Klar doch, der Papst ist für Kinderrechte / Der Papst, die 12 Stämme, und die Scheinheiligkeit

  • Zitat

    Nebenbei: wenn von atheistisch-säkularer Seite nicht mit der Zirkumzision gleich die komplette innere Autonomie der Relegionsgemeinschaften in Frage gestellt werden würde, wäre die Unterstützung von jüdischer und muslimischer Gemeinschaft durch die Kirchen vielleicht auch anders ausgefallen...

    Also: diese Leute gab und gibt es unter Atheisten. Natürlich. Aber das kann man nicht verallgemeinern. Es gibt unter Säkularen durchaus viele Menschen, die intellektuell in der Lage sind, z.B. zwischen ein paar Tropfen Wasser auf dem Kopf und einer Amputation am Genital zu unterscheiden...d.h. die zu Differenzierungen in der Lage sind.

    Nein, das völlige Versagen der Amtskirchen in dieser Thematik, das totale Verweigern jeglicher innerkirchlicher Debatte, jeden inhaltlichen Diskurses auch nach außen, ist nicht durch äußere Dinge zu entschuldigen, sondern liegt allein in der Verantwortung der dortigen Entscheidungsträger und der Mitglieder, die sich das bieten lassen. Die Führungen haben so gehandelt, wie man es von politischen Parteien kennt. An dem eigenen Anspruch einer ethischen Kontrollinstanz unseres Zusammenlebens sind sie damit total gescheitert und sind selbst schuld, wenn man sich so fragen muss, warum es sie dann eigentlich noch gibt - zumindest in dieser unglaublich auf Kosten aller priviligierten Form, wie Benni es in einem Threat einmal sehr treffend detailliert beschrieb.

  • Kulturimperialismus ist ein zweischneidiges Schwert - so sehr wir uns hier auch im Recht fühlen, so wenig sind wir repräsentativ für den Erdball.



    Man kann den Einsatz für Menschenrechte natürlich immer auch "Kulturimperialismus" nennen. Der Kampf gegen die Unterdrückung der Frau, gegen die Todesstrafe, gegen die Folter, gegen die Verfolgung Homosexueller, gegen Kinderarbeit, gegen Jungen- und Mädchenverstümmelung....
    In diesem Sinne bin ich gerne Imperialist. Da lasse ich mich auch gerne "Besserwisser" nennen.
    Ich bin nicht der Meinung, dass man andere Länder mit Krieg überziehen sollte, weil sie eine andere Auffassung von Menschenrechten haben (ein wesentliches Motiv bei unserer "Afghanistan-Feldzug").
    Aber hier, in Deutschland...

    There is no skin like foreskin

  • In dieser Situation halte ich es für ungünstig oder sogar gefährlich, wenn auch wir - wie jene Leute, die Schlagen schlimm finden aber nicht die Zwangs-VA an kleinen Jungen - eine Menschenrechtsverletzung durch den Vergleich mit einer anderen relativieren. Selbstbestimmung, so kommt es mir auf den ersten Blick vor, was du zuletzt geschrieben hast, oder habe ich da etwas falsch verstanden?

    Ich bin noch im Kindergarten und in der Schule geschlagen worden (heute würden solche "Erzieher" achtkantig fliegen), mir brauchst du über Prügelstrafe nichts zu erzählen. Ich bin gegen Prügel, und ich bin gegen Kinderverstümmeln.
    Du brauchst mir auch nichts über sinnlose, elternbestimmte Operationen an Kindern zu erzählen, auch das habe ich erlebt.
    Nur mit meinem Schniedelwutz, da hatte ich Glück. (nocut)
    Es gibt Menschen, die sind als Kind geprügelt worden, finden das völlig richtig und prügeln ihre Kinder. Und es gibt Menschen (m/f) die sind als Kind genitalverstümmelt worden, finden das gut und machen das mit ihren Kindern auch. So what?
    Und beides wird gebetsmühlenartig mit den selben Relativierungen verteidigt und beides wird auch religiös begründet.
    Beides ist Körperverletzung, Gewalt, beides hat bleibende Folgen. Beides ist schädlich.
    Man muss doch was auf den Augen haben, wenn man diese Parallelen nicht erkennt.
    Dass man Parallelen aufzeigt heißt nicht, dass man gleichsetzt. Ich sage nicht: das eine ist 3,769 mal schädlicher als das andere, oder ähnlichen Stuß.
    Es ist aber einäugig, ja schizophren, wenn man das eine verbietet und geißelt, und das andere nicht nur toleriert, sondern sogar legitimiert, ja gar als "Sorge" deklariert.
    Diese Art von gespaltener Zunge finde ich zum *Brech*
    Ich hoffe ich habe mich klar ausgedrückt.

    There is no skin like foreskin

  • @ Selbstbestimmung

    Ich sehe ja auch die Paralllelen. Und natürlich ist es schizophren oder bekloppt, das eine gutzuheißen und das andere zu verbieten.

    Gleichzeitig finde ich es noch besser, wenn jemand zwar gedankenlos die Beschneidung von Jungen als Privatsache der Eltern ansieht, sich aber engagiert gegen Schlagen und emotionale Gewalt einsetzt (bzw. selbst niemals ein Kind schlägt). Wie kann ich daran noch etwas Gutes finden?
    (an so etwas wie den Äußerungen von Alice Schwarzer finde ich aber gar nicht mehr gut)

    1. kann sich darin tatsächlich Empathie für Kinder ausdrücken. Menschen machen nunmal gelegentlich dumme und widersprüchliche Dinge, und in unserer Gesellschaft wurde die Problematik des Schlagens schon viel früher thematisiert als die der Genitalverstümmelung.
    2, AUF LANGE SICHT bedeutet gesellschaftliche Klarheit darüber, dass Kinder nicht geschlagen werden, dass die Empathie mit Kindern wächst, und dass die Standard-Erwartungshaltung an den Respekt vor Kindern auf ein hohes Level steigen. UND DANN wächst auch die Ablehnung der Genitalverstümmelung. DANN kann man sagen, dass es schizophren ist, das Schlagen zu verbieten und die MGM zu erlauben. Und wir hatten hier in D. eine Entwicklung, in deren Verlauf die Standard-Erwartungshaltung gestiegen ist, und in dieesem Zusammenhang sehe ich auch einen wichtigen Teil der juristischen Argumente gegen die MGM. Nach meinem begrenztem Kenntnisstand wird auch in jenen USA-Bundesstaaten, in denen das Schlagen der Kinder eingedämmt wird, auch weniger beschnitten (New York, Kalifornien).

    Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich persönlich mache mir wirklich Sorgen, dass das "Standard-Respekt-Level für Kinder" auch in D. nochmal auf ein TIEFERES Level sinken könnte.

    ...Wir haben bis jetzt keine Freiheit des Einzelnen, des Individuums, des Bürgers. [Allen Menschen bei uns ist das Zugehörigkeitsgefühl] am wichtigsten. Sie sind Mitglieder der Nation oder Religion, aber nicht selbstbewusste und -verantwortliche Menschen.
    ein katholischer Theologe in einer Doku über Ex-Jugoslavien

    Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
    Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. ...
    Khalil Gibran

  • Zitat

    "Ich glaube, daß ein Klaps auf den Po schon 'mal sein muß (...), aber niemals ins Gesicht, und niemals im Affekt." *
    na, wer sagt das?

    Nee, nicht der Papst. Auch nicht Witwe Bolte.

    "Jugendministerin" Claudia Nolte!

    http://wideblick.blogspot.de/2015/02/kommen…agen-papst.html

    Gar nicht so lange her. Und heute? Ein Schlag auf den Po (nicht im Affekt) : sechs Monate Haft + 100 Stunden gemeinnützige Arbeit
    Andere Zeiten (17 Jahre später), andere Sitten!

    Gut für Nolte, dass Gesetze nicht rückwirkend sind...

    There is no skin like foreskin

  • Zitat

    hartmut sagt:
    9. Februar 2015 um 21:46 Uhr

    hosianna
    Unser Bundestag hat die mosaisch- islamische Beschneidung von Kindern für zu recht für wertvoll erachtet und in ein entsprechendes Gesetz gegossen.

    Im fairen Wettstreit darum, wer am besten jungen Seelen den Willen des Herrn einbrennt, will natürlich die Kath.Kirche nicht hintanstehen und pocht auf Gleichberechtigung.

    Des einen Skalpell ist des anderen Weidenrute.


    Die afrikanischen Mütter und ihre Töchterlein nicht vergessen! ;) Wir wollen doch wohl keine eurozentrischen Kulturimperialisten sein!

    https://blogs.faz.net/stuetzen/2015/…-schlagen-4939/

    There is no skin like foreskin

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