Prof. Latasch verwendet in seiner pdf im Ethikrat drei Literaturangaben:
1. "Effect of Neonatal Circumcision on pain response during subsequent routine vaccination"
2. "Breast Milk and Glucose for Pain Relief in Preterm Infants: A Noninferiority Randomized Controlled Trial"
3. "Efficacy of sweet solutions for analgesia in infants between 1 and 12 months of age: a systematic review"
Alle drei stammen aus dem Hospital for Sick Children Toronto (Taddio et al. ...).
Nr. 1 wurde in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit der Doktorarbeit von Frau Taddio zur -- von der EMA gerade als unzureichend klassifizierten -- Wirksamkeit von EMLA bei der Neugeborenenbeschneidung veröffentlicht. Die Aussage "Neugeborene haben ein Schmerzgedächtnis" könnte im Zusammenhang mit der behaupteten Wirksamkeit von EMLA verkaufsfördernd für das Medikament gewirkt haben.
Nr. 2 basiert ebenfalls nur auf Verhaltensbeobachtungen und Herzfrequenzmessungen. Die Messungen beginnen erst 30 sec. nach dem Einstich für die Fersenblutabnahme. Andere Untersuchungen haben belegt, daß zum Zeitpunkt des Einstiches keine Glucosewirkung besteht. In dieser Studie wurde dieses riskante Zeitfenster also lieber ausgespart. An relevanten Nebenwirkungen beider Verfahren werden erwähnt: Sauerstoffsättigungsabfälle und Würgen.
Nr. 3 ist ein typisches Beispiel für die Studien des Hospital for Sick Children Toronto. Es wurde ausschließlich die Reaktion auf den Schmerzreiz einer Impfung zugrunde gelegt, schmerzhaftere Prozeduren ausgeschlossen (genannte Beispiele: Venenpunktion und das Legen eines Blasenkatheters)
Aussortierung von 14 Studien aus einem Pulk von 695, Verwendung weicher Kriterien zur Schmerzmessung, ausgesprochen differierende und nicht konsistente Aussagen zur Wirksamkeit. Nichtsdestotrotz gefolgt von einer klaren Schlußfolgerung: "Das wirkt und ist zu empfehlen." Die machen das immer so.
Das waren die Grundlagen der Behauptungen von Prof. Latasch zur Wirksamkeit von Glucoselösung bei der Neugeborenenbeschneidung vor dem Deutschen Ethikrat. Weder Nr. 2 noch Nr. 3 behaupten eine Wirksamkeit für die Neugeborenenzirkumzision. Nr. 3 schließt schmerzhaftere Reize als eine Impfung sogar aus.
Ich bin es ein wenig müde, jede Behauptung eines selbsternannten Schmerzwissenschaftlers, Spezialgebiet Neugeborenenzirkumzision, zu widerlegen.
Ich würde umgekehrt einfach mal vorschlagen,
-- die Jungs liefern einen überzeugenden Beweis der Wirksamkeit der von ihnen empfohlenen Methoden und Substanzen -- auf der Basis der aktuellen Schmerzforschung.
-- Sie belegen Nebenwirkungsfreiheit und
-- die Zuverlässigkeit der Wirkung der von ihnen empfohlenen Methoden, damit bei unwirksamen Lokalanästhesien nicht die Methode Ratz-Fatz zum Einsatz kommt.