Beiträge von Lutz Herzer

    Es kribbelt mir in den Fingern, Volker Beck die Trainingspuppe zu schenken.


    leider halt ein bisschen teuer 6 Monate vor Weihnachten, aber die Idee ist nicht schlecht.

    Die Rezensionen zur Puppe bei Amazon sind sehr unterhaltsam, vor allem der:

    Interessant daran fand ich, dass dort behauptet wird, dass die Juden dort von Ärzten beschneiden ließen, was bei uns ja angeblich überhaupt nicht ginge, und die Muslime nicht.

    Weshalb das bei uns nicht ging? Darüber habe ich mir schon Gedanken gemacht:

    Beim § 1631d BGB ging es offensichtlich auch darum, religiöse Beschneider für Altfälle von nicht religiösen Beschneidungen zu amnestieren. Der Verbotsirrtum würde in solchen Fällen nämlich nicht greifen. Eine der Vorgaben des Gesetzes wird wohl gewesen sein, dass kein religiöser Beschneider vor ein deutsches Gericht gestellt werden darf.

    Die Eitelkeit einer Religionsgesellschaft hatte es offensichtlich geboten, das Thema "Beschneidung von Jungen" vom Strafrecht strikt zu trennen. Nur einige StGB-Kommentatoren haben diesen Codex nun sträflich missachtet. :thumbup:

    Was das Beispiel aber schön zeigt: Wenn uns (Männern) allen als Babys die Brüste amputiert würden - wir würden unsere Brüste vermutlich nicht vermissen.


    Ich werd nicht ganz schlau draus, was du mit Brüsten bei Männern genau meinst. Wenn man mit ansieht, was sich jetzt im Sommer in den Freibädern wieder so alles vom Einmeterbrett wuchtet, da könnte man mal wenigstens über Brustverkleinerung nachdenken.

    Überhaupt sollte man allen Knaben prophylaktisch die Brüste amputieren. Die Wahrscheinlichkeit für einen Mann an Brustkrebs zu sterben ist hier in D weit höher, als an AIDS zu sterben.


    Da muss ich direkt an den Film "Aufschneider" von Josef Hader denken. Wer ihn noch nicht kennt und kein Problem mit dem Weanerischen hat, dem sei er empfohlen.

    CDU wie üblich für Täterschutz bei Genitalverstümmelung - diesmal bei FGM


    wie üblich würde ich nicht unbedingt sagen. Zuerst war doch Strafverschärfung mit bis zu 15 Jahren Haft bei Genitalverstümmelung geplant, wie es auch hier im Forum mal erwähnt worden ist.

    Weshalb nach drakonischen Strafen auf einmal gleich Strafmilderung bevorzugt wird, ist mir unerklärlich. Sind das etwa Früchte der Islamkonferenz?

    Jedenfalls wird einem alleine durch die Diskussion eines unsäglichen Gesetzentwurfs nach dem anderen die ganze Erbärmlichkeit des Bundestags und der Regierung täglich vor Augen geführt. Die Werte des Rechtsstaates werden gerade verramscht wie auf einem orientalischen Basar.

    Herr Bosbach gehört zu den Juristen, die sich nicht zu schade sind, halbseidene Theorien zu vertreten:

    Zitat

    "Eins vorweg: Bei jedem medizinischen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit müssen die den aktuellen Erkenntnissen entsprechenden ärztlichen Standards eingehalten werden; nur so ist der Eingriff gerechtfertigt im strafrechtlichen Sinne. Dass jede Zirkumzision lege artis erfolgen muss, ist also eine Selbstverständlichkeit."


    Das Einhalten ärztlicher Standards hat mit strafrechtlicher Rechtfertigung rein garnichts zu tun. Was er schreibt ist hanebüchen. Werden die ärztlichen Standards nicht eingehalten, kann sich natürlich jemand dadurch ggfs. strafbar machen. Das heißt jedoch nicht, dass die Einhaltung ärztlicher Standards zu Straffreiheit führen würde. Da könnte man ja viele gesunde Körperteile amputieren.

    Ein typischer strafrechtlicher Rechtfertigungsgrund wäre z.B. Notwehr.

    Zitat

    "Ob der vom Bundestag verabschiedete § 1631d BGB verfassungswidrig ist oder nicht, kann nur das Bundesverfassungsgericht entscheiden..."


    Der gesunde Menschenverstand und dessen Gebrauch könnten solche Entscheidungen überflüssig machen und bis dahin eintretendes Unrecht verhindern.

    Zitat

    "Wenn Religionszugehörigeit vererblich ist, dann kann auch Beschneidung in gewisser Weise vererblich sein. Wenn man die Mendelschen Regeln darauf anwendet, so stellt sich heraus, dass es sich um eine X-Chromosomal – rezessive Vererbung handeln muss."

    Das klingt fast so wie die Feststellung eines extraterrestrischen Wissenschaftlers, der erst seit einigen Tagen den Planeten Erde entdeckt hat und dessen Bewohner studiert.

    Ehrliche aber erschreckende Aussage, grade von jemandem, der Jura studiert hat.

    Hätte die Dame Chemie studiert, wäre vermutlich hier und dort schon mal was in die Luft geflogen.


    Zitat

    "Zugleich fühle ich mich verpflichtet, mich in der gesellschaftlichen Debatte weiter für die Ermöglichung der Beschneidung aus religiösen Gründen durch medizinisch geeignete Personen einzusetzen." (Frau Kramme)

    Zugleich fühle ich mich verpflichtet, mich in der gesellschaftlichen Debatte weiter für die Ermöglichung der Verabschiedung von Gesetzen aus rechtsstaatlichen Gründen durch juristisch geeignete Personen einzusetzen. (Lutz Herzer)

    ...aber was wird passieren wenn ich das aufkratze? Ich weiß ja nicht, was dieses Pulver macht, aber dass mein Körper bei einer 20-Jahre alten Wunde reagieren wird und einfach so die Vorhaut regeneriert erscheint mir doch sehr unwahrscheinlich. Der Körper wird wahrscheinlich so oder so wieder sein Programm abfahren eine Wunde zu verheilen, anstatt die Vorhaut nachwachsen zu lassen.


    das wird er und in dieser Eigenschaft wird er sehr beharrlich sein (dein Körper).

    Das heißt, man muss wohl erst mal etwas machen, was den Körper - in diesem Bezug - von diesem sofort-Verheilungsmuster wegbringt...jetzt mal zur Grundlage gelegt, die Informationen auf der Foregen-Seite sind korrekt...


    wenn du mit Stammzellen irgendwas therapieren wolltest, bräuchtest du lebende Stammzellen und kein Pulver. Die Stammzellen müssten von einem ausgesuchten Spender stammen, bei dem möglichst viele HLA-Merkmale mit den deinigen übereinstimmen. Bei dieser Gelegenheit mache ich gerne Werbung für die DKMS (http://www.dkms.de) oder ähnliche Einrichtungen. Lasst euch typisieren, vielleicht könnt ihr jemandem helfen.

    Vielleicht wäre es möglich, sich von einem Organspender eine Vorhaut transplantieren zu lassen. Es sind tatsächlich schon ganze Penisse transplantiert worden. Auch da gilt: möglichst viele HLA-Merkmale sollten übereinstimmen, ansonsten musst du dich mit Immunsupressiva vollpumpen lassen. Ich denke, da wüsste ich, dass ich lieber ohne Vorhaut leben würde.

    Mir kommt das reichlich unseriös vor. Ich kann mir nicht vorstellen, dass soetwas funktioniert.

    In jedem Körperteil sind im Gewebe spezifische Stammzellen vorhanden, die für die Regeneration verantwortlich sind und über ihre Erbinformation genau wissen, wie sie sich verhalten sollen. Sind die abgetrennt, geht mit ihnen auch der Bauplan verloren. Es ist auch noch keinem Säugling die Vorhaut nachgewachsen. Beim Salamander hat sich die Evolution wohl etwas anderes einfallen lassen. Künstlich gezüchtete Zellen können nicht wissen, ob aus ihnen ein Ohrläppchen, ein Fingerglied oder eine Vorhaut werden soll. Diese Informationen bringt da auch kein Wissenschaftler hinein. Hautgeneration zur Narbenbehandlung mag vielleicht möglich sein, niemals aber eine Vorhaut. Da wird mit der Hoffnung Betroffener gespielt.

    Stammzellen ist für viele ein magischer Begriff, da in der Leukämiebehandlung damit schon sehr viel machbar ist. Da findet dann aber im Falle von Fremdzellen nichts anderes als eine Organtransplantation statt.

    Eine befriedigende Antwort, weshalb das Ritual auch in säkularen Kreisen weiter fortgesetzt wird, scheint es nicht zu geben.

    Meine persönliche Erklärung des Phänomens ist da recht simpel: das Aufgeben des Rituals käme dem Eingeständnis gleich, in der Vergangenheit womöglich etwas falsches, unrechtes getan zu haben. Das scheint geradezu unvorstellbar zu sein. Wer käme schon auf die Idee, sich einzugestehen, Menschenrechte des eigenen Kindes verletzt zu haben. Der einfachste Verdrängungsmechanismus besteht also darin, an gewohnten Dingen weiter festzuhalten. Was hunderte Generationen zuvor gemacht haben, kann ja nicht falsch gewesen sein, auch wenn es nicht richtig war. Nur kommt man mit dieser Einstellung leider keinen Millimeter vom Fleck.

    Ruben Frankenstein machte sinngemäß darauf aufmerksam, dass für viel Säkulare Juden die Beschneidung die letzte Verbindung zum Judentum sei, und sie mithin für viele eine - ich nenne das mal - "kulturelle Dimension" besitzt.


    Das hat man allenthalben in der Debatte so gehört.

    Zunächst zum Begriff "Säkulare Juden": für mich klingt das so wie Rassismus in Reinstform, da durch Wegfall der Weltanschauung nur noch die Abstammung zählen kann. Man belehre mich aber gerne eines besseren unter Berücksichtigung folgender Aspekte: Woran erkenne ich einen säkularen Juden? Kann ich als säkularer Nullachtfünfzehnmitteleuropäer säkularer Jude werden, wenn ich das möchte? Da ein Konvertieren ja nicht möglich ist, wie würde das dann vonstatten gehen?

    Wie hätte man sich vergleichsweise einen säkularen Moslem vorzustellen? Quasi als horror vacui?

    Man möge mir verzeihen, dass ich mich an bestimmten Begrifflichkeiten reibe.

    Die ach so progressiven evangelischen Christen fallen in die Denke der mittelalterlichen katholischen Kirche zurück.


    Vielleicht geschieht das ja aus einer gewissen Taktik heraus. Die katholische Kirche hat aufgrund des Missbrauchsskandals in den letzten Jahren viele Mitglieder verloren, die die EKD zu gerne auffischen würde. Dazu muss man ihnen ein halbwegs ansprechendes folkloristisches Programm bieten. Daher wahrscheinlich auch die Bestrebungen zum gemeinsamen Abendmahl. Das schien schon vor Jahren wichtiger zu sein, als den mittelalterlichen Anwandlungen des Papst Benedikts etwas Protestantisches entgegen zu setzen.

    Der Gute wagt aber ganz schön was damit :D Selbst bei ausreichender Begründung wird es bestimmt einen "Aufschrei" geben und ihm gesagt, dies seien zwei verschiedene Dinge.


    Das Hinterfragen der Differenzierung zwischen männlicher und weiblicher Zwangsbeschneidung gehört zu den strategisch geschicktesten Zügen in der Debatte. Man drängt damit Befürworter Schritt für Schritt zurück bis zur Stufe der Gottgewolltheit. Da sind sie dann eigentlich so gut wie entwaffnet, sofern sie noch willens sind, zwischen Rechtsstaat und Gottesstaat zu unterscheiden.

    Ein Aufschrei des Gegners ist meistens ein gutes Zeichen. Selten werden da schlagkräftige Argumente nachgereicht.

    Selbst die Muslime, die der Verstümmelung mehr oder weniger kritisch gegenüberstehen sind i.a. vehement gegen ein Verbot. Da schließt sich sofort die Wagenburg. Das wird als Angriff auf die eigene Minderheit verstanden.
    Die fordern höchstens, dass "Reformen aus der Religionsgemeinschaft selbst heraus kommen müssen", etc...
    Aber Verbot? Das ist wieder ganz etwas anderes!


    Ich wär da mit Klischees vorsichtig. So geschlossen sind die Wagenburgen nicht. Es wird auch viel gesagt, was nicht gemeint wird.

    Mal so ein fiktives Beispiel um eine Parallele zu ziehen: man stelle sich vor, der Vatikan würde ein totales Kondom- und Pilleverbot fordern, da ansonsten katholisches Leben in Deutschland nicht mehr möglich sei. Der Verkauf von Kondomen und Pille müsse verboten werden. Mitgliederschwund durch Austritte müssten schließlich durch Steigerung der Geburtenraten beim verbleibenden harten Kern kompensiert werden. "Sündige" dürften sich außerdem nicht länger der Strafe Gottes in Form von Aids mit Kondomen entziehen.

    So - und nun käme die Kanzlerin und würde verkünden: Kondome können in Deutschland nicht länger verkauft werden, wir machen uns ja sonst zur Komikernation.

    Von wievielen Katholiken, glaubst du, würde sie deshalb gewählt werden?

    So, ich hoffe, ich habe jetzt keine Gemüter von Katholiken überstrapaziert. War ja halb satirisch gemeint.