• Also, ich bin eher vorsichtig mit dem Wort "Verstümmelung" in öffentlichen Diskussionen - viele beschnittene Männer fühlen sich dadurch nämlich abgewertet. Manche fühlen sich selbst ja ganz ok mit ihrem Zustand und wenn ich sie dann als Verstümmelte bezeichne, finden sie das nicht in jedem Fall toll. Auch muss man sich überlegen, auf welchem Horizont die durchschnittliche Leserschaft steht und welche Wirkung meine Wortwahl auf sie hat - auf die Befürworter nehme ich indes keine Rücksicht. Dass die immer heulen, wenn man nicht von harmloser, traditionsreicher Körperveredelung spricht, dürfte klar sein. Da bin ich hart: nicht mein Problem! Die Dinge müssen beim Namen genannt werden. "Vorhautamputation" ist erst mal ein guter Kompromiss in manchen Diskussionen, je nachdem halt.

    Gleichwohl geht es hier um Genitalverstümmelung, um nichts anderes. Wo es angebracht ist, muss das auch gesagt werden. Gerade wenn Beschnittene selbst davon sprechen, haben das die anderen halt zu fressen. Ende der Blümchen-und-Bärchen-Romantik.

  • Also, was der Begriff "Beschneidung" oder" Genitalverstümmelung" bezeichnet und umfasst, dürfte allen Seiten klar sein und keinen Widerspruch finden. Fraglich ist m.E. die Absicht, in der diese Begriffe argumentativ verwendet werden. Da gibt es verschiedene Absichten und Argumentationstypen zu unterscheiden, und erst die jeweilige reale Diskussion zeigt, welcher gemeint ist. "Genitalverstümmelung" kann von daher verschieden gewertet und als Benennung zugelassen werden.

  • war die Hand ja NUR ein Teil des Arms, ein Finger ist nur ein Teil der Hand usw

    Richtig, der Arm wurde beschnitten (also teilweise), die Hand wurde amputiert, also komplett entfernt.
    Insofern heisst Beschneidung die Teilamputation des Penis, aber die (meist) komplette Amputation der Vorhaut.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • viele beschnittene Männer fühlen sich dadurch nämlich abgewertet

    Für diese Männer ist Verstümmelung untragbar. Also ist bei der Verwendung dieses Wortes der Empfängerhorizont entscheidend.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Also - dann plädiere ich für "Zwangsbeschneidung". Ich weiß nicht, wer den Begriff "Beschneidung" erstmals verwendet hat (vielleicht Luther, in seiner Bibelübersetzung?), jedenfalls wurde er zum "einheimischen" Begriff der Religionen für diesen Vorgang, und die eigentliche Problematik (nicht vergessen, es gibt Leute die beschnitten werden wollen und nicht zuletzt Väter, die ihre Kinder beschneiden lassen, obwohl sie selbst diese Erfahrung gemacht haben) liegt doch offenkundig im Zwang.

  • Diesen Begriff benutze ich inzwischen auch schon recht häufig. Er beschreibt sehr treffend und neutral die Sachlage, ohne zu emotional zu werden.
    Darauf können wir uns gerne einigen.
    Wobei immer der Einzelfall entscheidend ist.

    Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
    Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
    Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
    https://tredition.de/autoren/clemen…aperback-44889/

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