Beiträge von Pöser Pürger

    Lieber PöserPürger, du schreibst:
    "Eine Körperverletzung nach den "Regeln der ärztlichen Kunst" ist ein Oxymoron, es ist die geistige Ausgeburt kranker Gehirne."

    Dieser Satz ist, glaube ich, unvollständig. Sonst gebe ich dir Recht. JEDE Operation ist doch eine Körperverletzung. Aber die Ärzte machen das halt eben nach bestem Wissen und Gewissen einzig zum Zweck der erhofften Heilung des Patienten, seine Einwilligung und Aufklärung vorausgesetzt.

    Klar ist jede Operation mit einem Skalpell oder einer scharfen Klinge zunächst eine Körperverletzung. Aber im medizinischen Kontext sollte es nur eine vorübergehende sein. Entscheidend ist der Endzustand, insbesondere der irreversible. Da muss der unmittelbar zu erwartende medizinische Nutzen den unaufschiebbaren Eingriff deutlich überwiegen.

    Deinen letzten Absatz verstehe ich noch nicht so ganz. Du schreibst, die Gerichte mögen keine Geistlichen als Prozeßbevollmächtigte, weil sie keine juristischen Laien mögen. In den Niederlanden gab es m.W. Fälle, wo jüdische Rabbiner das Kind einer jüdischen Mutter gegen den nicht-jüdischen Vater vertreten haben. Spielst du darauf an? Oder was meinst du genau?

    Naja, ich wollte eigentlich nur die Absurdität der Gegenüberstellung offenlegen. Wenn es um den Körper geht, dürfen Laien ran. Wenn es danach ums Recht geht, dürfen Laien in Deutschland nicht mehr ran. Das ist Zynismus pur. Und dass das so ist, haben (Nazi)-Juristen bestimmt und nicht Mediziner. Die Regelung in den Niederlanden war mir nicht bekannt.

    Da der Bundestag an dem Schnapsdatum, dem 12.12.12, den Antrag auf Erlass einer Rechtsverordnung abgelehnt hat, erübrigt sich die Auslegung der Formulierung "nach den Regeln der ärztlichen Kunst". Nach den Regeln der ärztlichen Kunst dürfte schlechterdings kein gesundes Gewebe entfernt werden. Wer dies dennoch tut, handelt nicht mehr als Arzt, egal ob er nun einer ist oder nicht. Die Regeln der ärztlichen Kunst würden jegliche Amputation gesunder Körperteile verbieten. Das Gesetz ist daher in keiner Weise vereinbar mit dem allgemeinen Bestimmtheitsgrundsatz. Mit diesem Argument wird sich in Zukunft vor Gericht jeder Beschneider herausreden können. Eine vorsätzlich begangene Körperverletzung durch einen Arzt müsste auch strafrechtlich schwerer wiegen, als eine durch einen Nichtarzt. Eine Körperverletzung nach den "Regeln der ärztlichen Kunst" ist ein Oxymoron, es ist die geistige Ausgeburt kranker Gehirne.

    Die geistige Umnachtung des Gesetzgebers zeigt sich bereits darin, dass im Gesetzestext nicht einmal benannt wurde, was denn überhaupt und wieviel davon beschnitten, bzw. abgeschnitten werden darf. Es wird so getan, als ob mit dem Begriff "Beschneidung" nur und nichts anderes als das Abtrennen der Penisvorhaut gemeint sein kann.

    Solange dieser Schadcode in Form des §1631d BGB stehen bleibt, werden sich Richter mit Anwälten und Gutachtern darüber streiten.

    Man muss sich auch noch eines dabei vor Augen halten: zu einer Beschneidung bedarf es nur der Zustimmung eines Elternteils. D.h. ein Elternteil alleine kann das Kind ins Auto packen und zum Beschneiden bringen. Vor Gericht vertreten werden kann das Kind dann aber nur von beiden Elternteilen und für die gilt dann i.d.R. Anwaltspflicht. Von einem Geistlichen kann man sich vor Gericht in keinem Fall vertreten lassen. Die Richter mögen nämlich keine Laien. Es reicht ja schon, wenn Laien das Kind zuvor verschnibbelt haben. Gerichtsgutachter darf dann natürlich nur ein Arzt mit Erfahrung sein. Ist doch klar!

    Das Schreiben der Staatsanwaltschaft Hof würde mich interessieren. Denn eines ist jetzt klar: ob man als Nichtarzt wegen einer Beschneidung strafrechtlich belangt wird oder nicht, hängt nur noch von der Religionszugehörigkeit ab. Da wäre eine Diskriminierungsrüge gem Art. 3 GG fällig. Für die Ausbildung interessiert sich die Staatsanwaltschaft ja nicht mal. Es reicht dort aus, dass es sich um einen "Mohel" handelt. So kann sich aber jeder nennen, da weder Begriff noch Berufsstand geschützt sind.

    Wenn es die Möglichkeit gibt, an das Schreiben der Staatsanwaltschaft Hof zu kommen, ich wäre brennend daran interessiert. Kontakt gerne auch über PN.

    Womit ich nicht zufrieden bin, sind die deutschen Ärzte. Die sind da viel zu vorsichtig und schnippeln nur bißchen rum.

    Klar, 4 OPs sind lästig. Andererseits: lieber erstmal zu wenig als zu viel abgeschnitten. Wichtig ist, dass du am Schluss zufrieden bist.

    Meine Frau macht jetzt auch freiwillig Oralverkehr.

    Soll das etwa heißen, da werden jetzt keine Online-Bestellungen bei Zalando mehr ausgehandelt?

    Er ist sehr wohl ein Evolutionsleugner, insofern als, gäbe es die Evolution, sich die Vorhaut von ganz alleine den Notwendigkeiten ergeben und zurückgebildet hätte.

    Ich würde sagen, er ist ein Evolutionsgegner nach dem Grundsatz "Wir können das besser, als die Evolution", aber kein Evolutionsleugner, wie Rabbiner Ehrenberg aus Berlin.

    Wenn dieser Mann vor 17-jährigen SchülerInnen spricht, halte ich das für eine gute "Aufklärung". Genusssüchtige übergewichtige Schüler können ja mit der Beschneidung als ersten Schritt zur Gewichtsreduktion beginnen. Was nicht gebraucht wird kann ab!

    Zitat

    "Wer braucht (schon) eine Vorhaut?"


    Nun, das wissen wir ja seit einiger Zeit: die Kosmetikindustrie, das Fraunhofer-Institut Stuttgart etc.

    Zitat

    Im Verständnis Orbachs ist sie ein Relikt aus grauer Vorzeit,
    als Menschen noch nackt auf Bäumen kletterten und die Vorhaut einen
    Schutz vor Verletzungen gewährte.

    Wenn ich das richtig deute, ist er wenigstens kein Evolutionsleugner. Das ist ja schon mal löblich.

    Ob es sich bei der folgenden Aussage um eine Verschwörungstheorie handelt, kann ich nicht beurteilen. Ganz aus der Luft gegriffen ist sie aber sicher auch wieder nicht.

    Wieso Verschwörungstheorie? Ich sehe nur Wahnvorstellungen.

    Die bedingungslose Unterstützung Israels werde von der Christlichen Rechten damit begründet, dass die Juden Israel kontrollieren müssten, bevor Christus wiederkommen werde.

    Dann sollen sie sich am besten jetzt schon mit den Juden darüber einigen, wie und von wem Christus dann hingerichtet werden soll. Kreuzigungen sind ja mittlerweile etwas altmodisch geworden.

    Im Vergleich zu Männern, die vor ihrer Pubertät beschnitten wurden, berichteten die Anderen von einem geringeren sexuellen Vergnügen an der Eichel. Sie berichteten auch in höherem Maße von Unbehagen, von Schmerz und ungewöhnlichen Empfindungen.


    Da offenbart sich einem mal wieder die Borniertheit amerikanischer Wissenschaftler, die in fast allen Beschneidungsstudien auftaucht. Hier werden einfach Aussagen vor der Pubertät Beschnittener mit Aussagen nach der Pubertät Beschnittener verglichen. Das ist jedoch Unsinn. Wer seinen ersten Orgasmus als Beschnittener erlebt, hat für den Rest seines Lebens eine andere Benchmark als ein zu diesem Zeitpunkt Unbeschnittener. So langsam könnten auch mal prüde amerikanische Forscher dahinter kommen.

    Nach der Aufklärung darüber, dass es für die Beschneidung keine medizinische Notwendigkeit gebe, wollten trotzdem immer noch 90% von ihnen eine Beschneidung durchführen lassen.

    In den USA wirst du überall in der Öffentlichkeit vor Gefahren usw. gewarnt. Es gibt fast keine Treppenstufe, wo kein Warnschild dran ist. Daran gewöhnen sich viele und denken sich nichts mehr dabei. Diese Eltern halten das wahrscheinlich für obligatorisches Ärzte-Blabla und ziehen die Sache durch.

    Zitat

    Auch im Rahmen der Beschneidungskampagne in Afrika wird angesichts der
    weit unter den Zielen liegenden Operationszahlen über die sozialen
    Aspekte dieses Umstands nachgedacht. Dabei spielen trotz der
    "Aufklärung" über die Reduktion von HIV Ängste über Operationsschmerzen
    und anschliessenden Sensibilitätsverlust die wesentliche Rolle.

    Die Rakai-Studien und die von Südafrika sind menschenverachtend. Sie wurden mit dem vorgegebenen Ziel durchgeführt, die Reduktion der Übertragung von HIV und anderen Krankheiten durch Beschneidung zu belegen. Die Teilnehmerzahlen waren zum einen schon viel zu gering. Bei der Rakai-Studie gab es dann gegen Ende plötzlich einen rapiden Abfall der Teilnehmerzahlen (Beginn HIV:2474/2522, Ende HIV:964/980). Beim gleichzeitigen Herpestest standen am Ende dagegen 1331/1340 Teilnehmer zur Verfügung. Schon eigenartig! Davon abgesehen wurden die Sexualpartner der Probanden überhaupt nicht getestet. Wie auch hätte man das machen sollen? Die Bevölkerungen haben zwischenzeitlich gemerkt, dass sie "benutzt" wurden. Die Studien sollten Ergebnisse liefern, die man weder in den USA noch in Europa bekommen hätte.

    Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass Infratest Dimap die Umfrage des Mogis-Vereins vom Dezember 2012 nicht veröffentlicht, obwohl Mogis die Zustimmung erteilt hat. Da waren 70% gegen das neue Gesetz

    Auf eine Anfrage, weshalb das nicht geschieht, habe ich bis heute keine Antwort von Infratest Dimap erhalten.

    Allein der Titel gibt zu denken: Interventionen gegen die deutsche "Beschneidungsdebatte"!

    Deutschland darf also nicht einmal mehr frei debattieren.

    Ich zitiere mal aus einer Rezension:
    "Die Debatte habe damit an frühere debatten angeschlossen. Hingegen hätten die politischen Entscheidungsträger_innen und die medizinischen Fachkreise weitgehend "unaufgeregt" reagiert - und mit dem aktuell verabschiedeten gesetz dem Recht auf körperliche Unversehrtheit und auf Religionsfreiheit gleichermaßen Rechnung getragen."

    Dieser parlamentarische Unsinn ist jetzt mittlerweile aus dem Bundestagsgebäude hinausgewabert und hat ein Verlagsgebäude erreicht.

    Vermutlich findet sich in dem Buch auch altbekannter medizinischer Unsinn wieder. Das kennen wir ja schon aus der Begründung des Gesetzentwurfes. Damit möchte eine Religionsgesellschaft ihr angeschlagenes Image reparieren. Das ist doch sowas von durchschaubar.

    Jetzt wissen wir, was die meisten Bundestagsabgeordneten und - tinnen in der Schreibtischschublade haben:

    Na bei Volker Beck wäre ich mir da nicht so sicher. Der göttliche Beschneidungsbefehl jedenfalls steht woanders drin.

    Interessant ist aber auch, was vor fast fünf Jahren in dem Blatt geschrieben wurde:

    Beschneidung: Beschneidung aus Eifersucht entstanden - Men's Health

    Nun denn - men's health ist ja nicht gleich children's health und so braucht man sich damit nicht weiter zu befassen.