Amnon Orbach (Jüdische Gemeinde Marburg) vor Elftklässlern eines beruflichen Gymnasiums: "Wer braucht (schon) eine Vorhaut?"

  • Amnon Orbach, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Marburg, vor Schülerinnen und Schülern der 11. Klasse der Max-Eyth-Schule in Alsfeld laut Gießener Anzeiger:

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    Orbach kam in seiner Gruppe nach einer Einführung über religiöse Vorschriften wie Essensgebote auch auf die Beschneidung zu sprechen. Sie sei, so der Vorsitzende der Marburger Jüdischen Gemeinde, Ausdruck des Vertrages, den die Israeliten mit ihrem Gott abgeschlossen haben. Dass die Beschneidung gerade an der Vorhaut stattfinde und nicht anderswo, sei eine Auslegung. Die Beschneidung an der Vorhaut sei „schmerzlos und schadet nicht“. Außerdem: „Wer braucht eine Vorhaut?“ Im Verständnis Orbachs ist sie ein Relikt aus grauer Vorzeit, als Menschen noch nackt auf Bäumen kletterten und die Vorhaut einen Schutz vor Verletzungen gewährte. Gerade bei Babys, als die die Jungs im Judentum beschnitten werden, sei eine Beschneidung eine einfache, schnelle, fast unblutige Angelegenheit. Dennoch plädiert er persönlich für eine örtliche Betäubung, schon allein, um die besorgten Eltern zu beruhigen. Die Beschneidung, so Orbachs Auffassung, sei eigentlich zu unbedeutend, um medial auf die derzeitige Art und Weise aufgeblasen zu werden. Genaugenommen sei sie ein Ritual wie die Taufe, durch das ein Mensch in seine Religionsgemeinschaft aufgenommen wird.

    Gießener Anzeiger - Religionsfreiheit - Wo fängt sie an und wo hört sie auf?

    Wie Orbach sich die Welt zurechtlegt! Und das an einer öffentlichen Schule! Ob die 17-jährigen Schülerinnen und Schüler ihm das etwa geglaubt haben? Für wie blöd werden die Leute eigentlich gehalten? Und keinerlei Fragezeichen im Gießener Anzeiger ...

    Der Organisator dieses "Tages der Weltreligionen", der "Religionswissenschaftler" Ralf Müller vom Evangelischen Dekanat, soll lt. Gießener Anzeiger vor den Schülerinnen und Schülern sogar gesagt haben:

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    Die Sunna des Propheten sieht im Islam die Beschneidung neben anderen Maßnahmen als unabdingbares Element zur Menschwerdung überhaupt vor.

    Rund 85 % der Menschen also überhaupt keine Menschen??? Das wusste ich auch noch nicht! Ich bin entsetzt!

    Gießener Anzeiger - Religionsfreiheit - Wo fängt sie an und wo hört sie auf?

    Der gleiche Mist wird dann gleich auch noch in der Oberhessischen Zeitung gedruckt und auf der Homepage der Stadt Alsfeld verlinkt:
    Oberhessische Zeitung - Religionsfreiheit - Wo fängt sie an und wo hört sie auf?
    Alsfeld.de | Aktuelles

  • Wer braucht schon ein Gehirn? Bei einigen würde die Entfernung desselbigen nicht weiter auffallen....
    Grenzdebiler Unfug! Es gibt keine sinnlosen Körperteile und der Vergleich mit einer symbolischen Handlung wie der Taufe ist - im besten Fall- eine Unverschämtheit.

  • Über der Kommentarfunktion steht

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    Das gilt nicht für den Inhalte von Artikeln. Wobei, der berichtet ja nur über die tatsächlich irrsinnigen Äußerungen des Herrn Orbach.
    Ohne jegliche kritische Note, jedoch.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
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    "Wer braucht (schon) eine Vorhaut?"


    Nun, das wissen wir ja seit einiger Zeit: die Kosmetikindustrie, das Fraunhofer-Institut Stuttgart etc.

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    Im Verständnis Orbachs ist sie ein Relikt aus grauer Vorzeit,
    als Menschen noch nackt auf Bäumen kletterten und die Vorhaut einen
    Schutz vor Verletzungen gewährte.

    Wenn ich das richtig deute, ist er wenigstens kein Evolutionsleugner. Das ist ja schon mal löblich.

  • Merkwürdig, das sind genau die Sprachelemente, die in der Rede des Rabbi gebraucht wurden, bei der Podiumsdiskussion, an der Benni anwesend war:

    • überflüssig (Irrweg der Evolution)
    • schädlich (HIV, Zervix-Karzinom)
    • um auf Bäume zu klettern nimmt man heute eine Leiter. Außerdem trägt man eine Hose. Daher ist die Vorhaut überflüssig


    Kann das sein, dass es eine zentral gesteuerte Sprachregelung zur Problematik gibt? Ich glaube schon.

    Vorsichtshalber... Wenn die Verhältnisse so sind, wie die, die eine Konspiration zutage treten ließe, ist es müßig sich zu fragen, ob es diese Konspiration gibt. Darauf kommt es dann nicht mehr an.

    Ein Atheist könnte boshaft entgegenhalten, dass es doch merkwürdig sei, dass religiöse Menschen weiterhin ein so großes Hirn haben, da sie es in minderem Maße gebrauchen, im Vergleich zu Rationalisten.
    So blöde ist etwa die Einlassung über die Notwendigkeit der Vorhaut, weil wir nicht mehr klettern.

    Er vergisst anzugeben, dass das Gras heute nicht mehr so hoch wächst, das uns einst schön am Penis kitzelte, beim Wandern (Aber nicht doch, Erika!).
    Er vergisst auch, dass die Erfindung des Lendenschurzes weit weniger invasiv war.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Er ist sehr wohl ein Evolutionsleugner, insofern als, gäbe es die Evolution, sich die Vorhaut von ganz alleine den Notwendigkeiten ergeben und zurückgebildet hätte.

    Ich würde sagen, er ist ein Evolutionsgegner nach dem Grundsatz "Wir können das besser, als die Evolution", aber kein Evolutionsleugner, wie Rabbiner Ehrenberg aus Berlin.

    Wenn dieser Mann vor 17-jährigen SchülerInnen spricht, halte ich das für eine gute "Aufklärung". Genusssüchtige übergewichtige Schüler können ja mit der Beschneidung als ersten Schritt zur Gewichtsreduktion beginnen. Was nicht gebraucht wird kann ab!

  • Amnon Orbach hat völlig recht. Die Evolution macht nämlich auch Fehler. Nach neueren Erkenntnissen ist z.B. der menschliche Kopf viel zu gross für die weibliche Anatomie, weshalb es bei der Geburt oft zu Problemen kommt.


    Wissenschaft: Evolution brachte Menschen auch Nachteile - Diverses - FOCUS Online - Nachrichten

    Die Grösse des Kopfes war früher einmal ein Evolutionsvorteil bei der Mammutjagd. Heute braucht man jedoch nur soviel Gehirn, um die Worte von Religionsvertretern speichern zu können. Der Rest kann weg... 8o

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Beschneidung als ersten Schritt zur Gewichtsreduktion

    Ja, aber... in der Vorhaut ist doch kein fett. Da ist Fettabsaugen g'scheiter.

    werner: und gleich mit dem großen Kaiserschnitt, der kleine Schnitt hinterher, für den Prinzen. Mit dem selben Skalpell, freilich (Blutsbruderschaft mit Mamma). <SPASS OFF>

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Leider finde ich es nicht wieder, aber ich habe in der Tat irgendwo gelesen, dass ein Religionsvertreter, der, wie das heute üblich ist, gleichzeitig Evolutionsexperte ist, gesagt hat, dass die Vorhaut dazu da ist, den Penis im Mutterleib zu schützen (wegen der Keime der Mutter?). Nach der Geburt braucht man/ n sie dann nicht mehr.

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

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    Im Verständnis Orbachs ist sie ein Relikt aus grauer Vorzeit, als Menschen noch nackt auf Bäumen kletterten und die Vorhaut einen Schutz vor Verletzungen gewährte.


    Dieser Obrach denkt nicht zu Ende: Ja, als die Menschen noch auf Bäume kletterten, da waren sie noch am ganzen Körper behaart fast wie die häutigen Primaten und hatten noch grössere, ausgeprägtere Reisszähne.

    Merkwürdig: die Evolution hat diese Körpermerkmale weitgehend zurückgebildet aber dabei die Vorhaut vergessen. Dann dachte sich der Homo Sapiens das begonnene "Werk" zu Ende zu führen. Nur fragt es sich, warum wird die Amputation der Klitorisvorhaut nicht überall auf der Welt gesetzlich erlaubt oder brauchen die Frauen sie noch, weil nur sie immer noch nackt auf Bäume klettern und somit ihre Klitoris schützen müssen? ?( :whistling:
    werner argumentiert man in diesem Sinne weiter, dann schützt auch die Klitorisvorhaut die Klitoris im Mutterleib vor den Keimen. Nach der Geburt kann man sie auch den Mädchen abschneiden, so wie man es bei Buben macht.

    "Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen" (Hermann Hesse)
    "Die schönste Frucht der Gerechtigkeit ist Seelenfrieden" (Epikur)

  • dann schützt auch die Klitorisvorhaut die Klitoris im Mutterleib vor den Keimen

    Diese Theorie der aggressiven Keime der Mutter passt so ganz zum Patriarchat, das in gewissen Kreisen vorherrscht. Die Mutter wird darin zum Problem für den Säugling...

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • im Papier von Rabbi Goldberg steht doch:


    "Eine Beschneidung bei Mädchen aber, lässt sich von keiner Stelle der Tora ableiten und deshalb wurde und wird in jüdische Gemeinde niemals ein Mädchen beschnitten."
    Das muss wohl im Umkehrschluß heißen: würde es drin stehen, würden sie auch das tun. Er scheint sehr wohl zu wissen, dass eine Begründung aufgrund menschlicher Motive Rückfragen gegen VAs provozieren könnte.

  • Ich bin mal gespannt, wann es in Kindergärten dann die ersten Kinderarztkoffer mit Beschneidungsbesteck gibt - damit schon unsere Jüngsten sich spielerisch daran gewöhnen, dass es völlig normal ist, Babys und Kindern was von den Genitalien abzuschneiden und sie so fürsorglich vom evolutionären Ballast zwischen den Beinen zu befreien...

  • Propaganda im Klassenzimmer. Unglaublich.

    Und ich wette, der Klassenlehrer stand stumm daneben, wohl wissend, dass er mit kritischen aber wissenschaftlich fundierten Bemerkungen sich einem möglichen Vorwurf der politischen Inkorrektheit bzw Intoleranz, ja möglicherweise sogar einem latenten Antisemitismus, aussetzt.

    Art. 2 GG:
    (2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Geschuldet der deutschen Vergangenheitsbewältigung gilt dieses Grundrecht ausdrücklich nicht, wenn die Person a) ein Kind und b) männlich ist, c) die Eltern entweder jüdischen oder muslimischen Glaubens sind und d) das kindliche Genital das Ziel der Versehrtheit ist.

  • Den Hinweis auf diesen Artikel im Gießner Anzeiger finde ich klasse. Warum bin ich aber der einzige, der hier zu diesem Artikel einen Kommentar hinterlassen hat?

    Wenn dieses Forum als "geschlossene Innengesellschaft" agiert, wird es niemals eine Außenwirkung erzielen können. Warum also nicht einfach alles im Internet aufgreifen und öffentlich kommentieren, Politiker und Co. mit Emails die Meinung geigen, u.s.w.?

    Wo Unrecht zum Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!!!

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Ihr versteht das alle nicht!
    im Papier von Rabbi Goldberg steht doch

    Doch, wir verstehen, was Rabbi Goldberg sagt. Wir akzeptieren es bloss nicht. Wir akzeptieren keine Gottesbefehle, die gegen die Verfassung verstossen. So "einfach" ist das. :rolleyes:

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Warum also nicht einfach alles im Internet aufgreifen und öffentlich kommentieren, Politiker und Co. mit Emails die Meinung geigen, u.s.w.?

    Ich hätte ein Bitte: lies Dich ein bischen in das Forum ein, und dann entdeckst Du, dass Teilnehmer dieses Forum hunderte von Emails an Politiker (und andere) geschrieben haben, dass sie viele, viele Internetseiten kommentiert haben, dass sie ein Buchprojekt vorbereiten und an öffentlichen Diskussionen teilgenommen haben, dass sie vielfältige Beziehungen zu Organisationen und Fachleuten pflegen, in Parteien wirken usw.usf.
    Nach dem "Hype" im letzten Jahr ist in der Tat zur Zeit ein gewisser "Ermüdungseffekt" eingetreten. Das ist doch aber verständlich, oder?

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

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