Ich bin regelrecht gefrustet, dass dieses Thema so ein 0-stillstand hat. Keine Diskussion in den sozialen Medien, keine Diskussion, keine Petition.
Hallo Paule, willkommen im Forum!
Also in den Medien wird das Thema seit geraumer Zeit geradezu totgeschwiegen. Es gilt offenbar als "heikel". Man hat Angst, sich damit die Finger zu verbrennen.
Auf keinen Fall wird die religions- oder traditionsmotivierte Genitalverstümmelung von Jungen in Frage gestellt. Selbst, wenn ein Junge an deren Folgen stirbt, wie z.B. in Bordeaux. In den deutschen Medien - totgeschwiegen. In den französischen Regionalmedien - eine Randnotiz. Es soll möglichst schnell Gras über die peinliche Angelegenheit wachsen. Gehen sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen!
Gar nicht auszudenken, was für ein Orkan in den Medien losgebrochen wäre, wenn ein Mädchen nach einer "Beschneidung" gestorben wäre! Radikalfeministinnen hätten vermutlich die Wiedereinführung der Todesstrafe gefordert, die in Frankreich ja erst 1981 abgeschafft wurde.
Angst vor der Antisemitismus-Keule, des Vorwurfs der Xenophobie...
Konnte man schön am Beispiel der FAZ sehen, nachdem Dieter Graumann sich über jene empört hatte. Es gibt eine wirkmächtige Lobby, das hat man ja auch auf Island, in Dänemark und im Europarat gesehen.
In der Politik sucht man das Thema komplett vergebens, bis auf die Linke haben alle Parteien, die 2012 im Parlament waren "Kinderblut an den Fingern". Eigene Fehler einzugestehen war noch nie Sache von Politikern oder Parteien.
Und die Linke hat das Thema auch längst geknickt.
Wenn in den Medien mal etwas zur Sprache kommt, dann die "pseudomedizinisch-indizierte" Zirkumzisionen, also die, die Eltern von schlecht informierten oder geldgierigen Eltern aufgeschwatzt werden. Wo medizinisch gesehen keine Zirkumzision nötig wäre, weil die Verengung sich von selbst auswachsen würde.
Siehe z.B. der sehr gute Beitrag von Insa Onken bei arte.
Oder die kulturimperialistische Massenverstümmelungskampagne in Afrika, die wird auch ab und an kritisch beleuchtet.
In den sozialen Medien kommt das Thema immer mal wieder auf, wobei eine fanatische Truppe von Traditionsverteidigern und Zirkumfetischisten immer sehr unangenehm und unsachlich auffällt.
Aber kein Grund im Kampf für Kinderrecht aufzugeben!
Steter Tropfen höhlt den Stein, und der Umschwung kann irgendwann ganz plötzlich und unerwartet kommen.
Wie der Fall der Berliner Mauer, den die meisten Berliner im Sommer '89 noch für undenkbar hielten.