Nach Beschneidung: mit dem Penis auf Kriegsfuss

  • Eine Vergewaltigung und ein beschnittener Penis - ich meine dabei nicht die Beschneidungsprozedur - sind zwei verschiedene Dinge. Der Vergleich hinkt. In dem einen Fall geht es um Erlebtes, meist ohne bleibende körperliche Veränderungen, indem anderen Fall geht es um die körperliche Modifikation, die nicht rückgängig zu machen ist. Ob das hilfreich ist, einen jungen Mann regelrecht davon abzuhalten, seinen Körper so zu akzeptieren, wie er ist, stelle ich in Frage.


    Es geht wie ich erklärt habe in beiden Fällen gleichermaßen darum, die Realität des Geschehenen zu akzeptieren, mit allen etwaigen Folgen. Deine fantasie-basierte Behauptung, es gäbe bei Vergewaltigungen "meist keine körperlichen Veränderungen" offenbart deine vollkommene Ignoranz. Sorry für die notwendige Deutlichkeit.

    Vielleicht möchte nicht jeder Beschnittene intaktivistisch aktiv werden, sondern einfach nur mit seinem Zustand zurecht kommen und seine Ruhe haben.


    Intaktivismus ist es z.B. schon, eine noch unwissende Partnerin über VA und ihre Folgen aufzuklären. Intaktivismus ist eine Lebenseinstellung, die sich nicht nur in Transparenten und Demonstrationen manifestiert, sondern im Alltagsleben. Wie Betroffene können einen echten Frieden nur als Intaktivisten finden. Du selbst bist doch gar nicht betroffen, also was weißt du davon?

    Für den jungen Mann besteht die Realität darin, dass er beschnitten ist. Mit welcher Realität soll er sich nun wohlfühlen? Etwa in seiner Opferrolle?


    Mit der Realität des Geschehenen, wie von mir bereits erklärt und von dir ignoriert.

    Achso, habe ich das behauptet?


    Ja, und zwar vollkommen unmissverständlich. Du hast behauptet, es sei eine gute Idee, einem beschnittenen Mann einzureden, er sei intakt. Deshalb widersprechen dir auch alle in diesem Thread. Du kennst sicher den Witz mit dem Autofahrer, der im Radio hört "Ein Falschfahrer auf der A3" und darauf ruft: "EINER?? HUNDERTE!!"

    Abschließend möchte ich nur noch sagen, dass es meiner Ansicht nach an der Beratung auf der angegriffenen Webseite nichts auszusetzen gibt. Vom Gegenteil hat mich auch niemand überzeugt. Da ich aber keinen Unfrieden stiften möchte, werde ich mich aus der Sache ausklinken.


    Klartext-Übersetzung:

    Ich, Lutz Herzer, ignoriere Argumente und reagiere wie ein beleidigter Junge, wenn andere versuchen, mir meine Denkfehler offenzulegen und damit deren Korrektur zu ermöglichen. Ihr seid gemein!! Ich will nicht mehr mit euch spielen!! Wäh!!!!

  • Ja, und zwar vollkommen unmissverständlich. Du hast behauptet, es sei eine gute Idee, einem beschnittenen Mann einzureden, er sei intakt.


    Wer es darauf anlegt, mich falsch zu verstehen, dem kann ich nicht helfen. Für Fehlinterpretationen meiner Behauptungen ist mir mein Klarname dann doch zu schade. Ich verabschiede mich hiermit.

  • Mit dem Begriff "intakt" bin ich auch eher zurückhaltend. Ich muss einem Beschnittenen nicht indirekt mitteilen, er sei nicht intakt. Sollte er sich nicht intakt fühlen, würde ich versuchen, ihn dabei zu unterstützen, dieses Gefühl zu überwinden.


    Das ist analog zu einem Mann, dem als Kind das Bein amputiert wurde, sei es wegen einer schweren Erkrankung oder wegen eines schweren Unfalls! Der erwachsene Mann weiss oder erinnert sich daran, wie es war das eigene Bein zu haben und ihm ist das Geschehene (die Amputation) bewusst auch ohne den Vergleich mit den anderen Menschen. So kann er sich - je nach Alter in welchem er das Bein verlor - wenigstens wage erinnern, wie es war mit seinen eigenen Beinen durch die Welt zu wandern, statt mit einer Prothese. Er weiss, dass auch er 2 Beine hatte und ihm jetzt das Gefühl zu suggerieren, er sei "nicht amputiert" bzw. "ganz" ist Verleugnen der Realität und viel. eine seelische Verletzung seitens der Aussenstehenden, die sein Leiden bagatellisieren und nicht ernst nehmen, denn das Laufen mit einer Prothese ist ganz einfach anders - selbst wenn der Betroffene gut damit zu recht kommt und sogar ein Leichtathlet wird und an der Paralympics teilnimmt. Genauso wie Sexualität ohne Vorhaut ein wenig anders sein kann als mit!

    Ich persönlich kannte einen Unterschenkel amputierten Mann und ich weiss, dass er nicht stundenlang laufen konnte, ohne Schmerzen und Rötungen am Beinstumpf zu haben und manchmal auch wunden!
    Wird ein Körperteil - bei Sandro die Vorhaut - amputiert so kann es körperliche Funktionsveränderungen geben, welche sich auf die Sexualität und somit auf das Beziehungsleben negativ auswirken! Muss aber nicht und glücklich der, welcher praktisch keine Folgen bei sich bemerkt. Im Umkehrschluss könnte man einem "intakten" Mann das Gefühl suggerieren, er sei "beschnitten". Würde dieser Mann nicht lauthals protestieren, er könne sich unmöglich als beschnitten fühlen, wo er doch seine Vorhaut hat?

    Wer diese unleugbaren Auswirkungen der Beschneidung verleugnet, der anerkennt nicht das Unrecht und beleidigt damit obendrein den Betroffenen. Wenn diese Person selber nicht von einer Beschneidung betroffen ist, wie du, dann kannst auch du nicht beurteilen, ob die Betroffenen dramatisieren oder nicht! Pizzaro, Joeye und generic_username als Betroffene können den Sandro am besten verstehen.

    Ach und noch etwas: einem beschnittenen Mann musst du auch nicht indirekt mitteilen, er sei nicht intakt. Das weiss er selber, genau wie das ein Beinamputierter weiss. Ausser der Beschnittene verleugnet nicht die Beschneidung selbst (die ist zu evident), sondern die negativen Auswirkungen und die sexuellen Störungen, welche ohne die VA vermutlich unwahrscheinlicher aufträten.
    Es geht auch nicht darum, ihn zu unterstützen das Gefühl "nicht intakt zu sein" zu überwinden, denn gerade die Beschneidung selbst verursacht das stimmige Gefühl, sondern ihn ernst nehmen im erlittenen Geschehen und ihn darin zu unterstützen, sich selbst so anzunehmen, wie er ist und die Beschneidung (auch als event. Trauma) zu verarbeiten und in seine Biographie zu integrieren, also nicht Verdrängen, Leugnen, Verharmlosen sondern Hinschauen, sich dem Schmerz stellen, Wut und Ärger ausdrücken, Trauern um den Verlust usw.

    "Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen" (Hermann Hesse)
    "Die schönste Frucht der Gerechtigkeit ist Seelenfrieden" (Epikur)

    2 Mal editiert, zuletzt von Aphrodite (18. Juni 2013 um 20:33)


  • Ich war auch mal "sehr zurückhaltend". Habe von Beschneidung, beschnitten und unbeschnitten gesprochen. So nach dem Motto: man will ja nicht denen, denen das widerfahren ist vor den Kopf stoßen.

    Nun ist es aber so, dass sich für die nicht-indizierten genitalen amputativen Gentialmodifikationen bei Mädchen generell und pauschal der Begriff "Verstümmelung" durchgesetzt hat. Und das ist ja auch richtig so. Obwohl die Mehrzahl der so verstümmelten Frauen sich gar nicht als verstümmelt sieht, im Gegenteil, als "verschönert".
    Ob jemand objektiv verstümmelt wurde, hängt nicht davon ab, ob er sich subjektiv verstümmelt fühlt.

    Ob ein Kind sexuell missbraucht wurde, hängt auch nicht davon ab, ob es sich missbraucht fühlt. Es hängt nicht einmal davon ab, ob es sich später als Erwachsener missbraucht fühlt. (Es ist schon vorgekommen, dass Missbrauchsopfer den Täter/die Täterin später geheiratet haben). Es ist trotzdem immer ein schweres Verbrechen.

    Und wenn man bei Mädchen generell bei allen Formen von "Verstümmelung" redet, dann muss man das auch bei allen Formen der fremdbestimmten Genitalmodifikationen von Jungen machen. Sonst wird es scheinheilig und diskriminierend.

    Zwischentöne sind Krampf im Anti-Verstümmelungskampf! Man muss die Dinge beim Namen nennen!
    Die fremdbestimmte Amputation eines funktionalen Körperteils ist nun mal eine Verstümmelung, und danach ist man logischerweise nicht mehr intakt.
    Wenn jemand einem eine Beule ins Auto fährt, würde man dann sagen: "Och - ist ja nicht schlimm, mein Auto fährt ja noch, also ist es intakt geblieben!"? (Natürlich ist das in der Hinsicht ein schlechtes Beispiel, dass nach fachgerechter Reparatur kein Unterschied zum Originalzustand feststellbar ist.)

    Was soll man denn statt "intakt" (steht ja eigentlich nur kurz für "genital intakt, jemand der genital intakt ist kann ja durchaus einen Arm oder ein Bein verloren haben) sagen? "Unbeschnitten"?

    Die Hecke sieht ja grauenhaft ungepflegt aus, die muss dringend mal wieder beschnitten werden!
    Beschneidung ist ein Euphemismus, er soll eine Verstümmelung als "Pflegemaßnahme" kaschieren.
    So macht man verbal aus dem Raub eines Körperteils eine "Wohltat".
    Die Vorhaut wächst aber anders als die Hecke oder die Rosen nicht wieder nach, sie wird unwiederbringlich zerstört.
    "un-beschnitten" ist ein Un-Wort, es stellt die Verhältnisse auf den Kopf, als sei eine Vorhaut un-natürlich.
    Als sei jemand, der so sei (wie ihn die Natur geschaffen hat) "noch nicht beschnitten" bzw. "noch zu beschneiden"
    Un- ist negativ, aber intakt, vollständig zu sein ist positiv!

    Man muss auch ganz klar sagen: bei dem z.T. impertinenten Auftreten bzw. Vorgehen der Verstümmelungs-Lobbyisten ist es durchaus vertretbar, die Samthandschuhe auszuziehen.Wer zurückhaltende Andeutungen nicht verstehen will, der bekommt Klartext serviert!
    Und "die, denen das widerfahren ist" - die werden fast regelmäßig vom Opfer zum Täter. Also keine falsche Rücksichtnahme!

    There is no skin like foreskin

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