Hallo,
persönlich finde ich es sehr gut, wie Du mit diesem Thema umgehst. Du informierst Dich, machst Dir Deinen eigenen Reim darauf und versuchst, so gut es geht mit der neuen Situation zu arbeiten. So pragmatisch wie es geht 
Hab bitte trotzdem Verständnis für die Leute, be denen der Schnitt tiefere Spuren hinterlassen hat. Du kommst ziemlich gut damit klar und hast offensichtlich Sex. Das ist gut so und ich gönne Dir jeden Spaß der Welt. Du konntest es selbst entscheiden - diesen Vorteil hatte nicht jeder.
Es gibt Leute, bei denen hat die (oft unfreiwillige) Beschneidung richtige Probleme hinterlassen - dazu gehören:
- Vertrauensprobleme (warum haben meine Eltern das zugelassen, die sollten mich doch eigentlich beschützen...)
- Selbstwertprobleme (bin ich noch ein richtiger Mann, mit so einem veränderten Penis?)
- körperliche sexuelle Probleme (nicht richtig kommen können, viel zu straffe Haut bei Erektion....)
- körperliche, nicht auf das sexuelle beschränkte Probleme (komplette Gefühllosigkeit, Schmerzen und noch einige mehr)
Für genau diese Jungs und Männer ist dieser Platz da, da sie das Gefühl haben, in der Öffentlichkeit wird dieses Thema heruntergespielt und nicht richtig verstanden. Dieses ist ein geschützter Raum für sie, um sich auszutauschen.
Wie Du selbst schon beobachtet hast, ist das Thema in der Öffentlichkeit nicht sichtbar und es gibt in der Öffentlichkeit kaum ein Problembewußtsein dafür, daß diese Operation für manche Männer einen richtigen Knick im Leben darstellt. - Wenn man selbst die Entscheidung getroffen hat, ist ein "da bin ich doch noch ganz gut weggekommen" völlig in Ordnung. Wenn Du nichts bei der Entscheidung zu sagen gehabt hättest, oder es Dir (im Extremfall sogar mit körperlicher Gewalt / unter Vorspiegelung falscher Tatsachen) aufgedrängt worden wäre, dann hättest Du vermutlich auch mit "da bin ich doch noch ganz gut weggekommen" ein Problem.
Ich glaube auch, die Vorhaut-Diskussion wird z.T. falsch geführt, Ihr habt das auch hier sehr schwarz-weiss diskutiert.
Es geht m.E. nicht darum, ob die Vorhaut oder die Eichel das sensibelste Organ ist. Das Gesamtsystem "Penis" wurde von der Natur sehr gut durchdacht und funktioniert meist bestens, wenn man "ihn" einfach in Ruhe lässt. Im Ruhezustand ist die Eichel bedeckt, wird warm und feucht gehalten von der Vorhaut. Bei Erregung versteift sich das Glied, es wird eventuell nicht mehr ganz von der Vorhaut bedeckt. Allein das ist schon eine kleine "Sensation" und spürbar. Selbst in Klamotten ist aber eine Erektion gut ertragbar, die Eichel berührt die Hose noch nicht direkt. Wenn man völlig erregt ist, ist allein der Zug auf das Bändchen und die Haut schon ein Feedback, daß man eine Erektion hat. Das merkt man ohne hinzuschauen. Der vordere Rand der Vorhaut ist sehr empfindlich für sanfte Berührungen, vermutlich hast Du früher genau damit bemerkt, wann Du eingedrungen bist. Vermutlich hat auch bei Dir die Vorhaut eine mindestens unterstützende Funktion bei der Erreichung des Orgasmus gehabt.... [jeder empfindet anders]... zum Schluss verpackt sich der Penis nach getaner Arbeit wieder von selbst und schützt sich selbst vor weiterer Reizung. Es ist von der Natur perfekt erdacht und funktioniert zu 99% bestens, man braucht keinerlei externe Hilfsmittel oder muss etwas beachten / an etwas denken / darüber nachdenken. Genau weil es so perfekt funktioniert, denkt kaum einer darüber nach.
Wie sich das jetzt anfühlt, wenn eine Beschneidung stattgefunden hat ist sicher für jeden verschieden: Der eine bemerkt das fehlende Vorhautbändchen am meisten, weil es oft der empfindlichste Teil ist. Der nächste hat das Bändchen noch, aber er kann seit seiner Beschneidung nicht mehr eine "Latte" in Klamotten ertragen. Dem dritten fehlt das Feedback, ob er schon eingedrungen ist oder nicht. Es geht also nicht nur um die Gefühle, die direkt an der Vorhaut entstehen, sondern um das, was das Gesamtsystem hervorbringt. Natürlich geht es auch ohne Vorhaut, aber eben nicht mehr ganz so "mühelos" wie vor der Beschneidung.
Sorry für den langen Text.
Daumen hoch für Deine Einstellung - es muss weitergehen 