„Ärztliche Kunst“ - die schlechtmöglichste Rechtfertigung.

  • In den Augen des Gesetzes ist „ärztliche Kunst“ die Rechtfertigung, einen Jungen lebenslänglich körperlich zu schaden. Allein Zirkumzision als „Kunst“ zu betrachten ist hochzirkumphil. Sehen wir uns mal an, wofür man „Kunst“ nach dieser Logik als Rechtfertigung nehmen könnte:

    „Upskirting“, das Fotografieren einer Frau unter ihrem Rock ohne ihre Zustimmung, ist in den Augen des Gesetzes eine „Verletzung sexueller Selbstbestimmung“. Aha. Aber das erzwungene Abschneiden der Vorhaut mit den Folgen einer dauerhaft ungeschützten Eichel und eingeschränkten Möglichkeiten beim Sexaufwärmspiel gelten als „ärtzliche Kunst“. Was für ein elender Blödsinn.

    Warum gilt Upskirting eingentlich nicht als „fotografische Kunst“? Wenn „Kunst“ und „die Person wird sich nicht daran erinnern“ Rechtfertigungen für Zirkumzision seien, warum nicht auch dafür? Immerhin ist ein Foto unter dem Rock „anonym“ und „könnte von jeder beliebigen Frau gemacht worden sein“, nicht wahr?

    „Rachepornos sind auch ohne Einwilligung der gefilmten Person erlaubt, solange sie unter den Regeln der filmerischen Kunst produziert worden sind.“, „Menschen dürfen überfahren werden, solange die Regeln der fahrerischen Kunst beachtet werden.“ - Ergibt Sinn, nicht wahr?

    Und jetzt kommen wieder die Vergleiche mit Impfungen: „Aber, aber, ein Kind kann einer Impfung ja auch nicht zustimmen!“. Oder, wie der Zirkumphiliesuperstar Brian Morris sagte, "circumcision is a surgical vaccine". Der Unterschied, dass ein hochempfindliches und schützendes Körperteil dauerhaft entfernt wird, scheint ihm aber nicht ganz so einzuleuchten.

    Die Guten gewinnen in Märchen und DreamWorks-Filmen. In der Realität gewinnen sie nicht.

    Meine Beiträge stehen zur uneingeschränkten Wiederverwendung frei (CC0 1.0).

  • Ich meine Steinmeier hat mal in einer Rede über die Debatte gesagt, dass ein Wert verraten werden wird. Also teilweise sind die sich schon bewusst, was die da tun. Hier in Deutschland scheint religiös motivierte Gewalt an Kindern über dem Kindeswohl zu stehen.

  • In den Augen des Gesetzes ist „ärztliche Kunst“ die Rechtfertigung, einen Jungen lebenslänglich körperlich zu schaden

    Also so ist das ja nun nicht. Die vermeintliche Rechtfertigung ist das Sorgerecht der Eltern. Die Einhaltung der Regeln der ärztlichen Kunst ist Voraussetzung für das Greifen des §1631d.
    Dass das mit den "Regeln der ärztlichen Kunst" bei einer Genitalverstümmelung ein Widerspruch in sich ist, darüber müssen wir uns nicht unterhalten. Dass nichtärztliche Verstümmler diese eh nicht einhalten können war dem Gesetzgeber auch klar.
    Der 1631d ist eine Riesen-Mogelpackung. Es soll einfach alles weiterlaufen, ob ohne Betäubung, mit unzureichender Betäubung oder mit oralem Absaugen, das will der Staat gar nicht wissen.
    Er baut auf "Wo kein Kläger, da kein Richter". Und Eltern und Verstümmler werden kaum Selbstanzeige erstatten.


    Warum gilt Upskirting eingentlich nicht als „fotografische Kunst“?

    Warum sollte es? Das ist eine Unverschämtheit, die sich keine Frau gefallen lassen muss.

    Indeed, as the history of female circumcision suggests, if male circumcision
    were confined to developing nations, it would by now have emerged as an in-
    ternational cause celebre, stirring passionate opposition from feminists, physicians, politicians, and the global human rights community. If routine medical
    circumcision didn't exist today, no one would dare to invent it.

    David Gollaher

  • Ich meine Steinmeier hat mal in einer Rede über die Debatte gesagt, dass ein Wert verraten werden wird.

    Er hat sich voll verplappert.
    Er hat das Kindeswohl verraten, und die SPD ist ihm mehrheitlich dabei gefolgt.

    Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten! (Marlene Rupprecht und einige andere ausdrücklich ausgenommen)

    Indeed, as the history of female circumcision suggests, if male circumcision
    were confined to developing nations, it would by now have emerged as an in-
    ternational cause celebre, stirring passionate opposition from feminists, physicians, politicians, and the global human rights community. If routine medical
    circumcision didn't exist today, no one would dare to invent it.

    David Gollaher

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