(1) Ich glaube je mehr spezialisierte Geräte ein Arzt in seiner Praxis hat um so höher ist sein Verdienst.
(2) Urologen bieten auch diverse Zusatzleistungen an. Eine Vasektomie wird z.B. Komplett Privat abgerechnet. Da ist man mit 400 Euro bei meinem Urologen dabei.
Nicht jeder Urologe operiert aber auch.
(3) Einmal im Jahr den PSA wert bestimmen zu lassen kostet 25 Euro.
Zu (1) Die Relation zwischen Gewinn und Investitionskosten in Praxisausstattung, drängt sich vielleicht bei Radiologen oder Zahnärzten mit Cerec und digitalem Röntgen besonders auf. Beim Urologen dürfte das Ultraschallgerät bereits das teuerste Praxisinstrument sein. Ich würde hier aber auch nach Henne und Ei bzw. Ursache und Wirkung fragen. Wie muss ein Arzt gestrickt sein, wenn er bereit ist sechs oder gar siebenstellige Beträge alleine für die Praxisausstattung (ohne Patientenstamm) zu investieren. Und umgekehrt stellt sich dann die Frage, ob ein Arzt, der "nur" den Menschen helfen und damit sein Einkommen verdienen will, mit solchen Investitionen kaufmännisch überfordert wäre.
Zu (2) Ich weiß nicht, wie viele Urologen selbst eine Vasektomie noch selbst durchführen bzw. hier nicht eher eine Überweisung ausstellen oder an größere Gemeinschaftspraxen oder Kliniken verweisen. Anders wird es wohl aber bei Beschneidungen aussehen, die wohl tendenziell von einer größeren Gruppe der Urologen zum "allgemeinen Repertoire" gehören dürfte.
Zu (3) Wenn man nur den PSA-Wert für 25 EUR bestimmen lässt, stellt sich eh die Frage, ob man dafür überhaupt einen Facharzt konsultieren sollte. Der PSA-Wert ist ja irgendwo der 50:50 Joker in Sachen Prostatakrebserkennung. Ist er zu hoch, kann er falsch positiv sein oder umgekehrt kann er im Anfangsstadium auch falsch negativ sein. Das "komplette" Programm wird daher tendenziell eher für 100 EUR als iGeL angeboten. Ob das Sinn macht, muss jeder für sich entscheiden. Die einen investieren vielleicht lieber 1000 EUR in Fenster-Airbags im Auto (und rasen dann wie Irre über die Autobahn) und die anderen gehen lieber einmal zu oft als zu wenig zur Vorsorge.
Insgesamt scheint mir aber die Schlussfolgerung, dass das Einkommen von Urologen von Beschneidungen abhängig wäre, nicht wirklich schlüssig. Frauen und Männer gehen zum Urlogen, wenn sie Probleme mit der Harnblase oder den Nieren haben.
Dann sind Urologen natürlich auch die Anlaufstelle, bei Inkontinenz. Sowohl Diabetes wie auch das zunehmende Alter der Patienten, kann hier den Besuch beim Urologen notwendig machen.
Bei Männern kommt dann noch das Thema Prostatakrebs hinzu, welcher nicht immer operiert und daher oft auch engmaschig überwacht werden muss. Um hier aber eine möglichst gute Entscheidung treffen zu können, sind auch regelmäßig umfangreichere Untersuchungen als nur der PSA-Wert notwendig.
Und zu guter letzt kommt natürlich das auch sehr prägnante Thema Potenz und Kinderwunsch hinzu. Das Thema Potenz dürfte wohl seit der Erfindung von Sildenafil viel mehr Männer in die Arztpraxen treiben, weil Probleme hier endlich behandelbar sind bzw. sich keiner mehr damit abfinden muss, wenn er zur Gruppe derer gehört, die hier ab ca. 40 Jahren mit den ersten Alterserscheinungen konfrontiert werden. Davon abgesehen kann hier ein gewissenhafter Urologe sogar dafür sorgen, dass schleichende körperliche Veränderungen abgeklärt werden, bevor diese nur noch schlecht behandelbar sind (z.B. Probleme mit dem Herzen).
Fazit:
Vielleicht gibt es wirklich den stupiden und stumpfsinnigen Urologen an der Ecke, der sich mit Kinderbeschneidungen über Wasser hält, weil seine Kompetenz für mehr nicht reicht. Ein Urologe, der jedoch in den aufgezeigten Behandlungsfelder auch durch seine Persönlichkeit und sein Einfühlungsvermögen erfolgreich ist, wird es weder nötig haben, unnötig (ohne medizinische Indikation) zu beschneiden oder gar damit sein Einkommen aufzubessern.
Hinweis:
Wenn ein Urologe dafür bekannt ist, dass er viele Beschneidungen durchführt oder gar massiv damit auf seiner Webseite wirbt, würde ich dort niemals einen Termin vereinbaren.