Der größte Fehler meines Lebens... und wie gehe ich damit um?

  • Ich habe meinen Sohn verstümmelt ohne darüber nachgedacht zu haben... und damit werde ich immer leben müssen. Ich habe zwei Kinder mit einem US-Soldaten, den ich auch geheiratet habe. 1997 wurde mein Sohn geboren und da so gut wie alle Amerikaner beschnitten sind, willigte ich damals mit 20 Jahren einer Beschneidung meines Sohnes ein, die mein Mann forderte. Mein Sohn ist nun 19 Jahre alt und ich habe zugelassen, dass man ihn verstümmelt. Das war der größte Fehler meines Lebens. Er muss nun mit der Beschneidung leben... die ich ihn angetan habe. Mein Sohn und ich haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander, er hat mir diesbezüglich nie eine Vorhaltung gemacht. Kann es sein, dass er mit der Beschneidung weniger Probleme hat als ich.. soll ich ihn darauf ansprechen? Ich würde das Ganze so gerne rückgängig machen, aber das geht nicht. Ich war damals einfach zu jung, dumm und naiv, heute bin ich gegen Beschneidung.

    Liebe Grüße
    Steffi

  • Liebe Steffi,

    herzlich Willkommen in unserem Forum!

    Es gehört sehr viel Mut dazu, sich als Mama der Tatsache zu stellen, dass das ein Fehler war.

    Gerade zur damaligen Zeit wurde die Vorhautamputation über den grünen Klee beschönigt und falsch darüber aufgeklärt - das ist ja auch heutzutage nur selten besser.

    Du wirst hier sicherlich noch viel Hilfe und Tipps bekommen. Da Du vermutlich als Ehefrau eines US-Soldaten auch sehr gut englisch sprichst, würde ich Dir gleichzeitig eine der vielen und großen US-amerikanischen Selbsthilfeforen speziell für Mütter empfehlen, die genau wie Du diese Entscheidung bereuen. Ich verlinke etwas später ein paar Beispiele.

    Dir alles Liebe!

  • Vielen Dank für Deine Antwort Maria. Aber der Krug ist doch schon in den Brunnen gefallen... und ich werd damit nicht fertig. Was hab ich meinem Sohn denn angetan! Ich hab ja nicht mal die "Eier", ihn darauf anzusprechen, wie er evtl. leidet oder er evtl. Probleme beim Sex hat.

  • Hallo Kuschelkitten,
    herzlich willkommen in unserem Forum!

    Ja, diese Sache ist nicht mehr rückgängig zu machen, das stimmt. Alleine diesen Umstand zu betrachten, wäre aber nicht fair. Ebenso wichtig ist es, wie Du dazu stehst, wie Dein Sohn damit lebt und wie Euer Verhältnis ist.

    Du hast damals nicht gewusst, welche Auswirkungen dieser Eingriff haben kann, schon allein, weil es viel weniger Möglichkeiten gab, sich zu informieren. Heutige Eltern können sich darauf später nur noch schwer herausreden. Informationen über Aufbau und Nutzen der Vorhaut und damit das Schädigungspotenzial der "Beschneidung" sind überall verfügbar. Damals war das aber nicht so.
    Du schreibst, dass Du und Dein Sohn ein sehr gutes Verhältnis zueinander habt. Könntest Du Dir denn vorstellen, ihn darauf anzusprechen?

    Für mich war es damals sehr wichtig, zu wissen und zu verstehen, WARUM mich meine Eltern damals haben beschneiden lassen.
    Als ich mit meiner Mutter darüber spracht, wurde mir klar, dass sie nicht nur keine Ahnung hatte über die möglichen - und in meinem Falle tatsächlichen - Folgen des Eingriffs, sie folgte damals auch dem Rat meines Kinderarztes. Es geschah also nicht auf ihr aktives Betreiben und ohne sinnvolle Begründung.
    Und: Ich spürte genau, dass es ihr unendlich leid tat.
    Ich war ihr deshalb zu keiner Zeit böse. Sie tat es in der besten Absicht und hatte keine Ahnung um die Folgen.

    Nach allem, was ich aus Deinen posts herauslese, ist dies bei Dir ebenso. Und deshalb bin ich mir sicher, dass Dein Sohn ebenfalls nicht böse sein wird auf Dich.

    Ich glaube, es wäre für Euch beide das beste, Ihr könntet Euch darüber aussprechen. Trau Dich! Und wenn Dein Sohn danach weiteres Interesse an dem Thema hat und vielleicht sogar irgendwann an eine Wiederherstellung denkt: Wir sind da.

    Ach ja: Hier ist eine ähnliche Geschichte einer Mutter. Du bist also keineswegs allein.

    Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
    Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
    Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
    https://tredition.de/autoren/clemen…aperback-44889/

  • Hallo, warum hast du auf einmal Schuldgefühle?
    Hat dein Sohn mal zu dir gesagt, das er lieber seine Vorhaut noch hätte, oder das was nicht funktioniert?

    Von "verstümmelt", würde ich jetzt nicht gleich reden. Oder ist bei der OP Ärztepfusch passiert?

  • Liebe Kuschelkitten,

    Herzlich Willkommen hier im Forum

    Das Du ein schlechtes Gewissen hast kann ich gut verstehen. Zumal, wenn man weiß wie so eine Beschneidung in den USA abläuft. Viele Mütter bereuen das, auch in den USA. Solche "Regret Moms" , müssen sich aber nicht selbst quälen, denn was man nicht wusste konnte man nicht besser machen.

    An deiner Stelle würde ich das Gespräch suchen. Es gibt bestimmt mal die Gelegenheit, wenn das Gespräch in die Richtung geht, oder ganz direkt. Sag ihm das dich schon lange etwas beschäftigt und fertig macht und das du mit ihm reden möchtest. Ihr bekommt das hin.

    LG Bela

    "Those who cannot remember the past are condemned to repeat it"

    "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."


    George Santayana (1863-1952)

  • Hallo Steffi, auch von mir noch ein herzliches Willkommen

    Die Probleme die eine Beschneidung einem bereiten können sind verschieden und hängen von diversen Faktoren ab. So hat eine High/Loose Beschneidung mit größtmöglichen Erhalt von innerer Vorhaut und Frenulum eine andere Einschränkung des sexuellen Erlebens zur Folge wie eine Low/Tight Beschneidung mit Reduktion des Penis auf Eichel und Schafthaut. Auch die psychische Verarbeitung der Umstände spielt eine wichtige Rolle. Ein Junge der unter schmerzhaften Erektionen, Entzündungen, miterlebt hat wie alle Versuche seine Vorhaut zu erhalten ihm keine Besserung brachten, wird das anders verarbeiten, als ein nichtsahnender Junge, der im Rahmen einer Familienfeier in einen Nebenraum geführt, überwältigt, festgehalten und ohne Narkose beschnitten wird (kennst du die Geschichte von Ali Utlu? such mal bei YouTube)

    Such das Gespräch mit ihm, aber lass das mit dem verstümmeln weg, vielleicht fühlt er sich das gar nicht'? Ich würde ihm nur sagen, dass es mir leid tut, diesen unnötigen Eingriff an ihm vornehmen zu lassen. Vielleicht noch das ich hoffe, dass er keine Probleme damit hat, mehr aber nicht. Ab da musst du schauen wie es sich entwickelt, wie er reagiert. Vielleicht sieht er keine Probleme durch seine Beschneidung? Vielleicht ist er froh das du ihn ansprichst, er auch Klärung sucht?

    Gutes gelingen ;)

    Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet ist, weil Dinge geliebt und Menschen benutzt werden. -Dalai Lama

  • Bevor wir hier Steffi weiter verrückt machen, sollten wir lieber erst mal abwarten, bis sie meine Fragen weiter oben beantwortet hat.
    Vielleicht ist ihr Sohn ja auch zufrieden damit, hat keinerlei Probleme damit, das er beschnitten ist.

    Ich frage mich, woher auf einmal deine Selbstvorwürfe kommen?

  • @Stefan-Cut Wir machen hier niemanden verrückt, sondern versuchen zu raten, wie man die das Gespräch, angehen könnte. Es ist wichtig für Steffi, dieses Gespräch zu führen, da sie dadurch mit dem Thema abschließen kann. Entweder, weil ihr Sohn klar kommt oder weil sie ihm helfen kann etwas an seiner Situation zu ändern.

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    "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."


    George Santayana (1863-1952)

  • Hallo, warum hast du auf einmal Schuldgefühle?
    Hat dein Sohn mal zu dir gesagt, das er lieber seine Vorhaut noch hätte, oder das was nicht funktioniert?

    Von "verstümmelt", würde ich jetzt nicht gleich reden. Oder ist bei der OP Ärztepfusch passiert?

    Ich hab nicht "auf einmal" Schuldgefühle, sondern schon seit vielen vielen Jahren. Mein Sohn hat dieses Thema von sich aus noch nie angesprochen. Ein OP Ärztepfusch ist auch nicht passiert, er wurde mit 6 Monaten beschnitten und es gab danach keine Komplikationen. Warum ich mich eben so schuldig fühle: Nachdem ich mich von meinem Mann getrennt habe, war ich mit einem beschnitten Mann ca. 12 Monate zusammen und hatte mit einem weiteren eine Beziehung von ca. 6 Monaten. Beiden war es nicht möglich, beim GV zu kommen. Schon seit damals mache ich mir irre viel Vorhaltungen, da ich damals mitbekam, welche Auswirkungen diese Beschneidung mit sich bringen kann.

    Die Beschneidung bei meinem Sohn war definitiv eine Low/Tight, so wie es in Amerika gehandhabt wird/wurde.

    Aber ich werde das Gespräch mit meinem Sohn baldmöglichst suchen und hoffe, dass er von den negativen Auswirkungen verschont geblieben ist und auch ehrlich zu mir ist. Er wirkt auf mich im alltäglichen Leben sehr entspannt und hatte auch schon die ein oder andere Freundin. Aber das sagt natürlich nichts aus.

    Ich werde mich wieder melden und Euch darüber berichten. Vielen lieben Dank für Eure Zeit....

    Steffi

  • Nun ja, lt. Wikipedia gibt es derzeit ca. 7.4 Mrd. Menschen.
    Wenn man der Einfachheit halber voraussetzt, dass die Hälfte davon, also ca. 3.7 Mrd., männlich sind, kommt man bei der Quote von einem Drittel auf ca. 1.23 Mrd Jungen und Männer, die an ihren Genitalien beschnitten sind.

    Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
    Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
    Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
    https://tredition.de/autoren/clemen…aperback-44889/

  • Beiden war es nicht möglich, beim GV zu kommen.

    Und wenn ich da dann wieder so flache Sprüche zu Beschneidung von (selbsternannten?) Sexpertinnen wie Dr. Höllering auf onmeda lese
    "An die Beschneidung gewöhnen sich die Männer doch, die istkein Grund, keinen Orgasmus zu haben. Ich denke, dass er sich tatsächlich zuhart/oft selber befriedigt, oder dass er dazu z. B. Pornos schaut, und ihm dasGewohnte beim Sex fehlt. (Oder er hat andere Vorlieben,die er Ihnen nichtverrät). Der beste Tipp: Danach fragen und Verzicht auf SB für eine Weile"

    An die Beschneidung gewöhnt man sich...genauso wie, dass man nicht mehr über GV kommen kann? Aber da ist mann ja selber Schuld, weil man zu oft und zu hart zu diversen Filmchen wixt oder gar nicht auf Sex mit seiner Frau steht, sie am Ende gar nicht liebt...alles andere ist Schuld, aber an das Fehlen der sexuell empfindlichsten Teile des männlichen Körpers, da gewöhnt man sich dran...

    Die Beschneidung bei meinem Sohn war definitiv eine Low/Tight, so wie es in Amerika gehandhabt wird/wurde.

    Ist Low, die Totalentfernung des inneren Vorhautblattes und des Frenulums in USA am meisten verbreitet? Ich dachte das ist nur bei uns am gebräuchlichsten, der deutschen Gründlichkeit geschuldet?
    Ich hab mir schon diverse Filmchen angeschaut wie andere beschnittene Männer masturbieren, weil ich wissen wollte wie die das so machen (aber das seiner Frau erklären, die zufällig mal mitbekommen hat was man da angeschaut hat ist nicht lustig ;) ) Fast alle Akteure solcher Filme sind beschnitten...aber Low Beschnittene hab ich da nie entdeckt. Alle hatten eine Frei auf dem Schaft verschiebbare Narbe, und mit dieser Technik des hin und herschiebens haben fast alle masturbiert. Besonders fiel es beim Höhepunkt auf, da hat sich keiner mehr die Eichel bearbeitet( das einzige was bei mir noch machbar ist) sondern sich die Schafthaut samt Narbe und innerer vorhaut bearbeitet.

    Ich denke die meisten dieser Filme stammen aus den USA, und wundere mich echt, dass ich da noch nie so richtige Low Beschneidungen wie es bei mir gemacht wurde, gesehen habe...

    Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet ist, weil Dinge geliebt und Menschen benutzt werden. -Dalai Lama

  • Hier ein paar Infos für regret moms von M. Merritt: http://www.savingsons.org/2015/08/circum…hrough-and.html

    Manche regret moms sprechen sich auch in Videos aus, ich poste nur mal 2 von ganz vielen: https://m.youtube.com/watch?v=DqIGGq175ps
    https://m.youtube.com/watch?v=bkGTJ0B6K8o

    Weiterführende Links und Adressen:

    "Beschneidung" in den USA: Geschichte, Hintergründe und Menschenrechtsbewegung
    https://m.youtube.com/watch?v=W0kr6BiVZMM (Teil 1) und https://m.youtube.com/watch?v=qSAjpzpF6qM (Teil 2)

    https://m.youtube.com/watch?v=Ceht-3xu84I

    Große Netzwerke in den USA:
    http://www.thewholenetwork.org
    http://www.intactamerica.org

  • Warum ich mich eben so schuldig fühle: Nachdem ich mich von meinem Mann getrennt habe, war ich mit einem beschnitten Mann ca. 12 Monate zusammen und hatte mit einem weiteren eine Beziehung von ca. 6 Monaten. Beiden war es nicht möglich, beim GV zu kommen. Schon seit damals mache ich mir irre viel Vorhaltungen, da ich damals mitbekam, welche Auswirkungen diese Beschneidung mit sich bringen kann.

    Steffi

    Das wollte ich wissen. Du hast also selbst schlechte Erfahrungen mit
    Beschnittenen Männern gemacht.

    Ich würde an deiner Stelle bei dem
    Gespräch ihm erklären warum er beschnitten ist. Was dich / euch damals dazu bewogen hat das zu machen.
    Du kannst ihn ja vorsichtig fragen, wie er das findet und ob er damit Probleme hat.
    Das du dir schon seit Jahren Vorwürfe machst, würde ich ihm nicht sagen. Das könnte ihn verunsichern.

    Sollte er keine Probleme haben und alles O.K. sein, dann kannst du das Thema beruhigt anschließen. Ich würde da an deiner Stelle auch nicht weiter in anderen Forum suchen, wie das anderen Müttern ergangen ist. Das reibt dich nur zusätzlich auf.

    Vorausgesetzt es ist alles gut.

  • Hallo Kuschelkitten,
    ich danke Dir für Deinen Beitrag. Du hast Dir Deine Empathie bewahrt und hinterfragst Deine Entscheidung vor vielen Jahren. Das ist nicht einfach und zeugt von menschlicher Größe.
    Nein, es muss nicht sein, dass Dein Sohn damit Probleme hat. Es ist aber nicht auszuschließen und ich denke auch, dass sowohl Du selbst als auch er ein Recht darauf habt, dass dieses Thema zwischen Euch geklärt wird.
    Egal, was am Ende dabei herauskommt.

    Mein Verhältnis zu meiner Mutter war jahrelang belastet, weil sie meinen Körper verstümmeln ließ, einfach nur, weil ich danach in ihren Augen hygienischer war. Erst nach einem langen und sehr anstrengenden Gespräch mit ihr konnte ich meinen Frieden mit ihr schließen.
    Ich habe vor einiger Zeit schon mal darüber geschrieben:
    Verzeihen
    Es war sehr wichtig für mich und ich bin ihr noch heute dafür dankbar, dass sie sich auf dieses Gespräch nicht nur eingelassen sondern meinen Schmerz am Ende doch eingesehen und akzeptiert hat.

    Ich habe den Eindruck, dass in Deinem Fall die Rollen zwischen Mutter und Sohn vertauscht sind. Hier bist in erster Linie Du es, die damit Probleme hat. Doch diese Bedenken, dieser Schmerz, diese Selbstvorwürfe sind nicht weniger wichtig als die eines beschnittenen Mannes, der darunter leidet. Auch Du hast ein Recht darauf, diese Gefühle zu haben, zu zeigen und zu äußern. Und sie hoffentlich zu überwinden.

    Rede mit Deinem Sohn, sag ihm, wie Du Dich fühlst und dass es Dir leid tut. Ich glaube fest, dass er Dir verzeihen wird. Im Idealfall, weil er keine Probleme damit hat. Und sollte er doch darunter leiden, wird er Dir sicher auch nicht böse sein, weil Du ihm nicht schaden wolltest.

    Ich wünsche Euch beiden alles, alles Gute, Kuschelkitten.

  • Ich würde das Ganze so gerne rückgängig machen, aber das geht nicht.

    Du bereust aufrichtig Deine damalige Entscheidung. Sicherlich lässt sich die Beschneidung nicht rückgängig machen, aber Du hast Anstand und Verantwortungsgefühl.

    Als dies alles geschah, lebtest Du ja in den USA. Dort war die Bescheidung quasi Normalität und ist es wohl auch noch heute. Auch wenn Du Deinem Sohn nicht mehr direkt helfen kannst, so tust Du hier sehr viel für alle diejenigen, welche noch intakt sind und deren Eltern ebenfalls vor dem Schritt stehen ihre Kinder unüberlegt beschneiden zu lassen.

    Auch gibt mir Deine Posting einen tiefen Einblick in das Empfinden, wie es vermutlich viele Eltern erleben, die ihre Kinder irgendwann mal aus religiösen oder verdreht moralischen (siehe USA wg. Masturbation) Gründen haben beschneiden lassen. Wenn man wie Du diese Entscheidung selbst als falsch erkennt, setzt man sich ja auch den eigenen Schuldvorwürfen aus, was die meisten vermutlich nicht ertragen und daher lieber darauf drängen, dass auch die Enkel unters Messer kommen.

    Ich finde es auch klasse, dass Du mit Deinem Sohn darüber reden möchtest. Sicherlich hast Du Deinem Ex-Mann bzw. dem Vater seines Sohnes nachgegeben. Aus eigenen Stücken hättest Du ihm dies aber offenbar nicht "angetan", weshalb die eigentliche Schuld mehr bei seinem Vater liegt. Du schreibst, dass Du jung warst und es nicht besser wusstest, was vor 20 Jahren ja auch tatsächlich für die meisten noch gegolten haben wird.

    Quäle Dich nicht zu sehr mit Selbstvorwürfen, denn Du hast eigentlich großen Respekt dafür verdient, wie Du nun mit dem ganzen umgehst. Und Dein Sohn wird bestimmt auch verstehen, wie das ganze passieren konnte. Davon abgesehen war und ist für ihn vermutlich die Beschneidung "Normalität" gewesen, wenn ja auch sein Vater beschnitten war. Sicherlich ein schwacher Trost, aber ich vermute, dass er weniger mit der damaligen Entscheidung hadert als Du. Vorallem kannst Du aber in einem Gespräch erreichen, dass nicht auch noch irgendwann die nächste Generation der "Tradition folgend" beschnitten wird.

    Ich frage mich, woher auf einmal deine Selbstvorwürfe kommen?

    Ja, dies ist eben der Unterschied. Du empfiehlst aktuell jedem unreflektiert die Beschneidung, weil Deine Beschneidung noch nicht lange her ist und bei Dir daher wohl noch keine Nachteile (Keratinisierung mit Sensibilitätsverlust) aufgetreten sind. Steffi ist aber im Gegensatz zu Dir ein verantwortungsvoller Mensch, der anderen nicht schaden möchte.

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Als dies alles geschah, lebtest Du ja in den USA.

    Nein, mein Sohn wurde hier in Deutschland 1997 beschnitten. Ich weiß nicht mehr, wie der Arzt hieß, war ein Kinderchirurg und ich hab schon versucht ihn zu googeln, aber ich finde ihn nicht mehr. Würde ihn gerne fragen, welche Art von Beschneidung bei meinem Sohn durchgeführt wurde. Das ist halt schon fast 20 Jahre her, da erinnert man sich leider nicht mehr. Was glaubt ihr, welche Art von Beschneidung 1997 hier in D durchgeführt wurde?

    Ich habe mir was zusammengeschrieben, was ich meinem Sohn in den nächsten Tagen sagen will. Findet ihr das gut?

    "Bitte lach jetzt nicht über mich, denn dieser Gedanke belastet mich schon seit über 10 Jahren und es bedeutet mir sehr viel, darüber zu reden.

    Als Du 6 Monate alt warst, habe ich dem Drängen Deines Vaters nachgegeben und Deiner Beschneidung zugestimmt. Mir war damals nicht bewusst, welch eventuellen Auswirkungen dies für Dich in der Zukunft haben könnte. Mich quält bis heute der Gedanke, Dir dein Selbstbestimmungsrecht in Sachen Sexualität genommen zu haben, sprich ich hab Dich verstümmeln lassen.

    Das, was ich Dir angetan habe, ist nicht mehr rückgängig zu machen. Ich hätte dem Drängen Deines Vaters Paroli bieten, mich mehr informieren müssen, aber ich war jung und naiv.

    Wenn ich Dich jetzt frage, leidest Du unter der Beschneidung? Und bitte sei ehrlich und beschönige nichts. Solltest Du Probleme haben, dann weiß ich wo es Hilfe gibt, wenn "alles" normal funktioniert, dann haben wir verdammt Glück gehabt."

    Und genauso möchte ich ihn fragen. Dass er ehrlich antwortet, da dieses Gespräch für einen 19jährigen mit seiner Mutter doch wohl ein unangenehmes Thema ist, hoffe ich inständig, aber Gewissheit darüber wird es nicht geben.

    Würdet ihr anders fragen?

    Liebe Grüße Steffi

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