Ich habe echt das Gefühl, dass Oswald die Studienergebnisse nicht gefallen, und er deshalb nach Strohhalmen greift.
Zitat von Oswald
Ein sinnvoller Endpunkt dieser Studie wäre eine Korrelation der in unseren Breiten wesentlichen Inzidenz des Zervixkarcinoms mit dem Zirkumzisionsstatus unter Berücksichtigung auch asymptomatischer HPV-Infektionen gewesen. Dies erscheint auch im Hinblick auf die nach wie vor niedrigen HPV-Impfraten beim Knaben wesentlich: nur letzteres wird, wie sich z.B. in Australien zeigt, eine epidemiologische Konsequenz im Sinne einer Reduktion von Malignomen im Genitalbereich bewirken.
Bei der Studie ging es darum, das Verhältnis zwischen Beschneidungstatus und sexuell übertragbaren Krankheiten bei Männern zu untersuchen. Was will er jetzt schon wieder mit dem Zervixkarzinoms (Gebärmutterhalskrebs) - einer Krankheit bei Frauen?
Oswald kritisiert hier also, dass etwas nicht untersucht wurde, was gar nicht Teil des Ziels der vorliegenden Studie war. Das ist ungefähr so, als ob eine Studie über Häufigkeit einer Krankheit bei Kindern durchgeführt wurde, und ein Rezensent kritisiert es als "Begrenzung der Studie", dass sie keine Daten zur Häufigkeit der Krankheit bei Erwachsenen liefert. Nein, Krankheiten bei Frauen wurden einfach nicht untersucht. Live with it. Davon abgesehen, wäre eine Untersuchung des Zervixkarzinomsrisiko bei Frauen und der Beschneidung auf Basis dieses Studiendesigns gar nicht möglich. Wir erinnern uns: Diese Studie beruht auf Daten des dänischen Gesundheitssystems. Es gibt zwar sicherlich auch eine Datensatz der Gesundheitsdaten von dänischen Frauen - aber in diesem wird ganz sicher nicht die Anzahl und Dauer der Sexualpartner registriert, geschweige denn deren Beschneidungstatus.
Einer von Oswalds Hauptkritikpunkte ist ferner das "Nichterfassen von asymptomatischen HPV-Infektionen"
Auch eine Erfassung von asymptomatischen HPV-Infektionen wäre im Ramen des Studiendesigns schlicht umöglich. Wegen asymptomatische HPV-Infektionen gehen Menschen nicht zum Arzt und diese werden dann auch in keine Gesundheitsdatenbank eingespeist. Aber warum in aller Welt sind asymptomatische HPV-Infektionen so ungemein wichtig?!
HPV-Infektionen sind nämlich keine Krankheiten. Die meisten HPV-Infektionen werden vom Immunsystem ausgeschaltet (Clearing).
Es ist viel eher ein Problem, dass die meisten in jüngster Zeit veröffentlichen Studien zum Thema HPV und Beschneidung eigentlich nur noch den HPV-Status untersuchen, während die wenigen verfügbaren Untersuchungen zeigen, dass die Häufigkeiten der durch diese Infektionen möglicherweise bedingten Krankheiten - Warzen und Gebärmutterhalskrebs - in keinem Zusammenhang mit der Beschneidung stehen, oder durch die Beschneidung teilweise sogar noch erhöht werden.
Studien über die Beschneidung und die Häufigkeit von Genitalwarzen zeigten immer wieder, dass die Beschneidung die Häufigkeit von Genitalwarzen entweder nicht beeinflusst oder sogar erhöht.
Es wurden kaum noch Studien über das Risiko von Gebärmutterhals und der Beschneidung durchgeführt. Die meisten Studien zu diesem Thema stammen noch aus den 1960ern, und zeigten immer wieder, dass die Beschneidung keine Auswirkung auf das Gebärmutterhalskrebsrisiko von Frauen hatte. (Dunn & Buell 1958) (Stern 1961), (Aitkin-Swan et al. 1965) (Terris et al., 1973).
Die neueste, mir bekannte Studie, die tatsächlich das Risiko zwischen Beschneidungstatus und dem Gebärmutterhalskrebs untersuchte, war die Studie von Castellague et al aus dem Jahre 2002. Das liegt schon wieder 20 Jahre zurück.
Diese Studie stellte fest, dass die Beschneidung die Häufigkeit von Gebärmuterhalskrebs lediglich bei jenen Frauen senkte, deren Partner ein besonders "risikoreiches" Sexleben (Vorgeschichte von mehr als 6 Sexualpartner, Kontakt zu Prostituierten) hatten.
Quellen:
Dunn JE, BullL P. Association of cervical cancer with circumcision of sexual partner J Natl Cancer Inst. 1959 Apr;22(4):749-64.
Stern, E., and Dixon, W.J.: Cancer of the cervix–a biometric approach to etiology. Cancer 14:153-160, Jan.-Feb., 1961.
Boyd JT, Doll R. A Study of the Aetiology of Carcinoma of the cervix uteri.RI. Br J Cancer. 1964 Sep;13(3):419-34.
Aitken-Swan J, Baird D. Circumcision and cancer of the cervix. Brit J Cancer 1965;XIX(2):217-26.
Terris M, Wilson F, Nelson Jr, JH. Relation of circumcision to cancer of the cervix. Am J Obstet Gynecol 1973;117(8):1056-66.