"Bildungs"veranstaltung in Freiburg, am 6.6.13 um 16h30 (bis 18h)

  • Bei den spanischen Marranos soll sich in manchen Familien der Brauch gehalten haben, am Freitagabend zwei Leuchter anzuzünden und dann in einen geschlossenen Schrank zu stellen. Hintergrund dieses Brauchs soll die Erinnerung an die Feier des Schabbat gewesen sein, den die Zwangskonvertiten nicht mehr frei feiern konnte.

    Interessant wäre, ob unter den Marranos auch noch zirkumzidiert wurde...

    Gruß
    Hickhack

  • Ein säkularer Jude ist nur noch Jude durch seine Abstammung. Das religiöse Element spielt hier keine Rolle mehr.

    Sekularität und Religiosität stehen sich nicht per se gegensätzlich gegenüber. Man kann sekular und religiös sein. Man kann aber auch atheistisch und jüdisch sein. Irgendwo habe ich mal das Wort "Schicksalsgemeinschaft" aufgeschnappt. Die jüdische Gemeinschaft identifiziert sich sicherlich durch weitaus mehr als nur durch religiöse Faktoren.

    Und nicht irgendein anderer jüdisch traditioneller Brauch?


    Naja da gibt es bestimmt noch ganz viel anderes... das kleine Gebetskästchen an der Tür haben wohl auch die meisten Nichtreligiösen, soweit ich gehört habe. Einfach eine nette alte Tradition. Und die Feierlichkeiten, wie das Lichterfest, ganz bestimmt auch. Kultur und Geschichte wollen sicherlich gepflegt und tradiert werden - aber sie sind da, als geistige Elemente, nicht als körperliche. Und alles, was geistig und mit freiem Willen vonstatten geht, ist nicht überall vollkommen gleich. Nur - was rechtfertigt das? Und haben die Frauen nicht auch einen ganzen Körper...?

  • Aber Maria...

    Der Körper der Frau ist vollkommen von Geburt an - der Körper des Jungen aber kommt unfertig auf die Welt um den Mann durch die Entfernung der Vorhaut daran zu erinnern, daß er der Vervollkommnung erst noch bedarf...

    Gruß
    Hickhack

  • Der Körper der Frau ist vollkommen von Geburt an ...

    Vorsicht! Du bist dabei, dich zu später Stunde um Kopf und Kragen zu reden. Die Vervollkommnung des weiblichen Körpers nimmt schon einige Jahre in Anspruch. Ich weiß schon, dass du das so gemeint haben wirst.

  • Eine befriedigende Antwort, weshalb das Ritual auch in säkularen Kreisen weiter fortgesetzt wird, scheint es nicht zu geben.

    Meine persönliche Erklärung des Phänomens ist da recht simpel: das Aufgeben des Rituals käme dem Eingeständnis gleich, in der Vergangenheit womöglich etwas falsches, unrechtes getan zu haben. Das scheint geradezu unvorstellbar zu sein. Wer käme schon auf die Idee, sich einzugestehen, Menschenrechte des eigenen Kindes verletzt zu haben. Der einfachste Verdrängungsmechanismus besteht also darin, an gewohnten Dingen weiter festzuhalten. Was hunderte Generationen zuvor gemacht haben, kann ja nicht falsch gewesen sein, auch wenn es nicht richtig war. Nur kommt man mit dieser Einstellung leider keinen Millimeter vom Fleck.

  • Will damit sagen: auch diese verblumt "kulturell" genannten Gründe sind sehr vielschichtig und keinesfalls immer "kultureller" Natur.


    Ich sehe das genauso. Warum machen das fast alle, und warum ausgerechnet das? Warum wird das derart aggressiv verteidigt? Die religiöse Komponente dürfte für mindestens 70 % nicht ausschlaggebend sein gemäß eines Interviews, dass ich mal hier gepostet hatte. Ich verlinke das später vielleicht nochmal hierher. Der Identitätsfaktor scheint sehr viel bedeutsamer zu sein und was ich bislang hierzu an Äußerungen mitbekommen habe, wirkt auf mich, ehrlich gesagt, überaus pathetisch. Doch auch das allein dürfte kaum eine Erklärung sein. Die Mischung aus vielen Faktoren, vor allem auch den psychologischen, dürfte hier sicherlich maßgeblich sein.

  • Vorsicht! Du bist dabei, dich zu später Stunde um Kopf und Kragen zu reden. Die Vervollkommnung des weiblichen Körpers nimmt schon einige Jahre in Anspruch. Ich weiß schon, dass du das so gemeint haben wirst.


    Sorry, ich hätte die Quelle mitliefern sollen. Die Aussage stammt sinngemäß von jüdischen Offiziellen zur Frage, warum Mädchen im Judentum nicht markiert werden.

    Gruß
    Hickhack

  • Sorry, ich hätte die Quelle mitliefern sollen. Die Aussage stammt sinngemäß von jüdischen Offiziellen zur Frage, warum Mädchen im Judentum nicht markiert werden.


    Irgendwie kam mir das auch schon bekannt vor. Manchmal muss ich meine Spitzfindigkeiten einfach loswerden.

  • Vielen Dank, Pallas und Guy!
    So ist aus der "Bildungs"veranstaltung doch tatsächlich noch eine geworden.

    Sehr gut, dass auch die nichtreligiöse Motivation herausgearbeitet wurde.
    Dafür werden ja sonst immer nur die USA herangezogen. Dabei bezeichnen sich auch in Israel nach einer aktuellen Umfrage nur 24% der Einwohner als religiös, also sind selbst dort die meisten Jungenbeschneidungen nichtreligiös motiviert.

    Das zu tun, was schon die Eltern, Großeltern und unzählige Generationen zuvor getan haben, zumal in einer unsicheren Lebenssituation wie nach der Geburt eines (weiteren) Kindes, fühlt sich für die meisten Menschen weltweit immer irgendwie richtig an.
    Das ist schon paradox: Das Festhalten an einer Handlung, mit der sich eine Gruppe von den anderen abgrenzen und abheben möchte, macht sie im Grunde besonders gewöhnlich...

  • Das zu tun, was schon die Eltern, Großeltern und unzählige Generationen zuvor getan haben, zumal in einer unsicheren Lebenssituation wie nach der Geburt eines (weiteren) Kindes, fühlt sich für die meisten Menschen weltweit immer irgendwie richtig an.

    Zitat

    The survey also found that nearly a third of the parents would prefer to forgo circumcision but nevertheless have it done for social reasons ‏(16.6 percent‏), health reasons ‏(10.4 percent‏) and because it is important for the grandparents ‏(2.1 percent‏).

    Haaretz vom 14. Juni 2012

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