Beiträge von generic_username

    Was die entmutigenden niederländischen Zahlen auch zeigen ist, dass der Goldstandard "Abwarten und Teetrinken" auch dort praktisch nie gewürdigt wird. Wenn ein Junge erstmal in die Mühlen der medizinischen Maschinerie gerät, dann mahlt diese unaufhaltsam weiter. Wenn der Versicherungsrubel erstmal rollt, dann gibt es keine Instanz, die einen zweiten kritischen Blick auf die konkrete Situation wirft. Einzig in Skandinavien ist das offenbar möglich.

    Mir ist gerade aufgegangen, warum Deutschland letztens in einer BBC-Umfrage zum beliebtesten Land der Welt gekürt wurde. Man muss sich nur mal im Internet umschauen, wieviele Menschen in anderen Ländern ein Beschneidungsverbot begrüßen würden und offenbar noch nicht mitbekommen haben, dass unsere korrupte Regierung unser Grundgesetz außer Kraft gesetzt hat, um die Genitalverstümmelung von Jungen strafffrei zu stellen. Ich bin ziemlich sicher, dass das Ergebnis dieser Umfrage direkt auf die Signalwirkung des Kölner Urteils zurückzuführen ist.

    Es ist merkwürdig, aber bei allen Anbahnungen in meinem Leben, hat mich noch keine nach meinem Status gefragt, oder wäre weggelaufen, nachdem sie mich zunächst reizvoll fand, jedoch feststellen musste, dass ich intakt bin.


    Darum geht es hier gerade überhaupt nicht, da hast du etwas missverstanden. Es geht hier um Frauen (echte und falsche), die in Internetforen entsprechende Vorlieben äußern. Und um die Frage, ob und wie man unterscheiden kann zwischen ehrlichen Präferenzen einerseits (und die gibt es bei manchen Frauen, auch wenn deine Frau was anderes sagt, immerhin ist sie nicht die einzige Frau der Welt und hat nicht Einblick in alle anderen Frauengehirne, oder?) und Fetischisten andererseits (das können, wie Manfred sagt, Frauen sein, sind aber meiner Meinung nach meistens Männer, die als Frauen posten).

    Aber, die Mehrzahl der Fetischistenposts dürften von beschnittenen Männern kommen, die ihren Status einer sozialen Akzeptanz zuführen wollen, obschon sie selbst damit ein Mangelempfinden erleben.


    Das Ganze ist ein wenig komplizierter und es gibt vielfältige mögliche Beweggründe, aber das dürfte bei manchen ein Teilgrund sein.

    Insofern, dürften die Aspekte der Problematik ausreichend ausgetauscht sein, und die Gefahr bestehen sich die Köpfe einzuschlagen, über eine Glaubensfrage.


    Dann ignoriere den Thread ab jetzt einfach.

    M.E. sollten Glaubensfragen (und das ist es wohl, wenn keine Zahlen gewinnbar sind) nicht die Grundlage einer Kontroverse sein. Das überlassen wir besser dem ZdJ und ZdM.


    Kein Mensch redet hier von "Glaubensfragen", außer dir. Lass uns bitte in Ruhe diskutieren.

    Allerdings habe ich auch ziemlich intensiv in der Fetischistenszene recherchiert und meine, gewisse Sprachcodes zu erkennen.


    Volle Zustimmung. Übrigens gibt es meiner Beobachtung nach Unterschiede zwischen englisch- und deutschsprachigen Fetischisten und "Denialists". Während verdächtig viele englischsprachige Verteidiger der Beschneidung häufiger zu Taktiken greifen wie z.B. zu der Behauptung, "freiwillig als Erwachsener" beschnitten worden zu sein und (klaro...) "nur Vorteile" zu sehen, sind in deutschsprachigen Foren verdächtig viele "Frauen" unterwegs, die vor allem dann sofort auffallen, wenn im selben Forum auch echte Frauen posten. Manchmal erkennt man das sogar schon sehr eindeutig an den wenig einfallsreichen Benutzernamen wie "Elfriede". Ein Mann (ich leg mich da mal ganz eindeutig fest) postet unter dem Namen "niceteen" in verschiedenen Foren. Insgesamt sind die deutschen Pro-Beschneidungs-Trolle etwas plumper im Vorgehen als ihre englischsprachigen Kollegen. Auf der Diskussionsseite des Wikipedia-Artikels hat mal ein Typ einen Selbstgespräch-"Dialog" gepostet. Dumm für ihn, dass aus der Bearbeitungsgeschichte der Seite eindeutig hervorgeht, dass er "Frage" und "Antwort" im selben Edit gepostet hatte...

    Klar gibt es auch Frauen, die sich positiv oder (viel häufiger) neutral/ignorant dem Thema gegenüber äußern. Und bestimmt gibt es auch die eine oder andere Frau, die aus welchen Gründen auch immer tatsächlich eine Vorliebe für beschnittene Männer hat. Wenn ich jedoch bestimmte immer wieder auftauchende Dinge lese, bin ich sehr sicher, dass es sich eher um einen Mann handelt, und nicht wirklich um eine Frau. Eine Frau äußert typischerweise lapidar ihre Vorliebe, während ein als Frau postender Mann eher seinen Trauma-Fetisch des Beschneidungsakts betont. Und wenn jemand als "Niceteen" postet und sich in diversen Foren *ausschließlich* zum Thema Beschneidung äußert, dann steckt dahinter m.E.n. ganz eindeutig ein männlicher Fetischist -- und zwar mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein schwer traumatisierter persönlich betroffener Mann, der sein Trauma nicht anders artikulieren kann als in Foren einhändig als "Frau" zu posten.

    Aber alles nicht wahr, nur Männer haben sexuelle Fantasien, Frauen sind soziale Wesen …

    Selbstverständlich ist nicht alles wahr was im Internet steht. Aber es ist auch nicht alles unwahr. Oder wie sagt da Christian Morgenstern: Denn so schließt er messerscharf, nicht sein kann was nicht sein darf. Aber diese sogenannten Fantasien umzusetzen ist wohl sehr einfach: Die Duldung gab es schon vor dem Beschneidungsgesetz, und jetzt gibt es sogar ein gesetzliches Recht dazu!!!!!!


    Entspann dich mal. Wir reden hier von einem ganz spezifischen Phänomen. Keiner hat hier behauptet, dass es unter Frauen keine Wirrköpfe gibt. Aber als "Frauen" postende Männer sind in deutschsprachigen Foren tatsächlich erstaunlich häufig, insbesondere im Vergleich zu englischsprachigen Seiten. Das wird man ja wohl mal ansprechen dürfen, ohne dass sich sofort jemand berufen fühlt, die "Men's Rights"-Lanze für die Männer dieser Welt zu brechen. Oder sind wir in deinen Augen dadurch sofort "kastrierte Pudel", wenn wir mal eine Sache ansprechen, die nunmal nur Männer betrifft, nämlich als Frauen postende Männer? Manchmal zweifel ich echt an der geistigen Gesundheit der Men's-Rights-Bewegung.

    Scheiße.

    Gottverfluchte Scheiße.

    Wenn ich bei sowas an die vielen Frauen denke, denen der übliche verharmlosende Propaganda-Müll von "Hygiene" aus ihren wurmstichigen Gehirnen fällt, bekomme ich wirkliche Angst, dass mir anhand unserer Lebensgeschichten bald mal die Faust ausrutscht.

    Das hört sich ganz so an, als hätten die sehr schlampig recherchiert und dann selektiv zitiert.

    Ich hab leider keinen Link parat, aber die männliche Eichel enthält Schätzungen zufolge etwa 4.000 Feintast-Körperchen. Das ist etwa die Hälfte der etwa 8.000 Rezeptoren im Klitoris-Kopf. Dass die innere Vorhaut als Zentrum des männlichen Lustempfindens dagegen etwa 20.000 Nervenenden enthält unterschlagen die genauso wie die zahlreichen Nervenenden im Klitoris-Kreuz und den inneren Schamlippen.

    Gibt es da bestimmte Areale, die besonders stark mit der Vorhaut kommunizieren?


    Es gibt Nervenzellkerne im Rückenmark, die u.a. an einer inhibitorischen Schleife beteiligt sind: Diese Schleife bedingt bei intakten Männern die Inhibition von Signalen aus der Eichel sobald die Stimulierung der inneren Vorhaut einen gewissen Schwellenwert überschreitet. (In der Eichel befinden sich nur relativ wenige Feintast-Rezeptoren, sondern vor allem Schmerz-Rezeptoren. Daher klagen manche vorhautamputierte Männer über "zuviel" Empfindung -- da die Schmerz-Reize aus der Eichel nicht mehr gestoppt werden.)

    Erforscht werden müsste, inwiefern diese Nervenzellen im Rückenmark nach der VA überhaupt überleben, und wie man im Zweifelsfalle diese Zellen regenerieren, implantieren und verknüpfen könnte. All das wäre für eine echte Regeneration unerlässlich und ist zur Zeit wie gesagt Lichtjahre von der Anwendungsreife entfernt.

    Eine "herkömmliche Wiederherstellung" kommt für mich nicht infrage, weil es einfach nicht das Gleiche ist und ich keine Zeit daran verschwenden will mir mit irgendwelchen Geräten die Vorhaut langzuziehen, was in meinem Fall sowieso unmöglich ist, weil absolut gar nichts mehr da ist zum langziehen.


    Ich bin da eigentlich der falsche Ansprechpartner, weil ich mich lange Zeit erfolglos daran versucht habe. Aber den ernsthaften Versuch ist es definitiv wert! Vergleiche das mit der reinen Träumerei, die Regeneration ist und auch noch lange Zeit bleiben wird. Willst du wirklich Jahre oder Jahrzehnte untätig verstreichen lassen, während die zunehmende Keratinisierung dir noch die verbliebenen Empfindungen vermiest? Wie gesagt: Du wägst ja hier nicht ab zwischen Regeneration und herkömmlicher Wiederherstellung, sondern zwischen herkömmlicher Wiederherstellung und Nichtstun! Vergiss Regeneration. Falls das jemals in greifbare Nähe rückt, werden wir erstens sowieso davon hören, und zweitens würde eine (hoffentlich erfolgreiche) herkömmliche Wiederherstellung einer etwaigen Regeneration natürlich auch nicht im Wege stehen.

    Wenn du momentan CI-1 oder CI-2 bist, kannst du (so wie es die allermeisten Wiederhersteller sowieso machen) mit manuellen Dehnmethoden anfangen.

    Naja, es ist deine Entscheidung. Aber sei dir bitte bewusst, dass du dich zwischen dem Versuch einer herkömmlichen Wiederherstellung und schlicht untätigem Abwarten entscheidest.

    Schau dir z.B. mal diese Website eines erfolgreichen Restorers an. Die Vergleichsbilder sprechen Bände. Nach der Wiederherstellung ist die Keratinisierung Geschichte, die Empfindungen sind gesteigert, keine Gleitmittel mehr nötig, keine Schmerzen mehr für eine etwaige Partnerin. Und das allerbeste: Es ist kostengünstig, anwendungsreif und bereits getestet. Es funktioniert leider nicht für alle gleich gut, und es bedarf auf jeden Fall eines stetigen Einsatzes über mehrere Jahre hinweg. Aber den Versuch ist es auf jeden Fall wert.

    Foregen sammelt Geld, um die Forschung überhaupt starten zu können.


    Bei Foregen ist äußerste Vorsicht geboten. Fast alle englischsprachigen Foren inkl. relevante Videos auf Youtube werden inzwischen massiv von einer Quasi-Drückerkolonne aus Foregen-Fans heimgesucht, die für das Projekt werben und zu Spenden aufrufen. Dabei ist die Finanzierung und überhaupt das gesamte Projekt komplett undurchschaubar.

    Und nicht nur das: Die technischen Hürden für eine Regeneration sind teilweise identisch mit denjenigen für eine regenerative Therapie von z.B. Querschnittslähmung. Dies betrifft die Regeneration von Nerven und vor allem auch die Verbindung von Nerven (das heißt, wie genau diese Nerven mit dem Rückmark verbunden werden sollen).

    An diesen erheblichen wissenschaftlichen Hürden hängen mehrere Nobelpreise (da dies u.a. die Behebung von Querschnittslähmung bedeuten würde), und es ist mehr als zweifelhaft, ob eine spenden(unter)finanzierte private Initiative etwas erreichen kann, woran weltweit mit erheblichem Geld- und Personalaufwand seit etlichen Jahren fieberhaft geforscht wird.

    Nur als generelle Warnung, von Foregen sollte man meiner Meinung nach die Finger lassen. Solange es keine anwendungsreifen Methoden zur Regeneration und Verknüpfung von Nerven gibt (welche mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zuerst erfolgreich an Universitäten oder von großen Unternehmen entwickelt werden und nicht bei Foregen), ist das mit der "Foreskin Regeneration" reine Zukunftsträumerei.

    Es ist m.E.n. ganz gewaltiger Unfug, eine herkömmliche Wiederherstellung nicht einmal zu versuchen und stattdessen von Foregen zu träumen.

    Eine Vergewaltigung und ein beschnittener Penis - ich meine dabei nicht die Beschneidungsprozedur - sind zwei verschiedene Dinge. Der Vergleich hinkt. In dem einen Fall geht es um Erlebtes, meist ohne bleibende körperliche Veränderungen, indem anderen Fall geht es um die körperliche Modifikation, die nicht rückgängig zu machen ist. Ob das hilfreich ist, einen jungen Mann regelrecht davon abzuhalten, seinen Körper so zu akzeptieren, wie er ist, stelle ich in Frage.


    Es geht wie ich erklärt habe in beiden Fällen gleichermaßen darum, die Realität des Geschehenen zu akzeptieren, mit allen etwaigen Folgen. Deine fantasie-basierte Behauptung, es gäbe bei Vergewaltigungen "meist keine körperlichen Veränderungen" offenbart deine vollkommene Ignoranz. Sorry für die notwendige Deutlichkeit.

    Vielleicht möchte nicht jeder Beschnittene intaktivistisch aktiv werden, sondern einfach nur mit seinem Zustand zurecht kommen und seine Ruhe haben.


    Intaktivismus ist es z.B. schon, eine noch unwissende Partnerin über VA und ihre Folgen aufzuklären. Intaktivismus ist eine Lebenseinstellung, die sich nicht nur in Transparenten und Demonstrationen manifestiert, sondern im Alltagsleben. Wie Betroffene können einen echten Frieden nur als Intaktivisten finden. Du selbst bist doch gar nicht betroffen, also was weißt du davon?

    Für den jungen Mann besteht die Realität darin, dass er beschnitten ist. Mit welcher Realität soll er sich nun wohlfühlen? Etwa in seiner Opferrolle?


    Mit der Realität des Geschehenen, wie von mir bereits erklärt und von dir ignoriert.

    Achso, habe ich das behauptet?


    Ja, und zwar vollkommen unmissverständlich. Du hast behauptet, es sei eine gute Idee, einem beschnittenen Mann einzureden, er sei intakt. Deshalb widersprechen dir auch alle in diesem Thread. Du kennst sicher den Witz mit dem Autofahrer, der im Radio hört "Ein Falschfahrer auf der A3" und darauf ruft: "EINER?? HUNDERTE!!"

    Abschließend möchte ich nur noch sagen, dass es meiner Ansicht nach an der Beratung auf der angegriffenen Webseite nichts auszusetzen gibt. Vom Gegenteil hat mich auch niemand überzeugt. Da ich aber keinen Unfrieden stiften möchte, werde ich mich aus der Sache ausklinken.


    Klartext-Übersetzung:

    Ich, Lutz Herzer, ignoriere Argumente und reagiere wie ein beleidigter Junge, wenn andere versuchen, mir meine Denkfehler offenzulegen und damit deren Korrektur zu ermöglichen. Ihr seid gemein!! Ich will nicht mehr mit euch spielen!! Wäh!!!!

    Ziel einer Therapie sollte sein, die Akzeptanz des körperlichen Zustandes oder etwas darüber hinaus - es muss ja nicht gleich in Narzissmus enden - zu erreichen. [...] Käme jemand auf die Idee, zu sagen, "siehst du, geht doch. Ist doch hab so schlimm", wäre das nichts anderes als Perfidie und Empathielosigkeit.


    Die Akzeptanz des Zustandes kann ja nur über die Akzeptanz der Realität des Geschehenen erfolgen, und vor allem um Letzteres geht es in der Therapie.

    Zum Beispiel kann es in einer Therapie ja offensichtlich keinesfalls darum gehen, dass, sagen wir, eine vergewaltigte Frau ihre "Vergewaltigung akzeptiert". Es wäre ja grotesk, das überhaupt zu denken. Worum es stattdessen geht, ist der Patientin beizubringen, die Wahrheit als solche, die Realität des Geschehenen zu akzeptieren. Akzeptieren lernen, dass es geschehen ist. Und natürlich beinhaltet das die Fakten über das Geschehene (z.B. bei der VA den Verlust von ca. 75% Nervenenden etc).

    Weshalb sollte ein Therapeut von sich aus seinen Patienten darauf aufmerksam machen, wie schlimm seine Situation ist?


    Niemand kann sich gegenüber der VA überhaupt verhalten, ohne sie umfänglich in ihren tatsächlichen Eigenschaften offen und ehrlich anzuerkennen. Wenn jemand mit Verleugnung oder Teilverleugnung an das Thema herantritt, egal ob Betroffener oder Therapeut, Partnerin, Freund oder Politiker, muss zunächst mal die unangenehme Realität zugänglich gemacht werden.

    Auf gut Deutsch: bevor es besser wird, wird es erstmal viel schlechter, zumindest soweit es die psychische Befindlichkeit des Therapiepatienten angeht. Darin liegt jedoch auch etwas, wonach sich viele Betroffene bewusst oder unbewusst sehnen (selbst wenn manche anfangs diese Erkenntnis abwehren), nämlich die Anerkennung der Realität des Geschehenen durch das Umfeld.

    Sollte das Ziel einer Therapie sein, dass sich jemand als verstümmelt empfindet und eine Verbesserung seines Sexuallebens in den Wind schreibt? Da müsste der Patient ja mit dem Anliegen kommen, dass er nur darunter leidet, nicht als Opfer wahrgenommen zu werden. Zu therapieren wäre dann nicht er, sondern sein Umfeld.


    Wieso das denn? Warum sollte denn nicht eines der Therapieziele sein, dass der Patient lernt, die Realität anzuerkennen, dass unsere Gesellschaft und sehr viele Individuen die Realität bzgl der VA verleugnen? "Anerkennen einer Realität" heißt ja nicht, sie unwidersprochen hinzunehmen oder sich damit "anzufreunden".

    Aber um zu widersprechen und insbesondere intaktivistisch aktiv zu werden in gleich welchem Umfang oder konkreten Sinne, muss man ja die vorherrschende Ideologie zunächst mal anerkennen und eben berücksichtigen.

    Natürlich ist das Umfeld therapiebedürftig, ganz einfach im Sinne von: Intaktivismus ist notwendig. Dem gesellschaftlichen Wahnsinn die Stirn zu bieten, sowohl innerlich als evtl. auch über Aktion, dabei kann eine Therapie jedoch schon ganz gut helfen.

    weil wie Joeye völlig richtig schrieb zu einer möglichen Heilung ZUALLERERST einmal gehört, dass das Leiden ANERKANNT und nicht KLEINGEREDET wird.
    DAS ist nämlich etwas, woran unzählige Betroffene extrem leiden - an der Bagatellisierung ihres Leidens.


    Exakt.

    Eine Verbesserung kann in der Regel nur erreicht werden, wenn das Leiden und seine Ursachen klar erkannt und nicht verdrängt und schöngeredet werden.


    Exakt.

    Mit dem Begriff "intakt" bin ich auch eher zurückhaltend. Ich muss einem Beschnittenen nicht indirekt mitteilen, er sei nicht intakt. Sollte er sich nicht intakt fühlen, würde ich versuchen, ihn dabei zu unterstützen, dieses Gefühl zu überwinden.


    Mit Verlaub, das ist doch grober Unfug, und zwar auf mehreren Ebenen. Wenn wir Intaktivisten auf Begriffen wie "VA" und "intakt" beharren, dann tun wir das ja eben, um der herrschenden Ideologie der Verharmlosung entgegenzuwirken. Die unabänderliche Tatsache ist ja nunmal, dass er beschnitten, also nicht intakt, ist. Das ist kein "Gefühl", keine "Wahrnehmung", sondern die Realität.

    Um das Beispiel von oben aufzugreifen: glaubst du allen Ernstes, es könne im Falle eines Vergewaltigungsopfers Therapieziel sein, dass er oder sie die Vergewaltigung nicht mehr als Vergewaltigung wahrnimmt? Ganz im Gegenteil! Sehr oft geht es eben ganz genau darum, dem Patienten beizubringen, die Realität zu konfrontieren, sie anzuerkennen. So und nur so kann ja eine echte Überwindung des Traumas erfolgen.

    Was du hier plädierst, ist ja quasi Rückverdummung eines Patienten in einen geistigen Zustand, in welchem er seinen beschnittenen, nicht intakten Schwanz für intakt hält. Dabei ist "beschnitten" definiert als "nicht intakt".

    Du stellst hier auf vollkommen hanebüchene Weise Begriffe gegenüber. Wir verwenden ja nicht "nicht intakt" statt "beschnitten", sondern "intakt" statt "unbeschnitten" (weil "unbeschnitten" "beschnitten" als Normalzustand impliziert). Den Begriff "nicht intakt" hast du selbst erfunden. Beschnitten == nicht intakt.

    Was du dir offenbar nicht vorstellen kannst, ist, dass jemand die Realität anerkennt und lernt, sich mit dieser Realität als Realität (das heißt, insofern sie unabänderlich ist) wohlzufühlen. Aber ganz genau das ist das Ziel der Therapie. Der bitteren Wahrheit selbstbewusst ins Gesicht zu schauen; sich damit autonom auseinanderzusetzen, und zu ändern, was zu ändern ist (z.B. über intaktivistisches Engagement und zumindest den Versuch der Foreskin Restoration), und hinzunehmen, was nicht zu ändern ist (Verlust von Nervenenden, massenhafte Ignoranz und Ideologie der Mitmenschen etc).

    Die anderen Typen, diejenigen denen es (noch) gelingt, die Realität zu verleugnen und sich für "intakt" zu halten obwohl sie beschnitten sind, die kennen wir doch auch: Das sind die Partner der Frauen, die hier in unserem Unterforum für betroffene Frauen posten. Das sind die Männer, die starrköpfig darauf beharren, dass es an ihnen und ihrer VA überhaupt nicht liegen kann, wenn es beim Sex Probleme gibt. Was du dir offensichtlich unter "Therapie" vorstellst, ist die Herstellung eines solchen Verleugnungszustands. Aber die Verleugnung ist Ursache, nicht Lösung von therapiebedürftigen Problemen. Und deine Idee, ein beschnittener Schwanz sei intakt oder könne so wahrgenommen werden (im Klartext: nicht intakt sei intakt), ist offensichtlich absurd und vollkommen widersprüchlich.

    Das ist ja alles irgendwie widersprüchlich.


    Mit dieser Wahrnehmung bist du hier ganz allein. Die Widersprüche sind in deinem Denken.

    Welcher Methoden hast du zur Wiederherstellung verwendet und wie lange?


    Manuelle Methoden (für die ersten Jahre exklusiv und auch danach noch ständig begleitend), Crosstaping, Reverse Taping (hab ich recht schnell wieder aufgegeben), DTR, DTR balloon.

    Manchmal denke ich, dass ich ständig mit einem gewissen Widerwillen an die Sache herangetreten bin, etwa im Sinne von: "Falls das funktioniert, kann ich mich nicht mal mehr als Opfer fühlen, da die Frau dann ja praktisch keine negativen Folgen mehr mitbekommt."

    Ich meine, die eine Sache die man daraus "gewinnt", ist das Recht, sich als Opfer zu fühlen. Da die Gesellschaft die Anerkennung des Opferstatus im Großen und Ganzen verweigert, muss man sich selbst darum kümmern. Wenn ich eine Frau hätte, die meinen Opferstatus anerkennt unabhängig davon, ob es sich auf sie selbst negativ auswirkt, würde ich wahrscheinlich so ernsthaft an das Projekt gehen wie niemals zuvor.

    Aber so eine Frau gibt es wahrscheinlich überhaupt nicht. Was schon interessant ist, wenn man mal so drüber nachdenkt. Eigentlich müsste sogar eine Frau, die (nehmen wir mal einen wohl fiktiven Extremfall an) nur mit beschnittenen Männern zum Orgasmus kommen kann, aus ethischem Prinzip trotzdem 100% dagegen sein, dass das bei Kindern gemacht wird. Ich finde es auffallend, dass die allermeisten Frauen, die sich gegen die VA aussprechen, dies aus ihrer eigenen negativen Erfahrung heraus tun und eben nicht aus ethischem Prinzip.

    Soraya Mire, ein Opfer weiblicher Genitalverstümmelung, kann die künstliche Unterscheidung von männlicher und weiblicher Genitalverstümmelung ebenfalls nicht nachvollziehen.


    Ayaan Hirsi Ali übrigens auch nicht. In diesem Video macht sie sogar deutlich, dass MGM unter Umständen schlimmer sein kann als FGM. Dafür gehört ihr mein ewiger Dank. Bei der weitverbreiteten Bagatellisierung der VA tut diese Würdigung unheimlich gut.

    es gibt keine Partei, die 1:1 mit meiner Meinung übereinstimmt. (Die Linke schon dreimal nicht 8) ).


    Warum überrascht mich das so nicht im geringsten. Im Umkehrschluss heißt das also, dass du sehr mit der FDP übereinstimmst, bis auf das Thema Beschneidung, verstehe ich das richtig? Na denn werd ich auf jeden Fall die Linke wählen, jetzt erst recht. :D

    Wer sagt, dass er "dreimal nicht" mit der Linken übereinstimmt, muss sich eben den Einspruch gefallen lassen, dass z.B. im "zutiefst sozialistischen" Skandinavien die Beschneidungsraten durch das dortige Gesundheitssystem erfolgreich gedrückt werden.

    Deine politische Einstellung begünstigt Beschneidungen, ob dir das nun gefällt oder nicht, ob du diese Tatsache einsiehst oder nicht.

    Die machen mir so richtig Spaß, diese neoliberalen selbsternannten "Männerrechtler".


    Dein Beitrag klang schon etwas besorgniserregend, und in Internetforen ist schlecht einzuschätzen, wie so etwas gemeint sein könnte.
    Ansonsten kann ich Dich verstehen. Auch wenn ich gar nicht betroffen bin, haben mich die Ereignisse vom vergangenen Jahr dermaßen schockiert und aus der Bahn geworfen, daß ich mehrfach über der Frage gegrübelt habe, ob ich in einer Welt, in der Religion mehr gilt als genitale Unversehrtheit, überhaupt noch leben will. Leider gibt es keine andere, also werde ich damit zurechtkommen müssen.


    Ach komm, ist ja gut jetzt. Ich hab ja schon erklärt, wie ich das gemeint respektive nicht gemeint hatte. Dein Kommentar war jetzt echt nicht noch notwendig, insbesondere da du zum Thema des Threads nichts beiträgst. Hättest du dir wirklich sparen können, wenn du sonst nichts zu sagen hast.

    Außerdem ist es doch vollkommen egal, selbst wenn jemand Selbstmord begehen will. Ist doch nicht deine Sache. Begreifst du eigentlich gar nicht die Ironie, ausgerechnet auf diesem Forum mit diesem anerzogenen christlichen Reflex von wegen "Selbstmord ist falsch und böse" zu reagieren? Leben ist wie Tierporno, es ist einfach nicht jedermanns Sache.

    Woher weißt du das?


    Woher weißt du, dass es nicht so ist? Und was ist dein Grund, daran zu zweifeln? Ich weiß es, weil ich aus einer Familie mit fast zwanzig Ärzten komme. Was ist deine Quelle?

    Irgendwie entsteht der Eindruck, daß dieses Thema völlig aus dem Fokus der Politik verschwunden ist

    Klar, es ist nicht Wahlkampf tauglich, da sich alle gegen das GG gewendet haben. Daher wäre es auch Sinnvoll wenn vor der Wahl noch was laufen würde. Es muß wieder in die Medien rein. Nicht nur in vereinzelte Zeitungen.


    Mir genügt das, was schwarz-gelb-rot-grün letztes Jahr verbrochen haben aus, um die nie mehr zu wählen und sogar so zu wählen, dass meine Stimme auch nicht anteilig bei denen landet.

    Zuviel Hoffnung kann man jetzt sowieso nicht auf eine politische Lösung setzen, das ist wohl ziemlich unrealistisch. Eine Mehrheit für die Achtung des Grundgesetzes im Bundestag ist äußerst unrealistisch, wenn man sich die traurig hohen Umfragewerte von CDU und Rotzgrün so anschaut. Da hoffe ich eher auf die Gerichte.

    Trotz der recht hohen Bedeutung, die wir alle dem Thema beimessen, ist Beschneidung bei weitem nicht das einzige politische Thema.

    Dass schwarz-gelb-rot-grün das Grundgesetz grob missachten und nun tatsächlich außer Kraft gesetzt haben insofern es um die körperliche Unversehrtheit von Jungen geht, reicht mir persönlich vollkommen aus, um nie mehr ein Kreuz bei einer dieser Parteien zu machen.

    Welche Alternative gibt es also, insbesondere mit Blick auf das deutsche Wahlrecht? Nichtwählen kommt ja auch nicht in Frage, da ich es erstens als meine Bürgerpflicht auffasse, und zweitens sonst meine Zweitstimme eben doch wieder bei den Parteien landet, denen ich die Stimme verweigern will. Gleiches gilt für Kleinparteien.

    Somit bleibt eigentlich nur die Linke, es sei denn es gibt bei den Piraten noch einen mächtigen Schub, der sie über die 5%-Hürde hieven könnte. Die Linken werden von der CDU (ausgerechnet...!) ohnehin schon als "verfassungsfeindlich und gewaltbereit" verunglimpft, also kann es wohl kaum verwundern, wenn die innerparteilich am überlegen sind, wie man mit der Situation am besten umgeht, zumal das Thema wie gesagt nur eines von sehr vielen ist -- und zudem mit dem Gesetz schon ein fait accompli besteht. Wieviel politisches Kapital kann die Linke in dieses eine, zudem politisch riskante Thema investieren? Politisch gesehen wäre es für sie äußerst unklug, auch weil ohne Mehrheit sowieso nichts geht.

    Die Haupthoffnung ruht nun ohnehin auf der deutschen Gerichtsbarkeit (Stichwort Gleichbehandlung der Geschlechter).

    Trotz alledem: nach der Farce vom letzten Jahr werde ich alles daran setzen, schwarz-gelb-rot-grün meine Stimme vorzuenthalten. Das heißt wohl zwangsläufig Linke, mangels Alternativen.