein paar Leute in einem Club treffen, hat das keine Bedeutung. Das findet man auch bei Heteros. Dass ich in meinem Alter immer noch mit Sneakern und Hoodie herumlaufe, könnte man auch als Fetisch interpretieren. Hier kommt wieder das CSD-Beispiel zum Tragen. Die Paradiesvögel und Selbstdarsteller sind nicht die breite Masse der Homosexuellen bzw. was es da sonst noch gibt. Dazu kommen noch die Trittbrettfahrer. Man sieht sie halt im Fernsehen und auf der Straße. Die Zahl derer, die sich von dieser »queeren Community« nicht vereinnahmen lassen wollen, wird auch lauter. Ich hasse es auch, dass man als Schwuler immer mit irgendwelchen Tucken, Siff- und Ledertypen in einen Topf geworfen wird. Wobei ich sowieso in einer Parallelwelt lebe und bestenfalls Beobachter bin. Wie denn, wenn das Ding kaputtgemacht wurde? Vielleicht ein kleiner positiver Punkt, dass ich im Prinzip ungeoutet lebe.

    Unter schwulen Männern gibt es genauso Lager wie unter anderen Männern und Frauen. Wer am lautesten schreit, wird gehört und baut ein Bild in der Öffentlichkeit auf. Volker Beck ist mit Sicherheit kein Repräsentant.

    Das mit den Kinderrechten, bzw. ich sage Minderjährigenrechten, ist ein entscheidendes Thema. Mit der Volljährigkeit kann jeder mit seinem Körper machen, was er will. Abschneiden, tätowieren oder sich einen Stahlträger durch den Zipfel schießen. Jeder, wie er will. Wenn es dann schiefgeht, dann ist es selbst entschieden. Diese Entscheidung kann man nur treffen, wenn man bis dahin einen unversehrten und funktionstüchtigen Körper hat.


    Aber um zum ursprünglichen Thema zurückzukommen:

    In meiner Ausführung ging es vor allem darum, wie kompliziert ich ein solches Studiendesign sehe. Ich benötige immer eine große Menge an Teilnehmern. Wenn aber gerade da, wo extrem viele Betroffene unterwegs sind, die Möglichkeit der Teilnahme riskant ist, wird es schwierig, ein brauchbares Ergebnis zu bekommen.

    Bei der Wahrnehmung ging es mir darum, dass ein Mann ein männliches Geschlechtsteil, auch eines Gegenübers, immer anders wahrnehmen wird als es eine Frau würde. Deswegen kann die Wertung auch eine andere sein, wenn man sich in der Zweisamkeit mit dem gleichen Geschlecht beschäftigt. Gerade beim Thema Beschneidung, spielt das eine besondere Rolle.

    Hier im Forum geht es immer um Wahrnehmung. Was spüre ich, was spüre ich nicht, was sehe ich, was sehe ich nicht, was will ich nicht sehen, was belastet mich, was enttäuscht mich, was macht mich wütend, was macht mich neidisch, usw. Praktisch jeder Thread geht genau darum.

    Betroffen, Verstümmelt, Frustriert, Deprimiert, Alleine ... Penisbehindert.

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