Kirchen und Rabbiner fordern Respekt für religiöse Lebensformen

  • E.H.M.
    Danke für deinen Beitrag. Als demokratische Gesellschaft bringen wir den Kirchen und ihren religiösen Lebensformen tatsächlich einen sehr großen Respekt entgegen, indem wir ihnen eine ganze Reihe Privilegien gewähren wie zum Beispiel:

    - Unsere Finanzämter ziehen für die Kirchen die Kirchensteuer ein. Im Jahr 2011 waren das 4,38 Milliarden Euro für die evangelische und 4,92 Milliarden für die römisch-katholische Kirche.

    - Konfessioneller Religionsunterricht ist versetzungsrelevantes Unterrichtsfach an unseren öffentlichen Schulen und wird von unserem Staat finanziert. Die Kirchen bestimmen über die Lehrpläne sowie über die Anstellung und Entlassung der Lehrkräfte mit.

    - An unseren Hochschulen unterhalten wir Fachbereiche für konfessionelle Theologie, die fast ausschließlich der Ausbildung der Geistlichen dienen und vollständig vom Staat finanziert werden. Die Freiheit der Wissenschaft, der Forschung und der Lehre haben wir dabei eingeschränkt, da die Kirchen über ein Vetorecht bei der Besetzung der Lehrstühle verfügen und die Prüfungsordnungen mitbestimmen dürfen. In weiteren Fachbereichen wie Philosophie, Religionswissenschaft, Jura, Musik, Kunst, Archäologie, Geschichte, alte Sprachen und Pädagogik leistet der Staat ebenfalls seinen Beitrag für die wissenschaftliche Unterstützung der Kirchen.

    - Unser Staat ermöglicht und zahlt die Polizei-, Militär-, Gefängnis- und Krankenhausseelsorge sowie die Gehälter vieler Bischöfe und Kirchenpräsidenten.

    - Wir räumen den Kirchen Sitz und Stimme in vielen öffentlichen Gremien ein und gewähren ihnen geldwerte Privilegien wie z.B. eine Vielzahl von kostenlosen Sendezeiten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen.

    - Wir respektieren die Kirchen im Arbeitsrecht als sog. Tendenzbetriebe, für die das Betriebsverfassungsgesetz oder das Gleichstellungsgesetz keine oder nur eine eingeschränkte Geltung hat. Die Kirchen sind der größte nicht-staatliche Arbeitgeber mit vielen Sonderrechten in Deutschland.

    - Wir gewähren den Kirchen weitere Staatsleistungen und Dotationen aufgrund überkommener Rechte aus dem früheren Staatskirchentum aus der Zeit des Feudalismus.

    - Allen Spenden für kirchliche Zwecke räumen wir Steuerfreiheit ein.

    Wir hören von den Kirchen fast nie ein Dankeschön für diese respektierlichen Leistungen unserer Gesellschaft. In der Woche der Brüderlichkeit werden die Mitglieder unserer Gesellschaft stattdessen als religiöse Analphabeten beschimpft, weil sie über Gewalttaten im Namen des Herrn anders denken als die Kirchen.

  • für diese Darstellung. Fakten, die für sich sprechen. Es ist unendlich traurig, wie wenig demütig sich die Funktionäre präsentieren. Wie durchschaubar ihre Verbandspolitik verläuft, auf dem Rücken wehrloser Kinder ausgetragen. Sie geben keine Ruhe, immer wieder erklären sie gerade die Zustimmung zum Beschneidungsgesetz zum Gradmesser moralischer Integrität - nur KOMPLETT falsch herum.
    Am meisten versagt haben die Kirchenrechtler, wie sie alle heißen, Heinig, Gehrmann & Co. Von der Allgemeinheit finanziert, mit fetten Gehältern ausgestattet, helfen sie eiskalt mit, Menschenrecht abzuschaffen. Schreibtischtäter. Der einzelne Mensch, das individuelle Leiden zählt nicht, nur das große Ganze. Dazu fällt einem als Deutscher einiges ein. Unfassbar.

  • "Die von materiellen und politischen Lasten und Privilegien befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein. Sie kann ihre Berufung zum Dienst der Anbetung Gottes und zum Dienst des Nächsten wieder unbefangener leben."

    Papst-Rede: Benedikt XVI. fordert strkere Trennung von Kirche und Staat - SPIEGEL ONLINE

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Diese Bund für christlich-jüdische Zusammenarbeit ist im wesentlichen ein Zusammenschluss von Funktionären des Zentralrats der Juden und den beiden Großkirchen. scheint doch ein Interessensverband mit einer klaren politischen Ausrichtung zu sein.

  • Noch ein Nachtrag zur "Woche der Brüderlichkeit".

    Einen Beitrag dazu konnte sich auch Dr. Fabian Wittreck vom "berühmt-berüchtigten" Exzellenscluster der Uni Münster nicht verkneifen. Nach Ansicht der "Westfälischen Nachrichten" hat Dr. Wittreck die Beschneidungsdebatte " um eine weitere Facette bereichert". Diese Bereicherung soll darin bestehen, dass es beim Beschneidungsgesetz gar nicht um Religionsfreiheit gehe, sondern um Elternrechte.

    "Im Übrigen griffen Eltern, die ihre Kinder in Ballett unterwiesen oder Leistungssport in frühen Jahren treiben ließen, womöglich sehr viel mehr in deren Wohl ein, als durch den Akt der einmaligen Beschneidung, der allerdings fachgerecht ausgeführt werden müssen."

    Staatsrechtler kritisiert Kölner Richter : „Elternrecht gilt auch für Beschneidung“ - Sendenhorst - Westfälische Nachrichten

    Abgesehen davon, dass der Redakteur der Zeitung grosse Teile Debatte verschlafen haben muss, wenn er dieses Statement als "weitere" Facette und als " Bereicherung" betrachtet, fragt man sich wieder einmal, wie ein doppelt- studierter (Jura und Theologie) Akademiker zu einem solchen Vergleich kommt. Zu Eltern, die die Wehrlosigkeit ihrer Kinder ausnutzen, um sie zum Ballett oder zum Leistungssport zu zwingen, kommt bekanntlich das Jugendamt.

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • Das ist schon unglaublich. Da wird Unrecht mit Unrecht gerechtfertigt. Und dass die Beschneidung ein "einmaliger" Eingriff sei, stellt in Abrede, dass manche Männer darunter ein Leben lang zu leiden haben.

    Werner, wie bei der Beschneidung, erfolgt auch bei Sportbesessenen Eltern ein Form des emotionellen Terrorismus, um ans Zeil zu kommen. Das ist so subtil. dass es das Jugendamt schwer hätte.

    Auf Französisch nennt man so etwas "déformation professionnelle": die Sicht auf die Realität wird berufsbedingt verzerrt.
    "Mythomanie" trifft diesen Vorgang es wohl noch besser.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Diese Bund für christlich-jüdische Zusammenarbeit ist im wesentlichen ein Zusammenschluss von Funktionären des Zentralrats der Juden und den beiden Großkirchen. scheint doch ein Interessensverband mit einer klaren politischen Ausrichtung zu sein.

    "Geladen waren die »üblichen Verdächtigen«, die Vorsitzenden und Vertreter der 84 Gesellschaften für Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit...Die Vertreter der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit haben längst das Pensionsalter erreicht...Die Woche der Brüderlichkeit 2013 ist würdig, bemüht und hat viel jüdischen Touch. Dennoch hat sie leider viele Fragen aufgeworfen, wie diese in die Jahre gekommene Institution modernisiert werden kann. Sie müssen so schnell wie möglich beantwortet werden, sonst wird es die Woche schon in zehn Jahren nicht mehr geben. Das wäre schlimm, denn der Dialog bleibt wichtig und richtig. Aber ob er in einer zunehmend säkularisierten Welt religiöse Begriffe beinhalten muss, mit denen sich viele Jugendliche nicht mehr identifizieren können, ist eine drängende Frage."

    Jüdische Allgemeine / POLITIK / Meinung - Alte Menschen werden Brüder

    "Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!" K.M.

  • werner
    Zumindest der evangelische Präsident des "Koordinierungsrates der Gesellchaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit" hat noch nicht die 60 erreicht. Er war zusammen mit mir 1977-1978 im ersten Jahrgang des EKD-"Studiums in Israel" an der Hebräischen Universität Jerusalem und hat dann diese Karriere gemacht. Ein Nachwuchs-Problem gibt es vielleicht auf jüdischer, nicht aber auf evangelischer und katholischer Seite. Hier kommen ständig junge Theologinnen und Theologen aus dem "Studium in Israel" nach.

  • - Unsere Finanzämter ziehen für die Kirchen die Kirchensteuer ein. Im Jahr 2011 waren das 4,38 Milliarden Euro für die evangelische und 4,92 Milliarden für die römisch-katholische Kirche.

    Diesen Umstand sollten wir in der Woche der Brüderlichkeit vielleicht besser nicht vertiefen. Schließlich haben wir diese Vorschrift einem Reichskanzler mit Migrationshintergrund zu verdanken.

    __________________________________________________

    Über das tolle Feedback bei evangelisch.de bin ich ebenfalls sehr positiv überrascht. Gemeinsam können wir eben doch schon etwas bewegen ;)

    Benni
    Hast Du dieses Post gelesen?
    Staatsanwaltschaft Hof: Beschneidung durch Rabbiner ist keine Straftat

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!