FGM - "die patriachalische Unterdrückung der Frau"

  • Zitat

    Was FGM mit Patriarchat zu tun hat, beschreibt Ayaan Jirsi Ali:

    Du hast diesen Absatz "vergessen":

    Zitat

    The World describes female genital mutilation as procedures that intentionally alter or injure female genital organs for non-medical reasons. Initially the procedure was termed female circumcision but there were outcries from advocates that argued this termed minimized the torture of the event. It is unlike male circumcision in which the male organ remains intact.

    http://www.japss.org/upload/8._Sharmon%5B1%5D.pdf

    Also stellt euch doch nicht so an, ihr seid doch alle intakt.

  • The place between my legs was sewn up to prevent it.

    Also dass hier im Forum jetzt auch auch schon nach der Taktik der MGM-Befürworter verfahren wird, die FGM auf die Infibulation zu reduzieren, um damit dann irgendwas generell zu beweisen finde ich schon enttäuschend.

    Zitat von Gerhard

    It is unlike male circumcision in which the male organ remains intact.

    LOL, ja, man muss alles bis zum bitteren Ende lesen!

    Ist ja fast wie bei Waris Dierie...


    Zitat

    In contemporary society, women are still seen as being
    inferior and a departure from the male norm. A woman’s
    sexuality is seen as perilous with the potential to devastate
    the lives of great men.

    "In contemporary society", geht es denn noch? ?(
    Offenbar ist es genau umgekehrt, Jungen werden als "minder schützenswert" angesehen.

    Zitat

    Using this form of science, the United
    States justified the use of sterilization of mental health
    patients from the early twentieth century until the mid
    1970’s.

    Und auch hier wird schön verschwiegen, dass in den USA Jungen in Heimen (und zwar auch solche, die nur irgendwie aufsässig waren) bis in die 60er hinein kastriert wurden - Mädchen aber nicht.

    Aber das passt ja auch nicht in das Woman-is-the-nigger-of-the-world-Bild, dass in dem Traktat krampfhaft vermittelt werden soll.

    Zitat

    I was not part of the society; I could not see her until she was dignified by her sisters and daughters who had gone through initiation.

    Zitat

    I was forced to quiet my judgment, take a step back to bear witness, listen to stories and respect the power of sisterhood, secrecy, support and most importantly LOVE that held these women together. It was in this space they were most powerful beyond any of our imagination.

    Zitat

    Bondo, I came to understand, manifests itself differently and uniquely across cultures that practice it. It differs based on context, religious acceptance, cultural understanding and geographical spaces. What remains clear though is its multiplicity and complexity. In Sierra Leone, Bondo is a society for the women by the women. It is much less about the cutting and much more about larger social notions of womanhood and strength. It is space where women exercise power, exchange deep traditional knowledge of child bearing, and institute community support. Most importantly it is a private affair that reinforces cultural and traditional lineages. Like any cultural institution anywhere in the world, bondo is deeply entrenched in the psyche of most women in Sierra Leone and any real tangible shift from that practice must emerge from the nucleus of that society -- its women. This type of perspective is often lost in the media.

    Zitat

    I maintain that Bondo belongs to the women, who too often are misunderstood or underestimated.

    http://www.huffingtonpost.com/fatou-wurie/in…_b_3625301.html

    There is no skin like foreskin

  • Also dass hier im Forum jetzt auch auch schon nach der Taktik der MGM-Befürworter verfahren wird, die FGM auf die Infibulation zu reduzieren, um damit dann irgendwas generell zu beweisen finde ich schon enttäuschend.


    LOL, ja, man muss alles bis zum bitteren Ende lesen!

    Es ging weiter oben um die grundsätzliche Frage, ob FGM (genauso wie MGM) patriarchalische Wurzeln hat, egal ob sie von Frauen oder von Männern propagiert wird. Das hat mit der Frage, ob MGM weniger "einschneidend" ist als FGM, zunächst mal überhaupt nichts zu tun.
    Mit ihrer Abwertung der MGM fallen die o.g. Autorinnen ohne Zweifel selbst wieder in patriarchalische Erklärungsmuster zurück. Dass es unfair ist, sie deshalb cum grano salis in die "radikalfeministische" Ecke zu stellen, wurde in diesem Forum bereits diskutiert. Ich stimme dem zu.

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Zitat

    Sie ist ein Mittel, Mädchen in vorgeschriebene Rollen innerhalb der Familie und damit der patriarchalen Gesellschaft zu pressen. Sie ist Ausdruck der wirtschaftlichen und sozialen Unterdrückung der Frauen durch patriarchale Strukturen und der vorherrschenden männlichen Definition sexueller Erziehung. Männer wollen durch Genitalverstümmelung die Fruchtbarkeit von Frauen kontrollieren und sie „ruhiger" und „fügsamer" machen. Die weibliche Genitalverstümmelung ist eng verbunden mit der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Diskriminierung von Frauen

    Das ist irgendwie Präsens und nicht Präteritum.

    Das Ziel dieser Argumentation ist, die FGM etwas ganz anderes darzustellen als die MGM. FGM ist Unterdrückung. MGM nicht.
    Und die "Logik" dahinter ist: Die MGM lässt sich eh nicht bekämpfen/verbieten - also müssen wir klarstellen, dass das ganz was anderes ist. MGM also ruhig weiterlaufen kann. Man kann das ruhig unterschiedlich behandeln.

    Zitat

    Dass es unfair ist, sie deshalb cum grano salis in die "radikalfeministische" Ecke zu stellen, wurde in diesem Forum bereits diskutiert. Ich stimme dem zu.

    Wo wurde wer "in die "radikalfeministische" Ecke gestellt", und wo wurde das Angebliche dann als unfair diskutiert?

    There is no skin like foreskin

  • Männer wollen durch Genitalverstümmelung die Fruchtbarkeit von Frauen kontrollieren und sie „ruhiger" und „fügsamer" machen. Die weibliche Genitalverstümmelung ist eng verbunden mit der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Diskriminierung von Frauen

    Das folgt wieder einmal der trivialen Behauptung, dass alles mit allem zusammenhänge. Das mag so sein. Allerdings ist eine solche Analyse derart unscharf, dass sie nicht zur Veränderung eines (politischen, juristischen oder sonstigen) Sachverhaltes dienen kann. Da muss man schon genauer hinschauen.
    Im übrigen halte ich die ganze Abgrenzerei von FGM und MGM für schwachsinniges Herumideologisieren. Es gibt nur eine Qualifizierung von (medizinisch nicht indizierter) Genitalbeschnippelung: sie ist eine menschenrechtswidrige Verletzung der körperliche Integrität. Nur wer grundsätzlich und ausnahmslos gegen jedwede nicht medizinisch gebotene Art von Beschneidung eintritt, wird am Ende diese unmenschlichen Rituale abschaffen helfen. Denn genau die patriarchalen Gesellschaften, die die FGM praktizieren finden auch die Knabenbeschneidung in Ordnung. Wenn auch letztere als Tabu begriffen wird, dann wird sich zugleich auch die FGM leichter abschaffen lassen.

    Aufrichtig zu sein kann ich versprechen, unparteiisch zu sein aber nicht. (JWvG)
    Auch für die Religionsfreiheit gilt: "Freiheit ist immer nur die Freiheit des anders Denkenden." (R.Luxemburg)

  • Vor allem sollte man nicht immer wieder alles in einen Topf werfen. Auch wenn das Ergebnis das Gleiche ist, so treibt die o.g. Anti-FGM-Aktivistinnen etwas ganz anderes um als die hiesigen MGM-Befürworter.

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Es ging weiter oben um die grundsätzliche Frage, ob FGM (genauso wie MGM) patriarchalische Wurzeln hat, egal ob sie von Frauen oder von Männern propagiert wird.


    Ich verstehe den Sinn der Fragestellung nicht. Welche Rolle spielt es denn, ob FGM/MGM matriarchalische oder patriarchalische Wurzeln hat? Welchen Erkenntnisgewinn (jenseits des akademischen Interesses) soll das bringen?
    Für die ethische Bewertung sind m.E. einzig und allein die Auswirkungen des Eingriffs auf die Betroffenen maßgeblich. Alles andere führt nur zu mehr oder weniger fruchtlosen Nebendiskussionen und lenkt vom Kern des Themas ab.

    Ein gerupfter Spatz verspottet das Gefieder seiner Artgenossen. (Sorbisches Sprichwort)

  • Mich hat der Hastings-Report nicht überzeugt: FGM als "genital surgery" zu bezeichnen, der dem "freien" Gestaltungswillen der Frauen unterliege, halte ich für extrem gefährlich. Die Gewaltdimension der weiblichen Zwangsbeschneidung fällt im Hastings-Report fast komplett unter den Tisch.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang die Kontroverse zwischen Sara Johnsdotter, einer Mitautorin des Hastings-Reports, und dem Intaktivisten Steven Svoboda.

    http://arclaw.org/sites/default/…oda-Article.pdf


    Entschuldigung, dass ich frage, aber ich sitze etwas auf dem Schlauch. Inwiefern ist diese Kontroverse interesannt, in dem Text geht es um die von Johnsdotter behauptete Reduktion des sexuellen Empfindens auf die Genitalien, es geht grob gesagt um die sexuellen Aspekte beider Operationsgruppen.
    Was hat dies jetzt mit dem Thema Patriacht und FGM/MGM zu tun?

  • Welche Rolle spielt es denn, ob FGM/MGM matriarchalische oder patriarchalische Wurzeln hat? Welchen Erkenntnisgewinn (jenseits des akademischen Interesses) soll das bringen?


    Das ist in der Tat eine gute Frage. Zunächst mal spielt es eine Rolle für Personen mit bestimmten politischen Grundhaltung, sowohl für eher feministische Person, wie die Autorin des Berichts im Eingangspost als auch für eher maskulinistische? Personen.

    Von dieser Bedeutung für politische Gruppen abgesehen, spielt es eine Rolle für alle, die an den Praktiken etwas ändern wollen. Um eine Praktik beseitigen oder verändern zu können, muss man jene Faktoren kennen, die zu ihrem entstehen beitragen haben und die Faktoren jetzt ihren Fortbestand sichern.

  • Vor allem sollte man nicht immer wieder alles in einen Topf werfen. Auch wenn das Ergebnis das Gleiche ist, so treibt die o.g. Anti-FGM-Aktivistinnen etwas ganz anderes um als die hiesigen MGM-Befürworter.


    Genau. Ich halte es auch für eine Überinterpreation, die These FGM als Unterdrückung der Frau durch eine patriarchalische Gesellschaft --- und ich habe bereits erklärt, dass ich diese Erklärung allein für simplizistisch halte (der Hastings-Report geht sogar noch weiter als ich)-- als Mittel zur Abgrenzung oder der Verteidigung der MGM anzusehen.

    Eine der zitierten Anti-FGM-Aktivistinnen, die die Patriachat-These unterstützt, Ayan Hirsi Ali, hat in ihrer Zeit als niederländische Abgeordnete mehr gegen die männliche Beschneidung getan als alle Abgeordneten vor und nach ihr!

  • Um eine Praktik beseitigen oder verändern zu können, muss man jene Faktoren kennen, die zu ihrem entstehen beitragen haben und die Faktoren jetzt ihren Fortbestand sichern.


    Bezüglich der ursprünglichen Entstehung stimme ich Dir nicht zu, weil das einfach schon viel zu lange her ist. Bei den Faktoren, die heute den Fortbestand von FGM/MGM sichern, scheint mir ein fragwürdiges Verständnis von Respekt gegenüber Traditionen und Religionen eine erheblich gewichtigere Rolle zu spielen als patriarchale Machtstrukturen. Wenn auch liberale Zeitgenossen diesen Eingriff rechtfertigen, läßt sich das kaum noch mit Patriarchat erklären.

    Ein gerupfter Spatz verspottet das Gefieder seiner Artgenossen. (Sorbisches Sprichwort)


  • Bezüglich der ursprünglichen Entstehung stimme ich Dir nicht zu, weil das einfach schon viel zu lange her ist.

    Ja stimmt. Bei genauerer Betrachtung scheinen die Gründe für die Entstehung weniger wichtig für das Engagement zur Aufgabe einer Praktik.

  • Man sollte ja rational meinen, Operationen an gesunden Kindern hätten schlichtweg zu unterbleiben - ganz unabhängig von irgendwelchen spekulativen Intentionen die dahinterstecken könnten. Sollte man meinen. Denn jede Operation bewirkt einen Schaden - und birgt ein Risiko.

    Aaaaber - da gibt es eine Tränendrüse der politischen Korrektheit - "die Unterdrückung der Frau", die braucht man nur zu kitzeln, schon ergießen sich pawlowsche Sturzbäche die alle rationale Argumentation hinfortspülen. Und das wissen die MGM-Protagonisten genau.
    Das soll die "Unvergleichlichkeit" untermauern.


    Der Zentralrat:

    Zitat

    Ist die männliche Beschneidung mit der weiblichen Genitalbeschneidung vergleichbar?

    Nein. Der körperliche Eingriff bei männlichen Säuglingen ist relativ geringfügig. Die Beschneidung von Frauen hingegen ist ein Instrument der Unterdrückung

    Die Bundesregierung versteckt sich im Gesetzentwurf gern hinter Zitaten:

    Zitat

    Die WHO sieht in der Praxis der Genitalverstümmelung den Ausdruck tief verwurzelter Ungleichheit der Geschlechter und eine extreme Form der Diskriminierung von Frauen.

    Die MGM hingegen ein Akt der Befreiung, der Mann-Werdung:

    Zitat

    „In meiner Tradition kann ein Unbeschnittener nicht die Güter seines Vaters erben, er kann nicht heiraten, er kann keine Stammesrituale leiten. … ein nichtbeschnittener Mann gilt überhaupt nicht als Mann, sondern als ein Knabe.“ (

    Vor dem Bundestag, am 12.12.12:

    Senator Thomas Heilmann

    Zitat

    Die Beschneidung der Knaben ist kein Symbol der Unterdrückung, wie etwa die Beschneidung von Mädchen,
    sondern ein Zeichen des Überlebenskampfes und des Bekenntnisses. Darin liegt der Unterschied. Deswegen
    werten wir auch unterschiedlich.

    Jerzy Montag vor dem Bundestag:

    Zitat

    Die Ungleichheit dieser beiden Handlungen ist aber evident. Die Vorhautbeschneidung ist ein marginaler Eingriff mit einer sehr geringen Komplikationsrate. Er ist weder auf das sexuelle Empfinden noch auf eine gesellschaftliche Unterdrückung der Jungen gerichtet. Und schließlich ist der Eingriff bei Jungen seit Jahrtausenden auf der ganzen Welt kulturell und religiös integriert und in keinem Staat der Welt unter Strafe gestellt. Die weibliche Genitalverstümmelung hingegen ist international geächtet, auf die Unterdrückung der Sexualität und Freiheit von Frauen ausgerichtet ...

    Und am 12.2.13 ebenda:

    Zitat

    Die weibliche Genitalverstümmelung
    muss als Menschenrechtsverletzung
    gebrandmarkt und ihr Charakter als Unterdrückung
    weiblicher Sexualität und Unterordnung unter patriarchale
    Verhältnisse muss offengelegt werden.

    Manchmal hat Montag auch recht:

    Zitat

    Es wäre wirklich ein schwerer Fehler, die Existenz
    von Genitalverstümmelungen auch bei uns in Deutschland
    zu negieren...

    Aber kein Problem, man kann sie doch zur "Sorge" umetikettieren! :D

    Und bei der Debatte um den §226a vermied man dann jeden Bezug auf MGM wie der Teufel das Weihwasser. Absolut tabu!

    There is no skin like foreskin

  • Ja stimmt. Bei genauerer Betrachtung scheinen die Gründe für die Entstehung weniger wichtig für das Engagement zur Aufgabe einer Praktik.

    Mir geht es genau umgekehrt: je genauer ich hinsehe, desto wichtiger scheinen mir die Gründe zu sein. Das belegen folgende Beispiele: bei der Bekämpfung der FGM in Afrika spielen die männlichen Stammesältesten oft eine erhebliche Rolle. An deren patriarchalischen Machtstrukturen vorbei kann nichts geändert werden. Gleiche Schemata betreffen Initiationsriten in Form von Mannbarkeitsritualen im südlichen Afrika, aber auch im Islam.
    Diese Beispiele zeigen doch, dass die Gründe für die Entstehung des Ritus nicht vergangen, sondern durchaus noch lebendig sind, und keine akademische, sondern eine praktische Frage betreffen.

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Aaaaber - da gibt es eine Tränendrüse der politischen Korrektheit - "die Unterdrückung der Frau", die braucht man nur zu kitzeln, schon ergießen sich pawlowsche Sturzbäche die alle rationale Argumentation hinfortspülen. Und das wissen die MGM-Protagonisten genau.
    Das soll die "Unvergleichlichkeit" untermauern.

    Die Unterdrückung der Frau cum grano salis als blosse "Tränendrüse der politischen Korrektheit" zu bezeichnen, kann ja wohl nicht angehen. FGM unterdrückt die Frauen ohne Zweifel, ihre Abschaffung hat lange gedauert und ist äusserst begrüssenswert.
    Das Problem besteht vielmehr darin, dass bezüglich der MGM mit zweierlei Mass gemessen wird. Das ist aber nicht der Abschaffung der FGM geschuldet, sondern dem Versuch, dem Gleichheitsgrundsatz zu entkommen.

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Diese Beispiele zeigen doch, dass die Gründe für die Entstehung des Ritus nicht vergangen, sondern durchaus noch lebendig sind, und keine akademische, sondern eine praktische Frage betreffen.

    Doch die endlose Ursachenforschung führt nicht zwangsläufig zu einer Veränderung der Verhältnisse. (Wo wäre da auch die Logik?) Aber eine Aufklärung über die nachteiligen Folgen für die betroffenen Männer und Frauen und die Errichtung von Tabus verspricht mit höherer Wahrscheinlichkeit, eine Abschaffung von MGM und FGM zu bewirken.

    Aufrichtig zu sein kann ich versprechen, unparteiisch zu sein aber nicht. (JWvG)
    Auch für die Religionsfreiheit gilt: "Freiheit ist immer nur die Freiheit des anders Denkenden." (R.Luxemburg)

  • Mir geht es genau umgekehrt: je genauer ich hinsehe, desto wichtiger scheinen mir die Gründe zu sein. Das belegen folgende Beispiele: bei der Bekämpfung der FGM in Afrika spielen die männlichen Stammesältesten oft eine erhebliche Rolle.


    Würde es einen Unterschied machen, wenn es sich um weibliche Personen handelte?

    An deren patriarchalischen Machtstrukturen vorbei kann nichts geändert werden. Gleiche Schemata betreffen Initiationsriten in Form von Mannbarkeitsritualen im südlichen Afrika, aber auch im Islam.


    Das mag für Afrika zutreffen, jedoch nicht für Deutschland. Außerdem beschreibst Du hier Probleme bei der Durchsetzung einer Ächtung, dazu mußte es diese (bzgl. MGM) aber erst mal geben. So weit sind wir leider noch lange nicht. Zunächst muß die Vorstellung eines harmlosen Eingriffs ohne Auswirkungen auf die Sexualität aus den Köpfen, das hat aber nichts mit Patriarchat zu tun.
    Um es mal arg plakativ zu formulieren: Das Patriarchats-Argument liest sich für mich wie: "Beschneidung ist ein Symptom patriarchaler Strukturen, deshalb muß sie bekämpft werden". Das hat ungefähr die Qualität von: "Beschneidung ist ein religiöses Ritual, deshalb muß man sie verbieten". Beides ist Unsinn. Es geht nicht um Religion, es geht nicht um Patriarchat, es geht um körperliche Unversehrtheit und genitale Autonomie.

    Ein gerupfter Spatz verspottet das Gefieder seiner Artgenossen. (Sorbisches Sprichwort)

  • Es geht nicht um Religion, es geht nicht um Patriarchat, es geht um körperliche Unversehrtheit und genitale Autonomie.

    Und man darf sicher die Frage stellen, ob man die FGM und MGM nicht durch direkte Tabuisierung leichter und schneller aus der Welt schaffen kann, als dadurch, dass man zuerst das Patriarchat weltweit abschafft. Schließlich wurde auch in bestimmten Ländern z.B. die Steinigung für Ehebruch abgeschafft, obwohl dort die patriarchalen Strukturen noch immer "fröhliche Urständ" feiern.

    Aufrichtig zu sein kann ich versprechen, unparteiisch zu sein aber nicht. (JWvG)
    Auch für die Religionsfreiheit gilt: "Freiheit ist immer nur die Freiheit des anders Denkenden." (R.Luxemburg)

  • Ich jedenfalls habe nicht behauptet, dass man erst das Patriarchat abschaffen müsste, um die Beschneidung abzuschaffen.

    "Patriarchat" ist kein Argument, sondern Teil der Aufklärung.

    Wenn es nicht um Religion geht, frage ich mich, warum wir hier im Forum dazu 300 Threads mit 900 Beiträgen haben. Es geht zwar nicht um "die" Religion als solche, aber um einen Teilaspekt von bestimmten Religionen.

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Ich jedenfalls habe nicht behauptet, dass man erst das Patriarchat abschaffen müsste, um die Beschneidung abzuschaffen.


    Nein, aber Du hast behauptet oder zumindest suggeriert (kam jedenfalls bei mir so an), der patriarchale Hintergrund spiele eine Rolle bei der Ablehnung von MGM.

    "Patriarchat" ist kein Argument, sondern Teil der Aufklärung.


    Ich kann immer noch nicht erkennen, inwieweit das zur Aufklärung beitragen kann.
    Mal angenommen, Historiker würden bei Ausgrabungen einen sensationellen Fund machen, der zweifelsfrei die Entstehung des Beschneidungsrituals in matriarchalen Gesellschaften belegt. Wäre MGM dann plötzlich akzeptabel?

    Wenn es nicht um Religion geht, frage ich mich, warum wir hier im Forum dazu 300 Threads mit 900 Beiträgen haben. Es geht zwar nicht um "die" Religion als solche, aber um einen Teilaspekt von bestimmten Religionen.


    Allgemeine Religionskritik wurde hier im Forum oft genug als OT kritisiert oder gar gelöscht.
    Religion wird als Argument zur Rechtfertigung der MGM gebracht, deshalb kommt man kaum umhin, darauf einzugehen.
    Ich kenne aber niemanden, der MGM mit der Begründung "das ist wesentlicher Teil patriarchaler Kulturen und deshalb schützenswert" verteidigt.

    Ein gerupfter Spatz verspottet das Gefieder seiner Artgenossen. (Sorbisches Sprichwort)

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