Charlie Hebdo und Karikaturen gegen Beschneidung

  • Da ist die rede von kulturellen und religiösen "Gefühlen".
    Das wäre die Verbindung.

    • Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt (Thomas Mann)
  • Zitat

    Im November 2014, kurz bevor er den Ratsvorsitz der Evangelischen Kirche in Deutschland abgab, sagte Nikolaus Schneider in einem "Welt"-Interview: "Das Christentum hatte zunächst 300 Jahre der Verfolgung erlebt, ehe es in Machtpositionen kam, in denen Christen und ihre Kirchen selbst zu grausamen Verfolgern wurden. Im Islam hingegen hing seine rasche Verbreitung 'mit Feuer und Schwert' von Anfang an mit Kriegen zusammen. Das hat offensichtlich Ansatzpunkte im Koran."

    http://www.welt.de/debatte/kommen…am-zurueck.html

    Eine alte Binsenweisheit besagt, dass die Juden schon das Alte Testament hatten als es noch neu war. Christen haben dem daher das Neue Testament entgegengesetzt und sowohl die Autoren wie die Schreiber, welche die Texte kopierten, sorgten dafür, dass hier das Judentum nicht zu gut dabei weg kam (Grundsteinlegung für den Antisemitismus). Einige der ersten Christen glaubten sogar daran, dass es einen "zürnenden" Gott des alten Testaments und einen "gütigen" Gott des neuen Testaments gab.

    Dass Christen übrigens verfolgt wurden lag daran, dass sie nicht das Privileg besaßen von den Opferdiensten für die zahlreichen Götter in der damaligen Zeit ausgenommen zu werden. Dieses originäre Privileg gestand man nur dem Judentum zu. Gab es nun z.B. eine Missernte, waren die Christen schuld, weil sie nicht geopfert haben.

    Was Judentum, Christentum und Islam verbinden ist die Tatsache, dass alle drei Religionen Buchreligionen sind, die wie ein Fortsetzungsroman aufeinander aufbauen. Die Schrift hat damit alle Grausamkeiten der damaligen Zeit dokumentiert und teilweise auch als Dogmen für die Nachwelt zementiert.

    Und jetzt kommen hier wieder Leute mit einem spitzen Bleistift und halten den Menschen aus der Gegenwart den Spiegel vor und zeigen ihnen, dass in der Zwischenzeit einige Jahrhunderte vergangen sind. Im Kampf zwischen Bleistift gegen Gewehrkugelhagel ist jedoch die humorlose Fraktion scheinbar im Vorteil. Ähnlich ergeht es aber auch denen, die mit Worten den auf kindliche Genitalien gerichtete Messer Einhalt gebieten wollen. Wie erwähnt "scheinbar", denn das einzig beständige ist wohl die Veränderung.

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Zitat von UnterWELT

    ... aber kaum jemand sagt "Je suis Juif"

    Äh, warum sollte ich das sagen? Das wäre ja gelogen. Dann würde ich ja als "Kostümjude" sofort an den Pranger gestellt. Ich bin kein Jude, zumindest nicht, dass ich wüsste - ich bin nur ganz einfach ein Mensch.

    Zitat

    Alle sind richtigerweise "Charlie"...

    Bin ich auch nicht, ich bin einfach nur gegen Terror. Gegen wen auch immer er sich richtet.

    Zitat

    Ihnen sprachen im Beschneidungsstreit viele rundheraus das Recht ab, die Vorhaut aus explizit religiösen Gründen entfernen zu lassen.

    Wieso den Juden? Sind nicht fast alle kindlichen Genitalverstümmelungen hier muslimischen Ursprungs?

    So ein Blödsinn! Niemand hat den Juden (und auch sonst niemandem) das Recht abgesprochen, sich die Vorhaut oder andere Körperteile entfernen zu lassen. Die große Mehrheit in diesem Land spricht allen - und nicht nur den Juden - das Recht ab Kinder Körperteile ohne medizinische Notwendigkeit entfernen zu lassen. Das nennt man gemeinhin schlicht Gewalt gegen Kinder, bzw Verstümmelung.

    Mal wieder unterirdisches aus der Unter-Welt... :thumbdown:

    There is no skin like foreskin


  • Ich beantrage einen extra Threat in der Hall of shame für Matthias Kamann und alle Polemiken, die er bisher zum Thema geschrieben hat.


    Binnisch dafür. Aber kopiert das bitte nur. Ich finde den Hinweis auf die Polemik der "Welt" in diesem Strang sehr passend und interessant. Hab nochmals meine Kritik in meinem Beitrag von gestern, 12:16 editiert: https://www.beschneidungsforum.de/index.php?page…38330#post38330
    Ich hoffe auf eine weiterhin spannende, schöne Diskussion, wie wir sie gerade hier führen! :thumbup:

  • Zitat

    Ihnen sprachen im Beschneidungsstreit viele rundheraus das Recht ab, die Vorhaut aus explizit religiösen Gründen entfernen zu lassen.


    Der Ausdruck "entfernen" ist eigentlich reine Schönfärberei. Was bedeutet denn entfernen? Es steckt das Wort "Ferne" darin bzw. wird etwas von hier wo anders hin verbracht und damit ent-fernt.

    Ein Messer oder Skalpell, dass sich jedoch der Vorhaut eines Babys oder eines kleinen Jungen nähert, verfolgt nicht vordergründig die Absicht die Vorhaut in die Ferne oder wo anders hin zu befördern, sondern diese Instrumente zerschneiden das Gewebe mit seinen Nerven und Gefäßen, um aus der intakten Vorhaut ein Stück Müll menschlichen Ursprungs werden zu lassen.

    Vermutlich war es auch umgekehrt unklug zu fordern, dass Zwangsbeschneidungen aus grundrechtlichen Gründen verboten werden müssen. Vielmehr hätte man Glaubensgemeinschaften das verbindliche Recht zugestehen müssen, künftig noch mehr Vorhaupt pro Person zu "entfernen". Damit wäre auch aus der schändlichen Zwangsbeschneidung ein echtes rituelles Opfer für diejenigen entstanden, die im Erwachsenenalter noch dazu bereit gewesen wären.

    Was ist den ein "Stückchen" Vorhaut von einem Baby im Vergleich zu der ausgewachsenen Vorhaut eines erwachsenen Mannes. Warum wollen diese Religionsgemeinschaften nur ein kleines Opfer von dritter Seite leisten, wenn sie doch ein viel größeres Opfer aus eigenen freien Stücken geben könnten.

    Frage: Ist das jetzt alles OT oder ist Schönfärberei nur eine andere Art von Cartoons?

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Frage: Ist das jetzt alles OT oder ist Schönfärberei nur eine andere Art von Cartoons?

    Nee nee. Immer cool bleiben. ;) Geht doch um das Thema Beschneidung und den Umgang damit in der öffentlichen Diskussion.

    Bei dem verlinkten Artikel, den ich kritisiert habe, ging es ja wirklich um etwas völlig Sachfremdes. Darum meine Einwände. Wenn sich jemand in seinen religiösen Gefühlen verletzt fühlt, ist das prinzipiell auch eine Meinung. Wenn ein Journalist das berücksichtigen will, ist das dessen Meinung. Wer das nicht gut findet, hat demgegenüber eine andere Meinung. Mir persönlich ging es um Fälle, bei denen jemand eine bestimmte Meinung hat, aber Angst davor hat, sie zu äußern, weil er sich eingeschüchtert fühlt. Gesellschaftliche Ausgrenzung etwa wegen des Antisemitismus-Vorwurfs ist alles andere als eine Lappalie, auch wenn ich das noch lange nicht mit Mord vergleichen möchte. Es kann sogar ein glatter Kündigungsgrund sein; das sog. "Medienarbeitsrecht" hält für Journalisten einen deutlich geringeren Kündigungsschutz vor als für andere Arbeitnehmer/innen. Ich finde es schon bedenklich, wenn sich Journalisten, die Satiriker oder Kritiker mit solchen Vorwürfen eingeschüchtert haben, sich jetzt mit ihren "Ich bin Charlie"-Schildchen in Szene setzen. Wozu setzt man sich denn in Szene? Um den Terroristen zu signalisieren, dass sie mit ihrer Gewalt niemanden mundtot bekommen. Dass man weitermachen will. Dass man sich die Freiheit nicht durch Angst rauben lassen will.

    Man könnte in solchen Zusammenhängen allenfalls über Sinn oder Unsinn von § 166 StGB diskutieren, was dieser Tage intensiv getan wird, aber darum ging es in dem angegriffenen Artikel noch nicht mal. Irgendeinen wie auch immer gearteten Zusammenhang zum Forum oder zu den in einem Strang besprochenen Problemen sollte ein Beitrag ja schon haben, findest Du nicht? ;)

    2 Mal editiert, zuletzt von Maria Werner (15. Januar 2015 um 16:50) aus folgendem Grund: Kein neues Fass aufmachen durch inhaltliche Wertung des Artikels. Darum Teile meines Beitrages gelöscht.

  • Wenn sich jemand in seinen religiösen Gefühlen verletzt fühlt, ist das prinzipiell auch eine Meinung.

    Ich persönlich sehe sehr gerne die Sendungen von Dieter Nuhr. Wenn er hierbei deftige Satire gegen das Christentum vom Stapel lässt, schlucke auch ich. Vielleicht verletzt er hier auch hin und wieder religiöse Gefühle, aber wenn das Recht eines Kabarettisten auf freie Meinungsäußerung verletzt würde, wäre das doch für alle viel schlimmer. Humor ist ja außerdem auch nicht ganz ernst gemeint ;)

    Guy
    Sei froh, dass ich gerade im obigen Absatz der Satire die Generalabsolution erteilt habe ;)

    Der Unterschied zwischen Dogmatikern und Aufklärern besteht bei der Beschneidungsdebatte darin, dass die einen kindliche Vorhäute und die anderen alte Zöpfe abschneiden wollen. (Quelle: NoCut)

  • Ich persönlich sehe sehr gerne die Sendungen von Dieter Nuhr. Wenn er hierbei deftige Satire gegen das Christentum vom Stapel lässt, schlucke auch ich. Vielleicht verletzt er hier auch hin und wieder religiöse Gefühle, aber wenn das Recht eines Kabarettisten auf freie Meinungsäußerung verletzt würde, wäre das doch für alle viel schlimmer. Humor ist ja außerdem auch nicht ganz ernst gemeint ;)

    :thumbup:

    Weißt Du was, Dieter Nuhr hat erst kürzlich Bemerkungen zu diesem Thema gemacht, die sehr gut in unsere Diskussion passen (falls jemand anderer Meinung ist, bitte motzen :D :(

    Zitat von Dieter Nuhr

    Eine große Fresse ist immer einfach, wenn man weiß, dass nichts passiert. Unter direkter Gewaltandrohung ist das anders, in der Diktatur beispielsweise. Da muss man verbrämt sprechen, drum herumreden, wie beim Thema Islam auch. Wer heute im Fernsehen einen Witz über Mohammed macht, muss damit rechnen, getötet zu werden. Da ist die Freiheit schon lange den Bach runter.

    Zitat von Dieter Nuhr

    Der Andersdenkende wird heute meist nicht mehr mit Argumenten, sondern mit Etikettierungen außer Gefecht gesetzt, dann ist man wahlweise islamophob, neoliberal, rechts oder sonst was.

    http://www.faz.net/aktuell/feuill…rue#pageIndex_2

  • Zitat

    Und was könnte man sich als stärkere Reaktion auf die Pariser Morde vorstellen als die Auszeichnung eines Mitarbeiters von „Charlie Hebdo“?

    Das ist Riad Sattouf. In der Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Novel Observateur“ von letzter Woche erzählt er auf zwei Seiten in einem kurzen Comic, wie er zu den „Charlies“ stieß. Er war 2004 wegen der Publikation seines Albums „La circoncision“ (Die Beschneidung) vor eine französische Kontrollkommission geladen worden, die über Verbote von Büchern entscheidet. Konkret machte man Sattouf den Vorwurf, mit seinem Vater (einem Syrer, der den Sohn gemäß muslimischen Regeln beschneiden ließ) in dem Buch zu respektlos umgesprungen zu sein. Der Zeichner suchte Beistand von Kollegen, die Erfahrungen mit dieser Kommission hatten, und wo hätte er diesbezüglich kenntnisreichere Leute treffen können als bei „Charlie Hebdo“, einem Magazin, dem bekanntlich nichts heilig ist? Man half ihm, und Sattouf wurde danach zum regelmäßigen Mitarbeiter...

    http://blogs.faz.net/comic/2015/01/…-sein-wird-619/

    There is no skin like foreskin

  • Guy, weißt du, was das da für eine Kommission war, die darüber entscheiden konnte, ob respektloser Umgang mit dem Vater ein Grund sei, das Buch nicht zu veröffentlichen? Das klingt ja eher nach Orwell als nach einer Nation, bei der Millionen auf die Straße gehen und "Je suis Charlie" skandieren.

  • "Eine offene Gesellschaft muss Satire aushalten können". Da muß ich dem Threadersteller beipflichten - so wie die Beschneidungsgegner Argumente der Befürworter aushalten sollten. Wenn ich ich mir so manche Kommentare anschaue, kommen mir da allerdings Zweifel.

    VG Sidi

  • so wie die Beschneidungsgegner Argumente der Befürworter aushalten sollten

    Tja manchmal sind die "Argumente" so schräg, da sagt man dann schon mal: "das hältste am Koppe nicht aus!"
    Aber keine Bange, bis jetzt haben wir diesen Quark noch immer "aus-gehalten". Und haben uns nicht ab-halten lassen, und haben die Gegenargumente nicht ein-gehalten. So halten wir das halt. Und wir werden das auch durch-halten.
    Denn die körperliche Unversehrtheit ist ein Grundrecht, das er-halten werden muss. Damit Babys und Kleinkinder ihre Vorhäute be-halten können.

    There is no skin like foreskin

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