Mal wieder eine "Hinterm-Rücken-Beschneidung"

  • Father not informed of son’s circumcision, court hears

    Der Richter / die Richterin scheint aber auch eine Vollmeise zu haben:

    Zitat

    The judge told the court that there is nothing out of the ordinary about getting circumcised, noting that 95 per cent of the US male population has had the procedure.

    Das stimmt nicht für die USA, und hier geht es um Irland.


    Die Mutter hatte den Sohn taufen lassen - ein religiöses Motiv ist da wohl eher unwahrscheinlich. Eine medizinische Indikation wäre vor Gericht sicher vorgetragen worden.

    Was bleibt? Feindbild Vorhaut?

    There is no skin like foreskin

  • Hab gehört in den USA ist das sehr weit verbreitet, das wird zum Teil standardmäßig nach der Geburt gemacht. Ich denke, es mangelt an Aufklärung. Noch in den 90/2000ern war vielen Ärzten nicht bewusst, dass es eine Verengung bis zu einem gewissen Alter normal ist und wie viel Empfindung verloren geht durch eine Beschneidung. Erst mit der klage 2012, von einem Beschnittenen ist das mal in den Fokus gerückt und das hat viele Ärzte auch über das leid, was damit einhergehen kann informiert.

    Leider hat sich unsere Regierung gegen das Grundgesetz gestellt und dann dieses Gesetz erlassen. Sie hatten mit Sicherheit Angst als "judenfeindlich" dazustehen.

    Zudem wäre Deutschland das erste Land mit einem solchen Verbot gewesen. Die Eltern wären einfach in ein Nachbarland dafür gefahren oder hätten es selbst unter unsterilen Bedingungen gemacht.

    Es mangelt an Aufklärung, die Eltern müssen erfahren, was sie damit ihrem Kind antun. Das Thema muss in den sozialen Medien vertreten werden. Notfalls in den Kommentarspalten, der Beschneidungsbefürworter. Weil dort informieren sich die Eltern zum Teil. Und zum Teil auch die Kinder. Der Widersprach eines Kindes im pubertären Alter, kann durchaus den Arzt in Probleme bringen. Vielleicht lenken auch einige uninformierte Eltern dann eher ein. Ich denke da wäre der Hebel was zu bewegen.

    Das funktioniert aber nicht, wenn alle anonym in einem Forum hocken. Es hätte schon eine große Wirkung, wenn hier jeder betroffene ein tiktok machen würde, in dem er sein Leid klagt.

  • Zudem wäre Deutschland das erste Land mit einem solchen Verbot gewesen.

    Ja, dieses Scheinargument wurde 2012 oft vorgetragen. Aber es ist eben nur ein Scheinargument.

    Es hätte nie einen menschenrechtlichen Fortschritt gegeben, hätte nicht irgendwann ein Land angefangen. Dann kommt der Domino-Effekt, und ein Land nach dem anderen zieht nach. Siehe z.B. die Einführung des Frauenwahlrechts, die Abschaffung der Todesstrafe in Europa...


    Man versuchte dieses Scheinargument 2012 noch zu verschärfen durch Formulierungen wie "ausgerechnet in Deutschland!" und "in Anbetracht der deutschen Geschichte", also Anspielungen auf die entsetzlichen Nazi-Verbrechen und den Holocaust.

    Der Art. 2 im Grundgesetz ist aber eine direkte Reaktion auf jene abscheulichen Verbrechen. Denn das Recht auf körperliche Unversehrtheit wurde von den Nazis in unvorstellbarer Zahl brutal missachtet.

    Was nie erklärt wurde war, warum heutzutage geborene, völlig unschuldige Jungen für die Verbrechen der Nazis büßen sollen. Das macht nicht den geringsten Sinn.

    Und ob Deutschland wegen seiner Geschichte auf ewig das einzige Land wäre, das kleine Jungen nicht vor Genitalverstümmelung schützen dürfe?


    Das funktioniert aber nicht, wenn alle anonym in einem Forum hocken. Es hätte schon eine große Wirkung, wenn hier jeder betroffene ein tiktok machen würde, in dem er sein Leid klagt.

    Mit tiktok kenne ich mich nicht aus. Ist das da nicht anonym?

    Hast du denn ein solches "tiktok" gemacht?

    Dann Bravo!

    Kannst du es hier verlinken?

    Die Idee ist vielleicht nicht schlecht, anscheinend ist ja heute ein großer Teil der Menschheit tiktok-süchtig.

    Ich kann diesen Appell von daher nur unterstützen. Alles, was helfen kann sollte versucht werden.


    Wir haben hier im Forum "Betroffene klage an". Verständlicherweise scheuen viele Betroffene mit Namen oder erkennbarem Gesicht aufzutreten. Vielleicht gibt es Angst vor negativen Konsequenzen.

    There is no skin like foreskin

  • In Deutschland hat es ja auch schon einige Hinterm-Rücken-Beschneidungen gegeben die vor Gericht gingen. Praktisch immer mit eher symbolischen Sanktionen gegen den die Verstümmelung veranlassenden Elternteil. Bewährungsstrafe oder Geldbuße.


    Z.B. ein Hickhack durch drei Instanzen:

    Richterin Gaury Sastry führte in der Urteilsbegründung aber strafmildernd aus, der Angeklagte habe das Kind aus rituellen Gründen beschneiden lassen, nicht aber um ihm Schmerzen zuzufügen.

    Sechs Monate auf Bewährung.

    In zweiter Instanz: ein Jahr auf Bewährung

    In dritter Instanz:


    So hob das Oberlandesgericht Hamm das Urteil auf. Es vermisste eine ausführliche Darstellung, wie schmerzhaft der Eingriff gewesen sei, welche Folgen er für den Jungen habe....

    Ohne Einwilligung der Mutter zu handeln sei zwar „sehr schlimm“, sagt Richterin Luise Nünning, allerdings sei die Beschneidung an sich auch in Deutschland zulässig

    Es dreht sich alles immer nur um die Mutter. Ohne deren Einwilligung ist nicht OK. Warum soll es ohne Einwilligung des Betroffenen OK sein?


    Es dreht sich alles immer nur um die Mutter. Wenn beide sorgeberechtigt sind und die Mutter will den Sohn verstümmeln lassen. Dann wird dem Vater einfach das Sorgerecht entzogen, damit die Mutter zur Tat schreiten kann! <X

    There is no skin like foreskin

  • Autsch. 😅 ich hatte keinen brutalen Frontalangriff als Reaktion erwartet. Ey ich bin nicht da um jemanden anzugreifen. Ich bin sexuell aufgeschlossen und habe ich kein Problem öffentlich darüber zu reden, aber ich bin ja nicht mal betroffener. Mich beschäftigt das Thema einfach, weil ich sehr mitfühlend bin und bin verwundert, dass man kaum betroffene sieht. Aber so bleibt das leiden auch verdeckt.

    Man könnte durchaus was bewirken. Stellt dir vor ein betroffener meldet sich in einem Elternforum an, wo gerade über Beschneidung geredet wird, und schreibt dort seine Leidensgeschichte rein. Oder betroffene suchen extra nach Videos über Beschneidung und kommentieren "Ich wurde mit 5 Jahren beschnitten und leide bis heute darunter". Das macht was, mit Eltern, Ärzten und auch Kindern bei denen eine Beschneidung bevorsteht. Schicksale bewegen Menschen.

    Ja du hast recht, es ist rechtlich und moralisch nicht zu rechtfertigen. „Wer schweigt, schützt den Täter.“. Es ist absolut nicht nötig seine Identität zu verraten, nicht mal die großen Streamer machen das freiwillig. Klar, kann man anonym darüber reden. Aber ein Bild mit ellenlangem Text hier in einem Forum? Sorry, das findet keiner. Selbst ich nicht und ich hab 2 Wochen gebraucht, um das Forum zu finden und auch nach stundenlangen durchschauen, bin ich nicht darüber gestolpert. Auf Instagram oder Tiktok würden sie mehr bewegen. Ich verstehe, dass es sehr schwer ist, aber nur durch das publikmachen kann es was bewirken und vielleicht die eine oder andere Beschneidung abwenden.


    Anfeindungen? Hab ich ehrlich gesagt noch nie bemerkt, dass beschnittene angefeindet werden. Und glaub mir, ich hab echt schon viele Kerle kennengelernt. Auch in der Schwimmbaddusche ist das nie ein Ding - ich kann natürlich nur aus meiner Erfahrung reden. Mein erster Partner ist beschnitten und wir hatten da nie was Negatives erlebt, in Bezug auf Umkleiden, Duschen oder FKK. - Ich kann mir garnicht vorstellen, dass jemand angefeindet wird, weil er sagt "ich wurde beschnitten, gegen meinen Willen und leide darunter". - aber das ist natürlich nur meine Perspektive. Ich bin neugierig, ob ihr da andere Erfahrungen mit gemacht habt.

  • ich hatte keinen brutalen Frontalangriff als Reaktion erwartet.

    Du hast doch hoffentlich nicht meinen Beitrag als solchen interpretiert?

    Brutale Frontalangriffe finden jährlich allein in Deutschland tausendfach statt, an den Genitalien von Jungen.

    Ey ich bin nicht da um jemanden anzugreifen.

    Ich auch nicht. Wenn ich etwas angreife, dann die Handlung, die Verstümmelung von Jungen. Die müssen davor geschützt werden. Ich greife auch nicht die Eltern an, die meinen es ja in der Regel gut. Aber zwischen "gut gemeint" und "gut" ist in dem Fall ein großer Unterschied.


    Dieses Forum und Aktionen in sozialen Medien können sich prima ergänzen.

    Dieses Forum ist auch als Wissensdatenbank über das Thema und seine Entwicklung wichtig.

    There is no skin like foreskin

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