Posts by onka92

    Das bringt auf jeden Fall Erfolge für den Hersteller, den Händler, den Arzt und alle anderen, die damit Geld verdienen.
    Selbst wenn Vorhautgewebe mit allen Nerven und Zellen gezüchtet werden könnte, wird die zu transplantierende Vorhaut das Ergebnis plastischer Chirurgie sein. Damit also entfernt von der natürlich gewachsenen.
    Es wird mehrere Nähte erfordern, die Vorhaut zu konstruieren. Nähte, die Narbengewebe bilden, welches sich entsprechend in Taktilität, Haptik, Optik usw. unterscheiden wird.

    Auf YouTube findet man so einen klassischen "Privatfernseh-Report" darüber, der suggeriert, dass der Durchbruch mehr oder weniger vor der Tür steht, mit aus Schweinedarm gewonnenem Stammzellenpulver, Gewebe nachwachsen zu lassen. Meines Erachtens reine Science Fiction. Nicht, dass ich es für unmöglich halte, dass dies eines Tages möglich sein könnte, aber jedoch nicht in der nahen Zukunft.

    Da fällt es ganz schwer, die richtigen Ratschläge zu geben, da des Menschen Wille ja auch bekanntlich sein Himmelreich ist.
    Ich kann mir evtl. schon vorstellen, dass eine lange Vorhaut gerade bei Verwendung von Kondomen lästig sein kann. Sie deswegen aber ganz zu entfernen, ist mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Schließlich ist das der einzige Nachteil einer langen Vorhaut.

    Wenn er es sich wirklich nicht ausreden lässt, dass seine lange Vorhaut schuld ist, dass er beim Sex nicht zum Orgasmus kommt, sollte er sich eher Gedanken über eine Kürzung der Vorhaut machen. Ich wurde mit 14 teilweise beschnitten. Meine Vorhaut war zu eng und auch relativ lang, was mich aber nicht störte. Nach der OP war die Eichel noch fast völlig bedeckt, gerade mal die Spitze der Eichel war von vorne zu sehen. Sex hatte ich damals noch nicht, aber bei der Selbstbefriedigung habe ich gar keine Veränderung bemerkt. Außer halt, dass sie sich nun vollständig über die Eichel ziehen ließ.

    Trotzdem bin ich auch eher davon überzeugt, dass der Grund in der Psyche zu suchen ist. Entweder das "Ideal des Beschnittenen Penisses", das er vielleicht aus seinem persönlichen Umfeld mitbekommt oder er empfindet seine lange Vorhaut als Makel, weil sie so nicht seinem Schönheitsideal entspricht.

    Auf jeden Fall drücke ich ihm die Daumen, dass er die Entscheidung, wie auch immer sie ausfällt, nicht bereuen wird. Abgeschnitten ist schnell...

    Dieser Satz von Dir ist mir aufgefallen:

    Diese Wirkung von Hydrocortison ist mir bisher nicht bekannt. Meines Wissen sorgen die Inhaltsstoffe der Creme dafür, dass sich das Gewebe lockert und leichter dehnen lässt. Dass sich Narben nicht verhärten, kann Kortisoncreme - soweit ich weiß - nicht verhindern. Wobei ich aber weder Arzt noch Pharmakologe bin und den Sachverhalt nur aufgrund angelesenen Wissens beurteilen kann.

    Dem kann ich beipflichten. Ich habe damals nach meiner Teilbeschneidung die Salbe Kelofibrase verschrieben bekommen, die ich ab der 3. Woche auftragen sollte, um einer möglichen Verhärtung vorzubeugen. Diese enthält kein Hydrocortison, welches ich zum Dehnen verschrieben bekommen hatte.

    Möglicherweise ist es aber die Absicht des Arztes, die Dehnung der Vorhaut zu erleichtern. Dies hätte er dann aber auf jeden Fall besser kommunizieren müssen, bzw. klare Handlungsempfehlungen in diese Richtung aussprechen müssen.

    Eine Anmerkung, weil hier einige meinen "über so etwas redet man nicht mit anderen": dem stimme ich zu sofern der Betroffene dabei ist. Aber ansonsten finde ich es geradezu wichtig das mehr darüber gesprochen wird. Nur so kann doch eine richtige und wichtige Aufklärung stattfinden und Alternativen zur Beschneidung zur Sprache kommen die vielen völlig unbekannt sind. Genau wie die vielen Funktionen der Vorhaut, der großen Mehrheit ja auch unbekannt.

    Ich würde sagen, man kann schon darüber reden wenn der Betroffene dabei ist, aber man sollte ihn vorher bittesehr fragen, ob das OK ist darüber zu reden.

    Darüber reden ist wichtig. Aufklärung ohne Polemik sowieso, gerne auch, wenn ein Betroffener dabei ist.
    Aber nicht in der Form, "mein Sohn ist auch beschnitten" oder "der Sohn von xy ist auch beschnitten". Das ist nur Tratsch und geht niemanden etwas an, ich erzähle ja auch niemanden die Erkrankungen meiner Eltern.
    Die Situationen, denen ich mich regelmäßig ausgesetzt sah, dienten weder der Aufklärung anderer zu dem Thema, noch haben sie irgendeinen wertvollen Beitrag in irgendeiner Form dargestellt. Nur dass sie für mich jedes Mal aufs Neue super peinlich waren.
    Das Klage ich nach wie vor an, wenn sich Eltern (aber hauptsächlich Mütter) über das Thema auslassen.

    Mittlerweile bin ich hier angekommen.

    Mit viel Geduld Ausdauer und Motifation von ein paar Leuten hier.

    Hut ab! Klasse Leistung. Ich bewundere deine Ausdauer.

    Wenn ich fragen darf: Wie lange hast du dafür gebraucht? Warst du sehr straff beschnitten?
    Das motiviert ja fast, selbst anzufangen.

    Die punktartigen Male im vorderen Vorhautbereich sind die Nähte des Schnittes, nehme ich an?
    Glaubst du, man kann die Lage der Naht beim Dehnen irgendwie beeinflussen? Ich bin sehr hoch beschnitten und meine Narbe ist sehr dunkel. Bin nur neugierig wegen eines möglichen, optischen Ergebnisses. Bei mir wäre die Narbe an der Stelle nämlich viel, viel auffälliger als bei dir.

    Ich habe bisher nur davon gehört, dass es bei sehr straffen Beschneidungen zu einer (leichten) Verkürzung des Penis kommen kann, wenn die Schafthaut so straff gespannt ist, dass sie die Schwellkörper in den Bauch zurückdrückt.
    Das tritt dann aber normal nur bei Erektion auf und gibt sich in vielen Fällen auch wieder, weil die Haut sich über die Zeit auch wieder dehnt. Sonst würde auch die Vorhautrekonstruktion nicht funktionieren.
    Vor allem ist dein Penis noch sehr stark geschwollen. Bevor er richtig verheilt ist, würde ich keine endgültigen Schlüsse ziehen.

    Wer kennt diesen "exklusiven" Club nicht.
    Ich wäre auch fast rausgeflogen.

    Ich habe nur folgende These in den Raum gestellt:

    Es gibt drei "Arten" von beschnittenen Männern und keine taugt für den Beleg, dass Sex ohne Vorhaut besser ist.

    Als kleines Kind beschnittene
    Als Jugendliche beschnittene
    Freiwillig beschnittene

    Als Kind beschnittene kennen es nicht anders. Ihnen fällt es leicht, zu sagen, dass alles toll ist. Außer, wenn oder bis sie körperliche Probleme deswegen verspüren. Aber die werden dann nicht erwähnt, weil es "halt sein musste" oder man sich deswegen schämt und "dass man länger kann" ja auch was Gutes hat.

    Als jugendlich Beschnittene hatten Probleme mit Phimose und können sich deswegen gut daran erinnern, so wie ich. Vorhaut ist zwar auch mit Spaß verbunden, aber in erster Linie mit Schmerzen und Problemen. Also war auch der Sex, wenn sie denn schon welchen mit Vorhaut hatten, dementsprechend geprägt. Ergo: Sex ohne Vorhaut ist besser, weil keine Schmerzen. Aber taugt die Aussage was?

    Freiwillig beschnittene finden es sowieso toll. Da gibt es welche, die sich sogar damit rühmen, dass sie so tolle Hechte sind. Warum sollen die dann als Beleg taugen, wenn sie ihre Vorhaut sowieso gehasst haben.

    Der Beitrag war sofort gelöscht und auch ich durfte den Admin mal kennenlernen, weil "haltlose Anfeindungen und die Verbreitung von Unwahrheiten hier nicht erwünscht sind"

    Gerne habe ich mich dort wieder abgemeldet :D

    Vor allem haben Deine und meine Mutter offensichtlich das selbe, stark ausgeprägte Mitteilungsbedürfnis ggü. Dritten. Wie an anderer Stelle schon beschrieben, konnte meine Mutter es sich nicht verkneifen, in der Verwandschaft, Bekanntschaft, bei Nachbarn usw. den Leuten zu erzählen, dass mir - O-Ton "der Piepmatz vorne ganz abgeschnitten " worden sei. Ich stand dann wie ein "begossener Pudel" daneben. Selbst in Gegenwart anderer Kinder, z.B. meiner Cousinen, hatte sie keinen Respekt vor diesem Eingriff, den man wirklich nicht jedem, der es wissen will oder nicht, auf die Nase binden muss.

    Ich habe mir gerade deine Geschichte durchgelesen. Hänseleien sind mir zum Glück erspart geblieben, ich war ja schon älter. Neugierige Blicke und Fragen waren mir zwar unangenehm, aber dass war nur kurz nach der zweiten OP und lies dann auch schnell wieder nach.
    Was du über das Mitteilungsbedürfnis deiner Mutter erzählst, klingt so vertraut. Leider haben so viele Mütter das Bedürfnis, es herauszuposaunen. Und sei es nur beiläufig.
    - Im Radio wird irgendwas über die "Beschneidung der Grundrechte" gesagt. Meine Arbeitskolleging: "Wir mussten unseren Jüngsten ja auch beschneiden lassen, das hat ihm natürlich gar nicht gepasst"
    - Im Kino beim Warten auf den Einlass: "Er hat ja so einen Aufstand kurz vor der OP gemacht, dass wir seine Beschneidung verschieben mussten. Ich habe mich in Grund und Boden geschämt. Vor zwei Wochen haben wir das dann in Vollnarkose erledigt. Zum Glück kriegen Männer keine Kinder". Der Junge stand direkt daneben. Knallroter Kopf. Ich bereue wirklich, dass ich damals gekniffen habe, was zu sagen.

    Um nur die heftigsten meiner Erlebnisse diesbezüglich zu schildern.

    Die Sache mit dem Bild ruft auch Erinnerungen bei mir wach. Irgendwann als ich 15 oder 16 war, tauchte eine Collage mit Kinderbildern von meinen Brüdern und mir im Esszimmer auf. Hübsche Bilder, darunter aber auch eins auf dem ich mit 3 oder 4 in einer Plastikwanne im Garten zu sehen bin. Nackt, mein Penis zu erkennen. Das alleine hätte mich gar nicht mal so sehr genervt obwohl sie sich das auch hätte sparen können. Von meinen Brüdern war auch je ein ähnliches dabei. Jedoch, wenn Verwandte oder Bekannte kamen und diese entdeckten, hieß es immer "Oh wie süß", "Guck mal die kleinen Nackedeis".
    Klar wurden immer alle sofort darüber aufgeklärt, dass meine Vorhaut jetzt nicht mehr so lang ist, "weil da ein Stück abgeschnitten werden musste". Antworten wie "Die war ja schon arg lang" oder "Ach, wenn noch was übrig ist, dann ist das doch nicht so schlimm", folgten ohne Scham und Zurückhaltung mit mir in Hörweite. Irgendwann nervten mich diese aber so sehr, dass ich einen schwarzen Balken drüber malte. Hätte ich mich nur damals gleich getraut, die Collage zu zerstören!
    Eine Arbeitskollegin meiner Mutter zu Besuch - sie sagte nicht mal was, sah wohl nur Richtung dieser Collage. Ich im Wohnzimmer nebenan, höre meine Mutter nur sagen: "Hat [mein Name] drüber gemalt, weil er sich schämt, dass er beschnitten werden musste. Mit 14 war das ihm schon recht peinlich".
    In der Nacht darauf verschwand die Collage. Ich habe sie gerade mal so im Garten zerschlagen und das bisschen Brennbare davon angezündet. 1 Woche Hausarrest, weil ich "die Gefühle meiner Mutter, die sich damit solche Mühe gegeben hat, so sehr verletzt habe"...

    Sehr starke Parallelen, in der Tat!

    Mein Freund hat seine Mutter noch nie darauf angesprochen, dass er unter der von ihr "verordneten" Beschneidung leidet.
    Sie glaubt auch bis heute, dass ein gemeinsamer Freund von uns, dessen Vater ihn beschneiden lies, weil er es als Amerikaner nicht anders kannte, damit überglücklich ist, weil es seine Mutter ihr erzählt hat!!!

    Auch hier wieder der "Erfahrungsaustausch unter Müttern", den ich so sehr schätze.

    Er plant, sie bei dem Besuch morgen darauf anzusprechen. Hoffentlich geht das gut!

    Wundere Dich aber notfalls nicht, wenn er im nüchternen Zustand wieder komplett dicht macht.

    Kannst du hellsehen? :D

    Spaß beiseite, es war nicht leicht - nicht nur weil wir beide nüchtern waren...

    Nach dem Gespräch war ich enttäuscht. Ich hatte mir mehr erhofft und war ehrlich auch ein bisschen sauer auf ihn, weil er schon auch mich hinterfragt hat...

    Am nächsten Morgen war ich mir aber dann sicher, dass es ein erster Schritt in die richtige Richtung war. Und er auch in manchen Dingen Recht hat (zumindest ein bisschen ;))

    Was ihm super gut getan hat, dass ich ihn mit seinem Mutter-Sohn Verhältnis so gut verstanden habe, ich konnte ihn wirklich so auffangen, wie er es gebraucht hat. Mir hat das "in Worte fassen" auch sehr gut getan und wir konnten beide auch ohne Scham miteinander weinen. Ich bat ihn, zu versuchen, seine Beschneidung und sein Verhältnis zu seiner Mutter getrennt voneinander zu betrachten, um Klarheit zu sehen. Die Übergriffigkeit meiner Mutter war ja auch nicht nur bei meiner Beschneidung präsent. Klar habe ich sie natürlich zu der Zeit ganz besonders wahrgenommen. So war es bei ihm eigentlich auch.
    Der Hygienewahn seiner Mutter hatte ihm sein Leben schon im Kindergartenalter schwer gemacht. So durfte er Freunde nie mit nach Hause nehmen, da sie ja immer alles schmutzig gemacht haben. Sie hat ihn dadurch regelrecht isoliert. Unterwäsche wurde früh frisch angezogen und nach dem Mittagessen gewechselt. Bettwäsche wurde 2mal die Woche überzogen. Solange er sich erinnern konnte, wurde er früh geduscht und abends gebadet. Tagtäglich!!! Wenn er schmutzig von der Schule oder vom Spielen zurückkam nochmal zusätzlich. Dabei hat immer seine Mutter ihn gewaschen. Komplett von oben bis unten. Seinen Penis "durfte" er dann mit 9 oder 10 selbst waschen, aber natürlich wurde beaufsichtigt, dass er es richtig macht. Für ihn war das auf der anderen Seite aber so normal, dass er es nie hinterfragt hat. Es war ja schon immer so. Er sagte, dass er sogar oft genossen hat, dass es bei ihnen zu Hause so viel frischer roch als bei anderen. Das "perfekte zu Hause" ließ ihn sogar lange denken, dass er es so viel besser hat als andere.
    Vorhaut hat er schon als kleines Kind als "igitt" in Erinnerung, weil sich da "ganz viel Bäh sammelt" wenn man sich nicht oft wäscht. Für ihn war es also nur logisch, dass ihm seine Mutter eines Tages "die Lösung" des Problems lieferter. Er sagt selbst, dass er gar nicht dazu überredet werden musste und spielte das unschöne Spiel sogar mit.
    Ihm wurde das Ausmaß erst bewusst, als er dann mit 13, 14 mit anderen darüber sprach und die ihn mehr oder weniger auslachten, wegen der Argumente, die er für seine Beschneidung anführte. Das führte dann auch zu Hänseleien unter den gleichaltrigen. Als er älter war, hatte er zwei sehr unschöne Erlebnisse mit Mädchen, die sehr entwürdigend gewesen sein müssen.
    Natürlich ist mir jetzt auch sonnenklar, warum er heute so darüber redet. Er sagt ja selbst über Frauen: "Ich plär lieber raus, dass ich beschnitten bin, dann hauen sie entweder gleich ab oder ihnen ist es wurscht." So etwas macht mich traurig, aber auch dankbar, dass ich so etwas nie erleben musste.
    Aber, er ist nun bereit, seiner Mutter entgegenzutreten. Sich mit ihr auseinanderzusetzen und ihr Verhältnis aufzuarbeiten. Es ist zwischen den beiden überraschenderweise nie zu einem echten Bruch wie z.B. bei mir und meinen Eltern gekommen. Seine Mutter ist ihm sehr, sehr wichtig sogar. So kam es auch, dass sie für ihn da war als er mit 15/16 in ein paar krumme Dinge verwickelt war. Aus den Kreisen wäre er ohne sie nicht wieder herausgekommen, sagt er. Ich drück ihm die Daumen, dass die beiden es schaffen.

    Auf der anderen Seite haben wir über die Beschneidung, das beschnitten sein und die allgemeine Meinung darüber diskutiert. Sehr interessant, verdammt ehrlich und teilweise recht krass, was er da so losgelassen hat.
    Hier ein Zitat, dass mich ein bisschen nachdenklich gemacht hat:
    "Sei ehrlich, du hast auch keinen Sex vor deiner Beschneidung gehabt, woher willst du wissen, dass er mit Vorhaut besser wäre"

    Auf der anderen Seite, war mir aber wichtig, dass er meiner Argumentation folgen konnte und auch wollte, warum er es unterlassen sollte, weiter Propaganda zu machen. Nämlich genau wegen des oben genannten Zitates... :D

    Danke euch allen für die Unterstützung!

    Frauen, die hygienebesessen sind sollen sich halt meinetwegen 10x am Tag waschen, oder bei sich allerlei Genitalfalten abschneiden lassen. Solange sie keinen Inzest treiben brauchen sie nicht am Schniedel des Sohnes zu schnüffeln, andernfalls gehören sie in den Knast.

    Aber hilft ihm das, wenn ich es ihm so sage?
    Klar ist seine Mutter krankhaft in dieser Beziehung. Auch meine Mutter war krankhaft übergriffig. Aber sowohl seine Mutter als auch meine, waren auch für uns da. Es gibt auch sehr, sehr schöne Momente, die man ihnen zu verdanken hat. Und genau das ist der Punkt für mich, der es so schwer macht, damit klarzukommen.
    Natürlich hat man das Recht als Kind von seinen Eltern beschützt und geachtet zu werden. Aber sind wir nicht alle Menschen. Mit Fehlern und Unzulänglichkeiten?
    Eins ist sicher, keiner von uns kann das Geschehene rückgängig machen. Wir können nur versuchen, zu akzeptieren und unseren Frieden damit zu finden und Antworten auf Fragen zu bekommen. Wut führt weder zu Frieden noch zu Antworten.

    Danke, ich will ihm klar helfen.
    War gestern halt nur eine saublöde Situation weil wir beide nicht mehr so sehr nüchtern waren. Ich hoffe, dass es mir heute Abend gelingt, sein Vertrauen zu gewinnen. Er ist ein Pfundskerl und sonst eigentlich eher "grad raus", deswegen war ich so erschrocken, als die Fassade bröckelte. Ich muss ihn wirklich erst wieder neu verstehen, weil mein Bild von ihm etwas verrutscht ist. Dies ist nicht als Vorwurf gemeint, aber ich muss das auch erst mal verdauen, weil ich das so auch noch nicht erlebt habe und es ist ja nicht so, dass ich mich selten mit anderen über das Thema unterhalte.

    Gestern Abend hatte ich ein Erlebnis, über das ich eigentlich nur sagen kann: "Echt jetzt?"
    Nach einem feuchtfröhlichen Abend lief ich mit einem meiner Kumpels nach Hause. Durch den Alkohol etwas mutiger, packte ich die Gelegenheit beim Schopf, um ihn auf seine Prahlerei wegen seiner Beschneidung anzusprechen.

    Mich nervt nämlich schon seit einiger Zeit, dass er immer wieder Sprüche loslässt, wie toll es sich anfühlt, wie "ausdauernd er ohne Vorhaut sei" und "wie sehr Frauen auf beschnittene Schwänze stehen" und anderen Mist, den ihr euch vorstellen könnt.

    Ich sagte ihm, dass ich das nicht so toll finde, wie er eine OP unter der manche ihr Leben lang zu leiden haben, so glorifiziert und teilweise sogar Werbung dafür macht, sich doch freiwillig beschneiden zu lassen, "für besseren Sex danach...".
    Nach dem zu erwartenden hin und her "Du weißt doch von was ich rede", "findest du es nicht auch geiler als mit Pelle?" wurde er still, als ich sagte, dass ich schon gerne meine Vorhaut noch hätte. Ich erzählte ihm so ein bisschen von meinem eigenen Bündel, das ich noch immer zu tragen habe. Als er von einem Moment zum anderen fast depressiv wurde und mir unter Tränen seine wahre Geschichte erzählte. Kein Wunder, auch er leidet darunter. Auch er versteht nicht, wieso ihm das passierte und findet keine Antwort auf das "Warum gerade er".

    Seine Vorhaut wurde Opfer seiner hygienebesessenen, alleinerziehenden Mutter, die ihn so sehr bearbeitete, dass er mit 12 seiner Beschneidung zustimmte. Gefolgt von negativen Erlebnissen mit Schulkameraden und später auch Mädchen, ist es bei ihm gar nicht so rosig, wie er tut.
    Er tat mir fürchterlich Leid und gleichzeitig war ich ein bisschen entsetzt und auch sauer auf ihn. Auf die Frage, warum er dann nicht einfach "die Klappe hält", wenn es um das Thema geht, antwortete er mir nur "Das ist mein Selbstschutz. So lass ich keinen ran"

    Wir haben dann noch ewig diskutiert und wollen heute Abend auch noch mal reden (hoffentlich ist er dann nüchtern noch genauso offen), aber ich kann nach wie vor nicht verstehen, was ihn dazu antreibt. Er sagt auch, dass er es oft falsch findet, aber er könne dazu einfach nichts anderes sagen.

    Habt ihr so was oder ähnliches schon einmal erlebt? Tipps was ich ihm sagen könnte?

    Mal noch eine paar Fragen zu Deinen Erlebnissen. Bist Du ein Einzelkind? Und wie alt ist eigentlich Deine Mutter? Ist Deine Mutter berufstätig oder geht bzw. ging sie ausschließlich in der "Aufgabe Deiner Erziehung" auf?

    Ich bin kein Einzelkind, aber das Nesthäkchen. Meine Mutter war 42, als ich geboren wurde...
    Meine beiden älteren Brüder sind zu der Zeit schon aus dem Haus gewesen. Sie sind 18 und 21 Jahre älter als ich. Also ja, eigentlich Einzelkind mit älteren Geschwistern.
    Wir kommen perfekt miteinander aus, sie haben auch nur noch den nötigsten Kontakt zu meinen Eltern. Sie hatten ihre eigenen, aber im Grunde sehr ähnlichen Probleme mit meiner Mutter, die sich ausschließlich um die Erziehung ihrer Kinder kümmerte.

    So wie Du Deine Mutter geschildert hast, kann ich lebhaft nachvollziehen, dass die Beschneidungen nicht Deine einzigen Probleme waren, was Du zu ertragen hattest. Es ist daher schön zu hören, dass Du mit Deiner Freundin jemanden gefunden hast, die Dir hier den Rücken stärkt.

    Völlig richtig, sie war so etwas wie eine Übermutter. Perfekter Haushalt, alles organisiert - so gesehen hätte man sagen können, dass es mir bestens gegangen ist. Ich will sie auch nicht im falschen Licht darstellen, aber Empathie ist nicht ihre Stärke. Und sie wird leicht ungeduldig, wenn etwas nicht am Schnürchen läuft. Das wurde unserer Beziehung zum Verhängnis.
    Sie hätte durch Zuhören und einfach mal "in den Arm nehmen" sehr, sehr viel bei mir ausrichten können. Sie hat mich in dieser Zeit oft mit verheultem Gesicht "erwischt", aber nie gefragt, warum. Sie wusste ja schon gleich die Antwort: "Komm, bald ist es vorbei und vergessen".

    Danke auch für den Buchtipp!

    Habe das mal auf der Arbeit in der Frühstückspause erlebt, als sich Kolleginnen detailliert über die Penise ihrer Kinder unterhielten, d.h. ob und wann man die Vorhaut zurück ziehen kann und ob das Kind doch besser beschnitten werden solle ehe es evtl. zu Komplikationen kommt. [...] Manchmal verstehe ich Frauen nicht, dass sie alle familiären Krankheiten jedem erzählen müssen.

    Das habe ich auch schon häufig erlebt, dass sich Mütter in illustrer Damenrunde über die Penisse ihrer Söhne unterhalten.
    Kein Vorwurf an diejenigen, die ratsuchend den Dialog mit Freundinnen suchen, um das Richtige zu tun. Sie sind natürlich oft besorgt und wollen das Allerbeste für ihr Kind. Komisch, dass das bei Themen wie Impfen, Mandeln, Windpocken usw. perfekt funktioniert, wenn es aber um die Geschlechtsteile geht, arten die Gespräche zu oft aus.

    Wenn man in diesem Szenario mal die Geschlechter umdreht und sich vorstellen würde ein Vater würde das mit seiner Jugendlichen Tochter machen, wäre sicher von Missbrauch die Rede, und das vollkommen zu Recht.

    Und das gilt in dem Zusammenhang nicht nur für das Zeigen oder Berühren des Geschlechtsteiles, sonder auch für das darüber Sprechen.
    Frau darf "ungestraft" sagen, dass sie "einen straff beschnittenen Penis toll findet", dass "es ja viel hygienischer für die Frau ist, wegen HP-Viren". Aber auch das Verniedlichen der Beschneidung steht niemandem und vor allem nicht Frau zu. "Der kleine Schnitt, dann hat er es doch hinter sich", "Das kleine Stückchen Haut, was soll das Drama?"
    Stellt euch mal den Aufschrei vor, wenn Mann in die Runde wirft, dass er auf kleine Brüste steht und sich seine Angebetete gefälligst die Busen verkleinern lassen soll. Oder, dass große Brüste schlecht für den Rücken sind und daher prophylaktisch am besten direkt nach der Pubertät operativ verkleinert werden sollten. Zum Wohle des Mädchens, versteht sich.

    Die haben dann dumm geguckt und das Thema gewechselt.


    Genau das habe ich auch schon erlebt, nachdem ich angeboten hatte, als Betroffener bei dem Thema mitzureden.

    ... Fortsetzung

    Ich bin dann voller Scham ins Haus gerannt, wo dann mein Vater ausnahmsweise mal ins Spiel kam. Er hielt mir eine Standpauke, dass mein Verhalten so unmöglich sei. 1 Woche Hausarrest habe ich bekommen, damit ich mal über mein Verhalten nachdenken kann...

    Ein paar Wochen später war dann die Operation. Es lief alles gut und das OP Team war wirklich toll. Ich war erleichtert, es nun überstanden zu haben. Die Freude, nicht ständig an Salbe und Dehnen erinnert zu werden und die Aussicht, dass bald alle die Peinlichkeiten vergessen haben werden, ließ mich strahlend und voller Lebensfreude die Praxis verlassen.
    Vorsorglich verschwieg ich meinen Eltern, dass der Arzt mir sagte, ich solle baldmöglichst nach der Operation die verbleibende Vorhaut vorzugsweise bei Erektion vor und zurück schieben. Und sobald die Fäden raus sind, auch noch für mindestens 14 Tage die Kortisonsalbe benutzen, um einer erneuten Verengung vorzubeugen. Viel zu groß war die Angst, wieder von meiner Mutter ständig daran erinnert zu werden.
    Die Schwester hatte mir auch erklärt, wie ich die Wunde zu versorgen hatte und was zu beachten ist. Die Nachkontrolle war ein paar Tage später vorgesehen. Zuhause legte ich mich sofort ins Bett.

    Am nächsten Morgen sollte der Verband gewechselt werden. Ich erinnere mich, dass ich ein wenig erschrocken war, über die Schwellung und die Blutergüsse, war aber erleichtert, dass noch sehr viel Vorhaut belassen worden war. Fühlte mich auch gut, dass ich den Verbandswechsel perfekt hinbekommen habe, weil mir mein Penis im Verband verhüllt dann doch besser gefiel als blitschblau und geschwollen.

    Abends beim Abendessen kündigte sich dann aber das Demütigendste und Peinlichste an, was meine Mutter (mein Vater blieb tatenlos) mir jemals angetan hat.
    Sie erklärte, während sie mir die Brotschale reichte, dass sie sich nachher mal die Wunde ansehen werde, damit da alles in Ordnung ist...
    Ich hatte mich bestimmt seit ich 11 war oder noch länger nicht mehr vor meinen Eltern nackt gezeigt. Nun bestand sie darauf, sich meinen frischoperierten Penis anzusehen. An den ich mich selber noch nicht so richtig gewöhnt hatte. Ich erinnere mich noch an die pure Verzweiflung, die in mir aufstieg. Ich habe gefleht, dass ich das nicht will. Ich habe gebettelt. Ich habe ihr geschworen zu sagen, wenn irgendwas wehtut oder komisch aussieht. Ich habe geheult.
    "Stell dich nicht so an, ich guck dir schon nichts weg"...

    Die Ignoranz, die sie an den Tag legte. Das Wegsehen meines Vaters. Die Hilflosigkeit in diesen Minuten, hat sehr viel bei mir hinterlassen.
    Unter Tränen, für die ich mich zusätzlich geschämt hatte, ging ich mit ihr ins Bad und ließ meine Hose runter. Sie hat kritisch geschaut und irgendwas gesagt, an das ich mich aber nicht erinnere, weil ich wie neben mir stand. Für mich hilfreich waren ihre Sätze in dem Moment wohl nicht.

    Zunächst war die Teilbeschneidung auch erfolgreich, ich hatte noch recht viel Vorhaut übrig, so dass gerade mal die Spitze der Eichel im schlaffen Zustand zu sehen war. Alles funktionierte perfekt, bis ich nach ein paar Monaten eine erneute Enge bemerkte. Kurz vor meinem 15. Geburtstag war es dann wieder so schlimm, dass ich überlegte, erneut zum Arzt zu gehen. Weihnachten in der Nähe und auch mein Geburtstag, vertagte ich das Vorhaben auf das neue Jahr. Schließlich musste ich ja wieder mit meinen Eltern darüber sprechen, bzw. sie würden es irgendwie ja doch mitbekommen.

    An meiner eigenen! Geburtstagsfeier hat es meine Mutter aber dann mit einem Satz geschafft, mein restliches Vertrauen zu ihr zur Gänze zu ruinieren.
    Wie immer Familientratsch, neuerliche Leiden in der Familie. Bis meine Tante mich direkt fragt, ob "es mir wieder besser ginge". Noch bevor ich antworten konnte, sagte meine Mutter - und diesen Satz werden ich nie vergessen, auch nicht, was sie anhatte und wo sie im Wohnzimmer saß, es ist wie ein Bild mit Ton vor meinem geistigen Auge:
    "Es ist toll geworden. Die haben recht wenig abgeschnitten, [mein Name] ist sogar fast noch ein ganzer Mann".

    Ich war wie geohrfeigt. Macht die Vorhaut einen Mann zum Mann?

    Ich habe mich meinen Eltern nicht anvertraut. Lieber habe ich fast ein ganzes Jahr unter meiner erneut verengten Vorhaut gelitten und Schmerzen ertragen. Zuvor war sie so eng, dass sie gar nicht zurückzuziehen ging. Selbstbefriedigung machte Spaß und so gesehen hatte ich keinerlei Probleme. Jetzt konnte ich sie zurückziehen, aber wenn ich bei der Selbstbefriedigung nicht aufpasste, blieb sie hinter der Eichel hängen. Bestenfalls war es unangenehm und ich musste sie umständlich wieder nach vorne drücken. Manchmal tat es aber auch richtig weh, und ich hatte Mühe, sie aus der misslichen Lage zu befreien. Klar, dass Selbstbefriedigung keinen Spaß mehr machte. Ich wurde zunehmend unausgeglichen. Kumpels, die über das Thema sprachen, verunsicherten mich. Ich wollte einfach nur wieder Spaß mit meinem Penis haben. Meine Eltern schoben meine depressiven Schübe auf die Pubertät…
    Mein Verhältnis zu Mädchen war deshalb sehr getrübt. Das Interesse war da, aber die Angst, "dass es dann nicht klappt" war viel, viel größer. Auch wollte ich ein "ganzer Mann bleiben". Die seelischen Höhen- und Tiefflüge, die ich in dieser Zeit durchmachte, wünsche ich niemandem.

    Zum Glück traf ich mehr als ein Jahr später einen älteren Mann in der Nachbarschaft, bei dem ich mein Taschengeld aufbesserte, indem ich mal Rasen gemäht, eingekauft habe und seinen Hund Gassi geführt habe. Ich mochte ihn. Er war schon alt aber hatte eine warme, väterliche Ausstrahlung. Man spürte, dass das Leben für ihn nicht immer leicht war, aber er war immer so positiv. Er wusste immer genau wie ich mich fühle. Ihm entging nicht, wenn ich mich die Nacht zuvor mal wieder depressiv und verzweifelt in den Schlaf geheult hatte. Er war ein toller Zuhörer und Ratgeber.

    Nach einiger Zeit habe ich mich ihm dann anvertraut. Er war es, der mich motiviert hat, erneut einen Arzt aufzusuchen. Durch ihn schaffte ich es, meine Ängste und Zweifel abzulegen.
    Ich war beim Arzt und habe mir ohne das Wissen meiner Eltern erneut die Salbe verschreiben lassen. Als diese allerdings nicht mehr half, brauchte ich deren Unterschrift für die erneute Operation. Ohne ihn hätte ich das nie geschafft. Ich hätte mich einfach nicht getraut und mich wahrscheinlich lieber noch ein ganzes Jahr gequält, bis ich 18 geworden wäre.

    Mit meiner Vorhaut ging auch ein paar Tage vor meinem 17 Geburtstag die Bindung zu meinen Eltern dahin. Weihnachten feierte ich bei Freunden. Im Frühjahr hatte ich einen Job und zog von zu Hause aus.
    Ich hätte es mir anders gewünscht, meine Eltern fehlen mir manchmal. Nicht, dass ich sie nicht hin und wieder sehe und besuche, aber es ist schwer. Sehr schwer, sich wieder anzunähern. Für sie trage ich die Schuld. Und der böse Nachbar, der mich ihnen entfremdet hat. Auch ihn vermisse ich. Er ist kurz nach meinem 18. Geburtstag gestorben.

    Es wurde jetzt ein bisschen melancholisch. War nicht so geplant - hat sich einfach so ergeben.
    Und bitte liebe Eltern von Teenie Jungs. Zuhören bei diesem Thema ist oft wichtiger als Antworten zu geben. Mitgefühl zeigt man, durch Anteilnahme, nicht durch Verniedlichung. Trost und Kraft spendet man durch Zuhören und Ernstnehmen. Auch ein vorlauter Teenie mit großer Klappe ist sehr, sehr verletzbar, wenn es um seinen intimen Bereich geht.

    Keinen geht es was an, dass euer Junge ein Problem mit seinem Penis oder seiner Vorhaut hat. ER alleine darf entscheiden, wer es erfährt.
    Er ist auch nicht mehr so klein und weiß noch nicht, was er will. Es ist sein Penis! Und wenn er sich mal nicht sicher ist, dann kann man warten.
    „Dann hast du es hinter dir“ will kein Betroffener hören. Drängen ist schlecht, sehr schlecht. Eine Phimose ist kein medizinischer Notfall!

    Ich wünsche allen Betroffenen die richtigen Worte und alles, alles Gute!

    Tut mir Leid, dass es so lang wurde.
    Danke, dass du mir trotzdem bis zum Ende zugehört hast!

    Mir tat es sehr gut, das alles zu schreiben. Vielen Dank!

    Ich bin 24 und wurde mit 14 teilbeschnitten und, nachdem sich meine Vorhaut nur wenig Monate nach dem Eingriff wieder begann zu verengen, mit fast 17 dann vollständig beschnitten.
    Während ich heute kein Problem damit habe, beschnitten zu sein, hat jedoch meine Beschneidung(en) mein Verhältnis zu meinen Eltern sehr stark verändert und letztendlich so gut wie ruiniert.

    Die Ursache für die Entzweiung war mir lange Zeit nicht klar und ich hielt es ein Stück für normal, dass man seinen Eltern ab einem gewissen Alter nicht mehr so sehr vertraut, seine eigenen Wege geht. Selbst dass ich mit noch nicht mal 18 von zu Hause auszog, weil ich mich bei meinen Eltern nicht zuhause fühlte, hinterfragte ich lange nicht.
    Mit dem nötigen Abstand, einer liebevollen Freundin an meiner Seite und vielen geduldigen Gesprächspartnern, bin ich heute so weit, dass ich mich im Stande sehe, den Dialog darüber mit meinen Eltern zu führen und hoffentlich schrittweise unsere Beziehung dadurch wieder etwas verbessere.

    Ich weiß, dass meine Mutter, die hauptsächlich involviert war, nicht absichtlich so gehandelt hat. Ihr Verhalten war einerseits geleitet durch Fürsorge, andererseits aber geprägt von Ignoranz und fehlendem Feingefühl. Gepaart mit ihrer Hilflosigkeit, wie ich heute meine. So war sie nie wirklich in der Lage, die Dinge beim Namen zu nennen. So hat sie, glaub ich, nie Penis gesagt oder Beschneidung, sondern immer galante Umschreibungen verwendet. "Da unten", "Operation"...
    Dennoch habe ich mich in dieser Zeit so alleingelassen von ihr gefühlt, wie nie zuvor.

    Vielleicht lesen ein paar Eltern meine Beschneidungs-/Leidens-geschichte, die ihnen vielleicht hilft, sich ein wenig mehr in ihren Jungen hineinzuversetzen, der gerade eine schwere Zeit durchmacht.
    Von meinem Vater war nicht viel zu wollen, obwohl ich lieber mit ihm gesprochen und auch zum Arzt gegangen wäre: "Du weißt doch, ich habe wenig Zeit. Mama geht doch immer mit dir zum Arzt"
    Meine Mutter hingegen ging in ihrer Fürsorge so sehr auf, dass ich in ihr sprichwörtlich unterging. Auch wenn ich sonst mit 13/14 schon recht selbstbewusst war und immer die große Klappe hatte, schaffte ich es nicht, bei ihr Gehör für meine Bedürfnisse zu bekommen. Mit Bravur hat sie immer an meinen Bedürfnissen vorbeigeredet:
    "Mom, ich will nicht, dass du mit zum Doc reingehst" - "Ach Schatz, da musst du nicht alleine durch"

    Ich hatte viele Fragen, Sorgen, Ängste, die wir alle mit dem Urologen hätten besprechen können, hätte sie mir nur mal zugehört. Wenn ich zu Hause mit dem Thema begann, wurde sie immer geschäftig und hatte nie Zeit.
    Bei den Arzt-Terminen saß ich nebendran, weil sie so raumfüllend das Gespräch mit dem Urologen an sich gerissen hat, dass ich so eingeschüchtert war, dass ich mich selbst als wir dann kurz bei der körperlichen Untersuchung alleine waren, nicht getraut habe, zu fragen.
    Selbst die salbenunterstützte Dehntherapie machte vor allem meine Mutter zu einem Akt der Peinlichkeit, die mir seelisch richtig zusetzte. Ich hatte teilweise Angst, meinen Eltern gute Nacht zu sagen, weil ich wusste, was wieder kommen wird:
    "Gut' Nacht Mom, Nacht Dad" - "Vergiss aber nicht die Salbe, sei aber schön vorsichtig! Und nicht übertreiben!"
    "Mom, ich will nicht, dass du mich immer daran erinnerst. Das ist voll peinlich" - "Ach, du vergisst doch ständig was, wenn ich dich nicht immer daran erinnere"

    Auch wenn sie früh an mein Zimmer klopfte, war ihr Standardsatz in dieser Zeit:
    "Keine Angst, ich komm nicht rein, mach ruhig erst fertig" - "Mom, bitte sag das nicht so. Das ist mir peinlich" - "Schatz, peinlich wäre, wenn ich die Türe ohne zu klopfen aufreißen und dich mit heruntergelassener Hose erwischen würde"

    Durch diese unbedachten Sätze und Floskeln, fühlte ich mich permanent bei der Selbstbefriedigung erwischt. Abends im Bett hatte ich immer Stress, weil ich daran dachte, dass meine Mutter jetzt genau weiß, dass ich an meinem steifen Penis herummache.
    Diskretion war für sie ein Fremdwort. So fragte sie mich einmal so nebenbei an der Bushaltestelle "Hast du deine Eichel jetzt eigentlich schon mal sehen können?"

    Heute bin ich mir sicher und weiß, sie tat das nicht, um mich bloßzustellen oder zu demütigen (auch wenn sie das damit klar tat). Ihre eigene Unsicherheit führte zu diesem dominanten, wenig empathischen Verhalten. Klar musste sie nicht damit rechnen, dass ich an der Bushaltestelle ein tiefergehendes Gespräch anfange. So war sie auf der sicheren Seite.
    Und wenn es mir dann doch mal gelang, in einem mir angenehmen Moment all meinen Mut zusammenzunehmen, wurde nie ein Gespräch daraus. So kam es, dass ich mich mit für mich wichtigen Fragen zur OP unnötig bis zu dem Termin quälte, die so leicht hätten geklärt werden können, hätte sie diese in ihrem Redeschwall beim Urologen mal für mich gestellt.
    "Mom, rasieren die mich da unten für die OP?" - "Weiß nicht, aber wächst doch wieder nach"
    "Mom, wie viel schneiden die weg, sieht man das dann arg?" - "Der Arzt macht das schon richtig, mach dich nicht verrückt"
    Die Ungewissheit darüber hat mich wahnsinnig beschäftigt. Mein Plan war, vorerst niemandem von der OP zu erzählen. Aber ohne Schamhaar wären Fragen beim Duschen nach dem Sport vorprogrammiert gewesen und hätte zu viel Vorhaut gefehlt, hätte es sowieso jeder gesehen.

    "Mom, ich habe voll Schiss, wie es danach sein wird." - "In vier Wochen ist alles vergessen und du denkst nicht mehr dran"
    "Mom, wo stechen die die Betäubung rein?" - "Willst du eine Vollnarkose wegen der Kleinigkeit?"
    Ich könnte die Liste fortführen...

    Auf der anderen Seite konnte sie aber mit anderen recht offen über mein "kleines Problem da unten" sprechen. Den Vogel abgeschossen hat sie bei einem Grillnachmittag mit der Familie. Meine Großeltern waren da, meine Tante mit ihrer Familie, meine etwa gleichaltrige Cousine.
    Wie immer wurde der neueste Familientratsch ausgetauscht und mir wurde sofort mulmig als die aktuellen familiären Leiden an der Reihe waren. Mit einer Inbrunst berichtete sie der versammelten Mannschaft über mein Leiden und ließ auch kein Detail aus. Ich wusste nicht wo ich hinsehen sollte. Manche deren Kommentare haben sich richtig in mein Gedächtnis gebrannt:
    "Ja gut, Jungs waschen sich halt auch da unten nicht immer so, wie sie es sollten"
    "So schlimm war das Eincremen sicher nicht für dich" (Sprach mein Onkel mit vielsagendem Grinsen in meine Richtung)
    "Ach, so ein kleiner Schnitt. Dann hat er wenigstens seine Ruhe"

    Fortsetzung folgt...

    Hallo Sven,

    zur Vorhautwiederherstellung kann ich nicht viel sagen. Ich bin zwar beschnitten, habe aber nicht das Bedürfnis, meine Vorhaut wiederherzustellen.

    Wobei ich dir aber Mut zusprechen kann ist in Sachen Mädchen. Ich wurde mit fast 17 beschnitten und hatte vorher noch keinen Sex. Natürlich war ich auch unsicher, wie Mädchen auf meinen beschnittenen Penis reagieren werden.
    Es wird ja immer viel erzählt und auch dumme Witze gemacht.
    Als ich aber dann ein paar Monate später die Richtige getroffen habe, war es eigentlich ganz leicht. Wie von selbst haben wir uns viele sehr persönliche Dinge anvertraut und über unsere Ängste, Ziele und einfach alles gesprochen.
    Offenheit ist wichtig. Versuche deine Beschneidung nicht als persönlichen Makel zu sehen und mach dich nicht verrückt.
    Die Beschneidung hat mein sexuelles Empfinden ebenfalls verändert, nicht wirklich zum Besseren, aber ich kann dennoch ein erfülltes Sexleben haben. Es gibt einige, bei denen die Beschneidung richtig was angerichtet hat, aber bei vielen und hoffentlich bei dir auch, ist doch noch alles so weit in Ordnung, dass Sex den Spaß macht, den er sollte.
    Versuche positiv zu denken und dich auf deine erste große Liebe zu freuen ;) Gemeinsam löst man jedes Problem.

    Alles Gute!

    Hallo Andre,
    bei mir war es leider dasselbe. Nach einer Teilbeschneidung mit 14, bei der wirklich sehr rücksichtsvoll sehr viel meiner Vorhaut erhalten wurde, begann sich die Vorhaut trotz begleitender Salbentherapie bereits nach wenigen Monaten wieder zu verengen.
    Ich drück dir die Daumen, dass Kortisonsalbe bei dir hilft. Eventuell ist auch trotz der Teilbeschneidung eine Tripple Inzision noch möglich.