Stranger, ich möchte Dir sagen, dass ich Dich sehr gut verstehen kann. Ich war in einer sehr ähnlichen Situation mit meiner Mutter.
Jahrelang hatte mich diese Sache extrem belastet und das Verhältnis zu meiner Mutter war deshalb immer belastet. Aber ein langes Gespräch mit ihr, das für uns beide sehr anstrengend war, hat unsere Beziehung letztendlich gerettet. Und dafür bin ich sehr dankbar.
Ich hoffe und wünsche Dir von Herzen, dass Du es eines Tages auch schaffst, Frieden zu machen mit Dir, Deiner Beschneidung und Deinen Eltern.
Beiträge von Gustav
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Hallo Kuschelkitten,
ich danke Dir für Deinen Beitrag. Du hast Dir Deine Empathie bewahrt und hinterfragst Deine Entscheidung vor vielen Jahren. Das ist nicht einfach und zeugt von menschlicher Größe.
Nein, es muss nicht sein, dass Dein Sohn damit Probleme hat. Es ist aber nicht auszuschließen und ich denke auch, dass sowohl Du selbst als auch er ein Recht darauf habt, dass dieses Thema zwischen Euch geklärt wird.
Egal, was am Ende dabei herauskommt.Mein Verhältnis zu meiner Mutter war jahrelang belastet, weil sie meinen Körper verstümmeln ließ, einfach nur, weil ich danach in ihren Augen hygienischer war. Erst nach einem langen und sehr anstrengenden Gespräch mit ihr konnte ich meinen Frieden mit ihr schließen.
Ich habe vor einiger Zeit schon mal darüber geschrieben:
Verzeihen
Es war sehr wichtig für mich und ich bin ihr noch heute dafür dankbar, dass sie sich auf dieses Gespräch nicht nur eingelassen sondern meinen Schmerz am Ende doch eingesehen und akzeptiert hat.Ich habe den Eindruck, dass in Deinem Fall die Rollen zwischen Mutter und Sohn vertauscht sind. Hier bist in erster Linie Du es, die damit Probleme hat. Doch diese Bedenken, dieser Schmerz, diese Selbstvorwürfe sind nicht weniger wichtig als die eines beschnittenen Mannes, der darunter leidet. Auch Du hast ein Recht darauf, diese Gefühle zu haben, zu zeigen und zu äußern. Und sie hoffentlich zu überwinden.
Rede mit Deinem Sohn, sag ihm, wie Du Dich fühlst und dass es Dir leid tut. Ich glaube fest, dass er Dir verzeihen wird. Im Idealfall, weil er keine Probleme damit hat. Und sollte er doch darunter leiden, wird er Dir sicher auch nicht böse sein, weil Du ihm nicht schaden wolltest.
Ich wünsche Euch beiden alles, alles Gute, Kuschelkitten.
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Hallo kaisaschnitt,
ich denke auch, dass Du sehr vorsichtig sein solltest. Lass Dir nichts wegschneiden, nur weil es sein KÖNNTE, dass sich dadurch irgendwas zum Positiven für Dir ändert. Denn höchstwahrscheinlich ändert sich dadurch Deine Situation nur zum Negativen.
Lass Dir helfen in Bezug auf Deine Depressionen und ich bin sicher, wenn Du eine Partnerin oder einen Partner findest, zu dem/der Du Vertrauen hast und auch liebst, ist das Problem des zu-früh-kommens bald keins mehr.
Ich wünsch Dir viel Glück und Erfolg! -
Wie ich diesen verklemmten, übertriebenen und lebensfremden Sauberkeitswahn verachte. Deswegen würde ich verstümmelt. Nur deswegen, weil mein Körper angeblich nicht sauber genug war.
So bescheuert... -
Hallo Annuntiator,
danke für diese Initiative und Deine Offenheit. Ich gebe zu, es fällt mir schwer, über das, was geschehen ist, unter dem Aspekt "geschändet und entehrt" nachzudenken. Zum einen, weil das harte, sehr harte Worte sind. Zum anderen, weil ich glaube, an einem Punkt in meinem Leben zu sein, der über derartige Betrachtungsweisen schon hinaus gegangen ist.
Ich habe zwar noch immer das Gefühl, nein das Wissen, dass mir großes Unrecht getan wurde und dass das, was mir passiert ist, niemals hätte geschehen dürfen. Aber ich bin inzwischen soweit, dass ich mit meinem Zorn und meiner Wut abgeschlossen habe.
Ja, ich habe mich oft in meinem Leben missbraucht gefühlt, entwürdigt und beraubt. Aber es liegt hinter mir und es wird an meinem Zustand nichts mehr ändern, mich diesen Gefühlen immer und immer wieder hinzugeben. Darum habe ich beschlossen, darunter einen Strich zu ziehen.
Aber ich kann Dich nur zu gut verstehen.
Du warst wehrlos, Dein Urvertrauen und Dein Unvermögen, irgendetwas gegen Deine Behandlung zu tun, wurden ausgenutzt. Niemand hatte sich für das interessiert, was DU wolltest, was DU NICHT wolltest und wie DU Dich gefühlt hast. Es hat niemanden interessiert, Du warst gleichgültig. Du hattest Schmerzen, Du hast Dich geschämt, Du warst hilflos.
Und bis zum heutigen Tag musst Du sehen und spüren, was Dir damals angetan wurde.
Ich wünsche Dir von Herzen, Annuntiator, dass Du eines Tages Deinen Frieden findest. -
Manfred:
Ich glaube, hier hast Du Traubenzucker falsch verstanden. Ihm geht es ja gerade nicht darum, mit der Vergebung auszudrücken "Passt schon, ist ja alles in Ordnung". Wenn dem so wäre, bräuchte man auch nicht zu vergeben.
Dass ich meine Mutter umarmen konnte, lag nicht daran, dass das, was sie mit mir gemacht hat, nicht schlimm gewesen wäre, die negativen Folgen werden mich mein Leben lang begleiten. Aber die Wut und der Zorn hätten mich aufgefressen, wenn wir es nicht geschafft hätten, miteinander zu sprechen und sie ihren Fehler nicht eingesehen hätte. Darum habe ich das Gespräch mit ihr gesucht und es ist zum Glück gut verlaufen.
Ich denke, was Traubenzucker anspricht, könnte noch weiter gehen. Ein Verzeihen, auch wenn von den Schuldigen kein Schuldeingeständnis vorliegt, wie z.B. vom Arzt.
Der Schaden ist da, er ist groß und er ist nicht wieder zu reparieren. Aber er wirkt in mehrfacher Hinsicht, am Körper und in der Seele. Und ich habe festgestellt, dass dieses nagende Gefühl im Herzen besser wird, seitdem ich verziehen habe. Weguer hat das recht schön ausgedrückt.
Nochmal: Es gehört zum Schlimmsten, was mir angetan wurde und dazu werde ich auch immer stehen. Aber der Schritt, zu sagen: "Ich verzeihe Dir" kann eine sehr, sehr große Hilfe für die eigene Seele sein. Es ist kein Geständnis, ein Schwächling zu sein, sondern eine große Leistung, zu der so manch "Starker" gar nicht in der Lage wäre. -
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Anna:
Ja, zum Teil wars sicher Selbstschutz. Anfangs aber war ihre Ablehnung aber auf alle Fälle ein Ausdruck von Überzeugung, da bin ich mir sicher. Bis sie soweit war, mir WIRKLICH zuzuhören und nachzudenken, blockte sie total ab und wischte alle meine Argumente weg, als sei ich blöd im Kopf. Kleiner Eingriff, nur Vorteile, nie von Nachteilen gehört. Diese Wand zu durchbrechen war hart und tat richtig weh. Es war sehr verletzend für mich, als jemand hingestellt zu werden, der sich seine Probleme einbildet und auf jemanden schiebt, der einem sogar damit helfen wollte. ICH war damit erstmal Täter.
Später, als ich von diesem Forum erzählte und all den anderen Berichten, die man so im Internet findet, habe ich dann gemerkt, dass ihre automatische Abwehr zumindest langsamer kam. Ob sie wirklich mit aller Konsequenz verstanden hat, was sie getan hat, glaub ich noch gar nicht, das muss sicher noch länger wirken. Für mich ist die Hauptsache, dass sie grundsätzlich bereit war, anzuerkennen, dass ich verletzt bin und sie diese Entscheidung nicht hätte treffen dürfen.
Selbstbestimmung:
Danke Dir, ich freu mich schon drauf, momentan bin ich noch am Suchen, welche Methode und welches Gerät ich verwende.Ich finde auch, dass es generell verboten sein sollte, IRGENDWAS an seinen Kindern operativ zu verändern, solang es nicht zwingend sein muss. Ich kann nicht verstehen, dass man zu sowas überhaupt fähig sein kann.
@ Werner
Danke, es ist fast, als würde ich in einen Spiegel sehen, wenn ich diesen Bericht lese. Wie vielen Männern muss es noch so ergehen wie mir? Auf alle Fälle kann ich den letzten Satz voll und ganz bestätigen:ZitatTomorrow finally feels like a brighter day.

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Hallo,
danke für die liebe Aufnahme hier, das tut echt gut!
Überhaupt finde ich, dass man sich bei Euch hier richtig wohl fühlen kann. Es ist wie in einem Raum, den man einfach mal für ne Weile zumachen kann und nur die hinein zu lassen braucht, die man gern mag. Ihr macht das richtig gut, ehrlich!Manfred:
Dass meine Mutter ihren Fehler eingesehen hat, war für mich das allerwichtigste. Und ein paar Mal wäre ich am liebsten aufgestanden und hätte die Tür hinter mir für immer zugemacht, so wütend war ich, weil sie mich nicht verstehen konnte oder wollte. Immer wieder meinte sie, es sei doch nur ein klitzekleiner Eingriff gewesen, es sei zu meinem Besten gewesen und die halbe Welt hält das aus und nur ich nicht.
Das ging mir am meisten auf die Nerven.
Ich weiß nicht, was dann letztendlich den Schalter umgelegt hat bei ihr, aber irgendwann hat sie dann gesagt, dass es ihr leid tut und sie mir nicht so weh tun wollte. Das wars dann, was ich hören wollte. Nur diesen Satz.Schlimm finde ich, dass immer die, die schon verletzt wurden, sich immer noch mehr Verletzungen anhören und antun müssen.
Ich fand es so erniedrigend, mit meiner Mutter über meinen Sex zu sprechen, über Masturbation, darüber wie ich mir bei Frauen als Versager vorkomme, weil ich es so selten schaffe, mit meiner Partnerin zu schlafen, ohne ihr weh zu tun und in ihren Augen hinterher sehen zu können, dass es ihr gefallen hat. Dieser Abend, an dem ich das Gespräch mit meiner Mutter hatte war furchtbar anstrengend und ich war hinterher völlig fertig. Aber es hat sich gelohnt.
Ich bin sehr froh darüber, dass meine Mutter verstanden hat, dass sie mich so eingeschränkt hat und ich glaube es ihr, dass sie genau das nicht wollte. Sie wollte mich nicht einschränken oder gar kontrollieren. Ihr ging es tatsächlich nur darum, dass sie meinen Penis als schmutzig empfand. Sie wollte sichergehen, dass ich immer so sauber wie möglich war und dass ich nicht krank werde oder meine Frau mal irgendwie krank machen würde.
Aber das ist jetzt vorbei, ich will jetzt nach vorne sehen. -
Hallo,
ich lese hier schon eine ganze Weile mit und hab mich jetzt auch entschlossen, mich anzumelden.
„Wie gehe ich damit um?“ scheint mir eine sehr wichtige Frage zu sein. Einen Teil dieser Frage habe ich für mich persönlich beantworten können. Ich habe meinen Eltern und vor allem meiner Mutter verziehen.
Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass ich meinen Frieden machen muss mit meiner Beschneidung und allem, was dazu gehört. Das bedeutet nicht, dass ich mich mit den körperlichen Defiziten abfinden muss. Deshalb habe ich beschlossen, eine Wiederherstellung zu beginnen. Dennoch halte ich es für wichtig, mit den Menschen im Reinen zu sein, die zumindest eine Mitschuld haben an dem, was mir passiert ist.
Ich weiß schon seit langem, dass ich ohne jeden rationalen Grund unters Messer kam. Schon als kleiner Junge hatte ich meine Mutter
gefragt, warum ich anders aussah, als meine Freunde. Ihre Antwort war damals: „Damit Du sauberer bist“. Das war der einzige Grund. Nur damit ich sauberer bin als all die anderen Jungen, denen nicht am Penis rumgefuhrwerkt wurde.Ich war deshalb immer im Kampf mit mir selbst. Einerseits war die Zeit nach meiner OP sehr schlimm, weil sich die Wunde entzündet und ich tierische Schmerzen hatte. Außerdem empfand ich meinen Penis von diesem Zeitpunkt an als furchtbar hässlich und verunstaltet.
Andererseits war da dieses Urvertrauen zu meinen Eltern, das mich immer wieder denken ließ: „Die haben das nicht gemacht, um mir weh zu tun, sondern, weil sie mein Bestes wollten“.
Heute weiß ich, dass sie genau das auch bekommen hatten. Mein Bestes.
Mein Vater hatte sich leider immer sehr aus meiner Erziehung rausgehalten. Er brachte zwar das Geld heim, aber alle wichtigen Entscheidungen mich betreffend hat immer meine Mutter getroffen.
Und als es dann um mein Genital ging, war es ganz genauso. Vater zuckte mit den Schultern, während Mutter davon sprach, wie sauber ich doch jetzt sei und dass das auch ganz wichtig sei.
Mit der Zeit habe ich sie dafür verachtet, vor allem, seit ich mit den Nachteilen meiner Beschneidung zu kämpfen habe. Schmerzende
Erektionen, Masturbation nur mit Gleitmittel, Sex dauert ewig.Eine meiner Freundinnen bedauerte es sehr, dass ich keine Vorhaut mehr hatte, sie sagte mir mal, dass sie es von anderen Männern wisse, wie die abgehen können, wenn sie am Frenulum stimuliert werden. Ich konnte an dieser Stelle überhaupt nichts fühlen. Das alles machte mich im Lauf der Zeit so wütend, dass ich den Kontakt zu meiner Mutter abbrach.
Letzte Woche habe ich es nun hinter mich gebracht. Ich wollte und konnte diese destruktive Stimmung nicht länger aufrecht erhalten und habe erkannt, dass ich was ändern muss. So sehr ich meine Mutter auch für ihren Hygienewahn auch verachtete, ich wusste genau, dass ich keinen Frieden finden würde, bis die Sache zwischen ihr und mir bereinigt war.
Das Gespräch war sehr lange und vor allem sehr schmerzend. Ich habe schonungslos offen mit ihr gesprochen und ihr wirklich alles gesagt. Dieses Gespräch lief sicher nicht nach den Regeln der Kunst ab, ich habe mich dabei richtig ausgekotzt und musste mich zusammenreissen, nicht zu schreien. Aber das war wichtig, denke ich, denn sie hatte lange blockiert und ihr „das kann doch nicht sein, das hab ich noch nie gehört!“ kam immer wieder. Irgendwann hat sie aber dann verstanden, wie sehr sie mich verletzt hat, in jeder
Hinsicht.Wir haben bis tief in die Nacht geredet und uns am Schluss auch umarmt. Diese Umarmung war das schwierigste, was ich in meinem Leben machen musste, aber ich bin froh, es gemacht zu haben.
Es geht mir jetzt viel besser, ich kann den Unterschied fast greifen. Ich lebe wieder, mein Zorn hat mich fertig gemacht.
Meine Mutter hatte es nicht böse gemeint, sie hatte nicht vor, mir zu schaden. Jetzt nachdem diese Last von mir ist, werde ich die
nächsten Schritte unternehmen, mir so viel wie möglich von dem zurück zu holen, was mir genommen wurde. Denn es war MEINS. Es wäre MEINE Entscheidung gewesen.