Und wieder die Antisemitismuskeule....

  • etwas off-topic, aber interessant, um die Mechanik der Antisemitismuskeule zu verstehen:

    31.5. - http://www.fr-online.de/kultur/auszeic…6,16153526.html

    29.8.: http://www.fr-online.de/kultur/adorno-…6,16990484.html

    31.8. - Entgegnung von Frau Butler: http://www.fr-online.de/kultur/judith-…6,17019694.html

    1.9. - http://www.fr-online.de/rhein-main/ado…6,17026420.html

    6.9. - Stephan Kramer (Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland) : http://www.fr-online.de/kultur/adorno-…6,17188958.html

    8.9. - http://www.fr-online.de/kultur/adorno-…6,17199710.html

    8.9. - http://www.fr-online.de/kultur/adorno-…6,17198138.html


    Gäbe es die aktuelle Beschneidungsdebatte nicht, wäre das wohl ein Topp-Thema...

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • ICH glaube, daß dieses Thema bewußt für diese Debatte instrumentalisiert wird und keineswegs getrennt von der Beschneidungsdiskussion betrachtet werden kann und sollte.
    Leider ist " Antisemitismus" das einzige Argument, das einen gewissen Maulkorb für die Beschneidungsgegner darstellt.
    Zu keinem Zeitpunkt wird eine entsprechende Bemerkung oder (indirekte) Beschuldigung unterlassen. Das hat einen zweifachen Effekt: Einerseits erhofft man sich dadurch die Wirkung des "Verleumde nur dreist, etwas bleibt immer hängen" , andererseits bringt es die Gegner in die (ungünstige) Situation sich verteidigen zu müssen.

    Irgendwann ist es auch mal genug.... Mir reicht es langsam, ständig betonen zu müssen, daß ich KEIN Antisemit bin (schon vor dem Hintergrund meiner eigenen Biographie ist das absurd). Ein Antisemit ist ein Mensch, der andere Menschen ablehnt oder gar Schlimmeres, weil sie SIND, wer sie sind- er ist gegen MENSCHEN.
    Ich hingegen lehne bestimmte Verhaltensweisen ab, die ich auch bei anderen Menschen kritikwürdig finde.
    Leider spielen viele Medien und Politiker dieses kranke Spiel mit- krank insofern, als daß die Schoa und auch die Opfer antisemitischer Gewalt nach dem zweiten Weltkrieg durch eine derartige sprachliche Gleichsetzung wie in "Schlimmster Angriff auf jüdisches Leben seit dem Holocaust" in eine Reihe mit Menschen gestellt werden, die sich in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt fühlen, wenn sie nicht Körperverletzungen an anderen begehen dürfen.


    "...Süsskind übte auch Kritik an der vom Berliner Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) vorgelegten Beschneidungsregelung. "Ich möchte als Jüdin hier in Berlin unbehelligt leben können", betonte Süsskind. dazu brauche sie keine staatlichen Regelungen...."


    http://www.morgenpost.de/politik/inland…ngsdebatte.html


    Vielleicht sollte man sich mal einer ähnlichen Argumentationsweise denjenigen gegenüber befleißigen, die mit hochgezogenen Augenbrauen auf jede Kritik an jüdischen Traditionen reagieren und ständig betonen, wie wichtig es sei, daß "jüdisches Leben möglich sein müsse" (alleine diese Formulierung verdient eine eigene Diskussion!):


    "...Wir kennen aus der Individualpsychologie den unbewussten seelischen Abwehrmechanismus
    der ‘Reaktionsbildung’, eng verwandt mit dem Mechanismus der ‘Verkehrung ins Gegenteil’.
    Unter diesem Gesichtspunkt kann man sich fragen, ob mancher übertriebene oder betont zur
    Schau getragene Philosemitismus nicht unbewusst die Abseite des Antisemitismus darstellt
    (Grünberg 2000, 42; Reik 1975, 206)? ...."


    http://www.aixpaix.de/autoren/auchte…uchter_0303.pdf

    Wer immer schreit:" Ich bin anders", sollte sich nicht wundern, wenn ihn irgendwann alle so empfinden....

  • Ich hoffe und denke, dass auch eine jüngere Generation von Juden von diesen verbalen Rundumschlägen langsam angepi**t ist. Trotzdem mag ich nicht Sprüche wie "nein wir wollen euch nicht wenn" hören. Das geht mir ehrlich gesagt nahe, auch wenn ich einen klaren Standpunkt in dieser Debatte habe und wenn die dämliche Antisemitismus-Keule einfach nur zum :cursing: ist.

  • Das was der schreibt ist grenzwertig, aber die Empörung, die er gewählt ausdrückt, tut einfach gut. Ich bin es leid beleidigt zu werden, von Frau Koblauch, dem mausgrauen (Anagramm: grausamen) Herrn Graumann und Konsorten.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Meine Kritik richtete sich eher gegen Marc A. Willmann (2. Kommentar). Sowas macht m.E. die berechtigte Kritik kaputt. Im Übrigen darf man sich gern auch mal empören über diese unsäglichen Anschuldigungen, Unterstellungen und Beleidigungen. Wir müssen uns nicht alles bieten lassen.

  • Hallo, ihr Mitstreiter,
    Maria und ich hatten gestern Abend und Heute früh einen Austausch per PM.
    Daraus geht hervor, was wir beide als realistische Zielgröße erwarten, in Sachen Duldung oder Verbot der religiösen Beschneidung.
    Mich würde interessieren, welche Vorstellungen ihr habt, was ihr glaubt, was wohl passieren wird und mit welchem Ergebnis ihr wenigstens zufrieden sein würdet....


    ach ja... daran nehme ich keinen Anteil.
    Mich kot... nur Leute wie Knobloch und Graumann an. Die sind schon in Israel nicht wohlgelitten. Und hier repräsentieren sie eine Minderheit, obwohl sie für sich in Anspruch nehmen alle Juden Deutschlands zu repräsentieren. Ich meine schon, dass in D Juden gibt, die von diesen Popanzen nicht repräsentiert werden wollen.
    Manfred sagte mir, 20% der Juden werden in D. beschnitten. Ich finde das aber nirgends bestätigt. Warum also machen die so einen Wind? sie sind so bedingungslos, und gehen absolut ohne Angebot in die "Verhandlungen", die dann natürlich keine sind.

    Lieber Guy,

    ich sehe es komplett genauso. Im Falle des Judentums ist es auch so, dass die Einmischung von Außen in die Religion bereits eine sakrale Bedeutung des Bösen hat. Die Beschäftigung mit dem Chanukka-Fest macht diese Dimension deutlich. Das Chanukka-Fest, auch Lichterfest genannt, gehört zu den wichtigsten Zeremonien der jüdischen Religion.

    Die Frage danach, was an effektivsten wäre, würde ich daher so beantworten: zwangsweise die Eltern aufklären. Gerade im Judentum muss die Reform zwingend von innen kommen, alles andere führt zu überhaupt nichts. Bitter, aber wahr. Gleichwohl gibt es im Judentum die Tradition des Disputs - ganz im Gegensatz zum Islam. Es gibt die grundsätzliche Regel, dass jeder seinen Glauben nach seiner Facon leben soll, und es gibt die Tradition, über Anwendung und Auslegung der Thora streitig zu diskutieren. Was innerhalb der Beschneidungsdebatte ganz besonders wertvoll ist, ist die Perpetuierung von Information.

    Wenn es nach mir ginge, würde ich die Beschneidung jenseits der Grenzen der jüdischen Religion komplett verbieten wollen. Der Islam funktioniert nun einmal anders. In Europa gibt es erste Entwicklungen hin zu einem streitigen Disput und - erfreulicherweise - zu einem liberalen Prozess, insgesamt funktioniert das System aber völlig anders. Hinzu kommt, dass ich noch keine wirklich feste Altersbegrenzung feststellen konnte, die religiös vorgegeben wäre. In diesem Fall sehe ich also nur einen Eingriff in traditionelle Verbindlichkeiten. Hier sehe ich den Schutz der Kinder durch die üblichen staatlichen Eingriffsbefugnisse als ein wirksames Mittel an.

    Guten Morgen Guy,

    noch eine kleine Anmerkung: natürlich geht es von gesetzgeberischer Seite her nicht, dass man nach Religionszugehörigkeit oder Geschlecht unterscheidet. Man könnte allenfalls eine Regelung in der Art treffen, dass nur Kleinkinder bis zu einem Alter von 6 Monaten beschnitten werden dürfen oder sowas. Schweden macht das meines Wissens so. Man muss hier m.E. als Politiker den Mut haben, alles andere wegzulassen. Sonderrecht für Juden? Ja. Ist meine erklärte Lieblingslösung. Wer später einen Jungen beschneiden lassen will, auch im Ausland, kann vorübergehend das Sorgerecht entzogen bekommen. Das ist bei der Mädchenbeschneidung genauso. Die Islamverbände werden rumjammern und sich diskriminiert fühlen, tant pis. Sie haben nun mal keine Altersbegrenzung für die Beschneidung in ihrer Religion, zumindest habe ich noch nie davon etwas gehört. Damit kann man trefflich argumentieren.

    Hier noch etwas Nettes zur Abwechslung, was mal von den Trolls à la Knobloch ablenkt:
    http://spree-aviv.de/?PID=static,KoolKibuz,ZehnRglfrBerlin

    Grüße!

    5,7,8, und 10 haben meine Vorliebe. Erinnert mich an Ephraim Kishon.

    jaja 6 Monate,das gibt der Mutter auch Zeit sich zu informieren und die Beziehungs-Bindung zum Kind könnte auch tiefer geworden sein, nachdem er ja nun schon gelächelt hat und nicht mehr nur schläft und saugt.

    ... was vor allen Dingen wegfällt, ist dieses "Männlichkeitsritual" mit dem hübschen Prinzenkostüm. Damit verliert die Tradition zu einem großen Teil ihren Sinn. Man kann das auch gut begründen mit der Gefahr einer traumatischen Erfahrung eines älteren Kindes.

    ja klar: die Lächerlichkeit

    Le ridicule tue, n'est ce pas?

    Ja das auch. :D

    soll man das Ergebnis zu dem wir kommen den anderen nicht offenbaren?
    gewissermaßen in der Rechtsgüterabwägung....
    verschieben die Moslems bis zur Religionsmündigkeit und die Juden um 6 Monate bis zur möglichen Anästhesie.
    Damit bleibt man nah an den jeweiligen Forderungen, die Religionen geben aber etwas Verbotenes auf und erhalten im Gegenzug eine Duldung.

    Oder dürfen wir so etwas nicht äußern, weil wir sonst die Defätisten sind?
    Und damit irgendwie auch inkonsequent ("unteilbare Rechte" steht doch im Grundgesetz)

    Guy, ich glaube, Du hattest mich nicht verstanden: Beschneidung BIS zum Alter von 6 Monaten, nicht AB sechs Monaten. Sonst können wir das ganze Trara von vorneweg ganz sein lassen.

    Daraus ergibt sich in der Konsequenz so etwas wie ein Sonderrecht für Juden, obwohl das Gesetz für alle gilt und auch keinen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen macht. Allerdings denke ich, dass hierdurch möglichst viel Schaden von Jungen und Mädchen anderer Religionsgruppen abgewendet werden kann, was mit deren spezifischen Traditionen zusammenhängt. Wobei es ihnen freisteht, aufgrund dieses Gesetzes Jungen oder Mädchen gleichfalls als Babys beschneiden zu lassen. Das ist die Gefahr.

    bin ich nicht für, weil die Anästhesie gefährlich ist vor 6 Monaten.
    Dann 14 für alle.
    Mit ist schon klar, dass das eine Extrawurst für die jüdische Religion wär.

    Anästhesie ist so oder so gefährlich, egal ob für Babys mit 1 Monat oder mit 7 Monaten.

    Das ist ein ganz anderer Aspekt, der eh nochmals geklärt werden muss. Und auch etwas, das Eltern wirklich nachdenklich machen sollte. Die emotionale Bindung zum Kind entsteht übrigens schon sehr früh.

    Schmerzempfinden und Anästhesie sind eine große Baustelle und auch hier sind langwierige öffentliche Diskussionen gut, weil sie die ganze Bandbreite der Problematik unweigerlich ins Bewusstsein rücken.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • In Schweden ist die Zirkumzision ohne medizinische Indikation an Jungen unter 18 Jahren seit 2001 durch das „Lag (2001:499) om omskärelse av pojkar“[222] (Gesetz betreffend die Beschneidung von Jungen) geregelt. Danach sind solche Zirkumzisionen als chirurgischer Eingriff grundsätzlich von einem approbierten Arzt und unter Anästhesie durchzuführen. Bei einem Jungen bis zu zwei Monaten [hier haben wir die Extrawurst, die die Moslems diskriminiert.] kann auch eine andere befähigte Person mit staatlicher Zulassung die Zirkumzision vornehmen. Dies gilt namentlich für Personen, die von Glaubensgemeinschaften vorgeschlagen werden, in denen die Beschneidung Teil der religiösen Tradition ist. Personen, die die Zirkumzision ohne die notwendige Qualifikation bzw. Zulassung vornehmen, droht das Gesetz Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten an. Die Beschneidung bedarf der Zustimmung der Sorgeberechtigten. Sie darf nicht gegen den Willen des Kindes erfolgen, sofern es das Alter und die notwendige Reife für eine solche Erklärung hat.
    Die Einführung des Gesetzes war begleitet von Protesten der jüdischen Gemeinden, die das Gesetz als „eine Einschränkung des jüdischen Lebens“ sahen.[223]
    Seit Februar 2012 fordert der Schwedische Kinderärzteverband das Verbot jeglicher ritueller oder sonstig nicht medizinisch indizierter Beschneidung im Baby- und Kinderalter.[224]

    Ja. Das dürfte ein Vorbild sein. Klar werden die Verbände rumnölen, aber je mehr Länder sich diesen Restriktionen anschließen, desto besser. Man gewöhnt sich dann auch eher dran.

    Ich würde es begrüßen, wenn Schweden auch den nächsten Schritt machen würde. In Deutschland können wir uns so etwas für ca 100 Jahre nicht leisten - in dieser Zeit schreitet aber hoffentlich die Aufklärung mit großen Schritten voran. Das ist schlicht und ergreifend das effektivste Mittel in dieser Gemeinschaft, anders geht das nicht.

    so ganz emotional tendiere ich dazu, eine Extrawurst auszuschließen.
    Warum sollen die Moslems den Preis bezahlen, für die absolut sture und unverhandelbare Position der Graumänner? Bisher haben sich doch unsere Türken sehr ordentlich benommen,oder?
    Ich weiß nicht, wieviele Moslems in Schweden leben, aber hier gäbe es sicher einen Aufruhr.
    Nach Sarrazin jetzt auch noch das, das halten unsere Türken nicht aus.

    Ich fordere 14 Jahre mindestens, für alle!
    Danke für die Denkhilfe, Maren!

    Ich kann Deine Position einerseits gut verstehen, Guy. Andererseits ist es in der jüdischen Kultur so, dass man jedes Jahr beim Chanukka-Fest daran erinnert, wie einst die Griechen, als sie über Israel herrschten, versuchen wollten, die Juden zu hellenisieren - einschliesslich ei es Beschneidungsverbots - und sich dann schließlich die Makkabäer dem widersetzten. Die Makkabäer töteten die griechischen Herrscher und "retteten" die jüdischen Bräuche. Im zerstörten Tempel fanden sie das geweihte Öl für eine Lampe vor, die eigentlich nur einen Tag lang hätte brennen können. Der Legende nach brannte sie dann jedoch acht Tage lang als Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Israeliten.

    Das muss man voll und ganz verstehen, wenn man versuchen will, mit Gesetzen die Beschneidung zu reglementieren. Obwohl das richtig wäre, würde es in die Ebene des Sakrilegs voll und ganz einschlagen und damit schlicht und ergreifend überhaupt nichts bewirken außer Widerstand. Dieser Widerstand würde in der Tat zu einem Wegzug der jungen jüdischen Gemeinde aus D führen. Das ist keine Übertreibung.

    Wie bricht man Widerstand? Was ist effektiv? Diese Frage müssen wir uns stellen, wenn wir erfgreich sein wollen.

    Unser GG findet seine Wurzeln in der Aufklärung, unter anderem in der Philosophie Immanuel Kants. Und der war kein Christ. Das Wissen um die Folgen der Beschneidung und die Tradition der Aufklärung sind nicht nur die stärksten Waffen in dieser Gemeinschaft. Sie sind die einzigen Waffen.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Irgendwann ist es auch mal genug.... Mir reicht es langsam, ständig betonen zu müssen, daß ich KEIN Antisemit bin (schon vor dem Hintergrund meiner eigenen Biographie ist das absurd). Ein Antisemit ist ein Mensch, der andere Menschen ablehnt oder gar Schlimmeres, weil sie SIND, wer sie sind- er ist gegen MENSCHEN.


    Das erinnert mich an eine Karrikatur, die in einem Buch von Noam Chomsky abgedruckt ist, oder von Finkelstein...bin jetzt nicht sicher...

    Es zeigt eine Demo, bei der jüdische Friedensfreunde sich für ein friedliches Judentum einsetzen, gegen Diskriminierung anderer Ethnien/Religionen, gegen Krieg usw...

    Daneben ein völlig aufgebrachter Mensch, der lauthals schreit und diese Juden als Antisemiten bezeichnet...

  • Zitat

    Die Zionisten waren eigentlich immer ziemlich anständig und freigeistig.


    ???

    Ich hab bisher nur diesen ersten Satz dieses Ausstausches gelesen und schon rollen sich mir die Zähnägel auf! Wie kommst du zu dem Schluss, dass die immer anständig sind und waren? Wie kann man ihre Taten als anständig bezeichnen? *Kopf schüttel*


    Jetzt lese ich weiter...

  • Ja liebe Anna. ^^ Der Zionismus war auf die Gründung eines jüdischen Staates gerichtet - aber nicht auf Unterdrückung und Landnahme als solches. Das wird gern propagiert, ist aber nicht so.

    Das Problem waren und sind die Fanatiker, deren Einfluss kontinuierlich zugenommen hat.

    Die Israelis, die ich kenne, wollten immer Frieden. Sie wollten die Gründung eines palästinensischen Staates und sie wollten gute Nachbarschaft, keine Gewalt und kein Unrecht.

  • Der Zionismus war auf die Gründung eines jüdischen Staates gerichtet


    Das ist eben genau das Problem. Aus Religion lässt sich eben buchstäblich kein Staat machen, weder ein jüdischer noch ein palästinensich/islamischer. Dazu sind die Widersprüche innerhalb der Religion und im Verhältnis untereinander zu groß. Solange beide Seiten glauben, "Gott" auf ihrer Seite zu haben und damit - ob sie es wollen oder nicht - diskriminieren, ist ein Streit um ein ohnehin schon schwieriges Problem, wie z. B. um ein Stück Niemandsland, unüberwindbar.

    Merkwürdigerweise wird diese - für mich ziemlich plausible Überlegung - in der aktuellen Debatte aber völlig ausgeblendet. Das liegt wohl daran, dass man notorisch dazu neigt, die politisch/rechtlichen Komponenten der Religionen zu bagatellisieren/ignorieren und die "wertstiftenden" als für die Gesellschaft unverzichtbar darstellt.

    Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
    George Orwell

  • Hier ist nur eine kleine Auswahl von Zitaten damaliger Zionisten:

    Zitat

    „Wir müssen Terror anwenden, Mord, Einschüchterung, Landenteignung und die Verweigerung aller sozialen Dienste, damit Galiläa seine arabische Bevölkerung los wird. Israel Koenig

    Zitat

    Nun meine Freunde, wir wollen ein Netz von Bauernkolonien über das Land spannen, das wir erwerben wollen. Wenn man ein Netz spannen will, schlägt man zuerst an den Stellen die Haken ein, zwischen denen das Netz entstehen soll. Dann spannt man zwischen den Stricken stärkere Fäden und stellt derart ein grobes Maschenwerk her, das man dann nach Bedarf durch das Dazwischenwirken feinerer Fäden zu immer feineren Maschen ausgestaltet. Genauso haben wir, meine ich, vorzugehen" Rede auf dem 6. Weltkongress 23.-28.08,1903

    Zitat

    Die zionistische Kolonisierung muss entweder beendet oder gegen den Willen der einheimischen Bevölkerung ausgeführt werden. Diese Kolonisierung kann deshalb nur fortgeführt werden und Fortschritte machen, wenn sie unter dem Schutz einer von der einheimischen Bevölkerung unabhängigen Macht steht – eine eiserne Mauer, die so positioniert ist, dass sie Druck der einheimischen Bevölkerung widersteht. Dies ist unsere Politik gegenüber den Arabern." - Vladimir Jabotinsky, The Iron Wall, 1923.

    Zitat

    „ Eine freiwillige Versöhnung mit den Arabern kommt nicht in Frage – weder jetzt noch in der Zukunft. Wenn man ein Land kolonisieren will, in dem schon ein anderes Volk lebt, muss man um seinetwillen eine Garnison aufbauen. Oder gebt die Kolonisierung auf; denn ohne bewaffnete Kräfte, die jeden Versuch unmöglich machen, diese Kolonisierung zu zerstören oder zu verhindern. ??? Kolonisierung ist unmöglich, sie ist nicht schwierig, nicht gefährlich aber unmöglich. Zionismus ist ein Kolonisationsabenteuer und deshalb steht oder fällt er mit der Frage bewaffneter Kräfte. Es ist wichtig, hebräisch zu sprechen, aber leider ist es noch wichtiger, schießen zu können. Sonst ist die Sache mit der Kolonisierung für mich erledigt." - Vladimir Jabotinsky, founder of Revisionist Zionism (precursor of Likud), The Iron Wall, 1923.

    Zitat


    Wir haben beigetragen zur Erzeugung der größten Lüge, weil wir unser Werk wie ein Vogel Strauß geführt und unsere Bestrebungen nicht in ihrer vollen Wahrheit enthüllt haben... Wir hätten stets offen proklamieren sollen, daß wir unser Land in unsern Besitz zurückfordern. Wenn das Land frei ist von Bewohnern – gut. Und wenn Bewohner da sind, dann muß man sie eben an irgendeinen anderen Ort hinführen, aber wir haben das Land zu bekommen. Wir haben ein Ideal, das größer und erhabener ist als die Sorge um einige Hundert Fellachen...

    Menachem Ussischkin („Doar Hajom“ vom 28. April 1930.)

    Zitat

    "Wir sind imstande, die Umwandlung Palästinas zu beiden Seiten des Jordan [sic!] in ein von mehreren Millionen Juden und vielleicht einer Million Arabern bewohntes modernes Kulturland zu vollziehen. Die Araber vermögen das nicht. Wenn die Gerechtigkeit darin besteht, diese Umwandlung Palästinas in ein jüdisches Gemeinwesen zu verhindern, weil hunderttausend arabische Fellachenfamilien nicht damit einverstanden sind [...], so können wir uns mit solcher Auffassung von Gerechtigkeit nicht abfinden."
    Richard Lichtheim, 1931

    Zitat

    „Wir müssen die Araber vertreiben und ihren Platz einnehmen“ - David Ben Gurion


    Sicher waren nicht alle so herzlos und *grrrr*..ich rede lieber nicht weiter.

    Linke Propaganda? Es gibt es auch israelische Linke! Uri Avnery, Peace Now, BetSelem, Felicia Langer...

    Und eine Sondererlaubnis in Punkto Kinderbeschneidung für Juden. NEIN!! Dagegen werde ich mich mit Händen und Füßen wehren! Ich hasse Ungerechtigkeit! Ich hasse sowas!

    Entweder alle oder keiner. Was anders kann ich nicht tolerieren. Weder Sondergesetze für Religionen, noch Sondergesetze für nur EINE Religion. Das ist ja noch schlimmer!

    Warum sollte eine Beschneidung bei Babys besser sein? Auch Kinder, die als Baby beschnitten werden, können später unter den hier geschilderten Problemen leiden. Auch diesen Kindern wird etwas genommen, was sie nie zurückbekommen können, ohne selbst darüber entscheiden zu können. Und auch Babies haben Schmerzen!

  • Naja Anna, deine Zitatesammlung in allen Ehren, aber da könnte ich LOCKER gegenhalten. MEMRI.TV ist da mit Aufzeichnungen von Fernsehsendungen der ANsprachen diverser Muftis sehr ergiebig. Und die Wortgewaltheit Nassers habe ich auch noch nicht ganz vergessen.

    Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
    George Orwell

  • Naja Anna, deine Zitatesammlung in allen Ehren, aber da könnte ich LOCKER gegenhalten. MEMRI.TV ist da mit Aufzeichnungen von Fernsehsendungen aus Ägypten oder den Emiraten sehr ergiebig.


    Habe ich geschrieben, dass die "andere Seite" besser ist?

    MEMRI. TV...oh Mann *Augen roll*....ja ja diese "Übersetzungskünstler"...tolle Quelle... :thumbdown:

  • Liebe Anna,

    vielen Dank für die interessanten Hinweise. Ich kannte Zionismus als Idee immer so, dass es zwar um Land und um Staatsgründung gehe, aber nicht um Ungerechtigkeit. Scheint alles ziemlich komplex zu sein; jedenfalls wollen die Israelis, die ich kenne und mit denen ich zu tun hatte, keine Unfairness gegenüber der arabischen Bevölkerung. Sie kritisieren die offizielle Politik oft sehr heftig. Israel als Staat hat allerdings eine Exkurses Bedeutung für sie.

    Mir ist mit dem Gedanken eines Sonderrechts nicht wohl, kein bisschen. Mit dem Hinweis auf das Chanukka-Fest wollte ich die Frage nach dem effizientesten Mittel in den Raum stellen.

    Dies ist ein internes Forum, in dem ich solche ketzerischen Gedankengänge einfach mal aufwerfe. Auch wenn ich dafür Empörung ernten mag. Ich frage mich dabei: wie kommen wir am Besten zum Ziel? Vornerum oder Hintenrum?

  • Solche Israelis, wie von Dir beschrieben, finde ich sehr sympathisch.

    Ohne die ganzen Spalter, die ihre politischen Interessen durchsetzen möchten, wäre ein friedliches Zusammenleben sicher möglich. Davon bin ich überzeugt. Schei** Politik...(sorry)

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Sonderrecht etwas verbessern würde. Und selbst wenn, würde es an ANDERER Stelle wieder Probleme aufwerfen. Verschwörungstheorien gewännen wieder Zulauf...Antisemitismus könnte ansteigen...Muslime würden sich zu Recht diskriminiert fühlen und keinesfalls mehr über den eigentlichen Akt der Beschneidung nachdenken. Das ist doch jetzt schon spürbar, wo es noch um beide Relis geht. Es würde die Spaltung der Bevölkerung weiter vorantreiben...und ganz ehrlich...da ist für mich persönlich dann die Beschneidung doch das kleinere Übel...

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