PTBS aufgrund frühkindlichen "Eingriffs" und Frenulumamputation

  • Ich würde gerne meine Geschichte teilen, eigentlich müsste ich ein Buch schreiben, so vielfältig sind meine Erfahrungen und Gedanken. Ich versuche mich kurz zu fassen.

    Ich bin ein Mensch, der sich sich selbst über Therapie und Innenschau sich selbst und seiner Vergangenheit gestellt hat. Irgendwann kam ich dabei an eine Grenze. Gewisse Erfahrungen, und psychische und physische Schmerzen brachte ich einfach in keinen Zusammenhang mit Erinnerungen. Es kamen Schmerzen im ganzen Beckenbereich, Panikzustände und extreme Verlorenheitsgefühle in mir hoch.
    Eine Spur, die sich ergab war die Erinnerung, dass mir mein Vater mit seiner Hand die Vorhaut zurückzog, als ich in der Badewanne saß. Für mich eine seltsame Erinnerung. Warum hat er mich angefasst und mir nicht gesagt, was ich tun sollte. Mit etwa 40 Jahren konfrontierte ich ihn damit. Er sagte, meine Mutter hätte ihm das aufgetragen. Mehr konnte er nicht sagen....
    Meine Mutter erzählte dann, dass sie beide das getan haben, wenn sie mich wuschen, weil....
    ich als Kind, muss unter 5 Jahren gewesen sein, einen Schnitt in die Vorhaut bekommen hätte. Daraufhin waren sie wohl von dem Arzt dazu instruiert, mir die Vorhaut immer wieder zurückzuziehen, damit dieser Schnitt nicht wieder zuwächst. (Die Wunde)
    Dieser Schnitt wurde ohne Narkose durchgeführt. Mein Vater weiß schon gar nichts mehr davon und meine Mutter beschreibt zwar, dass dieser Arzt sehr unsensibel und ruppig gewesen wäre, aber es kein großes Ding gewesen wäre.
    Ich finde das unglaublich....

    Ich habe unter anderem Kontakt mit moslemischen Kindern. Ich habe sie von ihrer Beschneidung erzählen hören. Ein Junge erzählte, wie er versuchte abzuhauen, sie ihn dann aber eingefangen hätten...
    Schwierig für mich, mir solche Geschichten anzuhören.
    Filme von Beschneidungen im Säuglingsalter fühlen sich für mich als Verbrechen an.....

    Für mich alles eine extreme Erfahrung. Da es keine Beschneidung war, wäre ich nie im Leben darauf gekommen, dass mir da mal jemand einen Schnitt ohne Narkose verpasst hat, denn es war nicht zu erkennen. Ich spüre klar, dass diese Erfahrung auf schmerz und leidvolle Art und Weise in meinem Körper steckte, aber ich hatte keine Ahnung.

    Schnitt

    Bevor ich das wusste entschied ich mich mit 25 aufgrund empfundener Enge der Vorhaut zu einer Teilbeschneidung.
    Danach ging die Vorhaut auch im erigierten Zustand über die Eichel und ich hatte ein paar Jahre Ruhe.
    Prognostiziert wurde mir, dass die zwischen innerer und äußerer Vorhaut entstandene Narbe wieder schrumpfen könne.
    Das pasierte dann wohl auch, langsam stellte sich wieder ein Engegefühl ein, es gab nur einen gewissen Spielraum, in dem ich die Vorhaut lustvoll auf der Eichel hin und herbewegen konnte.

    Dann ging die Qual los.
    Ein Arzt riet mir, mich nicht beschneiden zu lassen, solange es irgendwie geht, da bei mir Lust und Schmerz nahe beieinanderliegen würden.
    Also ließ ich die Sache erstmal ruhen und lebte mit dem bisschen Schmerz.
    Durch eine neue Partnerin und anders gelebte Sexualität wurde ich stäker mit der Verengung konfrontiert.
    Ich war mit großer Ambivalenz dadurch in dieser Beziehung.
    Wusste, dass ich schon problemloser Sexualität gelebt hatte.

    Der Wunsch dieses Spannungsgefühl zu verlieren tauchte auf.
    Ein moslemischer Urologe sagte mir, dass ich mich beschneiden lassen sollte, denn es wäre viel besser.
    Ein deutscher Arzt sagte mir, ein Drittel fände es wie vorher, ein Drittel besser und ein Drittel würde sagen "mach mir das Ding wieder dran!".
    In mir völliges Durcheinander. Eine schon angeraumte OP sagte ich aus lauter Kastrationsangst ab.
    Der deutsche Arzt meinte, ich wäre überinformiert und könne deshalb keine klare Entscheidung treffen.

    Irgendwann kam ich auf die wohl irrationale Idee, dass eine Frenulumverlängerung helfen könnte die Enge zu beheben. Es war wirklich irrational, denn wirklich logisch war mir das nicht.
    Ein nochmals anderer Urologe sagte mir, dass man das probieren könne. Ich dachte so etwas zu probieren, was mir die Lust erhielt, da ich ja die Vorhaut behalten würde.
    Klar, ich unterschrieb wohl so einen Wisch, in dem glaube ich auch stand, das sich das sexuelle Erleben verändern könne.
    Aber das, was ich seit diesem "Eingriff" erlebe, das hätte ich mir nie denken können.

    Erstens hatte ich auf dem OP-Stuhl das starke Gefühl aufzustehen und wegzugehen. Ich zog aber meine Entscheidung durch. Heute sehe ich darin eine Wiederholung des kindlichen Traumas, das ich zu Beginn beschrieben habe.

    Nun, Folge war, dass ich wie andere Vollbeschnittene hier Beschreiben extrem viel Lustgefühl verloren habe. Ich empfinde es als 80%. Das Frenulum war völlig wegoperiert. Ich war schockiert und habe das nicht als Verlängerung erlebt.
    Ein anderer Urologe sagte mir später, dass es eigentlich keinen Unterschied zwischen einer Frenulumverlängerung und einer Frenulumentfernung gibt. Ich verstehe das bis heute nicht wirklich....
    Nun, ich habe noch die Vorhaut und doch sind 80% des Gefühls weg.
    Ich finde das einfach eine wichtige Information, die ich hier teilen möchte. Die verbleibende Vorhaut fühlt sich vom Lustempfinden eben jetz auch eher wie normale Haut an.
    Wirklich Lustvoll sind nur noch Bewegungen am Eichelkranz.

    Ich fühle mich kastriert, völlig frustriert und meiner Sexualität beraubt. Onanie ist längst nicht mehr so schön und ich kann mir überhaupt nicht mehr vorstellen, mit einer Frau in einer Liebesbeziehung zu sein.
    All die heiligen, so sehr intimen Emfpindungen sind nicht mehr möglich.

    Zu allem Drama brennt jetzt nach sexueller Betätigung die Narbe meiner Teilbeschneidung. Ich habe es mit Waschen, Fönen und einer Mischung aus Bebanthen- und Jodsalbe einigermaßen im Griff, aber es belastet trotzdem.

    Ich habe noch keinen Weg gefunden, das Leben noch gut zu finden, nach diesem Verlust und durch das Brennen überlege ich immer wieder, ob eine Ganzbeschneidung es mir nicht nehmen könnte. Aber das wiederum würde noch ein paar Vorhautnervenzellen kosten, dann wäre da vielleicht noch 10 % Lust und wenn die hier beschriebene Keratinisierung der Eichel stattfindet, wäre ich bei ...?????

    Unerträglich, ein unbeschreibliches Dilemma und für mich keine wirkliche Lösung in Sicht.

    Aufgrund meiner Erfahrung stelle ich mal folgende Frage in den Raum. Man sagt ja, dass bei manchen Beschneidungen das Frenulum erhalten bleibt und bei manchen nicht.
    Ist das vielleicht die Erklärung, dass manche Beschnittene es ganz ok finden und die ohne Frenulum es eben nicht?

    Das wars mal in der mir möglichen Kürze.

  • (welcome)

    Was für ein eindrucksvoller Bericht. Danke.

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • ich wäre überinformiert und könne deshalb keine klare Entscheidung treffen.

    Ein wirklich guter Arzt. Spricht fließend Orwell, der Mann.
    Eigentlich wollte er sagen "jetzt machen Sie mal hier nicht rum, ich weiss schon, was für Sie gut ist.".

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Ist das vielleicht die Erklärung, dass manche Beschnittene es ganz ok finden und die ohne Frenulum es eben nicht?

    Das glaube ich eher nicht. Es gibt einen Hang zur Rechtfertigung und auch zur Verneinung, dass man "verstümmelt" worden sei. Wer will das auch, dem es bisher damit gut geht, der eine normale Sexualität hat (oder glaubt zu haben)?Und genau dieses "oder glaubt zu haben" ist eine Anmaßung, das glauben doch 80% der Männer, denen Sex Spass macht.

    Nur die 20% der Beschnittenen (eigene Daumenschätzung) denken irgendwann auch über eine Ursächlichkeit nach, zwischen einer festgestellten gestörten Sexualität und ihrer Beschneidung als Ursache. Das Thema ist sensibel und Behutsamkeit ist angeraten.

    Selbst bei intakten Männern gibt es in der Empfindung und im subjektiv empfundenen Spass sicher Abweichungen. Die Unzufriedenen sind nur bei den Beschnittenen häufiger anzutreffen. Das alleine sollte einem zu denken geben.

    Dass das abhanden gekommene Frenulum eine Einbuße ist, davon kannst aber ausgehen, Es ist die empfindlichsten Stelle, zusammen mit dem gefurchten Band.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Ach ja, ein Urologe sagte mal zu mir, dass die Berichte im Internet zu Beschneidung kein guter Ratgeber sind, denn da würden nur die paar wenigen Unzufriedenen schreiben.....

    Die Zufriedenen schreiben da ja nicht....

    Pech, wenn man zu den Unzufriedenen gehört, wenn dieser Begriff überhaupt ausreicht!

  • Dies wird kaum eine Rolle spielen.

    Mir ist trotz Vorhautamputation, die keinerlei Bedecken der Eichel mehr zuließ, das Frenulum geblieben.
    Und das ist auch heute die mit Abstand empfindlichste Stelle meines Penis.
    Allerdings hat das keineswegs dazu geführt, mit der an mir erlebten Verstümmelung einverstanden oder gar damit zufrieden zu sein, zu krass sind die übrigen Nachteile und der Übergriff, den dies für mich und meine Sexualität bedeutete.
    Dem Eingeständnis des Unglücklichseins mit dem aufgezwungenen Zustand steht die u.U. sehr schmerzvolle Aufarbeitung der eigenen Biographie entgegen - der möglichen Biographie als Opfer, Täter und/oder Beihilfer.
    Dies schafft riesige Widerstände, die täglich sichtbar werden, wenn auf teilweise schon groteske Weise völlig irrational alle Realitäten ausgeblendet werden, um die Legitimation der Zwangsbeschneidung für sich selbst und andere aufrechtzuerhalten.

  • Ach ja, ein Urologe sagte mal zu mir, dass die Berichte im Internet zu Beschneidung kein guter Ratgeber sind, denn da würden nur die paar wenigen Unzufriedenen schreiben.....

    Die Zufriedenen schreiben da ja nicht...!


    Ach lieber "warok", dein Urologe hat wirklich keine Ahnung. Ich als Frau war schmerzhaft betroffen beim Geschlechtsakt mit einem beschnittenen Mann, der seit Jahren Mühe hat den Höhepunkt zu erreichen bzw. er scheint ihn seit Jahren nicht mehr erreichen zu können.

    Das tragikomische an der ganzen Situation ist, dass er die negativen Folgen der Beschneidung (Unempfindlichkeit des Penis), sogar als Vorteil sieht, weil er meinte dadurch könne er länger! Dass er aber mit einer Frau mehrmals sogar Penetrationsstörungen hatte und der Akt gar nicht stattfinden konnte, dass eine andere die ganze "Aktion" abgebrochen hatte und wir auch wegen des schmerzhaften Verkehrs den Akt abbrechen mussten, scheint als würde ihn weniger kümmern, bzw. glaubt diese sex. "Misserfolge" sind der Unfähigkeit der Frauen geschuldet!

    Er sucht die Erklärung immer woanders, wenn es orgasmustechnisch schon wieder nicht klappt nur nicht dort, wo es am wahrscheinlichsten ist: an seinem beschnittenen Glied.
    Deshalb würde sich dieser scheinbar "Zufriedener" nie im Internet anonym melden.
    Es liegt ja immer an den Frauen.

    Du kannst davon ausgehen, dass es weltweit viel. sogar Millionen solche "Zufriedene" gibt. Wie könnte es anders sein, wenn sie die normale wie von der Natur gedachte Sexualität nicht kennen, sondern nur eine reduzierte, an Empfindungen defizitäre Sexualität? Anders ist der Fall bei im erwachsenen Alter beschnittenen Männern! Sie kennen Vorher-Nachher-Vergleiche und können mit ihren Berichten den als Kind beschnittenen Männern die Augen öffnen - selbstverständlich nur die, welche auch die negativen Folgen zu spüren bekamen. Auch in diesem Forum gibt es paar solche Berichte.

    Und von mir auch ein herzliches (welcome)

    "Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen" (Hermann Hesse)
    "Die schönste Frucht der Gerechtigkeit ist Seelenfrieden" (Epikur)

  • Ach ja, ein Urologe sagte mal zu mir, dass die Berichte im Internet zu Beschneidung kein guter Ratgeber sind, denn da würden nur die paar wenigen Unzufriedenen schreiben.....

    Ich höre dieses Argument immer wieder von Ärzten. Ich erkläre mir das heute so, dass durch das Internet ihre Position angreifbar geworden ist. Mittlerweile ist es durch das Internet möglich geworden, sich umfassend zu informieren. Betroffene (egal welches Problem) wissen teilweise mehr, als der behandelnde Arzt.

  • Hallo Aphrodite,

    Ich als Frau war schmerzhaft betroffen beim Geschlechtsakt mit einem beschnittenen Mann, der seit Jahren Mühe hat den Höhepunkt zu erreichen bzw. er scheint ihn seit Jahren nicht mehr erreichen zu können.

    Heisst das, dass eure Beziehung wegen seiner Beschneidung kaputt gegangen ist?

  • Nun Leute, auf eine Art bin ich froh, dass ich euch und dieses Forum gefunden habe, auf der anderen Seite ist es für mich unglaublich schwer, mit all dem umzugehen, was ich hier lesen kann...

    Seit meiner OP vor 4 Jahren bin ich in extremer, oft auch suizidaler Krise.
    Ich bin ein Mensch, der gelernt hat, auch bezüglich größter auch emotionaler Verzweiflung in Kontakt mit Menschen zu gehen, zu sprechen, meine Gefühle zu zeigen und mir Unterstützung zu holen.
    Doch das Thema, mit dem ich eben seit dieser OP "unterwegs" bin ist 1. wirklich unerträglich und 2. kostet es so viel Kraft, den Menschen immer wieder zu erklären, was ich erlebe und dabei auch immer wieder gegen die weitgehende Unwissenheit und die verbreiteten Mythen anzusprechen. Und das eben bei größtem empfundenen persönlichen Leid.
    Letztendlich macht es alle Menschen, denen ich mich zeige dann irgendwann einfach auch nur hilflos.

    Ich war in meinem Leben in verschiedensten Selbsthilfegruppen, doch mit oder zu diesem Thema gibt es keine Selbsthilfegruppen.
    Selbst im Internet finde ich es schwierig damit einen Platzt zu finden.

    Mir täte es glaube ich unglaublich gut, mich hier umfangreich zu äußern, aber ich weiß nicht genau, ob das willkommen ist.

    Vielleicht könnt ihr mir da bei meinem Zögern, hier richtig in die Tasten zu hauen helfen?

    Auch bin ich mir unsicher, ob ich auch ausführlich über den Unterschied meines Erlebens von Sexualität vor und nach der Amputation zu schreiben, weil ich niemanden verletzten oder schockieren will, der als Kind schon radikal beschnitten wurde.

    Wie ist das für euch?


    Aber folgendes will ich doch schon mal schreiben:


    Zitat von »warok«

    "Ach ja, ein Urologe sagte mal zu mir, dass die Berichte im Internet zu Beschneidung kein guter Ratgeber sind, denn da würden nur die paar wenigen Unzufriedenen schreiben..... "

    Zitat von noskin

    "Ich höre dieses Argument immer wieder von Ärzten. Ich erkläre mir das heute so, dass durch das Internet ihre Position angreifbar geworden ist. Mittlerweile ist es durch das Internet möglich geworden, sich umfassend zu informieren. Betroffene (egal welches Problem) wissen teilweise mehr, als der behandelnde Arzt"

    Von dem genannten Urologen wollte ich wissen, ob bei mir eine Frenulumverlängerung oder eine Frenulumentfernung vorgenommen wurde.
    Seine Reaktion:

    1.) Wollte er den Namen des Operateurs wissen. In diesem Zusammenhang machte er mir klar, dass die Urologen sich in Deutschland eigentlich fast alle kennen würden...Das machte mich irgendwie sehr misstrauisch diesem Berufsstand gegenüber.

    2.) Natürlich würde ich ausflippen, wenn ich eine Frenulumverlängerung wollte und eine Frenulumamputation durch geführt wurde. Natürlich gibt es da in mir auch den Gedanken, dann diesen Urologen z.B. anzuzeigen. So ... darauf sagte mir der Urologe nach der Untersuchung, dass das gut gemacht wäre und dass es keinen Unterschied zwischen einer Entfernung oder Verlängerung gäbe. Erst im Schreiben dieser Zeilen erlaube ich mir an dieser Aussage zu zweifeln. Mein Verdacht: Diese Jungs schützen sich gegenseitig!

    Ich war tatsächlich schon dran den Typ anzuzeigen, der mir das Frenulum entfernt hat, aber dazu bräuchte ich doch wohl ein klares Gutachten eines anderen Arztes, der mir atestiert, dass da nicht gemacht wurde, was ich wollte!

  • Mir täte es glaube ich unglaublich gut, mich hier umfangreich zu äußern, aber ich weiß nicht genau, ob das willkommen ist.

    Vielleicht könnt ihr mir da bei meinem Zögern, hier richtig in die Tasten zu hauen helfen?

    Auch bin ich mir unsicher, ob ich auch ausführlich über den Unterschied meines Erlebens von Sexualität vor und nach der Amputation zu schreiben, weil ich niemanden verletzten oder schockieren will, der als Kind schon radikal beschnitten wurde.

    Wie ist das für euch?


    Wenn ich mal für "uns" sprechen darf, so gehe ich mal davon aus, dass das für uns kein Problem ist. Hier ist ja schon so einiges Unglaubliches berichtet worden. Alle diese Berichte helfen anderen, auch wenn sie nur mitlesen. Wer sie liest, ist ja schon mal in der Lage, das Problem zu sehen, und damit einen Schritt weiter, auch wenn das möglicherweise wehtut.

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Mir täte es glaube ich unglaublich gut, mich hier umfangreich zu äußern, aber ich weiß nicht genau, ob das willkommen ist.


    Absolut. Das ist der Sinn dieses Forums. Hier soll jeder alles berichten können und dürfen, was mit seinen persönlichen Erfahrungen zusammenhängt.

    Zu Deinen Rechtsfragen:

    das mit der Aufklärung ist so eine Sache. Wenn Du nicht ordentlich aufgeklärt wurdest, liegt eine Körperverletzung vor. Der Arzt ist beweispflichtig dafür, dass er die Aufklärung ordnungsgemäß durchgeführt hat. Wenn Du zum Zeitpunkt der Operation bereits rechtsschutzversichert warst, kannst Du einen spezialisierten Anwalt mit den Einzelheiten betrauen. U.a. müssen hier Verjährungsfragen geklärt werden, aber Schadenersatzansprüche wegen Körperverletzung dürften drin sein.

    In der Regel läuft das dann so, dass man sich erst einmal ein Gutachten von den Krankenkassen erstellen läßt. Die Krankenkassen sind nicht so scharf drauf, Geld für unnötige oder fehlerhafte Operationen zu zahlen und verfügen über einen medizinischen Dienst. Der Anwalt stellt dort einfach eine Anfrage und erhält dann ein Gutachten, das er als Arbeitsgrundlage verwendet. Das Gericht wird i.d.R. gleichwohl ein eigenes Gutachten in Auftrag geben.

  • Mir täte es glaube ich unglaublich gut, mich hier umfangreich zu äußern, aber ich weiß nicht genau, ob das willkommen ist.

    Hallo warok, auch von mir nochmal: Genau dafür ist dieses Forum unter anderem da. Wo, wenn nicht hier, solltest Du Dich anonym mit anderen Betroffenen austauschen können? Es spielt keine Rolle, ob Du nun der einzige bist, der genau diese Art von Eingriff an seinem Penis erleiden musste. Du hast ein Trauma erlitten, das steht für mich ausser Frage und dieses Trauma wurde durch Deine Genitaloperation verursacht. Wir sind hier alle sehr offen, ich für meinen Teil habe meine persönliche Krankengeschichte mehr als ausführlich dargelegt. Mir persönlich hat das sehr geholfen. Das muss sicher nicht für jeden gleichermaßen gelten, aber ich rate Dir: Leg los und erzähl uns, was raus muss!

    Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
    Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
    Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
    https://tredition.de/autoren/clemen…aperback-44889/

  • Leute, erstmal danke für das Willkommen, es erleichtert mich, die nächste Zeit mich hier ein bisschen (oder auch mehr, schau ma mal) "aufhalten" und ausdrücken zu können.

    Das hilft mir, danke!

  • Maria Werner
    Hm, ich hatte und habe keine Rechtsschutzversicherung.

    Aphrodite, bei dir lese ich raus, dass das schwierige für dich in deiner Beziehung war, dass dein Partner dir die Schuld dafür gab, dass die Sexualität nicht erfüllend ist/war. Sehe ich das richtig, dass er dich damit doch auch stark verunsichert hat und du dich selbst in deinem Selbstwert als Frau, eben auch bezüglich der Sexualität auf eine Art wieder aufbaust, indem du verstehst, was bei IHM los ist....?
    Mir stellt sich die Frage, was würde es für dich bedeuten, wenn er den Schritt gehen könnte und sagen könnte, ja ich kann nichts fühlen....
    Wie wäre das für dich als Frau dann...

    Ich frage das, weil ich mir selbst eigentlich nicht mehr vorstellen kann, wie ich nochmal mit einer Frau zusammen sein kann ... also sexuell...

    Es ging so lang, bis ich kapierte, dass als Kind Beschnittene überhaupt nicht die Erfahrung einer Sexualität mit einem "vollständigen" Penis haben. Also auch wenn es heute vielleicht Aufklärung wie z.B. hier gibt, ich bin nur all den Mythen begegnet. In meiner Entscheidungsphase zu dieser Frenulumamputation und auch im klagen über mein Leid danach....

    Ich stelle es mir schon schwierig vor, das überhaupt realisieren zu können, dass das mit der Beschneidung zu tun hat.
    Ok., man hatte vielleicht was weiß ich für Gefühle als Beschnittener und hält das für Sexualität und dann kommen Orgasmusschwierigkeiten und das ist dann das Problem.

    Aber:
    Ich erlebe, dass mir die 80% Lustempfinden fehlen. Und zwar nicht unbedingt beim Orgasmus, der ist gar nicht so schlecht an sich, jetzt, sonder die 80% Lustempfinden von Anfang an des Liebsspiels. Die Lust erreichte von Anfang an des Liebesspiels schon ein großes Niveau, das mir jetzt vollkommen fehlt. Es ist nicht mehr wirklich schön, der Weg zu Orgasmus. Mit Frenulum hatte ich irgendwann meine Orgasmusfixierung erkannt und begonnen den Weg dorthin zu genießen. Ich kannte meinen "point of no return" sehr gut und wenn ich die Sexualität ausdehnen wollte, dann konnte ich an dieser Stelle aufhören mit der Stimulation, die Lust ebbte ab und das Liebesspiel konnte weitergehen. Daraus konnte wirklich langes (Stunden) sehr lustvolles Liebesspiel entstehen. Das Argument Beschnittene können länger halte ich mit meiner Erfahrung für absoluten Quatsch.
    Meine jetztige Erfahrung ist, dass sich die Stimulation jetzt nicht mehr lustvoll, sondern eher wie Arbeit anfühlt, um diesen kurzen Orgasmus zu erleben.

    Jedesmal, wenn ich Sexualität habe, und das noch nach 4 Jahren, sucht mein ganzes System (Das Gehirn) die Erfahrung von früher, aber ich kann sie nicht mehr machen. Ich hoffte, die Erinnerung an die früheren Gefühle würde irgendwann verschwinden, aber das lässt nicht nach....Über 30 Jahre sexuell intakt zu sein, wie soll das Gehirn das vergessen.
    Ich glaube ich werde das immer vermissen....

    Daraus folgt die Frage, wie kann ich nochmal mit einer Frau zusammensein.

    Klar, küssen, den weiblichen Körper spüren, die Nähe, die Lust der Frau, die ich ihr bereiten kann genießen, ... das geht noch...
    Aber was mach ich mit der eigenen Frustration...
    Was mach ich mit der Trauer, der Verzweiflung....weinen, immer wieder....?
    Was mach ich mit dem Gefühl, dass ich fast das Gefühl habe, wenn ich mit der Frau schlafe und denke, die könnte jetzt genausogut einen Dildo nehmen, denn ich spür ja eh nicht so viel...

    Irgendwie sehen so meine persönlichen Fragen aus. Wie geht das, kann eine Frau Lust haben, mit mir zusammenzusein, wenn sie all das weiß?

    Männer, wie geht ihr damit um, falls ihr mit einer Frau zusammenseid?

    Ich selbst stehe noch vor der unlösbaren Frage, wie ich mit dem unerträglichen Brennen umgehen soll, das ich oft habe?
    Ich föne, um Keime zu töten, wenns brennt und benutze dann eine Salbenmischung aus Bebanthen und Jodsalbe. Jod, um die Keime zu töten und Bebanthen, um der Haut/Narbe Feuchtigkeit zu geben.

    Aber das Brennen geht nicht weg und nervt mich schon brutal.

    Ich frag mich seit 4 Jahren, ob ich mich ganz beschneiden lassen soll, aber ich habe riesige Panik vor der OP (Wahscheinlich auch die Kindheitstraumatisierung), auch weil ich dann eben noch die restlichen Nerven der Vorhaut verliere und dann noch mit Abstumpfung der Eichel rechnen muss. (Wenn ich hier lese, müsste ich dann salben und solche Penslips tragen). Ich habe Angst vor dem Gefühl ohne Vorhaut...und und und

    Bin am Überlegen, ob ich diese Phimostop-Platikringe für die Dehnung der Narbe einsetze, aber ich hab fast keine Geduld mehr...

    All so Fragen...

    Dann...ich habe ja immer gedacht, ich habe halt eine Phimose gehabt, da musste man was machen. Wenn mir beim hier lesen klar wird, dass die meisten Phimosen sich mit der Pubertät lösen und es eine Narbenphimose gibt, dann denke ich, man, wenn die bei mir als Kind gar nichts gemacht hätten, dann hätte es vielleicht gar keine Probleme gegeben...

    Vielleicht alles wirr, aber es tut mir gut es rauszuschreiben.....

    Wobei, so wirr ist es gar nicht, es ist halt einfach Scheiße!

  • Eine Frage an die medizinischen Experten: Der Dorsalnerv verläuft doch durch das Frenulum bevor er sich verästelt, oder? Warok klagt ja darüber, dass auch seine Vorhaut nichts mehr fühlt. Kann es sein, dass dieser beschädigt/mitamputiert wurde?

  • warok

    Kennst du das Medizinrechts-Beratungsnetz? In Medizin- und Sozialrechtlichen Fragen können sich Patienten und Ärzte aus ganz Deutschland unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 0 73 24 83 (Mo.-Fr. 09 bis 17 Uhr) and das Medizinrechts-Beratungsnetz wenden. Dort bekommst du einen Beratungsschein und die Adresse eines Anwalts in deiner Nähe. Der gibt dir ein kostenloses Orientierungsgespräch.

  • Der gibt dir ein kostenloses Orientierungsgespräch.


    Falls sich kein Anwalt drauf einläßt: die Kosten für die Erstberatung (auf keinen Fall darf der Anwalt in diesem Zusammenhang ein Telefonat mit einem Dritten führen oder einen Brief schreiben) sind frei verhandelbar. Du könntest also vorher telefonisch einen Termin ausmachen und darüber verhandeln, wie viel für eine reine Erstberatung zu zahlen wäre und dass Du erst einmal nichts anderes willst als eine Erstberatung.

    Das Verfahren kannst Du selbstverständlich komplett ohne Rechtsschutzversicherung durchziehen, aber dann hast Du halt auch ein Kostenrisiko.

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