Religionen sind nichts anderes als Varianten von Weltanschauungen, also Wertesystemen.
Hier streikt jetzt meine Goldwaage 
Nehmen wir doch diesen Satz mal mit Bezug zum Thema auseinander. Wenn ein Mensch an Gott oder ein höheres Wesen glaubt, wird er vermutlich niemals auf die Idee kommen, sich seine Vorhaut abzuschneiden oder gar die seines Sohnes oder seiner Tochter (Klitorisvorhaut).
Sobald aber Menschen damit beginnen einen Glauben mit Regeln und Ritualen "auszustatten" oder zu "bereichern", kann es passieren, dass diese daran glauben, dass sie ihre Vorhaut abschneiden müssen oder gar dazu verpflichtet wären die Vorhaut ihrer Söhne / Töchter abzuschneiden. Dies wäre dann wohl eine religiöse Beschneidung.
Wenn nun ein Land davon überzeugt ist, dass Masturbation furchtbar ist und im Laufe der Entwicklung zum dem Schluss gekommen ist, dass eine Beschneidung dies teilweise verhindern oder einschränken kann, so würde ich dies als eine weltanschauliche Beschneidung bezeichnen. Ähnlich würde ich dies auch sehen, wenn z.B. eine Frauenrechtlerin allen Männern unterstellt, dass sie sich nicht waschen würden und daher beschnitten werden müssten, um Gebärmutterhalskrebs und ähnliches zu verhindern. Wir haben es hier mit subjektiven Erfahrungen und Ansichten zu tun, die von den Betroffenen jedoch als objektiv betrachtet werden und in der Gesamtheit deren Weltbild darstellen. Auch die Empfehlungen der WHO & Co. gehören aus meiner Sicht in diesen Bereich.
Ein Wertesystem wäre aber aus meiner Sicht wieder viel komplexer. Es müssten Vor- und Nachteile mit den individuellen Rechten so in Einklang gebracht werden, dass ein Gleichgewicht herrscht. Nach meinem Werteverständnis würde dies bedeuten, dass sich jeder Erwachsene die Vorhaut, die Ohren oder die Nase abschneiden lassen kann, wenn er dies für sich so will. Er hat jedoch kein Recht einem Kind die gesunde Vorhaut abschneiden zu lassen oder gar hat ein Arzt oder wer auch immer das Recht einem Kind die Vorhaut abzuschneiden, weil ein dritter dies so bei ihm in Auftrag gibt. Hier muss ein Wertessystem zwischen den Rechten der einzelnen vermitteln und dafür sorgen, dass auch die Rechte des Kindes gewahrt bleiben.
Ob das, was man heute teilweise unter Säkularisierung versteht viel anders ist als eine fanatische Religion, möchte ich nicht beurteilen müssen. Die reine Vernunft verkennt wohl, dass Weisheit mehr ist als nur Vernunft, weil hier das Herzliche oder Menschlich verloren geht. So gesehen könnten Menschen vielleicht sogar durch säkulare Gedanken irregeleitet werden, was ich beim TO nicht ausschließen möchte.