Das sehe ich nicht so und ich bin überrascht, dass Du das so siehst.
Ich schließe mich Weguer an, diese Aussage kann ich nicht nachvollziehen. Wäre schön, wenn Du erläutern könntest, warum nur Betroffene Wut empfinden können.
Das sehe ich nicht so und ich bin überrascht, dass Du das so siehst.
Ich schließe mich Weguer an, diese Aussage kann ich nicht nachvollziehen. Wäre schön, wenn Du erläutern könntest, warum nur Betroffene Wut empfinden können.
Ich sehe das kommen, dass dieser Thread wieder in der Quarantäne landet. Ich finde das schade, denn - es gibt ja offenbar noch andere, die der Meinung sind, dass man sich über diese Frage ruhig Gedanken machen darf.
Ich verstehe nicht, warum das auf eine persönliche Ebene gezogen wird.
Ich würde im Traum nicht auf die Idee kommen zu versuchen andere Benutzer dieses Forums psychisch zu analysiseren, über ihre Gefühle, ihre Psyche Spekulationen anzustellen. Ihnen echte oder unechte oder projezierte Gefühle zu unterstellen, oder nach tieferen, persönlichen Ursachen für Gefühle, vermeintliches Verhalten oder vermeintliche "Bitterkeit" zu forschen. Ich halte so etwas in einem öffentlichen Forum für deplaziert. Wir sind hier nicht auf der Couch. Ich brauche auch keine Couch.
Ich verbitte mir so etwas.
Und dann wurde hier auch noch mehrfach von Respekt gesprochen.
Verlangt jemand Quarantäne?
Wütend werden kann man nur über etwas, was einen direkt betrifft. Wenn es einen nicht betrifft, dann hat man Mitgefühl, aber wütend wird man nicht, da man selber nicht betroffen ist.
Den allgemeinen Missbrauch des Wortes Betroffen werde ich hier nicht erläutern.
Es ist eines der Unworte, im Alltagsgebrauch. Wir sollen bei jedem Flugzeugabsturz betroffen sein.
Sagen wir einfach "angesprochen". Ich fühle mich angesprochen, durch dieses Unrecht der medizinisch unnötigen Beschneidung. Und so manche Verteidigungsstrategie der Pro-Fraktion, sowie die intellektuelle Unehrlichkeit und die Feigheit so mancher Protagonisten machen mich wütend.
Ich hoffe das reicht, um sich auch als Intakter zu erlauben, sich angesprochen zu fühlen.
Wobei, wenn ein Unrecht geschieht, ist man da nicht auch ein Wenig betroffen? Wenn auch nur mittelbar?
Und es gibt auch die Ansicht, dass Opfer sich ein weiteres Mal missbraucht fühlen, wenn sie von gut gemeinten Gerechtigkeitsbestrebungen instrumentalisiert werden.
Ich halte dies für einen sehr wichtigen Gedanken. Das sollte man wirklich immer im Hinterkopf haben.
Gegen Lanz zu sein ist einfach, gegen Beschneidung zu sein nicht, denn "Beschneidung? Da war doch was mit den Juden und dem Holocaust und es ist doch sowieso hygienischer und eh nur Haut und besser für die Frau, weil er länger kann und blablabla" So ist die Realität. Die Menschen muss man anders auf die Reise mitnehmen, weil, siehe oben, sie Herdentiere sind. Und bequem.
Ich wusste nicht, dass soviele Leute Lanz nicht mögen, aber davon bin ich nicht "betroffen", weil mir das ganze noch nicht einmal egal ist ![]()
Ich finde es gut, dass Du das Thema Holocaust und Wegschauen angeschnitten hast. Damals haben wir uns schuldig gemacht, weil wir weggesehen haben. Heute machen wir uns schuldig, weil wir wieder wegsehen, wenn in Deutschland Gentialverstümmelungen durchgeführt werden.
Umgekehrt haben wir damals mit dem Finger auf Menschen gezeigt, die in den Konzentrationslagern ermordet wurden. Heute zeigen wir mit dem Finger auf Lanz (Hoeneß, Tebartz-van Elst, Wulf, Guttenberg, etc.) und schämen uns nicht, dass wir ihnen hier vielleicht auch teilweise (in Unkenntnis) Unrecht antun könnten.
Mit wir sind natürlich nicht wir gemeint, sondern selbstverständlich immer nur die anderen ![]()
Ich finde es gut, dass Du das Thema Holocaust und Wegschauen angeschnitten hast. Damals haben wir uns schuldig gemacht, weil wir weggesehen haben. Heute machen wir uns schuldig, weil wir wieder wegsehen, wenn in Deutschland Gentialverstümmelungen durchgeführt werden.
Ist das daselbe?
Hui, jetzt begeben wir uns aber auf dünnes Eis. Aber gerade dann wird es ja spannend
Ich finde es gut, dass Du das Thema Holocaust und Wegschauen angeschnitten hast. Damals haben wir uns schuldig gemacht, weil wir weggesehen haben. Heute machen wir uns schuldig, weil wir wieder wegsehen, wenn in Deutschland Gentialverstümmelungen durchgeführt werden.
Ich habe das Thema Holocaust nicht angeschnitten, schon gar nicht im Zusammenhang mit Wegschauen, sondern nur das Wort in einem anderen Zusammenhang erwähnt. Das Thema hast Du jetzt ins Spiel gebracht.
Der Begriff "Schuld" ist mir zu dick aufgetragen in diesem Zusammenhang. Ich maße mir nicht an, über die Menschen zu urteilen, die damals den ganzen Mist mitgemacht haben, sei es als Opfer, Mitläufer bzw. Nichtdagegenstemmer oder sogar vereinzelt als ungewollter Täter. Wenn Dein eigenes Leben und das Deiner Freunde und Familie bedroht ist, sobald Du den Mund aufmachst, dann will ich mal sehen, ob Du Dich gegen das System stellen würdest. Ich habe schon oft genug sprichwörtlich aufs Maul bekommen, nur weil ich mich nicht der Masse beugen wollte.
Und wie erwähnt, auch wir sind bequem und machen es uns einfach. Hier sind alle gegen Genitalverstümmelungen, erheben Ihre Stimme und tun etwas dagegen. Aber wo bleibt denn unser Engagement gegen die Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien? Oder gegen die Fußball-WM in Katar? Wir lesen einen Artikel in der Zeitung, empören uns über die Zustände vor Ort und schlagen als nächstes den Sportteil auf. Und im Sommer stehen alle wieder brav auf der Fanmeile und jubeln den Jungmillionären zu.
"Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein..." (Ey, jetzt fang ich schon an, die Bibel zu zitieren...)
ZitatUmgekehrt haben wir damals mit dem Finger auf Menschen gezeigt, die in den Konzentrationslagern ermordet wurden.
Ich nicht, ich war damals noch nicht geboren. (Jaja, ich weiß schon, was Du mit wir meinst) ![]()
Heute zeigen wir mit dem Finger auf Lanz (Hoeneß, Tebartz-van Elst, Wulf, Guttenberg, etc.) und schämen uns nicht, dass wir ihnen hier vielleicht auch teilweise (in Unkenntnis) Unrecht antun könnten.
Ich empfinde für diese Menschen kein Mitleid, auch wenn ich die Details nicht kenne. Daher kann ich mir auch das hier nicht verkneifen:
[video]http://www.youtube.com/watch?v=igCrZ23QJ0Q[/video]
![]()
Aber als nicht-Opfer die Wut der Opfer auszudrücken ist ein Übergriff
Ein Übergriff! Welches nicht-Opfer hat denn "die Wut der Opfer" ausgedrückt?
Ist das daselbe??(
Ja und Nein. Nicht alle Menschen im KZ wurden ermordet und nicht jedes Kind überlebt die Zwangsbeschneidung. In Relation sprechen wir aber tatsächlich von völlig verschiedenen Dingen (auch vom beabsichtigten Ziel her). Gemeinsam haben beide Punkte, dass dieses Unrecht in beiden Fällen mehrheitlich geduldet wird /wurde.
damaged
OK., ich habe hier wohl zu viel bei "Herdentier" und "Holocaust" reininterpretiert.
Natürlich haben nicht "wir" uns persönlich damals schuldig gemacht, sondern wenn überhaupt meist unsere Vorfahren. Und wenn man dort mal genauer hinschaut, werden sich hier wie bei mir in jeder Familie solche finden, die mitgemacht haben, die Widerstand geleistet haben und solche, bei denen heute ein Gedenkstein an das Unrecht erinnert, dass ihnen damals angetan wurde.
Ich gebe Dir Recht, dass ich mich persönlich nicht genug für Dinge einsetze, die außerhalb unserer Landesgrenzen zu Unrecht führen. Auf der anderen Seite setze ich mich aber auch nicht dafür ein, dass Zwangsbeschneidungen in der Türkei oder in Israel verboten werden sollen.
Irgendwo müssen wir doch auch Prioritäten setzen und wenn wir bei uns die Menschenrechte mehr achten, hat dies doch auch für andere Länder eine Signalwirkung bzw. können wir (z.B. Europa) eine Vorbildrolle einnehmen. Dass nun gerade bei uns ein Moderator gebasht wird und hierfür mehr Interesse als für die Menschenrechte wahrnehmbar scheint, sendet daher eigentlich genau das umgekehrte Signal aus, dass wir bräuchten.
Interessante Fußnote im Zusammenhang mit dieser Diskussion:
http://www.faz.net/aktuell/feuill…n-12780212.html
Die Dame, die die Petition gegen Lanz gestartet hat, arbeitet beim MDR, wenn auch nur temporär:
ZitatAlles anzeigenDa Sie beim Mitteldeutschen Rundfunk arbeiten: Wie kommt Ihre
Petition eigentlich in diesem Sender an? Der MDR müsste sich beim Thema
„bürgernahes Kontrollgremium“ ja auch angesprochen fühlen. Und
vielleicht will demnächst jemand einen Moderator des MDR absetzen - etwa
Kim Fisher und René Kindermann in der Talkshow „Riverboat“.
Ich war in den letzten Jahren
größtenteils selbstständig und bin lediglich befristet im
Verwaltungsbereich des Senders beschäftigt. Als ich die Petition
startete, habe ich mit keiner Silbe an meinen temporären Arbeitgeber
gedacht – zumal ich mit dieser ungeheuren Dynamik auch nicht gerechnet
hätte. Ob sich bis jetzt jemand angesprochen fühlt, weiß ich nicht, aber
der Sender ist hinlänglich bekannt dafür, Konsequenzen zu ziehen, wenn
sich unangenehme Vorfälle zum Schaden des Unternehmens häufen – seien
sie programmtechnischer oder leitungsverantwortlicher Natur. Sollten
sich in meinem Falle Konsequenzen arbeitsrechtlicher Natur ergeben, so
muss und kann ich damit leben.
![]()
Ich gebe Dir Recht, dass ich mich persönlich nicht genug für Dinge einsetze, die außerhalb unserer Landesgrenzen zu Unrecht führen. Auf der anderen Seite setze ich mich aber auch nicht dafür ein, dass Zwangsbeschneidungen in der Türkei oder in Israel verboten werden sollen.
Das habe ich auch nicht gemeint. Ich sage nicht, dass wir uns persönlich für alles einsetzen sollen, ich sage nicht mal, dass man sich für überhaupt irgendetwas einsetzen MUSS.
Ganz ehrlich: Wenn ich nicht betroffen wäre, dann würde ich mich nicht gegen Beschneidung engagieren. Ist hypothetisch, aber höchstwahrscheinlich würde ich damit sympathisieren und Props geben für die Leute, die sich dagegen einsetzen. Trotzdem würde ich, mit einer heißen Tasse Roibuschtee in der Hand den Klängen von Diamanda Galás lauschend, grinsend dabei zusehen, wie die menschliche Welt den Bach runtergeht.
Mein Engagement ist Teil meiner Verarbeitung und des Zurechtkommens. Dass ich damit gleichzeitig etwas für den Schutz von Kindern tue und den Einfluss von Religion auf unser aller Leben eindämmen kann, daran kann ich natürlich nichts Schlechtes finden, ganz im Gegenteil.
Irgendwo müssen wir doch auch Prioritäten setzen und wenn wir bei uns die Menschenrechte mehr achten, hat dies doch auch für andere Länder eine Signalwirkung bzw. können wir (z.B. Europa) eine Vorbildrolle einnehmen. Dass nun gerade bei uns ein Moderator gebasht wird und hierfür mehr Interesse als für die Menschenrechte wahrnehmbar scheint, sendet daher eigentlich genau das umgekehrte Signal aus, dass wir bräuchten.
Auch hier wieder: Wir MÜSSEN gar nichts! Wenn wir WIRKLICH etwas grundlegend ändern wollten, dann müssten die Straßen brennen!
Wir setzen uns gegen die Beschneidung ein, gehen aber trotzdem jeden morgen zur Arbeit und halten damit das System am Laufen. Beschneidung ist halt unser Thema, andere geben dafür bei der Tafel Essen aus und wiederum andere starten eine Petition gegen den Lanz. Wir, und damit meine ich wirklich UNS, sollten aufpassen, dass wir nicht auf einem zu hohen Ross sitzen. Während wir mit dem Finger auf andere zeigen, steht hinter uns jemand, der genau das Gleiche macht. Also natürlich weitermachen, aber wir sollten uns zumindest dieser Tatsache bewusst sein. Meinen Finger fahre ich auf keinen Fall ein. Wobei ich nicht unbedingt meinen Zeigefinger meine... ![]()
...die Straßen brennen!
Was ist darunter zu verstehen?
Zitat von »damaged«
...die Straßen brennen!
Was ist darunter zu verstehen?
Gegenfrage: Was hast Du denn darunter verstanden?
Gegenfrage: Was hast Du denn darunter verstanden?
Na, doch wohl nichts anderes als "So richtig loslegen".
Na, doch wohl nichts anderes als "So richtig loslegen".
Gut erkannt! Aber bitte den Kontext beachten! ![]()
Der nicht- informierte Leser könnte ja auf den Gedanken kommen, mit "Strasse brennen" sei sowas ähnliches gemeint wie das, was gerade in der Ukraine passiert, oder im letzten Jahr in Ägypten oder in der Türkei. Aber das hast Du ja nicht gemeint.
Während wir mit dem Finger auf andere zeigen, steht hinter uns jemand, der genau das Gleiche macht.
Probier's mal aus. Zeig mal auf einen anderen und kuck dir dabei deine Hand an.
Drei Finger zeigen auf dich zurück.
Der nicht- informierte Leser könnte ja auf den Gedanken kommen, mit "Strasse brennen" sei sowas ähnliches gemeint wie das, was gerade in der Ukraine passiert, oder im letzten Jahr in Ägypten oder in der Türkei. Aber das hast Du ja nicht gemeint.
Wenn Du damit meinst, dass sich Menschen in diesen Ländern gegen das herrschende politisch-gesellschaftliche System wenden, dann habe ich genau das gemeint!
Was bzw. wen meinst Du denn mit "Der nicht-informierte Leser"?! Vor und hinter diesem Satz mit den Straßen stehen ausreichend Informationen, um meine Aussage in dem Kontext einzuordnen. Deine Beiträge implizieren, dass ich zu Gewalt aufgerufen habe, vielleicht täusche mich auch. Das habe ich jedoch definitiv nicht getan.
Ich zitiere mich noch mal:
ZitatWenn wir WIRKLICH etwas grundlegend ändern wollten, dann müssten die Straßen brennen!
Soll heißen: Selbst wenn wir mit unserem Anliegen irgendwann Erfolg haben sollten, dann ändert sich trotzdem nichts am Status Quo. Da können wir noch so viel FairTrade Schokolade vertilgen, grundlegend ändert sich nichts. Es würde sich nur etwas ändern, wenn die Menschen auf die Bastille stürmen würden. Das meine ich wertfrei, ob zum Guten oder Schlechten sei dahingestellt. Aber auch das ist immer Ansichtssache.
Guy: Du hast vollkommen Recht!
Deine Beiträge implizieren, dass ich zu Gewalt aufgerufen habe, vielleicht täusche mich auch.
Ja, da täuschst Du Dich in der Tat. Ich habe nur die Möglichkeit der Fehlinterpretation ausräumen wollen, und die war gegeben.
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