Deutsche Medien und das Thema Beschneidung

  • Ja, schaun mer mal! Weitgehend unbemerkt vom Mainstream und vom Gleichklang der "Qualitätsmedien" brodelt es schon kräftig...

    Auch wenn man der "Zeit" grundsätzlich skeptisch gegenüber steht, gehört sie mit Sicherheit zum "Mainstream". Diese Schranke ist also schon mal durchbrochen, und niemand kann sich mehr auf einen "juristischen Verbotsirrtum" berufen. Dass Walter zum "Dunstkreis" von Putzke et.al. gehört, wird auch den Beschneidungsbefürwortern nicht lange verborgen bleiben. Dies lässt allerdings auch darauf schliessen, wie die Kommentare von den hier zum Knabenbeschneidungsgesetz zitierten Juristen in den einschlägigen Fachpublikationen aussehen werden. :D

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Im Vergleich zur Beschneidung von Knaben hat die Diskussion über die Frauenbeschneidung längst nicht ein ähnliches Medieninteresse gefunden. Insbesondere der Hinweis auf die Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes im neuen Gesetz gegen weibliche Genutalverstümmelung hat fast völlig gefehlt. Dies hat Prof. Walter jetzt in der "Zeit" nachgeholt.
    Auch wenn man der "Zeit" grundsätzlich skeptisch gegenüber steht, gehört sie mit Sicherheit zum "Mainstream". Diese Schranke ist also schon mal durchbrochen, und niemand kann sich mehr auf einen "juristischen Verbotsirrtum" berufen. Dass Walter zum "Dunstkreis" von Putzke et.al. gehört, wird auch den Beschneidungsbefürwortern nicht lange verborgen bleiben. Dies lässt allerdings auch darauf schliessen, wie die Kommentare von den hier zum Knabenbeschneidungsgesetz zitierten Juristen in den einschlägigen Fachpublikationen aussehen werden. :D

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Die Vestümmelungsbeklatscher werden jedenfalls Schreikrämpfe kriegen, wenn sie den Artikel lesen. :thumbup: :D
    Und so einer ist Richter in Bayern! Von der bayrischen Justiz kennt man ja sonst fast nur Horror. :cursing:
    Na, ja, er ist gebürtiger Hamburger... ^^

    There is no skin like foreskin

  • Diese Schranke ist also schon mal durchbrochen,...

    Die paar verbliebenen großen Medienkonzerne stimmen sich untereinander über die Behandlung von heiklen Themen ab. Das ist keine VT, das ist Tatsache. Wer aus dem Schwarm ausschert, wird zurechtgestutzt.Das hat man auch in 2012 gerade bei "unserem" Thema wunderbar merken können.
    Eine Zeit lang hat man geglaubt, die Mehrheitsmeinung "zurechtbiegen" zu können.
    Und jetzt dämmert es ihnen langsam, dass man auf Dauer nicht gut gegen die große Bevölkerungsmehrheit anschreiben kann.
    Sie haben Angst, weiter Boden an die Blogger zu verlieren.
    Nicht die Journalisten, sondern die Betriebswirte bestimmen heute, was in den Großkonzernen publiziert wird. Und die sind da ganz flexibel, und völlig rückgratlos.

    There is no skin like foreskin

  • In diesem Zusammenhang ist mir die Politik der Medienkonzerne schnurzpiepegal. Hauptsache ist, dass es da steht. Merkels wunderbarer Aufsatz stand in Prantls SZ. So what?
    Mag sein, dass die Medienkonzerne sich absprechen, mag sein, dass die bayerische Justiz einen einschlägigen Ruf hat, mag sein, dass Walter "eigentlich" Hamburger ist. Alles ziemlich Off-Topic.

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • hmmm, netter Pleonasmus!

    Boah, ich staune, was du alles kennst! Schlaumeier!

    Wenn das Rückgrat nicht flexibel wäre, das wäre schlecht für uns (schon was von Rumpfbeugen gehört)?
    Und wenn der Panzer der Schildkröten flexibel wäre, wäre schlecht für die Schildkröten.
    Aber jetzt kommt gleich Weguer, und klatscht in die Hände...

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  • In diesem Zusammenhang ist mir die Politik der Medienkonzerne schnurzpiepegal. ... Alles ziemlich Off-Topic.


    Schau, und was Dir persönlich schnurzpiepegal ist ist für mich wiederum "ziemlich off-topic".
    Wollen wir uns jetzt hier ständig gegenseitig mit "off-topic! off-topic!" anbellen?
    Ich halte den Umgang der Medien mit dem Thema MGM schon für bedeutsam und diskussionswürdig, auch die tendenziöse Zensur-Handhabung in diversen Zeitungsforen. Ich habe aber kein Lust, mich deswegen herumzuzanken.

    There is no skin like foreskin

  • Politik der Medienkonzerne

    Es ist wohl so, dass große Leitmedien bestimmen, was Lokalmedien publizieren.
    Auch scheint es so zu sein, dass sie sich gegenseitig beäugen. Wenn ein Medium ein Thema aufgreift, bekommen die anderen Angst, ihren Lesern könnte was abgehen und steigen auf den Zug auf. So erklärt sich warum solche Themen regelrecht "pumpen". Sie blasen sich auf und dann ist plötzlich die Luft ganz raus, obwohl in der Sache wieder was passiert. So geschehen mit der Teichtal-Beschneidung, so als wolle man nicht derjenige sein, der die Debatte wieder aufleben lässt.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Aber jetzt kommt gleich Weguer, und klatscht in die Hände...

    Papperlapapp, einmal am Tag darf man auch mal lustig sein... :D

    Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
    Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
    Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
    https://tredition.de/autoren/clemen…aperback-44889/

  • Ich kann es in knapp 400km Entfernung in Berlin wachsen hören. Für mich steht fest, dass das Verfahren eingestellt wird, ich bin im Grunde nur auf die Begründung gespannt, also ob man Herrn Teichtal die "Ich habe doch von nichts gewußt"-Nummer abnimmt und die Schuld bei Herrn Fleischmann in Israel ablädt oder ob man beide für unschuldig erklärt, weil das Kindeswohl ja relativ wäre und wir haben ja jetzt §1631d usw.

  • Ich halte den Umgang der Medien mit dem Thema MGM schon für bedeutsam und diskussionswürdig, auch die tendenziöse Zensur-Handhabung in diversen Zeitungsforen.


    Der Umgang mit dem Thema war durchaus bezeichnend. Überwiegend wurde Polemik veröffentlicht, obwohl im Kommentarbereich aller Medien die Leserschaft um ein Vielfaches mehr Wissen und schlüssigere Argumentation lieferte - bei wirklich jedem Artikel. Auch viele Betroffene outeten sich, es wurden seriöse Quellen angegeben und verlinkt, man zeigte deutlich, dass man den demagogischen Brei nicht essen wollte. Trotzdem beharrte die Presse zum allergrößten Teil und mit wenigen Ausnahmen auf der Demagogik-Linie, die unglaublich peinliche Dimensionen annehmen konnte. Ich finde das schon merkwürdig. Andererseits war es seltsam, dass etwa Heribert Prantl, der sich für einen der oberen Plätze in der Hall of Shame qualifiziert hatte, den Artikel von Reinhard Merkel veröffentlichen wollte.
    Die genauen Hintergründe des Zustands der deutschen Presse kenne ich nicht, ich kann wenig dazu sagen.

    Richtig ist auch, dass es von Belang ist, wenn wenigstens ÜBERHAUPT etwas Beschneidungskritisches in die Medien gelangt. Bislang wurde immer mal zwischendurch eine Kleinigkeit in den riesigen Brei von Pro-Verstümmelungs-Artikeln gestreut, ein Häppchen. Mal in der Taz, mal in der FAZ, mal in der SZ. Die FAZ hatte eigentlich verhältnismäßig oft Kritik zugelassen, im Vergleich zu anderen. Jetzt traut sich also selbst die ZEIT, einen ernstzunehmenden Rechtswissenschaftler und Richter zu Wort kommen zu lassen. Das ist durchaus ein Wendepunkt. Aber online gestellt hatte man den Artikel nicht.

  • Natürlich wird das möglichst unauffällig eingestellt werden.

    Man erinnere sich nur an den Fall Goldberg, da brach ja die Hölle los! Der anzeigende Arzt wurde öffentlich mit seiner Zwangsverstümmelung bedroht, und alles wand sich in Ekel und Abscheu, dass in DEUTSCHLAND ein Rabbiner angezeigt wird!

    Das Motto ist: Das ewige Tätervolk kann doch nicht gegen einen aus dem ewigen Opfervolk vorgehen!!! Und dann noch gegen einen Geistlichen!!!

    There is no skin like foreskin

  • In der "Süddeutschen Zeitung" hat Heribert Prantl fünf Kommentare für und Markus Schulte vier Kommentare gegen die Beschneidung geschrieben. Letzterer (!) wurde von der SZ damit betraut, einen achtseitigen Faktencheck in die Online-Ausgabe zu stellen und hat das auch vorwiegend kritisch umgesetzt. Im Feuilleton, für das nicht Heribert Prantl (Innenpolitik), sondern Thomas Steinfeld und Adrian Kreye zuständig sind, erschien ein ganzseitiger Pro-Beitrag von Andreas Zielke und ein ebenso ganzseitiger Anti-Artikel von Reinhard Merkel. Ebenso der bekannte Anti-Artikel von Wolfgang Schmidbauer.
    Diese Auflistung ist nicht vollständig. Es gab auch einige Pro-Gastbeiträge (u.a. von Charlotte Knobloch) und Pro-Beiträge vom Religionsexperten der SZ, Matthias Dobrinski, aber sicher auch noch den einen oder anderen Anti-Beitrag. Die SZ widmete dem Thema mehrmals ihre Leserbriefseite. Dort waren die Kommentare zu 90% gegen die Beschneidung, zum Teil mit heftiger Kritik an den entsprechenden Beiträgen und Redakteuren.

    Egal, was man von der SZ hält, sie hat auch einen Ruf zu verlieren, auf dem ihre Auflage beruht und damit die Erlöse von Anzeigenkunden. Ein einseitiges Hineinpfuschen in die Redaktion seitens der Eigentümer wäre da eher kontraproduktiv. Dass diese Eigentümer den Redakteuren quasi in die Feder diktieren, ist sowieso Quatsch. Das bliebe mit Sicherheit nicht unter der Decke.

    Dass es Absprachen zwischen Journalisten gibt, würde ich grundsätzlich nicht bestreiten, würde aber auch dafür Belege erwarten, bevor man das behauptet. Aber das ist meine rein persönliche Meinung.

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Hm, wir hatten ja im letzten Jahr so ziemlich jeden Artikel verlinkt, der zum Thema in der Presse erschienen ist und online gestellt worden war (einen Überblick über die Artikel, die nicht ins Netz gestellt wurden, konnten wir allerdings nicht leisten). Das war meiner Erinnerung nach schon sehr unausgewogen. Einzelne Daten und Statistiken kann ich allerdings nicht so toll wiedergeben wie Du, werner. ^^ Müsste man halt alles wieder rauskramen. Einzelne Lichtblicke wie der Artikel von R.Merkel, das Outing des jungen Mannes, der sich als Erwachsener beschneiden ließ, in der TAZ oder der Bericht über das Latasch-Video in der FAZ waren nach meiner Erinnerung eher die Ausnahme und mir persönlich fiel eigentlich nur die FAZ ins Auge mit relativ häufigen Contra-Artikeln (neben den ganzen Pro-Artikeln). Ich erinnere mich auch, dass wir es als Überraschung empfanden, dass R. Merkel seinen Artikel ausgerechnet in der SZ veröffentlichen durfte.

    Doch Deine Zahlen werden ganz sicher stimmen. Ich habe selbst keinerlei Statistiken geführt.

  • Doch Deine Zahlen werden ganz sicher stimmen. Ich habe selbst keinerlei Statistiken geführt.

    Ich habe natürlich auch keine "Statistiken" geführt. Ich lese bloss seit vielen Jahren täglich die SZ und kann mich an die dort gedruckten Artikel zur Debatte gut erinnern. Wenn ich mir jetzt die Online verlinkten Artikel ansehe, dann habe ich den Eindruck, dass sie ziemlich gut die Debatte in der SZ wiedergeben. Die habe ich dann ausgezählt... ;)

    Mir geht es ja aber nicht um Erbsenzählerei, sondern grundsätzlich um die Wahrnehmung, dass diese Debatte in der schreibenden Presse ausschliesslich bis auf ganz wenige Ausnahmen einseitig geführt worden ist. Überwiegend wäre aus meiner Sicht ok, aber nicht ausschliesslich. Beurteilen kann ich das natürlich nur für die SZ. Ausserdem wollte ich am Beispiel der SZ der Wahrnehmung entgegenwirken, dass es sich quasi um eine "konzertierte Aktion" der Presse gehandelt hat. Wenn man so etwas behauptet, ohne Belege auf den Tisch zu legen, begibt man sich auf gefährliches Terrain.

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Wenn man so etwas behauptet, ohne Belege auf den Tisch zu legen, begibt man sich auf gefährliches Terrain.


    Ja, da hast Du natürlich vollkommen Recht. Genau das halte ich anderen Leuten auch immer vor... :huh:

    Ich hatte es einfach so wahrgenommen, dass diese sehr stark überwiegende Pro-Beschneidungs-Argumentation die ganze Debatte bestimmt hatte. Und wenn dann schon ein "kritischer" Artikel kam, wurde die eigentliche Problematik in ihrer Tiefe eigentlich nie profund analysiert. Obwohl die Leser im Kommentarbereich ständig darauf hinwiesen. Ich erinnere mich gut an einen Leserkommentar im SPON, wo jemand schrieb, sein Penis würde wegen der Beschneidung fast im Bauchraum verschwinden. Ein bestimmtes Phänomen, das manchmal vorkommt. Überhaupt waren viele Kommentare überaus lesenswert. Von einigen Draufgängern und Phrasendreschern will ich nicht reden. Doch ich hatte auch selbst viele Medien angemailt mit Betroffenenberichten und Links und so weiter. Reaktion? Dass ein Herr Stehr zu Wort kommt, der über den Tod des kleinen Franjo berichtet, war ja gut, aber: es war zu wenig für meinen Geschmack, deutlich zu wenig.

    Weißt Du werner, manchmal frage ich mich, welche Position die Presse bei solchen Fragen überhaupt einnehmen will. Will sie denn am Ende der Informationskette stehen? Und ist das gut? Und all diese Polemik: welche Folgen hat das, auch langfristig gesehen? Ich hätte es ja verstanden, wenn es nur Gastbeiträge irgendwelcher Leute wie Frau Knobloch gewesen wären. Aber es war weitaus mehr als das. Und ich habe das als fatal empfunden; nicht zum ersten Mal... ein Thema, mit dem ich mich schon länger befasse, aber das wird wohl jetzt langsam echt OT, wa? :rolleyes:

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