Kopftuch vs. Genitalverstümmelung

  • Das Österreichische Parlament hat gerade mit großer Mehrheit ein Verbot des Kopftuchtragens für Mädchen unter 14 Jahren an Schulen erlassen. Bei Verstößen droht eine Geldstrafe bis 800€ für die Eltern.

    Ein strafloses Verbot ist kein Verbot, sondern ein Witz. Ein zahn- und krallenloser Tiger (das gilt auch für das manchmal geforderte straflose Verbot der Genitalverstümmelung von Jungen). Wird aufgefasst als "Na, dann können wir's ja machen!"

    Das ist spannend, wenn man es mit der impliziten Tolerierung der lebenslang nachwirkenden, irreversiblen Genitalverstümmelung von Jungen in Österreich bzw. mit der expliziten Legalisierung derselben in Deutschland vergleicht.

    Kognitive Dissonanz in Reinform.

    Man hat in Österreich also ein neues geschlechtlich und religiös (andere religiöse Kopfbedeckungen, z.B. Kippas werden nicht verboten) diskriminierendes Gesetz geschaffen. Mit interessanten Begründungen, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte:

    Auf der einen Seite gebe es das Grundrecht auf Religionsfreiheit. "Dementsprechend haben wir einen Weg gewählt, dass wir das Gesetz bis zum Alter von 14 Jahren verankern, denn ab 14 gibt es die Religionsmündigkeit, wo die Mädchen selbst entscheiden dürfen, welche religiösen Symbole und Zeichen sie zur Schau tragen", betont Wiederkehr. Das Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren habe zum Ziel, Kinderrechte zu stärken sowie das Recht auf freie Entwicklung ohne Fremdzuschreibung und Zwang.

    Aha! Seltsamerweise wird bei Jungen diametral umgekehrt mit "Religionsfreiheit" argumentiert. Weil sie bis 14 religiös unmündig wären könne man bei ihnen ruhig Fremdzuschreibung und Zwang anwenden - mit anders als bei einem ablegbaren Kopftuch lebenslangen, unkorrigierbaren Folgen.

    Die Jungen dürfen nicht selbst entscheiden welche religiösen Zeichen sie lebenslang am Körper tragen müssen.

    Ist das gerecht? Liegt diese krass und grotesk unterschiedliche Handhabung daran, dass jüdische Kinder von dem neuen Gesetz nicht betroffen sind? Denn 2012 wurde ja immer wieder gesagt "jüdisches Leben (gemeint war die Genitalverstümmelung von Jungen) muss in Deutschland weiter möglich sein!". "Ausgerechnet in Deutschland" und "in Anbetracht der deutschen Geschichte" könne man die körperlich Unversehrtheit von Jungen nicht schützen (eine Argumentation, die mit dem Islam sicher nichts zu tun hatte).

    Was dann zur Folge hatte, dass die Genitalien aller Jungen für vogelfrei erklärt wurden.

    Die kleinen Junge heute können aber rein gar nichts für die schrecklichen Verbrechen der Nazis - warum sollen die jetzt dafür büßen?


    Es gehe nicht nur um ein Stück Stoff oder ein Symbol, sondern auch um religiös-reaktionäre Konzepte, die gleichheitsfeindliche Inhalte transportieren würden, so Güngör, Soziologe und Leiter des Beratungs- und Forschungsbüros think.difference, gegenüber der APA.


    Seltsam!

    Gleichheitsfeindliche Inhalte werden vielfach auch bei der muslimischen "Beschneidung" von Jungen transportiert. Für die wird ein Riesenfest abgehalten , es gibt für sie schöne Geschenke - für Mädchen gibt es NICHTS. Was transportiert: "Mädchen sind unwichtig".

    Und den Jungen wird vielfach erzählt, dass sie jetzt ein Mann seien und über den Mädchen und Frauen stünden. Aber wird deswegen die Genitalverstümmelung beanstandet, gar verboten?

    I wo!

    Zitat

    „In den islamistischen Schriften ist zu lesen, dass, je früher einem Kind das beigebracht wird, desto mehr wird es das Kopftuch als eine natürliche Haut sehen und ein Riesenproblem haben, es irgendwann abzunehmen“, so Güngör.

    Genitalverstümmelung lässt sich überhaupt nicht "abnehmen". Die Vorhaut wächst nie mehr nach. Und für manche ist das ein Riesenproblem. Gefragt, ob sie einen sensiblen und funktionalen Teil ihres Genitals kaputt gemacht haben wollen wurden sie nicht.

    "Eine natürliche Haut" - das ist die Penis-Vorhaut. Genauso natürlich und funktional wie die Klitoris-Vorhaut (an der sich niemand ohne medizinische Indikation bei Kindern vergreifen darf). Kein Artefakt, sondern eine sinnvolle Entwicklung der Evolution.

    Anders als ein Kopftuch kann man sie nicht wieder anlegen, nach dem sie einem genommen wurde. Für die Vorhaut gibt es keinen Ersatz.

    Auf evangelisch.de wird gewettert:

    "Subtile Entwertung von Musliminnen".."antimuslimischen Rassimus"

    Das verwundert nicht, haben sich die beiden großen christlichen Kirchen doch immer wieder gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit von Jungen vehement eingesetzt. Schande! Und das, obwohl sie was Kinder angeht (sexueller Missbrauch und Misshandlungen in kirchlichen Einrichtungen und deren Vertuschung) vieles gut zu machen hätten.

    ...ein Zeichen der Abgrenzung und Ablehnung unserer freiheitlichen Gesellschaft in der die Geschlechter gleichberechtigt, frei von Stereotypen und überkommenen Rollenerwartungen bestehen. Unsere Gesellschaft muss sich fragen, wie weit sie derartige Strömungen, die unserem Grundgesetz als Wertesystem und Leitkultur unverkennbar widersprechen dulden kann.

    Hört hört!

    Die CDU muss sich auch was fragen lassen. Wie sie am 12.12.2012 mit weit über 90% all dem zustimmen konnte als es nicht um MÄDCHEN sonder "nur" um Jungen ging.

    Schizophren!

    Doch die alten Pro­bleme, die auch schon für die Debatte über Lehrerinnen mit Kopftuch galten, tauchen auch hier wieder auf: Ein solches Verbot greift in Grundrechte ein....

    Und warum gefährdet dann die Körperverletzung bei einer Beschneidung von Jungs das Kindeswohl nicht?

    Man könnte sagen: Gute Frage! Und wie beantwortet Heide Oestreich diese Frage?

    Gar nicht!

    Das ist erkennbar als rhetorische Frage gemeint. Ein alter Trick aus der journalistischen Schmuddelkiste: Wenn sogar die Genitalverstümmelung von Jungen erlaubt ist müssen Eltern doch erst recht Mädchen unter den Hijab zwingen dürfen. Alles klar, alles klar, alles bleibt, wie es war...

    Man könnte auch sagen: saublöde Frage. Kein Kind fühlt sich wohl wenn ihm Schmerzen zugefügt werden. Mit Schmerzen ist eine GM immer verbunden, besonders die von Babys oft mit brutalen Schmerzen. Zum Kindeswohl gehört es, dass die Intimzone des Kindes in Frieden gelassen wird.


    Zitat von Heide Oestreich

    Mädchen stark machen

    Und Jungen einen Teil ihres Körpers einfach ungefragt kaputt machen... ist das denn gerecht?


    Das selbe linke Trick bei Anna Lutz:


    Unwürdiger Krach ums Kopftuch

    Ein Kopftuchverbot müsste zudem ins Verhältnis gesetzt werden zu anderen Regeln, die das religiöse Leben in Deutschland betreffen. Man darf an dieser Stelle vorsichtig fragen: Ist ein Kopftuch bei einer 12-Jährigen tatsächlich dramatischer für die kindliche Entwicklung als ein medizinischer Eingriff? Ist die Gefährung [sic] des Kindeswohls durch ein Stück Stoff wahrscheinlicher als durch das Skalpell?

    Damit soll nicht gesagt werden, dass nicht zu hinterfragen ist, ob Kopftücher ein Instrument des Sexismus sein können, erst recht bei Kindern unter 14

    Also dramatisch ist das Messer am Genital schon, gell, Frau Lutz? Ei, was sagen sie denn zur Genitalvestümmelung von Jungen? Hinterfragen sie die? Wie beantworten sie ihre Frage?

    Natürlich gar nicht, wieder eine rhetorisch gemeinte Frage die in Wirklichkeit überhaupt nicht rhetorisch ist.

    Zitat

    Deutschland hat 2012 gezeigt, dass es würdig und unaufgeregt über Fragen der religiösen Selbstbestimmung bei Kindern diskutieren und entscheiden kann. Das sollte es wieder tun.

    Das ist nun wirklich der Gipfel! Die große Mehrheit der Deutschen hat sich gegen Genitalverstümmelung von Kindern ausgesprochen, ja auch gegen die von Jungen!

    Bei der "Entscheidung" §1631d BGB spielte die Selbstbestimmung der Betroffenen nicht die geringste Rolle - sie wird ja gerade durch das Gesetz verunmöglicht.

    Kein Betroffener kann sich später selbstbestimmt entscheiden wieder ein vollständiges Genital zu haben - mit allem was die Natur ihm einst zugestanden hatte.

    There is no skin like foreskin

  • Der liberale Staat sollte sich seinem Neutralitätsgebot folgend Religionen gegenüber indifferent verhalten. Er muss dort wachsam sein, wo Grundwerte verletzt und die Demokratie an sich angegriffen werden. Religionsfreiheit darf nicht dazu führen, dass im Namen der Religion mit Demokratie unvereinbare Haltungen und Handlungen verharmlost und Sonderrechte geschaffen werden.

    Sollte man meinen.

    Zitat

    Das Problem ist naturgemäß, dass diese Ausnahmen längst bestehen. Tolerierte religiöse Gesetze und Normen führen zu einer Beschränkung individueller Freiheit und schreiben antiquierte Geschlechterrollen fort.

    Leider!

    Zitat

    Wenn es ein Kopftuchverbot für Mädchen gibt, warum bleibt beispielsweise die rituelle Beschneidung ohne medizinische Indikation (Genitalverstümmelung) bei Burschen weiter erlaubt?

    Berechtigte Frage!

    Die Antwort gibt es weiter unten:

    Zitat

    Religion instrumentalisiert Politik

    Exakt. Den Eindruck musste man 2012 in Deutschland gewinnen.

    Aber es kommt sehr auf die Religion an! Die einen bekommen die volle Härte des Gesetzes zu spüren, den anderen wird auch noch eine gesetzliche Extrawurst gebraten, sie erhalten einen Freifahrschein.

    There is no skin like foreskin

  • Alan Posener meint auch etwas zu den Mädchenkopftüchern sagen zu müssen:

    Ein Mädchen mit Kopftuch in der Klasse ist ein Warnsignal...

    Es gibt gute Gründe für ein Kopftuchverbot.

    Ja, scho - aber - jetzt kommt's:

    Für Posener ist ein Verbot gefährlich. weil - da könnten ja noch andere Kinderschutz- und Tierschutzgedanken aufkommen!


    (Eine ähnliche "Wehret den Anfängen!" Haltung fand man ja auch 2012 bei den beiden großen (immer kleiner werdenden) Kirchen. Wo man offenbar befürchtete, dass wenn erst mal die religiös motivierte Genitalverstümmelung in Frage gestellt würde dann auch Fragen nach der Kirchensteuer, der staatlichen Priesterfinanzierung, dem kirchlichen Arbeitsrecht usw aufkommen könnten)

    Zitat

    Aber wenn heute das Kopftuch in der Schule verboten wird, können morgen andere Verbote kommen, die das Recht auf ungestörte Religionsausübung beschneiden.

    Es gibt gute Gründe für das Kopftuchverbot. Aber bessere Gründe dagegen.

    Und diese "besseren Gründe" sind, dass weiter Jungen genitalverstümmeln und Lämmer und Kälbchen betäubungslos schlachten erlaubt sein soll.

    Da muss man das mit den Hijabs bei Mädchen im Kindesalter halt in Kauf nehmen Posener sieht das offenbar als Kollateralschaden an.


    Na, immerhin blieb Posener selbst ja verschont, intakt. Und hat sich bei seinem jüdischen Vater dafür bedankt. Warum hat er sich eigentlich nicht bei seiner nicht-jüdischen Mutter bedankt? Vielleicht hatte er das ja eher ihr zu verdanken?

    Warum hat er sich bedankt? Ist die Vorhaut doch nicht so schlecht und gefährlich?

    Er hat Glück gehabt, warum gesteht er dieses Glück nicht allen Jungen zu?


    Ja, seltsam. Posener redete 2012 tatsächlich selbst noch von Genitalverstümmelung!

    Zitat von Alan Posener

    Immerhin kann aber eine Frau das Kopftuch oder die Burka ablegen, wenn ihr danach sein sollte. Sie braucht nur Mut. Die Vorhaut ist aber weg.

    Johann Jakob 180°-Wendehals! X/X/

    There is no skin like foreskin

  • Zitat

    Die Religionsfreiheit ist ein so hohes Gut, dass sie Vorrang hat vor dem Anspruch eines Babys auf körperliche Unversehrtheit und vor dem Tierwohl. Zu Recht.

    Eines Babys? Es gibt keine Altersgrenze im §631d BGB, nur Gummi: "nicht einsichts- und urteilsfähig". Der Grund ist, dass man eben die Selbstbestimmung des Betroffenen verunmöglichen will.

    Aber wenn das so ist - dann müssten entsprechende Religionsgemeinschaften doch auch an den Genitalien von Mädchen was abschneiden dürfen, wenigstens die Vorhaut, nicht wahr, Herr Posener?

    Und gewisse "Freikirchen" müssten doch mit Verweis auf die Bibel ihre Kinder züchtigen dürfen?

    Gegen das gefährliche "orale Absaugen" kann man dann ja auch wohl nichts sagen, weil die Religionsfreiheit ja ein so hohes Gut ist und Vorrang vor der körperlichen Unversehrtheit und dem Recht auf Leben hat?

    Und wenn die Eltern eines Kindes aus religiösen Gründen ablehnen, dass das Blut eines Kindes durch eine Transfusion "verunreinigt" wird?

    Dann darf wohl auch ein Mann unter Berufung auf den Koran (Religion!!!) seine widerspenstige Ehefrau schlagen? Ist ja auch "nur" eine Verletzung des Rechtes auf körperliche Unversehrt und das hohe Gut der Religionsfreiheit hat ihrer Meinung nach ja Vorrang?

    usw, usw...

    Und wenn ein Junge auf Grund einer Genitalverstümmelung (wie sie das treffend mal selbst genannt haben) stirbt - ist das einfach ein Kollateralschaden?


    Oder gibt es Besserreligionen und Schlechterreligionen?


    "Hohes Gut"? "Zu Recht"?


    Kommt einem alles so vor, wie jemand der Wasser predigt uns selbst auf einem vollen Weinkeller sitzt.

    There is no skin like foreskin

  • Zitat von Posener

    Ein Mädchen mit Kopftuch in der Klasse ist ein Warnsignal...

    Muss man vor dem Mädchen warnen? Ist das Mädchen gefährlich?

    Das meint Posener sicher nicht. Vielleicht meint er, dass das ein Signal ist dass da was schiefläuft. Dass das Mädchen evtl. von stramm religiösen Eltern dazu gezwungen wird.

    Ist das immer ein Warnsignal? Heißt das immer, dass das Mädchen gezwungen wird?

    Ich habe damals in der Klasse auch gerne eine auffällige Kopfbedeckung getragen, was manche Lehrer ziemlich aufgeregt hat. :D

    Wie ist das denn mit einem vorhautlosen Jungen unter der Gemeinschaftdusche?

    Ist der auch ein Warnsignal? Vor dem Jungen muss man nicht warnen, der ist ja deswegen nicht gefährlich.

    Und man weiß ja auch nicht, warum der Junge vorhautlos ist. Könnte ja von einer medizinisch notwendigen Operation stammen. So etwas gibt es ja, wenn auch eher selten.

    Aber wenn der Zustand Folge einer religions- oder traditionsmotivierten Amputation ist - dann ist das ganz sicher ein Alarmsignal, ein Zeichen dafür, dass im Rechtsstaat (der ein Wächteramt gegenüber Kindern hat!) etwas gewaltig schief läuft. Dass etliche Artikel des Grundgesetzes missachtet wurden und werden.

    There is no skin like foreskin

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