Bitte Käppner nicht vergessen, der sich zwei Tage nach der Pressekonferenz der Deutschen Kinderhilfe mit Eran Sadeh (!) am 12.9.2012 zu untenstehendem Kommentar verstieg.
Da wir die SZ seit mehr als zwei Jahrzehnten abonniert haben, und ich im letzten Jahr die Einseitigkeit der Artikel in der Printausgabe (*) irgendwann nicht mehr hinnehmen und meinen Lebensgefährten zur FAZ überreden wollte, hing bei uns erst mal der Haussegen schief. Der Artikel von Merkel hat dann so manches gerettet - unter anderem eben auch unsere Beziehung incl. SZ Abo. ![]()
(*) wenn ich mich nicht sehr täusche, waren die Artikel und Kommentare von Schulte von Drach nur in der Online Ausgabe zu lesen.
Zitat von Joachim Käppner, SZ vom 14.9.2012Wer solche Freunde hat
Vielen jüdischen Deutschen mag die Beschneidungsdebatte so erscheinen, als hebe der Antisemitismus unter einem Vorwand wieder sein hässliches Haupt. Aber jene, die den Juden nun so zusetzen, all die Kinderschützer und Ärztesprecher und sonstigen Tugendwarte, tun dies mit besten Absichten. Nicht am alten germanischen Unwesen, an der neuen deutschen Besserwisserei soll die Welt genesen. Jeder der Beteiligten würde den Verdacht, Juden feindlich gesonnen zu sein, empört von sich weisen. Nur: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.
Sie haben keinerlei Gespür dafür, was sie anrichten, welch niederträchtige Untertöne die Debatte hat, wie gruselig deutsche Verbandsmenschen wirken, die über jüdisches Leben Gericht halten, als sei man gerade hierzulande berufen, den Juden das wahre Licht zu bringen. Was sich hier zeigt, ist der für diese Jahre so typische Egoismus von Einzelinteressen, der nichts mehr zur Kenntnis nimmt außer seinen eigenen Anliegen.
Daher ist es richtig, dass prominente Politiker sich hinter die Juden und Muslime stellen. Und es ist zu hoffen, dass nichts aus dem runden Tisch wird, den die Verbände jetzt fordern. Er wäre bloß ein Forum der Selbstgerechten. Für deren moralischen Furor gäbe es übrigens geeignetere Betätigungsfelder: die Nazivergangenheit ihrer eigenen Berufsgruppen zum Beispiel.