von Mark Peter Richter
Display More3
Überblick
Die medizinisch nicht indizierte Vorhautbeschneidung von Jungen stellt eine der ältesten
chirurgischen Prozeduren dar. Die häufig als harmlos und unkompliziert durchzuführend
etikettierte Amputation des sexuell sensibelsten Hautareals des männlichen Gliedes birgt
tatsächlich eine Vielzahl an Risiken, die neben teils schweren postoperativen Komplikationen
zu dauerhaften Einschränkungen, beispielsweise der sexuellen Erlebensfähigkeit führen
können. Die aktuelle Studienlage legt ebenfalls langanhaltende psychische
Beschneidungsfolgen nahe. Eine der schwerwiegendsten stellt die posttraumatische
Belastungsstörung (PTBS) als Folge einer traumatisch erlebten Beschneidung dar. Diese
Befunde stützen sich jedoch wesentlich auf verzerrungsanfällige Selbstauskünfte oder
Kohortenstudien, bis zum heutigen Tage fehlt ein experimenteller Nachweis unter
Verwendung möglichst objektiver, vorzugsweise psychophysiologischer Ergebnismaße sowie
ein standardisiertes Vorgehen zur Erfassung psychischer Beschneidungsfolgen.