Charlie Hebdo und Karikaturen gegen Beschneidung

  • Gegen dieses Bild hatte Jörg Lau im Jahre 2012 in der "ZEIT" eine Polemik verbreitet, mit der er allen Ernstes eine Verbindung zum "Stürmer" konstruieren wollte, um den Karikaturisten einzuschüchtern und gesellschaftlich zu diffamieren.

    http://blog.zeit.de/joerglau/2012/…hneidungen_5642

    Allen anderen Karikaturen zum Thema Beschneidung ereilte ein ähnliches Schicksal. Es sollte keine Karikaturen geben. Es sollte keine Satire geben. Wer Angst hat vor Satire und vor Karikaturen, wie sie hier zu sehen ist, der läßt tief blicken. Eine offene Gesellschaft muss Satire aushalten können.

    Rufmord ist etwas völlig anderes als tätlicher Mord. Allein die Zielrichtung ist ähnlich: Karikaturisten sollen so viel Angst bekommen, dass sie den Stift nicht mehr anrühren. Ich würde es Polemikern wie Jörg Lau zugestehen, ernsthaft erschüttert zu sein über die schrecklichen Morde an den Satirikern von Charlie Hebdo. Aber mit welchem Recht könnten er oder die Redaktion der ZEIT sich anmaßen, diesen mutigen Leuten auch nur annährend ähnlich zu sein? Was sie verband, war allein der Beruf des Journalismus. Sonst nichts.

  • Für Jörg Lau und Konsorten wäre Charlie Hebdo in Deutschland ein Albtraum gewesen. Und sie hätten mit Sicherheit alles darangesetzt, die Satiriker zum Schweigen zu nötigen.

    Guy, wenn meine Übersetzung falsch ist, bitte korrigieren:

    "Für den Europarat ist Beschneidung eine Körperverletzung von Kindern"

    "[Man muss doch] bloß das Gewissen verletzen, wie kleinlich"

    "Ja"

  • Zitat

    Diesem errichteten Popanz zum Trotz müssen für die notwendige Debatte zwei Dinge festgehalten werden. Erstens: Die Mehrheit der Journalisten und Redaktionsleiter, die heute ein Din-A-4-Papier mit dem Aufdruck "Je suis Charlie" in die Kamera halten, hätten gestern noch eine Publikation von Karikaturen dieser Zeitschrift abgelehnt. Und dies, zweitens, zu Recht. Denn gerade die Islam-Karikaturen waren in mehr als einem Fall nichts weiter als rassistischer Schund.

    http://www.heise.de/tp/artikel/43/43818/1.html

  • Mir geht es gar nicht um eine Diskussion über Qualität; auch nicht darum, ob Charlie Hebdo im Einzelfall zu weit ging oder nicht. Mir geht es darum, dass Jörg Lau, die "ZEIT" und viele andere dieser Sorte ganz generell beim Thema Beschneidung im Jahre 2012 versucht haben, mit unlauteren Mitteln ALLE Karikaturen zum Thema aus der Medienlandschaft zu verbannen und Karikaturisten und Satiriker psychisch so stark unter Druck zu setzen, dass sie das Zeichnen sein ließen und sich keine Redaktion mehr traute, Karikaturen zu veröffentlichen.

  • Guy, wenn meine Übersetzung falsch ist, bitte korrigieren:

    "Für den Europarat ist Beschneidung eine Körperverletzung von Kindern"

    "[Man muss doch] bloß das Gewissen verletzen, wie kleinlich"

    falsch nicht. ich übersetze das so:

    Für den Europart ist die Beschneidung eine Verletzung der körperliche Integrität.

    Nur das Gewissen verletzen, das ist doch irgendwie Pille-Palle.

    Petit-joueur ist einer, der beim Roulette immer nur 1€ setzt. Sowas wie lächerlich, Kinkerlitzchen, risokoavers...

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Jetzt heißt es "Satire darf alles - nur nicht sterben!"
    Richtig, Satire darf alles, aber das gilt natürlich nur wenn es um Christen (ich erinnere z.B. an die Titanic) oder Muslime geht.

    Aber es ist ja auch noch kein Beschneidungskarikaturist erschossen worden. Also, was wollt ihr eigentlich? ;)
    Wenn so etwas, was Gott verhüten möge jemals passieren sollte - dann würden erden natürlich alle ganz betroffen sein, die gestern noch "Stürmer!" geschrien haben.
    Und im nächsten Halbsatz würden sie betonen, dass diese schreckliche Tat aber keinesfalls dazu führen darf, dass männliche Kinder nun vor Verstümmelung geschützt werden.

    Die Artikel von Lau zum Thema MGM trieften vor aggressiver Polemik gegenüber den Kinderschützern. Bezeichnenderweise wurden von der Zensurbehörde der ZEIT (z.B. Sebastian Hörnle Horn (Hörnle war ja die knabenfeindliche Tatjana)) laufend Leserkommentare zum Thema wegen angeblicher Polemik gelöscht. Die waren (man konnte sie ja kurz sehen) meistens nicht annähernd so polemisch wie die Artikel von Lau.

    There is no skin like foreskin

  • Ich schaue mir gerade im Fernsehen eine Sendung über Stasi-Verfolgung an. Dabei geht es um das System der sogenannten "Zersetzung". Eines der wesentlichen Elemente der Zersetzung bestand darin, den Ruf einer oppositionellen Person zu zerstören und sie öffentlich zu diffamieren. Beispielsweise Rainer Eppelmann war Opfer hiervon.

    Ich will nicht sagen, dass Jörg Lau oder andere Personen, die die Methodik der Diffamierung verwenden, um unliebsame Meinungen aus dem Weg zu räumen und Andersdenkende zum Schweigen zu bringen, 1:1 die Methoden anwenden, die man in der DDR als "Zersetzung" kannte. Das würde dem Leid der Opfer auch nicht gerecht werden. Die DDR war ein Unrechtsstaat, der in großem Stil und auf menschenverachtende Weise Oppositionelle fertig zu machen wußte. Man kann nicht einzelne Maßnahmen einzelner Personen wie Jörg Lau mit den subtilen und hoch effektiven Methoden eines diktatorischen Staates vergleichen. Aber Jörg Laus Methodik ist in jedem Fall antidemokratisch. Denn sie zielt auf die Person, deren Meinung man unterdrücken will. Nicht auf die Sache.

    Demokratie würde heißen, in der Sache streitig zu diskutieren, divergierende Meinungen zuzulassen und mit Argumenten zu streiten. In einer Demokratie gibt es bessere und schlechtere Argumente, solche und solche Meinungen. Aber sie sind sachbezogen, nicht personenbezogen. Nur in ganz seltenen Ausnahmefällen kann man von Hetze, gar Volksverhetzung sprechen. Jörg Lau und Gleichgesinnte machen etwas anderes. Sie zielen auf den guten Ruf einer mißliebigen Person ab, um sie einzuschüchtern. Sie diffamieren, sie diskreditieren. Sie spielen das Spiel mit der Angst. Das ist eine alte politische Waffe, schon Volkstribun Tiberius wurde auf diese Art von seinen politischen Gegnern "ausgeschaltet".

  • Man kann nicht einzelne Maßnahmen einzelner Personen wie Jörg Lau mit den subtilen und hoch effektiven Methoden eines diktatorischen Staates vergleichen.

    Kann man nicht vergleichen? Das kenn' ich doch.... vom Prinzip her.

    Man kann das vergleichen, man sollte das sogar und dabei auch Unterschiede feststellen, nicht nur Gemeinsamkeiten.
    Solche Methoden sind intellektuell unlauter und er macht das vorsätzlich. Das darf man bei seinem Bildungsgrad unterstellen.

    Auf die Methoden eines Olaf Jantz trifft das ebenfalls zu.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Guy, die haben das Leben von unliebsamen Menschen völlig ausgehorcht, deren Wohnungen durchsucht, Profile erstellt und dann alles getan, um die Menschen psychisch zu zerbrechen. Das war schon eine ganz, ganz andere Hausnummer.

    Aber als ich die offizielle Definition der DDR-Staatsführung für Zersetzung durch Diffamierung gehört habe, bin ich fast erstarrt und hätte sie am liebsten mitgeschnitten. Das trifft so hundertprozentig auf die Polemik von Jörg Lau zu, dass es einen regelrecht erschauern läßt.

    Bei Olaf Jantz weiß ich es nicht genau. Olaf Jantz hat so ein typisches Mitläufer-Profil, er plappert m.E. stumpfsinnig nach, was ihm vorgesagt wird. Mir ist nicht ganz klar, wie ich den einordnen soll.

    Aber Jörg Lau handelt gezielt, vorsätzlich, klar absichtsgesteuert.

  • Ich würde das erste Bild jetzt so übersetzen, damit es einen besseren Sinn ergibt:

    "Für den Europarat ist Beschneidung eine Körperverletzung von Kindern"

    "[Man muss doch] bloß das Gewissen verletzen, das ist Pille-Palle!"

    "Genau!"

    Und das zweite Bild, das E.H.M. geteilt hat, so:

    "Wieso wartet man nicht, bis er ein Alter erreicht hat, wo er das verstehen kann?"

    "Solange man die Macht hat, muss man sie ausnutzen!"

    Man beachte beim zweiten Bild das blutige Messer in der Hand des Mohels. Das genügt hierzulande, um einen Karikaturisten als Nazi und Antisemiten zu verleumden; so geschehen in Bezug auf den Karikaturisten Jacques Tilly (http://www.google.de/imgres?imgurl=…ved=0CC4QrQMwBA). Wenn wir jetzt also all diejenigen, die diese Keulen geschwungen haben, mit dem Schild "Je suis Charlie" in der Hand sehen, dann vergegenwärtigen wir uns, dass Charb und seine mutigen Freunde in deren Augen Nazis und dreckige Antisemiten waren; womöglich vom "Stürmer" beeinflußt und der "Ritualmordlegende" anhängend. Ironie der Geschichte, diese Leute jetzt auf Bildern zu sehen, wo sie stolz das Schildchen "ich bin Charlie" vor sich herhalten.

  • Aber mit welchem Recht könnten er oder die Redaktion der ZEIT sich anmaßen, diesen mutigen Leuten auch nur annährend ähnlich zu sein? Was sie verband, war allein der Beruf des Journalismus. Sonst nichts.


    Charlie Hebdo ist in der Stadt zuhause, wo 1789 die Bastille gestürmt wurde. Diese Stadt wurde nun Opfer von einem brutalen Angriff auf die Freiheitsrechte, wo nun auch der GODF um zwei Mitglieder trauert.

    Aus meiner Sicht ist Aufklärung die stärkste Waffe im Kampf gegen die Zwangsbeschneidung. Karikaturisten wie Charlie Hebdo waren und sind nach meiner Auffassung Menschen, die mit ihrer Arbeit über die Dinge hinter den offensichtlichen Dingen aufklären wollten.

    Meine Hochachtung gegenüber diese Menschen verbietet es mir geradezu meine Solidarität mit den Worten "Je suis Charlie" auszudrücken.

    Bezüglich der Redaktion von der "Zeit" bleibt zu hoffen, dass auch sie (irgendwann) erkennen werden, dass kritisches Denken mehr Ansehen genießt als dogmatische Phrasen

    siehe z.B.:

    http://www.zeit.de/2012/30/01-Beschneidungsverbot

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • So so, Stürmer-Stil...

    Was für ein Stil ist es denn, der gerade erst von einem vehementen Kinder-Verstümmelungsverharmloser öffentlich vorgetragen wurde?

    Zitat

    Das Thema kreist im weitesten Sinne um den “unsauberen Mann” und alles das, was daraus für die Volksgesundheit resultiert. Machen Sie einmal das Gedankenexperiment, machen Sie die runde Milliarde beschnittener männlicher Individuen auf der Welt zu Unbeschnittenen und stellen Sie sich die Explosion von Krankheiten vor, die aus der entstandenen “Schmutzquelle” für Kinder, Männer und Frauen erwachsen würde.

    Eine Volksgruppe als Überträger von Krankheiten darzustellen, kommt einem das evtl. bekannt vor? War da nicht mal vor Jahrzehnten so ein ganz übler Film?

    Ganz abgesehen von der Lächerlichkeit (z.B. die HIV-Inzidenz ist in den USA, wo zeitweilig bis zu 90% der männlichen Kinder genitalverstümmelt wurden sechs mal so hoch wie hier, wo rund 90% der Männer intakt sind) - das mit dem "Stil" wird schnell zum Bumerang!

    There is no skin like foreskin

  • Angriff auf die Freiheit in fünf Etappen

    https://parteiderhumanisten.de/angriff-a…n-funf-etappen/

    Was hat das denn mit dem Thema Beschneidung zu tun?

    Edit: ich finde, dass ein Beitrag oder ein Link entweder mit Beschneidung oder mit dem hier diskutierten Thema zu tun haben sollte. Zur Zeit hat wohl jede Partei der Republik irgendeine Meinung zum Islam oder zu Religion im Zusammenhang mit den Anschlägen auf die Journalisten von Charlie Hebdo. Das kann kein Grund sein, Stellungnahmen von Parteien hier zu posten.

    Wir diskutieren hier die Unterdrückung bestimmter Meinungen oder auch Karikaturen durch Polemik und Diffamierung, weil sie einem Klima der Angst geschuldet ist. Und wir besprechen die Diskussion der Vorhautamputation in den Medien, vor allem dann, wenn das mit unredlichen Mitteln erfolgt. Ich finde, dass wir hier eine sehr spannende und interessante Diskussion führen.

    3 Mal editiert, zuletzt von Maria Werner (15. Januar 2015 um 08:58)

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