Eine weitere Geschichte

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    • Eine weitere Geschichte

      Kurz vorab:
      Nachdem ich mir das jetzt von der Seele geschrieben habe und ein wenig im Forum gelesen habe, bin ich auf den Thread "Gute Gründe, um einen beschnittenen Mann zu behalten?" aus dem August 2018 gestoßen. Er hat mir gezeigt, dass es viel zu leicht ist, sich in seinem eigenen Loch gefangen zu halten. Selbstbestimmung hat das ganz toll zusammengefasst: "Ein Freund von mir und seine Freundin hatten in jungen Jahren einen fremdverschuldeten Autounfall. Seit dem ist sie querschnittsgelähmt. Das ist ein verdammt schweres Schicksal. Da würde ich 1000 mal eher meine Vorhaut abgeben." Das ist einfach so wahr. Es gibt immer noch härtere Schicksale. Ich glaube, dass wir am Ende unser Glück trotzdem noch selbst in der Hand haben. Es ist für uns einfach nur eine größere Herausforderung als für andere.

      Trotzdem geht es mir direkt besser, wo ich nun all diese Gefühle einmal runterschreiben konnte. Und weil so viele von euch den Mut aufgebracht haben, offen über ihre Probleme zu reden, poste ich den Text trotzdem. Vielleicht hilft er dem ein oder anderen von euch, Worte für das zu finden, was ihn so lange schon beschäftigt. Für ein paar nette Worte bin ich euch selbstverständlich auch dankbar.

      Ursprünglicher Text:
      Hey Leute,

      mit etwa 13 oder 14 Jahren wurde bei mir eine Vorhautverengung diagnostiziert. Ich hatte Probleme, die Vorhaut weit nach hinten zu ziehen. Für den damaligen Arzt war die Sache direkt klar und ohne jeglichen vorausgegangen Therapieansatz kündigte er an, dass ich beschnitten werden musste. Kurz darauf war es auch so weit. Mit den Beschneidungsmethoden kenne ich mich noch nicht so ganz aus, aber ich glaube, dass man es high and tight nennt. Es ist praktisch nichts mehr da. Frenulum inklusive.

      Damals als Teenager war mir noch nicht klar, was das alles bedeuten würde. Wenn ich heute lese, dass es zahlreiche vorhauterhaltende Methoden gibt oder ein Eingriff vor einer Therapie mit Salben und Dehnübungen oder überhaupt in einem späteren Alter eigentlich völlig unvertretbar ist, spüre ich einfach so vieles. Rasend vor Wut, Trauer, Frust und Verachtung. Ihr kennt das ja alle.

      Was ich heute fühle kann ich einfach nicht in ein paar Worte fassen. Schon länger habe ich gehört, dass die Vorhaut durch einen langen Prozess nachwachsen kann. Aber das Wissen, dass hier Gewebe für immer verloren ist – ein Teil von mir; gerade so etwas wie das Frenulum – fühlt sich einfach so grausam an. Eine Tür, die für immer verschlossen ist. Es gibt keinen Rückweg mehr dorthin.

      Meine Probleme, die mich überhaupt zur Suche nach diesem Forum veranlasst haben, sind euch ja auch bekannt. Im Bett steht er lange und ich habe Frauen sehr glücklich gemacht. Aber ich selber fühle mich immer auf der Strecke geblieben. Es ist ein Hunger, der nie gestillt ist. Seit meiner Beschneidung habe ich ein für mich sehr schwieriges Verhältnis zur Sexualität entwickelt. Einerseits liebe ich Sex, aber auf der anderen Seite ist es nie genug. Selbst wenn ich komme, ist es wie ein Essen ohne Geschmack, ein Duft ohne Geruch oder ein Bild ohne Farben. Es ist nie das selbe. Es gibt kein Maß.

      Die Aussicht, dass ich noch den Rest meines Lebens so verbringen werden muss, stellt mich vor eine erdrückende Ohnmacht. Eigentlich hilft es ja, nicht daran zu denken. Aber wie soll man das? Es ist einfach eine Leere, die sich durch nichts füllen lässt.

      Heute schreibe ich euch hier, weil ich nach irgendeinem Ort suche, an dem ich irgendwelche Worte des Verständnisses finden kann. Vorhin habe ich mit meiner Freundin telefoniert und ihr gesagt, dass ich darüber nachdenke, so eine Vorhautrestoration auszuprobieren. Sie hat kritisch, gleichgültig und dann ablehnend reagiert. Ihr Exfreund hätte damit keine Probleme gehabt. Ihr Exfreund, der schwere psychische Probleme hat – das ist das einzige, was ich so richtig über ihn weiss.

      Ja, und jetzt sitze ich hier. Nach so vielen Jahren verstehe ich erst in aller Klarheit, woher diese Probleme kommen, die ich mit mir herumtrage. Ich fühle eine Leere, weil mir etwas fehlt. Weil es genommen wurde. Und ich suche da nicht einfach nur nach einem Sündenbock. Vom Kindergartenalter an wurde ich gemobbt. Fast bis zum Ende meiner Schulzeit musste ich die ständige Tortur der anderen Kinder ertragen. Glaubt mir, wenn ich euch sage, dass ich viel Zeit mit Nachdenken verbracht habe. All diese Dinge von damals in Stunden über Stunden an Reflexion und Gesprächen aufgearbeitet. Selbstbewusstsein hatte ich keines, als ich fertig war. Heute bin ich selbstständiger Unternehmer und konfrontiere Großkonzerne ohne Scheu. Aber dieser eine Aspekt, die Sexualität, war immer etwas, was ich mir nicht erklären konnte. Wofür ich auch nach Jahren der Fragen keine Antworten finden konnte. Heute wird mir das alles bewusst. Gerade in diesem Moment.

      Ich habe mir vorhin den Manhood Restorer bestellt. Ich will zumindest einmal versuchen, sehen, spüren, ob es daran liegt. Ich habe keine Lust, mich ein Leben lang als Opfer zu sehen. Nichts liegt mir ferner als das.

      Aber dieses Wissen stürzt mich in eine tiefe Ohnmacht. Ich hatte ja immerhin für die Hälfte meines Lebens eine Vorhaut im Gegensatz zu so vielen von euch. Aber dieser auf Ewig verschlossene Weg zu diesen Gefühlen... Ich kann es einfach nicht beschreiben. Es tut einfach nur weh. All die Jahre, die mich dieses Thema schon rumtreibt und ich weiss einfach nicht, wie man das ein Leben lang ertragen soll.
    • Seit gerade mal 12 Stunden beschäftige ich mich mit dem Thema und auf einmal ergeben so viele Dinge einen Sinn. Verhaltensmuster, die ich mir nie erklären konnte, liegen jetzt mit dem Gefühl von "ja, na klar" bar vor mir. Meine Zweifel an meiner Partnerin, nicht genug für mich zu sein. Meine Zweifel an mir, nicht genug zu sein. Mein Bedürfnis risikoreich zu fahren. Das Gefühl, dass man Dinge nicht verdient hat, weil man sie auch einfach nicht spürt. – Es fühlt sich alles genauso an wie das, was ich jetzt entdeckt habe. Oder auch einfachere Dinge, wie dass ich immer weite Hosen tragen wollte und mich Jahre lang gewehrt habe, passende Hosen zu tragen. Ich habe nie darauf geachtet, aber es fühlt sich einfach so unangenehm an. Man vergisst einfach, dass die Reibung und das Scheuern da ist. Wo ich mehr darauf achte, fühlt sich die Eichel an wie eine offene Wunde. Etwas, das ständig verletzt ist. Ich habe sie jetzt ein paar mal eingecremt und verpackt. Seitdem ertrage ich es kaum noch ohne herumzulaufen.

      Ich glaube, dass da noch ein paar Dinge mehr hinzukommen werden. Aber ich kann jetzt so gut verstehen, worunter die anderen Männer alle leiden, nachdem ich endlich einen eigenen Zugang dazu gefunden habe. Ich hoffe nur, dass meine Freundin das auch verstehen wird können.
    • Ich glaube, dass wir uns als beschnittene, verschnittene, beschädigte Männer sehen können. Aber ich glaube auch, dass wir uns trotzdem durch unsere Träume und Taten identifizieren können.

      Die Jungen und Männer auf der Straße heute habe ich in einem völlig anderen Licht gesehen als bisher. Ich wünsche mir sehr, dass ihnen das allen erspart bleibt.

      Es sind mir inzwischen wieder neue Dinge aufgefallen. Ein sehr unterbewusstes Gefühl, das gerade in den letzten fünf, sechs Jahren bemerkbarer geworden ist. Eine ständige Unruhe. Mein bester Kumpel bezeichnet mich schon seit Jahren als einen "Rastlosen". Und ich glaube endlich zu wissen, woher das Gefühl und diese Rastlosigkeit kommen. Es ist genau das, was ich durch die Nacktheit und Unbedecktheit empfinde. So ein Gefühl von Flucht, Bedürfnis nach Sicherheit. Wie ich auch darauf komme? Eines meiner liebsten Gefühle ist, wenn mich meine Freundin unten festhält. Wenn sie ihre Hände schützend über den Schaft legt. Das sind Momente, in denen ich echten Frieden finde.

      Ich habe mich deswegen dazu entschlossen, ein Gerät auszuprobieren. Am liebsten wäre mir natürlich, wenn Foregen morgen plötzlich marktreif wäre, aber das liegt wohl noch in der Zukunft. Bis dahin kann ich ja zumindest schon einmal anfangen.
    • Wow, vielen Dank für deinen offenen und wunderbar klar strukturierten Bericht. Ich weiß aktuell gar nicht, worauf ich inhaltlich eingehen soll. Ich glaube, was in dir vorgeht, verstehen hier jeder Betroffene nur zu gut. Mich mit eingeschlossen. Was deinen Fall vermutlich noch etwas tragischer als die üblichen macht, ist die Tatsache, dass du schon vor dem Eingriff vermutlich sexuell aktiv warst und den Unterschied kennst. Ich rate dir auch zum restoren, auch wenn es wirklich ein Ultramarathon ist und extrem viel Gedult erfordert. Das mit Foregen ist so eine Sache. Ich verfolge Foregen seit 2013. Es scheint definitiv weiterzugehen damit, aber ob es sinnvoll ist, darauf zu warten, ist eine andere Frage. Seit Jahren heißt es nun schon, in max 5 Jahren ist es marktreif. Ich werde dieses Jahr schon 40, ich will nicht noch weitere Jahre (Jahrzehnte?) verschenken, ohne proaktiv was zu meiner Verbesserung beigetragen zu haben. Andererseits: Ich würde mir von denen auch eine Vorhaut nachzüchten lassen, wenn ich danach nur noch einen Tag leben würde. Nur um wenigstens einmal zu erfahren, wie es sich anfühlt. Ich wünsche dir viel Erfolg, egal was auch immer du gegen deine Unzufriedenheit unternimmst. Du bist nicht alleine, buddy!
    • Hey fsx100, gerade dachte ich, ich schreibe mal wieder etwas dazu. Hatte eigentlich damit gerechnet, dass keiner mehr schreibt und wollte den Post wie ein Tagebuch nutzen. :D Danke dir für deine netten Worte. Das macht mir Mut! :)

      Ja, du hast Recht. Ich war auch als Kind tatsächlich schon „sexuell aktiv“. Hab mit meinem damaligen besten Kindergartenfreund sehr viel ausprobiert. Ich kann mich noch so weit entfernt daran erinnern, wie sensibel das alles war. Und dann später im Jugendlichenalter genauso. Umso bitterer ist es für mich, dass ich mich damals noch nicht wehren konnte. Das noch nicht verstehen konnte. Und jeder sagte, die Vorhaut wäre nur ein nutzloses Stück Haut. Das kam sogar so in Fernsehberichten und Frauen schreiten in den Medien nach beschnittenen Männern. Alles andere wäre unhygienisch und ekelerregend. Es ist einfach krank.

      Was Foregen betrifft, kann ich deine Bedenken absolut nachvollziehen. Deswegen habe ich jetzt bestellt. Gleichzeitig habe ich mich dort als Kandidat freiwillig gemeldet. In der Forschung ist es leider so, dass nichts von heute auf morgen kommt. Die haben vor 10 Jahren damit angefangen. Aber du siehst ja, wie lange sich andere Praktiken halten können. Dagegen ist eine Dekade eine sehr kurze Zeit. Wir bleiben gespannt. Und hoffnungsvoll.


      Für mich ist erstmal alles bestellt. Sogar versendet haben sie es schon. Ich bin gespannt und voller Zuversicht. Mein Exemplar ist traditionell schon immer besonders dehnbar und flexibel. Entweder gereicht mir das zum Vorteil oder aber es wird die Katastrophe. :D Ich berichte weiter.
    • So möchte ich nun auch meinen Bericht fortführen. Seit zwei Tagen kann ich kaum schlafen und beschäftige mich Tag und Nacht damit. Gerade habe ich noch mit meinem besten Freund darüber gesprochen. Er ist selbst teilbeschnitten, besitzt aber immerhin die wichtigsten Teile noch. Zeit seines Lebens ist er nie sexuell aktiv geworden. Ob das zusammenhängt kann ich nicht sagen.

      Er hat mir noch den Rat gegeben, es mit einem Ampallang Piercing zu versuchen, wenn gar nichts klappt. Das bzw die vertikale Variante davon soll einigen sehr viel bringen. Aber bevor ich mich noch weiter malträtiere, probiere ich erstmal den Weg der Restauration.

      Bei meinen Gedanken gibt es noch weitere Ergebnisse. Es sind aber eher Fortführungen von bisherigen Erkenntnissen.

      Ich hatte schon seit dem ersten Mal Probleme. Besondere Schwierigkeiten hatte ich, mich fallen zu lassen und zu vertrauen. Die ersten Male waren immer sehr unspaßig. Mit einer Freundin konnte ich gar nicht. Ich habe mich so unwohl gefühlt, dass egal was sie gemacht hat, er nicht einmal stehen wollte.


      Bei meiner jetzigen Freundin war es am Anfang auch so. Vorspiel und Entblößen sind eigentlich kein großes Problem. An sein Aussehen habe ich mich über die Jahre gewöhnt und immerhin ist er immer noch ein Teil von mir. Niemals würde ich mich selber verraten. Aber fallen lassen konnte ich mich trotzdem nicht. Gespürt habe ich bei all dem Druck nicht - oder war nicht in der Lage dazu. Das trifft es wohl am ehesten.

      Das konnte ich mir nie erklären. War doch alles in Ordnung. Ich habe mich doch auch nicht unwohl beim Ausziehen gefühlt. Aber sobald es daran ging, war es schlagartig vorbei.

      Gerade habe ich ein paar banale Sachen gegoogelt. Dabei bin ich auf einen Forumbeitrag gestoßen. Die Frage ist eigentlich recht harmlos, aber die Reaktionen treiben mich zur Weissglut. Auch, weil ich meiner eigenen Torheit erlegen war und die Dinge geglaubt habe, die da Kund getan wurden! Hier ist der Link: forum.maedchen.de/forum/liebe-…haut-beim-sex-nach-hinten

      Ja, ich musste googlen, was eigentlich bei einer intakten Vorhaut bei einer Erektion passiert. Wie disconnected muss man von seiner eigenen Physiologie eigentlich sein?

      Hier drei Zitate:
      „ICH HASSE VORHÄUTE!!
      BESCHNITTENE MÄNNER AN DIE MACHT !!!

      bitte schneidet euch dieses wiederliche teil ab” von SkinnyKate

      „Wieso? Ne Vorhaut ist was ganz natürlich, da könnten die ja auch Entfernung der Schamlippen verlangen....”, die Stimme der Vernunft von 19Hippo87.

      „der vergleich hinkt. die vorhaut ist im prinzip nutzlos, noch dazu fördert sie krankheiten, weil viele sich einfach nicht ordentlich waschen und sich darunter schön die bakterien sammeln.”, die qualifizierte Aussage von RosaPummelfee, die gleichzeitig MODERATORIN in einem Forum für junge MÄDCHEN ist und Vorbild fungiert.

      Wisst ihr, seit Jahren versuche ich mir den Glauben an die Menschheit zu retten. Aber ab dem heutigen Tag gebe ich es auf. So lange habe ich mich gewehrt. Gäbe doch auch liebe Leut. Aber ich bin im Alltag von einer dermaßenen Asozialität umgeben, die Leute sind rücksichtslos, dass man es sich nicht vorstellen kann und es wird überall selbst um den letzten Cent geschachert. Und auch die übrig gebliebenen Hochburgen der Gleichwertigkeit und Toleranz – die des Sex nämlich – brechen gerade wie ein Kartenhaus zusammen.

      „Beschneidet die Männer. Nehmt ihnen alles, weil ich es widerlich finde.“ Danke. Das ist der Mensch.
    • Streamer wrote:

      Er hat mir noch den Rat gegeben, es mit einem Ampallang Piercing zu versuchen, wenn gar nichts klappt. Das bzw die vertikale Variante davon soll einigen sehr viel bringen. Aber bevor ich mich noch weiter malträtiere, probiere ich erstmal den Weg der Restauration.
      Davon würde ich dir dringend abraten. Natürlich ist sowas Geschmacksache. Für mich sind Intimpiercings der Abturner schlechthin. Ich wurde im Alter von sechs verstümmelt, ich kenne bzw. kannte Sexualität bisher die meiste Zeit nur im beschnittenen Zustand. Mit dem Restoring bin ich jetzt seit Anfang 2014 mehr oder weniger aktiv dabei. Klar darf man nicht erwarten, dass es damit genauso intensiv wird wie im natürlichen Zustand, den du ja noch im Gedächtnis hast. Aber es wird besser. Viel viel besser und intensiver. Ich habe bisher noch von keinem Restorer gehört, dass er die Sache am Ende bereut hat. Falls du gut Englisch sprichst, kann ich dir die subreddits r/CircumcisionGrief und r/foreskin_restoration empfehlen.

      Diese unbefriedigenden sexuellen Erfahrungen, von denen du schreibst, kenne ich von mir selbst nur zu gut. Ich bin zudem auch noch schwul und hatte bisher nur intakte Partner. Ich bekomme bei der angeblich schönsten Nebensache der Welt quasi immer meine eigene Minderwertigkeit vorgeführt, weil die Unterschiede einfach so riesig sind. "Du hast ja gar nichts mehr dran, ich weiß nicht, was ich machen soll" hat mir mal einer gesagt. Danach war ich so fertig, dass ich eine ganze Flasche Vodka leer gesoffen habe. Das ist wirklich unfassbar bitter. Ja, Menschen können grausam und böse sein. Immer wenn man denkt, man würde das schlimmste schon kennen, wird man eines besseren belehrt.

      Du schreibst, dass du mit 13/14 beschnitten wurdest und dein halbes Leben eine Vorhaut hattest. Daraus schlußfolgere ich, dass du jetzt Mitte/Ende 20 bist und der Vorfall nach der Jahrtausendwende stattgefunden hat. Ich bin auf das Thema MGM direkt nach meinen ersten sexuellen Erfahrungen aufmerksam gewurden. Dass es sowas wie das gefurchte Band in der Vorhaut gibt und sie die primäre erogene Zone am Penis ist, wusste ich schon vor 20 Jahren. Die Arbeit von Taylor, die die nervale Ausstattung der Vorhaut untersucht hat, wurde im Jahr 1996 veröffentlicht. Es ist wirklich schlimm, dass man zu dem Zeitpunkt deiner Beschneidung wohl immer noch dachte, das wäre nur ein nutzloser Hautlappen. Viele denken es sogar heute noch.

      Du stehst vermutlich jetzt erst ganz am Anfang deines Heilungsprozesses. Ich habe mal gelesen, dass es vergleichbar mit dem Verlust eines geliebiten Menschen ist. Irgendwann hat man sich damit abgefunden, dass man ihn nie wieder sieht. Vermissen wird man ihn aber immer. Für mich persönlich hat das Schreiben und die Aufklärung zu diesem Thema therapeutischen Charakter. Ich bin mir sicher, dass auch du deinen Weg finden wirst.

      Gib nicht auf und hab Mut. Ich verstehe dich bestens.
    • Servus Streamer, auch von mir noch ein herzliches Willkommen hier im Forum,

      auch wenn aus nicht so tollem Anlass...

      Streamer wrote:

      Wisst ihr, seit Jahren versuche ich mir den Glauben an die Menschheit zu retten. Aber ab dem heutigen Tag gebe ich es auf. So lange habe ich mich gewehrt. Gäbe doch auch liebe Leut. Aber ich bin im Alltag von einer dermaßenen Asozialität umgeben, die Leute sind rücksichtslos, dass man es sich nicht vorstellen kann und es wird überall selbst um den letzten Cent geschachert
      Deine Beobachtung...ja leider...sehe ich auch...jeder ist nur sich der nächste, Menschen werden benützt, zum Objekt gemacht...für die eigenen Interessen, eigene Bewertungen (dieses Forum aus dem du zitierst...)...wir begegnen uns nicht mehr als Menschen...

      Aber der Mensch ist nicht so angelegt, von Natur aus...ist eine Kulturleistung, anerzogen, geprägt...

      Niemand kann andere Menschen ändern...nur jeder sich selbst...und nur wenn ich mich ändere, in Beziehung zu anderen gehe, können sich andere auch ändern...

      Streamer wrote:

      Und auch die übrig gebliebenen Hochburgen der Gleichwertigkeit und Toleranz – die des Sex nämlich – brechen gerade wie ein Kartenhaus zusammen.
      War Sex je auf Gleichwertigkeit und Toleranz ausgelegt? Von Natur aus sicher...aber was ist da nicht alles an "Kulturleistung" (schlecht, böse, Sünde...gleichgeschlechtliche Sexualität) eingeflossen, hat uns geprägt?

      Streamer wrote:

      Die Jungen und Männer auf der Straße heute habe ich in einem völlig anderen Licht gesehen als bisher. Ich wünsche mir sehr, dass ihnen das allen erspart bleibt.
      Wünsche ich mir auch, dass unnötige Beschneidungen irgendwann Geschichte sind, als Verbrechen gebrandmarkt sind. Noch ein langer Weg?

      Jedes Verbrechen braucht schweigende Zeugen...
      Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet ist, weil Dinge geliebt und Menschen benutzt werden. -Dalai Lama
    • fsx100 wrote:

      Streamer wrote:

      Er hat mir noch den Rat gegeben, es mit einem Ampallang Piercing zu versuchen, wenn gar nichts klappt. Das bzw die vertikale Variante davon soll einigen sehr viel bringen. Aber bevor ich mich noch weiter malträtiere, probiere ich erstmal den Weg der Restauration.
      Davon würde ich dir dringend abraten. Natürlich ist sowas Geschmacksache. Für mich sind Intimpiercings der Abturner schlechthin. Ich wurde im Alter von sechs verstümmelt, ich kenne bzw. kannte Sexualität bisher die meiste Zeit nur im beschnittenen Zustand. Mit dem Restoring bin ich jetzt seit Anfang 2014 mehr oder weniger aktiv dabei. Klar darf man nicht erwarten, dass es damit genauso intensiv wird wie im natürlichen Zustand, den du ja noch im Gedächtnis hast. Aber es wird besser. Viel viel besser und intensiver. Ich habe bisher noch von keinem Restorer gehört, dass er die Sache am Ende bereut hat. Falls du gut Englisch sprichst, kann ich dir die subreddits r/CircumcisionGrief und r/foreskin_restoration empfehlen.

      Ja, das Piercing käme für mich nur dann in Frage, wenn alles andere nicht funktioniert. Wenn wirklich gar nichts klappt. Dann wäre das vielleicht so wie ein Schlussstrich. Dass man das Schicksal final akzeptiert. Aber mehr könnte ich mir ehrlich gesagt dafür auch nicht vorstellen.

      fsx100 wrote:

      Diese unbefriedigenden sexuellen Erfahrungen, von denen du schreibst, kenne ich von mir selbst nur zu gut. Ich bin zudem auch noch schwul und hatte bisher nur intakte Partner. Ich bekomme bei der angeblich schönsten Nebensache der Welt quasi immer meine eigene Minderwertigkeit vorgeführt, weil die Unterschiede einfach so riesig sind. "Du hast ja gar nichts mehr dran, ich weiß nicht, was ich machen soll" hat mir mal einer gesagt. Danach war ich so fertig, dass ich eine ganze Flasche Vodka leer gesoffen habe. Das ist wirklich unfassbar bitter. Ja, Menschen können grausam und böse sein. Immer wenn man denkt, man würde das schlimmste schon kennen, wird man eines besseren belehrt.
      Das tut mir so Leid:( Ich hoffe, dass es bei dir inzwischen besser ist.

      Du schreibst, dass du mit 13/14 beschnitten wurdest und dein halbes Leben eine Vorhaut hattest. Daraus schlußfolgere ich, dass du jetzt Mitte/Ende 20 bist und der Vorfall nach der Jahrtausendwende stattgefunden hat. Ich bin auf das Thema MGM direkt nach meinen ersten sexuellen Erfahrungen aufmerksam gewurden. Dass es sowas wie das gefurchte Band in der Vorhaut gibt und sie die primäre erogene Zone am Penis ist, wusste ich schon vor 20 Jahren. Die Arbeit von Taylor, die die nervale Ausstattung der Vorhaut untersucht hat, wurde im Jahr 1996 veröffentlicht. Es ist wirklich schlimm, dass man zu dem Zeitpunkt deiner Beschneidung wohl immer noch dachte, das wäre nur ein nutzloser Hautlappen. Viele denken es sogar heute noch.
      Ja, da hast du Recht. Meine Beschneidung dürfte etwa um 2006 gewesen sein. Also zehn Jahre nach diesen Erkenntnissen. :( Das macht die Wut auf dieses Arschloch nur noch viel größer. Aber gut, was soll man machen. Der sitzt ja jetzt in seinem "wohl verdienten" Ruhestand.

      Du stehst vermutlich jetzt erst ganz am Anfang deines Heilungsprozesses. Ich habe mal gelesen, dass es vergleichbar mit dem Verlust eines geliebiten Menschen ist. Irgendwann hat man sich damit abgefunden, dass man ihn nie wieder sieht. Vermissen wird man ihn aber immer. Für mich persönlich hat das Schreiben und die Aufklärung zu diesem Thema therapeutischen Charakter. Ich bin mir sicher, dass auch du deinen Weg finden wirst.
      Gib nicht auf und hab Mut. Ich verstehe dich bestens.
      Das auf jeden Fall. Du merkst ja, dass ich nicht nur zum Lamentieren hier bin, sondern daran arbeiten möchte. Aber es ist so unfair. Immerhin kann man Verlust und Trauma überwinden. Was an der Sache so fies ist, ist, dass du das dein Leben lang mit dir rumschleppst. Und jetzt verstehe ich mehr und mehr die Auswirkungen, die das psychisch auf mich hat. Welche Gedanken- und Verhaltensmuster sich dabei eingeschliffen haben. Verstehst du, Dinge, die man nur so schwer angehen kann, weil sie durch das vegetative Nervensystem und die Dauerreizung kommen. Zumindest ist das mein Eindruck, dass Persönlichkeit und Charakter nicht nur im Kopf sitzen. Beim Darm weiss man das inzwischen. Wie viel Einfluss deine Darmflora auf dein Verhalten haben kann, dass der Bauch tatsächlich bei Entscheidungen permanent mitwirkt, weil hier insgesamt so viele Nerven sind wie im Hirn eines "ausgewachsenen Labradors" liegen, etc. ist inzwischen bekannt (s. Erkenntnisse hierzu: simplyscience.ch/teens-liesnac…chen-darm-und-gehirn.html).

      Ich kann mir also nur vorstellen, welchen Einfluss ein doch relativ großes Organ mit mehreren zehntausenden Nervenenden auf deine Psyche hat. Es ist vielleicht kein riesiger Heckmotor, aber ein Tau, das vorne am Bug trotzdem in eine andere Richtung zieht. Und die Klarheit darüber macht mir Sorgen. Die Probleme, die ich jetzt entdeckt habe, sind das die einzigen? Gibt es mehr, die mir noch unklar sind? Wenn sich körperlich nichts ändert, was bedeutet das auf Dauer für mich?

      *seufz* Naja. Eigentlich bin ich ja doch recht zuversichtlich. Mein Leben lang fordern diese Dinge schon Kraft von mir. Keine Hürde hat mich bisher aufgehalten. Es ist nur eine Frage der Ausdauer und der Geduld. Wie ich oben geschrieben hab. Glück können wir trotzdem finden, aber es ist nur eine größere Herausforderung für uns.:D Ich hoffe, dass du und die anderen das ähnlich sehen können!:)
    • Urolüge wrote:

      Servus Streamer, auch von mir noch ein herzliches Willkommen hier im Forum,

      auch wenn aus nicht so tollem Anlass...

      Streamer wrote:

      Wisst ihr, seit Jahren versuche ich mir den Glauben an die Menschheit zu retten. Aber ab dem heutigen Tag gebe ich es auf. So lange habe ich mich gewehrt. Gäbe doch auch liebe Leut. Aber ich bin im Alltag von einer dermaßenen Asozialität umgeben, die Leute sind rücksichtslos, dass man es sich nicht vorstellen kann und es wird überall selbst um den letzten Cent geschachert
      Deine Beobachtung...ja leider...sehe ich auch...jeder ist nur sich der nächste, Menschen werden benützt, zum Objekt gemacht...für die eigenen Interessen, eigene Bewertungen (dieses Forum aus dem du zitierst...)...wir begegnen uns nicht mehr als Menschen...
      Aber der Mensch ist nicht so angelegt, von Natur aus...ist eine Kulturleistung, anerzogen, geprägt...

      Niemand kann andere Menschen ändern...nur jeder sich selbst...und nur wenn ich mich ändere, in Beziehung zu anderen gehe, können sich andere auch ändern...
      Ja, andere zu ändern klappt nie. Bei manchen ist das auch ein unaufhaltsames Zusteuern auf den Abgrund. Man verliert ja doch den ein oder anderen Freund auf dem Weg, bei dem man sich seines Schicksals nicht sicher nicht. Ich finde es einfach widerlich, wie kaputt erzogen manche Menschen sind. Welche Eltern saßen da dahinter, welches Umfeld und welche Einflüsse durch Medien, Konzerne, etc.? Es ist eine grausige Vorstellung.

      Bei meiner Freundin und mir merke ich das. Sie fragt mich oft um Rat, aber geht am Ende eh ihren eigenen Weg. Aber das schöne ist, dass ich gemerkt habe, wie sehr sie bei Dingen eingelenkt hat oder von sich aus Fortschritte gemacht hat. Und gerade heute habe ich ihr geschrieben, dass sie mir Dinge beigebracht hat, ohne die ich gar nicht an diesen Punkt gekommen wäre. Hätte ich sie nicht kennengelernt und wäre ich nicht so lange mit ihr zusammen, würde ich mir noch immer die gleichen Fragen stellen, die ich mir oben endlich beantwortet habe. Ich glaube, das ist dann wohl wahre Liebe. Wenn man sich gegenseitig so sehr vervollständigen kann.

      Urolüge wrote:

      War Sex je auf Gleichwertigkeit und Toleranz ausgelegt? Von Natur aus sicher...aber was ist da nicht alles an "Kulturleistung" (schlecht, böse, Sünde...gleichgeschlechtliche Sexualität) eingeflossen, hat uns geprägt?
      Wünsche ich mir auch, dass unnötige Beschneidungen irgendwann Geschichte sind, als Verbrechen gebrandmarkt sind. Noch ein langer Weg?

      Jedes Verbrechen braucht schweigende Zeugen...

      Ja, da können wir nur dran arbeiten, dass wir diese Vergangenheit ablegen. Der Wahn zum Selbstausdruck heutzutage, der leider auch viele in vorschnelle Geschlechtsumwandlungen bewegt, kommt ja genau aus diesem Grund. Früher hat man uns alles verboten, heute ist es genau das Gegenteil. Es wird fast erwartet, dass man einen Tick hat. Das ist die erste Phase. Genauso wie bei der Legalisierung von Cannabis in den USA. Die Konsumzahlen unter Collagestudenten steigt rasant an. Dafür fällt der Alkoholmissbrauch genauso stark. Irgendwann wird sich das einpegeln – spätestens wenn die Leute genug davon hatten. Und so wird es wohl hoffentlich mit diesem Thema auch sein. Und dann können wir wirklich ohne Tabus offen darüber in der Gesellschaft reden.
    • Heute habe ich das erste Mal wieder mit meiner Freundin darüber gesprochen. Und ich möchte etwas berichtigen. Ich glaube, dass ihre erste Reaktion nur so negativ bei mir ankam, weil ich in einer ohnehin schon verletzlichen Grundstimmung war und sie von Arbeit und Gesundheit zu angestrengt war. Eigentlich hätte ich es an dem Abend gar nicht ansprechen sollen. Seltsamerweise kann ich meinen Beitrag nicht bearbeiten, darum schreib ich es eben als Antwort.

      Heute hat sie sehr viel aufgeschlossener reagiert und mit mir darüber geredet. Wenn wir uns das nächste Mal sehen, können wir endlich richtig darüber reden. Da freue ich mich schon sehr drauf. Aber bis dahin vergeht noch ein bisschen Zeit.

      Mir sind noch ein paar Sachen zu dem Thema eingefallen, aber ich bringe sie gerade schon gar nicht mehr zusammen. Ich hab heute Sport gemacht, war beim Frisör und bin dadurch auch ein wenig rumgefahren. Das allein ist schon ein Therapieprogramm. Auf dem Heimweg konnte ich den Zustand zum ersten Mal seit Beginn dieser Reise akzeptieren. Und als ich dann nach Hause kam und mich geduscht hatte, bin ich totmüde auf der Couch versackt und bin friedlich eingeschlafen. Warum ich das so ausführlich beschreibe?:D Ich hoffe und glaube, dass der erste Sturm jetzt vorübergezogen ist. Mein Kopf dreht sich nicht mehr nur um das Thema. Ich kann heute noch etwas für mich tun und dann hoffentlich mal wieder schlafen.
    • Streamer wrote:

      Irgendwann wird sich das einpegeln – spätestens wenn die Leute genug davon hatten. Und so wird es wohl hoffentlich mit diesem Thema auch sein.
      Wird das so sein können? Um bei Cannabis oder Alkohol zu bleiben...ist das nicht die freie Entscheidung jedes einzelnen? Aber kann sich davon nicht jeder auch lossagen...wenn er dazu bereit ist? Beschneidung kann man nicht rückgängig machen...und die Strukturen die das aufrechterhalten...stärker als jede Sucht?

      Beides erfordert jedoch dasselbe...absolute Ehrlichkeit, sich selbst gegenüber...das härteste im Leben jeden Mensches?
      Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet ist, weil Dinge geliebt und Menschen benutzt werden. -Dalai Lama
    • Ich kann mir jetzt übrigens gut erklären, warum die Haremkultur im Orient so verbreitet ist/war. Warum den Islamisten 72 Jungfrauen versprochen wurden und nicht nur eine. Warum Monogamie dagegen in Europa der Standard wurde.

      Nach der Beschneidung fehlt der Off-Schalter. Der Schalter, der die Begierde wieder ausstellt. Darum braucht es den Harem, aber auch der wird nie genug sein. Mohammed, als Beispiel, hatte eine 15 Jahre ältere Frau. Und das 25 Jahre lang. Als er dann die Macht hatte, wurden daraus schnell zehn oder mehr Frauen plus Sklavinnen. Und das wird von Radikalen als Ideal angestrebt. Das ist doch absurd.

      Da wird einem doch klar, was für eine kranke Kontrollmethode die Beschneidung war und immer noch ist.
    • Streamer wrote:

      Da wird einem doch klar, was für eine kranke Kontrollmethode die Beschneidung war und immer noch ist.
      Ja, Beschneidung ist nichts anderes als Mindcontrol. Wenn ein Mann Sexualität nicht als das sinnliche und spirituelle Ritual wahrnimmt, so wie es die Natur für ihn vorgesehen hat, verändert das sein komplettes Weltbild. Solche Männer zeigen oft Probleme mit der Empathie und tendieren zur Verrohung. Sowas wusste man bereits in der Bronzezeit, als man die Beschneidung als Methode zur sexuellen Zügelung einsetze.

      Das funktioniert natürlich nicht wirklich mit der Zügelung. Sofern ein Mann eine hohe Libido besitzt, die er nicht mehr richtig befriedigen kann, kommt am Ende nur sexueller Frust dabei raus. Man schaue sich nur die hohe Prävalenz von Vergewaltigungsfällen in Ländern an, die großflächig verstümmeln. MGM Cultures = Rape Cultures. Extremes Machogehabe lässt sich in diesen Kulturen natürlich ebenfalls beobachten, als Kompensation für den durch die MGM herbeigeführten Mangel an Männlichkeit.
    • Hierzu passt dieser Artikel von Prof. Matthias Franz recht gut:
      focus.de/magazin/archiv/politi…en-zu-tun_id_5262514.html
      Wenn aus Recht Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! (Bertold Brecht)
      Bräuche und Traditionen können den Menschen an jegliche Abscheulichkeiten gewöhnen (G.B. Shaw)
      Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen - nein: unserer Enkelkinder! (Bertha von Suttner)
      tredition.de/autoren/clemens-b…-schnitt-paperback-44889/
    • Weguer wrote:

      Hierzu passt dieser Artikel von Prof. Matthias Franz recht gut:
      focus.de/magazin/archiv/politi…en-zu-tun_id_5262514.html
      Sehr guter Artikel!
      Leider geht er nicht ganz auf die sexuellen Auswirkungen ein.
      Man weiß mittlerweile ja auch, dass beschnittene Männer stärker zu abweichenden sexuellen Verhaltensmustern neigen:

      cirp.org/library/psych/boyle6/


      Boyle et al wrote:

      Altered Sexual Behaviours
      Apart from reducing sexual sensation and pleasure (Bensley & Boyle, 2001; Gemmell & Boyle, 2001; Immerman & Mackey, 1998; Milos & Macris, 1994; Money & Davison, 1983; O'Hara & O'Hara, 1999), circumcision also leads to changes in sexual practices. For example, Laumann, Masi, and Zuckerman (1997) reported that circumcision is associated with more elaborate sexual behaviours. It is possible that reduced sexual sensation may impel some circumcised men to engage in more elaborate sexual practices in order to attain sexual gratification. In regard to unsafe sex practices, Bensley and Boyle (2001) found that circumcised men were significantly less likely to use condoms than were genitally intact men. Presumably, use of a condom reduces sexual sensation, which may be of somewhat greater concern to circumcised men (cf. Gemmell & Boyle, 2001; Van Howe, 1999).


      Ich kann selbst aufgrund meiner Erfahrungen auf diversen schwulen Partnerbörsen bestätigen, dass die Anzahl der Beschnittenen unter Leuten mit extrem bizarren Fetischen (Objektfetischismus, SM, kinky usw) auffällig hoch ist. Vermutlich liegt es daran, dass die physische Stimulation und die beim "normalen" Sex erfahrene Befriedigung als zu gering wahrgenommen wird und die Betroffenen das Ganze mit schrägen Vorlieben zu kompensieren versuchen.
    • Ein kleiner Gedanke zu dem Thema. Wo ich die Hintergründe kenne, fange ich an, alle möglichen Entscheidungen in meinem Leben zu hinterfragen. Ob da ein Zusammenhang besteht? Ich bin beruflich Fotograf. Und ich beschneide meine Bilder in der Regel nie, sondern nehme sie so, wie sie sind. Richte sie gerade, aber groß Ausschnitte nehme ich nie. Eigentlich passen die meistens auch direkt, aber trotzdem. Aber das ist doch echt trotzdem fraglich, ob so ein Eingriff wie die Beschneidung auch auf diese Dinge einen Einfluss hat.
    • Na ja, ich zucke immer innerlich zusammen, wenn jemand das Wort "beschneiden" in einem anderen Kontext geht. Selbst wenn es nur um die Beschneidung von Bäumen oder Hecken geht. Ich frage mich hingegen sehr oft, wo ich im Leben stehen würde, bzw. was alles jetzt anders wäre, falls ich intakt aufgewachsen wäre. Ich bin mir sicher, dass ich mir dann einige unbefriedigende sexuelle Erlebnisse erspart hätte und generell über eine viel größere sexuelle Reife verfügen würde. Wegen der Beschneidung war ich bei diesen Themen immer sehr gehemmt.
      Ich weiß, dass es alles nur wilde Spekulation ist. Wäre ich nicht beschnitten worden, wäre ich vermutlich heute eine andere Person.
    • fsx100 wrote:

      Na ja, ich zucke immer innerlich zusammen, wenn jemand das Wort "beschneiden" in einem anderen Kontext geht. Selbst wenn es nur um die Beschneidung von Bäumen oder Hecken geht. Ich frage mich hingegen sehr oft, wo ich im Leben stehen würde, bzw. was alles jetzt anders wäre, falls ich intakt aufgewachsen wäre. Ich bin mir sicher, dass ich mir dann einige unbefriedigende sexuelle Erlebnisse erspart hätte und generell über eine viel größere sexuelle Reife verfügen würde. Wegen der Beschneidung war ich bei diesen Themen immer sehr gehemmt.
      Ich weiß, dass es alles nur wilde Spekulation ist. Wäre ich nicht beschnitten worden, wäre ich vermutlich heute eine andere Person.
      Das sehe ich aber genauso. Deswegen frage ich mich diese Dinge ja auch. So, wie ich oben beschrieben hab, ist die Vorhaut vielleicht nicht unbedingt der Rumpf oder das Steuer des Schiffes. Aber doch vielleicht ein Tau, dass den Bug in eine bestimmte Richtung zieht. Bei einem riesigen Segelschiff mit hundert Tonnen Gewicht macht das nicht viel aus. Aber über den Kurs eines Lebens hinweg wird man dann nicht in Nord- sondern Südamerika ankommen. Den Vergleich finde ich in seiner Tragweite eigentlich ganz passend und auf der Basis überlege ich.
    • Das erinnert mich daran, wie mir vor längerer Zeit mal in einem Kaufhaus eine, scheinbar türkische, Propagandistin eine neue, aber offenbar minderwertige, Sofortbildkamera schmackhaft machen wollte. Ich meinte nur, dass das nicht meine Art, zu fotografieren, sei (ich hatte durchaus das Spitzenmodell SX70, aber nur für Sonderzwecke). Sie ließ aber nicht locker und fragte, was an diesen Sofortbildern schlecht sei.

      Ich meinte: "Zum Beispiel kann man die Bilder nicht beschneiden!" (Bei den Integral-Bildern quillt dann ätzende Suppe raus, wenn die Bilder noch nicht wochenlang durchgetrocknet sind)
      Daraufhin bekam sie merkwürdigerweise einen Lachkrampf. Ich dachte noch: "Nicht mal diese Gestaltungsmethode kennt sie. Wenn man nicht selber vergrößert und dabei gleich den gewünschten Bildausschnitt festlegt, ist nachträglicher Bildbeschnitt doch eine ganz normale Sache?"
      Sie, nachdem sie sich gefangen hatte: Sie meinen, man kann, äh, nichts abschneiden?!"
      Mir dämmerte dann, dass sie das Wort "beschneiden" anscheinend nur einem einzigen Zusammenhang kannte und das, ganz im Gegensatz zu mir, unglaublich lustig fand. Hahahaha. :S :( <X
    • Hallo auch von mir @Streamer,

      dieser Thread ist bisher an mir vorbei gegangen.
      Ich stimme meinem Vorredner zu, schön strukturiert, Inhaltlich finde ich mich auch wieder, und dein Satz "Ein Essen ohne Geschmack, ein Duft ohne Geruch, ein Bild ohne Farbe" hat mir sehr gefallen.
      Mir als Fussballfan ging immer sowas wie:" Wie ein Fussballer ohne Gefühl im Fuss, kein Ästeht, ein Grobian, ein Stümper, Kraft ersetzt Technik nicht. Wie Technik erlangen ohne Gefühl...? durch den Kopf - so nebenbei

      Das mit der ständigen Unruhe kenne ich nur zu gut. Kein Wunder, dieses ständige Schubbern, Trockenheit bedingtes, stechendes Jucken - das irritiert und frustriert.
      Mir wurde zu Schulzeiten, ein mal eine niedrige Frustrationstoleranz "ausgestellt".
      Auf dem nach Hause weg mit Boxershorts (wollte ja dazu gehören), fuhr ich mal mit 2 Schulfreunden (beide intakt) nach Hause. Mein Vater und meine Mutter hatten ebenfalls gerade Feierabend und sahen uns.
      Später konnte ich mir dann anhören, dass ich als Einziger mal wieder ne Fratze zog.
      Gibt kaum was nervigeres in der Hinsicht, als Eichel frei liegend in Boxershort, die Fahrrad-Pedalen-Tritt-Bewegung zu machen, dadurch noch unfreiwillig erregt wird, toll wenn man dann noch schwitzt und es klebt. Hammer geil (Ironie)
      Zitate: " Ein Hunger der nie gestillt ist. Eine ewige Leere"

      Trifft es auch sehr gut, ein erhöhter Kompensationsdrang kann entstehen, mehr Risikobereitschaft, mehr Erlebnisshunger z.T auch das Fehlen das eigene Tun/Risiko einzukalkulieren, Impulsives Handeln.
      Ein dauerhaft erhöhter Puls, sowie größere Angstzustände, können einen Menschen in eine Art "Die Welt ist gegen mich" Muster abdriften lassen.
      Habe mal einen Artikel gelesen, als ein MRT vor und nach einer GV gemacht wurde. Die Amygdala hatte sich verändert, der Bereich für Empathie, man könnte auch Auswirkungen auf das Gewissen ableiten, sagen.

      Bildlich stelle ich es mir manchmal vor, dass die Synapsen, Nervenbahnen im Gehirn, die einst mit Vorhaut,Frenulum etc. gekoppelt waren, gekappt wurden, jetzt frei umher schwingen, wie 2 durchtrennte Elektrokabel die von der Deckel baumeln und das ganze System beeinträchtigen (können).

      Die von mir unterstrichenen Wörter sind übrigens Merkmale die Psychopathen (nicht falsch verstehen bitte, absolut nix gegen dich) in sich tragen, einem schweren Missbrauch/Vergewaltigung immer vorrausgegangen.
      Im neuen Joker Film mit J.Phönix, wird das mal kurz beleuchtet, oder in der Jack Nicholson (wie gemacht für den Film Psycho) wird bei der Reportage auf Youtube auch gut erklärt. Portrait Jack Nicholson - Einer flog über Hollywood. Ein Marlon Brando, der z.T einen stechenden, taxierenden Blick hatte - als würde er einen gleich auffressen, sowie eine merkwürdige Stimmlage (Dick Cavett Show - Marlon Brando)...
      Sowie eine unstrukturierte, damit verwirrende Erziehung. Mein Vater zum Beispiel, Jahrgang 1944 hat einen Messie Tick, der Stufe 6 von 10. Das Chaos im Haus, spiegelt sich natürlich auch in seiner "Erziehung", Kommunikation,

      "Gesprächsfaden" -lach- wieder. Heute so morgen so. Oft musste er auch nachfragen worum es geht, er konnte den Gedankengang nur schwer erfassen.

      Ich laß vor ein paar Tagen einige Ursprünge und Ähnlichkeiten bzgl. Missbrauchsopfern-PTSD Betroffenen- und Psychopathen.
      Ebenso über vererbte Kriegstraumatas, teils über Generationen, unter den Teppich gekehrte Situationen, den daraus nicht nachgegangenen Gefühlen, die sich anderswo ein Ventil suchen/suchen können etc.
      Ebenfalls sehr interessant.
      -Offiziell genehmigt in des Kindes Genital verewigt- (Soulfree)
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      Hey @Soulfree,

      danke dir für deinen Beitrag und die Informationen zum Thema. Elektrokabel, die frei herumfliegen, finde ich gut. Ein Programm, das nie zu einem Abschluss kommt, fände ich dafür auch noch passend.

      Das mit dem Kompensationsdrang kann ich super gut verstehen. Die ganze Fetisch Geschichte haben wir ja oben, glaube ich, auch schonmal angesprochen gehabt. Es ist für mich inzwischen echt wie ein Gesetz und keine Theorie mehr. Ich seh's einfach in der Welt um mich herum immer deutlicher. Gerade auch dieses Buch, das ich über Mohammed gelesen habe, bringt das ganze auch noch in einen krasseren Kontext. Wie solche unumkehrbaren Eingriffe, wie eine Beschneidung, andere bestehende Traumata noch ins unendlich fache potenzieren können.

      Deinen unterstrichenen Text zu den Psychopathen Merkmalen fand ich auch interessant. Würde ich mich definitiv zum Teil wiederfinden. Keine Sorge, ich nehm's nicht persönlich. Aber es ist ja nur die Wahrheit. So extrem, wie andere bin ich da auch nicht. Das ist einfach etwas, woran jeder für sich arbeiten kann und was man selbst in der Hand hat. Früher, als ich ein Kind war, war ich wohl der Inbegriff eines Hundes. Super lieber Beschützer, immer fröhlich, anhänglich, liebevoll – einfach wie ein riesiger Samojede oder so. Als Jugendlicher nach psychischen Traumata und der abschließenden Beschneidung, wie die Kirsche auf dem Sahnehäupchen, war ich ein völlig anderer Mensch. Erst über einen Kurs von 13 Jahren aktiver Arbeit habe ich mir einen Teil dieser ursprünglichen Züge zurückerarbeitet. Heute bin ich sehr zufrieden mit dem und stolz auf den, der ich bin. Aber wie es zu diesen Veränderungen gekommen ist, konnte ich mir bis zur Beschneidungs-Aufklärung nie zu 100 Prozent erklären.

      Joker habe ich dreimal im Kino gesehen. Der Film ist einer der besten – wenn nicht der beste – des vergangenen Jahrzehnts.

      Zum Thema Familie arbeite ich gerade an ein paar Baustellen. Tatsächlich welche, die mich nicht direkt betreffen, sondern diejenigen um mich herum. Es ist so krass, was für Familienstrukturen es gibt und gleichzeitig so zynisch, wie jeder nach Außen Normalität predigt und andere für ihre "Eigenarten" verurteilt.
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      Streamer wrote:

      Zum Thema Familie arbeite ich gerade an ein paar Baustellen. Tatsächlich welche, die mich nicht direkt betreffen, sondern diejenigen um mich herum. Es ist so krass, was für Familienstrukturen es gibt und gleichzeitig so zynisch, wie jeder nach Außen Normalität predigt und andere für ihre "Eigenarten" verurteilt.
      Was ist "normal"? Mein "Filter", wie ich geprägt worden bin, mein "Filter", mit dem ich andere bewerte? Darf ich überhaupt andere bewerten? Wenn ich andere bewerte...mache ich sie damit nicht zum Objekt? So wie Menschen Kinder zu Objekten machen...wenn sie die formen, nach ihren Vorstellungen...ihren Einstellungen und Haltungen...sogar operativ. Von Prägungen kann sich jeder der als Kind zum Objekt gemacht wurde "freiarbeiten" (aber nicht allein...)...von operativen Eingriffen nie...

      Das predigen von Normalität...aber nie dien Blick auf sich haben...das schwierigste im Leben...ehrlich zu sich selbst zu sein? Mein Lieblingsgedicht von Hildegard von Bingen dazu...fast 1000 Jahre alt...

      Wir müssen auf unsere Seelen hören,
      wenn wir gesund werden wollen.
      Letztlich sind wir hier,
      weil es kein Entrinnen vor uns selbst gibt.


      Solange der Mensch sich nicht selbst
      in den Augen und im Herzen seiner Mitmenschen begegnet,
      ist er auf der Flucht.
      Solange er nicht zulässt,
      dass seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben,
      gibt es keine Geborgenheit.
      Solange er sich fürchtet durchschaut zu werden,
      kann er weder sich selbst noch andere erkennen,
      er wird allein sein.
      "Alles ist mit Allem verbunden."

      Streamer wrote:

      Elektrokabel, die frei herumfliegen,
      Super Vergleich...Die können funken und spacken...Schmerzen machen...aber beweisen kann man es nicht...
      Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet ist, weil Dinge geliebt und Menschen benutzt werden. -Dalai Lama
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      Streamer wrote:

      Das mit dem Kompensationsdrang kann ich super gut verstehen. Die ganze Fetisch Geschichte haben wir ja oben, glaube ich, auch schonmal angesprochen gehabt.
      Mir ist beim lesen dieses Satzes eingefallen, dass es auch noch ein anderes, sehr häufig bei Beschnittenen zu beobachtendes Phänomen gibt: Sexuelle Prüderie. Das lässt sich z.B. sehr gut im Amiland erkennen, wo insbesondere Männer mit Nacktheit extreme Probleme haben. Oder in muslimischen Ländern, wo Frauen möglichst gut ihre weiblichen Reize verstecken müssen. Aus meinem schwulen Bekanntenkreis fällt mir jemand beschnittenes ein, der sich immer wahnsinnig über Leute, die sexuelle Kontakte suchen/unterhalten echauffiert hat. Diese Männer waren für ihn dann immer "Schlampen". Er würde sowas nie machen, weil er es einfach nicht nötig hätte. Man kann eben Dinge, die man selbst nicht "fühlen" kann, auch nicht schön finden oder wollen. Bei manchen kanalisiert sich eben das körperliche, sensorische Defizit in sexuelle Deviation, bei anderen in Prüderie.

      Streamer wrote:

      Gerade auch dieses Buch, das ich über Mohammed gelesen habe, bringt das ganze auch noch in einen krasseren Kontext.
      Da ist eine Menge dran. Man muss nur mal das Aggressionspotential in Ländern beobachten, in denen die Mehrheit der Männer genitalverstümmelt ist. Komischerweise sind es genau die Länder, die sich permanent im Kriegszustand befinden. Klar, es wirkt etwas konstruiert, hier von einer Kausalität zu sprechen. Aber bemerkenswert ist es schon. Wenn einem Mann durch Beschneidung ein sensorisches Defizit zugefügt wird, kann sich der sexuelle "Drang" nunmal nicht mehr natürlich entladen. Dadurch entsteht Frust, der wiederum in Gewalt ausarten kann. Bei diesen Männern fehlt der "Blitzableiter", wenn man es so will. Ronald Goldman differenziert in seinem Buch "Circumcision - The hidden trauma" ja auch bewusst zwischen Schäden, die der einzelne durch MGM erleidet und Schäden, die sich daraus auf die Gesellschaft niederschlagen. Ich finde es höchst erstaunlich, dass es zu diesem Thema bisher so wenig Literatur gibt, die die Auswirkungen von MGM auf die Gesellschaft untersucht. Es scheint für Psychotherapeuten ein Tabu zu sein, diesbezüglich Nachforschungen anzustellen und deren Ergebnisse zu publizieren. Und das angesichts der Tatsache, dass 20% der männlichen Weltbevölkerung beschnitten ist.
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      fsx100 wrote:

      Streamer wrote:

      Das mit dem Kompensationsdrang kann ich super gut verstehen. Die ganze Fetisch Geschichte haben wir ja oben, glaube ich, auch schonmal angesprochen gehabt.
      Mir ist beim lesen dieses Satzes eingefallen, dass es auch noch ein anderes, sehr häufig bei Beschnittenen zu beobachtendes Phänomen gibt: Sexuelle Prüderie. Das lässt sich z.B. sehr gut im Amiland erkennen, wo insbesondere Männer mit Nacktheit extreme Probleme haben. Oder in muslimischen Ländern, wo Frauen möglichst gut ihre weiblichen Reize verstecken müssen. Aus meinem schwulen Bekanntenkreis fällt mir jemand beschnittenes ein, der sich immer wahnsinnig über Leute, die sexuelle Kontakte suchen/unterhalten echauffiert hat. Diese Männer waren für ihn dann immer "Schlampen". Er würde sowas nie machen, weil er es einfach nicht nötig hätte. Man kann eben Dinge, die man selbst nicht "fühlen" kann, auch nicht schön finden oder wollen. Bei manchen kanalisiert sich eben das körperliche, sensorische Defizit in sexuelle Deviation, bei anderen in Prüderie.

      Streamer wrote:

      Gerade auch dieses Buch, das ich über Mohammed gelesen habe, bringt das ganze auch noch in einen krasseren Kontext.
      Da ist eine Menge dran. Man muss nur mal das Aggressionspotential in Ländern beobachten, in denen die Mehrheit der Männer genitalverstümmelt ist. Komischerweise sind es genau die Länder, die sich permanent im Kriegszustand befinden. Klar, es wirkt etwas konstruiert, hier von einer Kausalität zu sprechen. Aber bemerkenswert ist es schon. Wenn einem Mann durch Beschneidung ein sensorisches Defizit zugefügt wird, kann sich der sexuelle "Drang" nunmal nicht mehr natürlich entladen. Dadurch entsteht Frust, der wiederum in Gewalt ausarten kann. Bei diesen Männern fehlt der "Blitzableiter", wenn man es so will. Ronald Goldman differenziert in seinem Buch "Circumcision - The hidden trauma" ja auch bewusst zwischen Schäden, die der einzelne durch MGM erleidet und Schäden, die sich daraus auf die Gesellschaft niederschlagen. Ich finde es höchst erstaunlich, dass es zu diesem Thema bisher so wenig Literatur gibt, die die Auswirkungen von MGM auf die Gesellschaft untersucht. Es scheint für Psychotherapeuten ein Tabu zu sein, diesbezüglich Nachforschungen anzustellen und deren Ergebnisse zu publizieren. Und das angesichts der Tatsache, dass 20% der männlichen Weltbevölkerung beschnitten ist.

      Das ist eine gute Formulierung und Analyse. Klar, eine alleinige Erklärung in der Beschneidung zu suchen ist immer schwierig, aber wenn ich meinen Vergleich mit dem Schiff und dem Tau am Bug nochmal heranziehe: Diese Veränderungen passieren schleichend und über lange Zeiträume. In Arabien wurde schon in der Zeit vor Mohammed beschnitten. Es ist ja sogar belegt, dass die Pharaonen die Beschneidung zur Unterdrückung eingesetzt haben. Wie entwickelt sich eine Gesellschaft, in der Männer seit 3000 Jahren keine sexuelle Vollkommenheit spüren können? Entsprechend war die Gesetzeslage in vom IS kontrollierten Scharia-Staat. Frauen haben sich, wie du sagtest, zu vermummen. Männer dürfen vier Frauen haben und eine unbegrenzte Zahl an Sexsklavinnen. Der "sexuelle Dschihad" wird sogar von einigen Islamtheologen auch außerhalb des IS gepredigt, z.B. im Iran. Dabei geht es ganz konkret darum, dass man so viel wie möglich "erbeutet".

      Noch krasser wird es, wenn man sich überlegt, was die Paradiesfantasie der Märtyrer im Islam ist. Nachdem ich mein Leben wortwörtlich für Gott gegeben habe, erfolgt als Belohnung nicht die Vereinigung mit besagtem. Ich sitze nicht an seiner Seite (nicht in seiner goldenen Halle mit meinen gefallenen Vorfahren oder einem paradiesischem Garten, wo mir an nichts mangelt z.B.). Nein. Die islamische Erlösungsphantasie ist, dass ich ein himmlisches Haus mit 72 Jungfrauen erhalte, die sich nach jedem Akt wieder zur Jungfrau "zurückverwandeln", wo der Penis nie erschlafft, der Genuss der Vereinigung unendlich süß und nicht von dieser Welt sei und jede der Frauen eine köstlich verlockende Vagina besitzt (lt. Islamtheologe Al-Suyuti ca. um 1470).

      Dabei könnte es sich im ursprünglichen Korantext um einen Übersetzungsfehler gehandelt haben und tatsächlich statt Frauen eigentlich Weintrauben gemeint gewesen sein. Die arabische Sprache bestand damals aus sehr wenigen Zeichen und das Fehlen eines Punktes sorgte oft für eine komplett andere Bedeutung. Das macht es noch absurder, wenn die Theologen nach Mohammed bei der Interpretation eher davon ausgehen, dass er göttliche Jungfrauen und göttliche Vaginas meinte, als göttliches Essen.

      Seit ich das Thema Beschneidung aufgenommen habe, sehe ich so viele Dinge in einem völlig anderem Kontext. Und wie du schon sagst. 20% der Weltbevölkerung ist beschnitten. Also jeder fünfte. Die Quote ist extrem hoch.
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      Streamer wrote:

      Wie entwickelt sich eine Gesellschaft, in der Männer seit 3000 Jahren keine sexuelle Vollkommenheit spüren können?
      Was ist sexuelle Vollkommenheit? Gibt es die...kann es die geben? Kann man die nur mit Vorhaut erleben? Oder gibt es nicht unzählige Menschen, mit zwar intakten Genitalien, die aber so geprägt von einer prüden, sex- und körperfeindlichen Einstellung und Haltung der Gesellschaft/Familie sind...und so bestimmt auch nie sexuelle Vollkommenheit erleben werden können? Vielleicht sogar weniger als Menschen mit beschnittenem Genital, die dafür offener auf anderer Ebene sind?

      sicher...der Ketten der Einstellung und Haltung kann man sich entreißen...denen der körperlichen Folgen einer nicht selbstbestimmten Beschneidung nie...die muß man tragen...

      "Ideen sind wie Ketten...derer man sich nicht entreißt, ohne sein Herz zu zerreißen" Karl Marx
      Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet ist, weil Dinge geliebt und Menschen benutzt werden. -Dalai Lama
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      Da hast du Recht. Die letzte Zeit habe ich mich öfter dabei erwischt, wie ich der Vorhaut hinterhertrauere. Aber wenn ich betrachte, wie unzufrieden andere sind. Der häufigste Satz, den ich von Frauen gehört hab, war: "Ich wusste gar nicht, dass Sex Spaß machen kann." Bestes Beispiel ist die Tante meiner Freundin, die den Kindern im Alter von 12 Jahren sagt: "Sex ist was für die Männer. Des muss mer halt über sich ergehe lasse."

      Ich glaube, man wird rein körperlich das nie erreichen können. Das ist einfach so. Aber man kann es emotional sehr weit bringen.
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      Streamer wrote:

      Das sehe ich aber genauso. Deswegen frage ich mich diese Dinge ja auch. So, wie ich oben beschrieben hab, ist die Vorhaut vielleicht nicht unbedingt der Rumpf oder das Steuer des Schiffes. Aber doch vielleicht ein Tau, dass den Bug in eine bestimmte Richtung zieht.
      Mir ist gerade noch die Seite http://www.circumcisioncomplex.com/ eingefallen. Sie ist von der Aufmachung her etwas merkwürdig und die Inhalte sind durchaus streitbar, da nicht mit Quellen unterlegt. Die Inhalte regen aber durchaus zum Nachdenken an. Die Grundaussage ist, dass durch die Reduktion des Empfindungsvermögens gewisse Hirnareale, die ursprünglich mit den erogenen Nerven verbunden waren, dadurch für andere Leistungen zur Verfügung stehen.


      The circumcision complex wrote:

      The foreskin holds about 75% of penile sensitivity. It is densely populated with receptors and engages a large region of the brain. Its removal frees substantial brain potential and triggers a cortical reorganization that tends to reutilize that part of the brain, thereby significantly transforming how the mind functions.
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      Klingt, auf den ersten Blick ein wenig nach Autismus.
      Oder ist es eher der bewusste Verzicht, wohl wissend des zT stark eingeschränkten Gefühls Vermögens, die Suche nach einer erfüllenderen Beschäftigung, also eine Interessen Verschiebung ?
      Oder um mich selbst zu zitieren :" Wie 2 Elektrokabel, die das ganze System gefährden können. "(Ich wählte Anzahl 2 bzgl. In- und Output, btw) als negatives Beispiel...
      -Offiziell genehmigt in des Kindes Genital verewigt- (Soulfree)
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      Soulfree wrote:

      Klingt, auf den ersten Blick ein wenig nach Autismus.
      Ja, es geht schon stark in die Richtung. Es gibt ja durchaus auch eine Korrelation zwischen frühkindlicher Entscheidung und Autismusspektrumstörungen.


      The Circumcision complex alienates people from nature and from each other. Generally, it makes them intense and tints their cravings with fatalism. For better or worse, circumcision inclines people to extremes. Outwardly, sheepishness and aggressiveness or piety and self-indulgence have nothing in common but may stem from the same internal restlessness and insecurity.
      Sowas kommt ja bei autistischen Menschen auch sehr oft vor. Außerdem wird beschnittenen Männern nachgesagt, dass sie eher Schwierigkeiten haben, Verbindungen mit ihren Partnern einzugehen. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass ein geringeres Empfindungsvermögen beim Sex dem "bonding" abträglich sein kann.
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      Jeder Täter...war selbst mal Opfer von Gewalt...heißt aber nicht, dass jeder, der Opfer von Gewalt wurde auch zum Täter wird...

      "Beschneidung ist ein Akt der Gewalt" Prof. Mathias Franz
      Menschen wurden erschaffen, um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen, um benutzt zu werden. Der Grund, warum sich die Welt im Chaos befindet ist, weil Dinge geliebt und Menschen benutzt werden. -Dalai Lama
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      Streamer wrote:

      Diese Veränderungen passieren schleichend und über lange Zeiträume. In Arabien wurde schon in der Zeit vor Mohammed beschnitten. Es ist ja sogar belegt, dass die Pharaonen die Beschneidung zur Unterdrückung eingesetzt haben. Wie entwickelt sich eine Gesellschaft, in der Männer seit 3000 Jahren keine sexuelle Vollkommenheit spüren können?
      circumcisioncomplex.com ist diesbezüglich eine wahre Fundgrube. Dort steht diesbezüglich:


      circumcisioncomplex.com wrote:

      Unquenchable Thirst Markets the Desert



      The intolerance of circumcising religions of open sexuality betrays common sexual frustration. Circumcising cultures tend to show greater sensitivity to sexual matters. In some of them the lightly dressed western women are perceived as naked. The sight of the unveiled women easily provokes sexual desire in men. The greater sexual excitability may be interpreted as showing that the circumcised experience greater pleasure during sexual act and hence achieve greater gratification. On the other hand, the hypersexuality of an entire ethnos may have a compensatory character. First of all it may stem from physical limitation of the erogenous sensitivity, from a mass desensitization of genitalia that deprives gratification of completeness. And religious pedocircumcision is the chief suspect for the need to recommence..

      Streamer wrote:

      Mein Bauchgefühl sagt mir einfach, dass es für die meisten Menschen eine Katastrophe ist zu beschneiden.
      Ich denke, dass man diese Auswirkungen insgeheim schon lange kennt, insbesondere dort, wo viel beschnitten wird. Es hatte nur noch niemand den Mut, das ganze mal wirklich wissenschaftlich zu untersuchen und zu untermauern. Sowas kann jedoch leider lebensgefährlich werden. Morton Frisch hat soweit ich weiß Morddrohungen bekommen, als der den Zusammenhang zwischen Zirkumzision und ED untersucht hat.
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      Ich frage mich gerade, wie sich sowas auswirkt, falls Foregen wirklich einmal Realität wird:


      circumcisioncomplex wrote:

      Principal mechanism of the cortical reorganization following loss of receptors

      The removal of receptors deactivates their cortical sensory area as well as those regions of the brain to which it transmits information. The neighbouring active cortical sensory areas tend to involve the deactivated one in their activity. Part of their sensory input is redirected towards the deactivated area. Their neurons form a new connection with its neurons. The cortical reorganization following the loss of receptors eventually rewires, reactivates and reutilizes the deactivated sensory area and replaces its sensory input. The capacity of the brain to process the redirected input increases.
      Kann der sensorische Input der Vorhaut dann überhaupt noch richtig verarbeitet werden? Komplett verkümmert können diese Areale ja nicht sein, sofern noch ein wenig von der Vorhaut vorhanden ist.