Ich habe damals mich damals mit Händen und Füßen dagegen gewehrt meinen Sohn ans Messer zu liefern, insofern kann ich Deine @LiLi1316 Seelenqual schon nachvollziehen.
Was ich aber für sehr viel entscheidender halte:
Deine Verzweiflung darf nicht das Problem Deines Sohnes werden.
Er ist garantiert nicht der einzige Junge an seiner Schule, der geschnitten wurde (und unter Garantie wird es auch unter seinen Lehrern welche geben). Es ist im Moment etwas Besonderes, in ein paar Wochen spielt das keine Rolle mehr.
Mir wäre wichtig, daß mein Sohn ein so unkompliziertes Verhältnis wie möglich zu seinem Körper entwickelt. Ja, er hat keine Vorhaut mehr - aber kein Mensch kann im Moment beurteilen, wie es ihm in 10, 15 oder 50 Jahren damit geht. Vielleicht hat er Glück und die Auswirkungen sind nicht so extrem, wie man es hier manchmal zu lesen bekommt.
Mach Deine Ängste nicht zu seinen Ängsten.
Sorge dafür, daß er mit Dir (und seinem Vater oder anderen männlichen Bezugsperson) reden kann. Über alles (was mit der Mutter immer etwas schwierig sein kann).
Ich habe keine Ahnung ob man einen gesunden, halbweg intelligenten Teenager darauf stoßen muss, daß in der Küche Olivenöl steht und es Gleitgel in der Drogerie gibt - wenn das Thema Mädchen mal akut wird stellen sich die Fragen nach Kondomen, Gleitmitteln, etc. ohnehin nochmal in einem etwas größeren - eher besprechbaren - Kontext.
Mir ist der Schnitt zwar erspart geblieben, aber ich war auch immer "anders" (heute weiß ich warum, aber das würde hier den Rahmen sprengen). Dein Sohn hat das Glück, daß sein "anders sein" ein ziemlich diskretes ist, wobei ich keinen Grund sehe, wofür er sich schämen müsste. An der Größe, der Form, seines Penis, seiner Nase, seiner Finger wird er z.B. auch nichts ändern können, ebensowenig wie es seine Klassenkameraden können. Wer ihm jetzt versucht einzureden, daß ein zirkumzidierter Penis "eklig" sei, der hat noch ganz andere Probleme (fehlenden Respekt, keine Manieren und mich würde nicht wundern, wenn da so einiges an Unsicherheit mitspielt) aber das sind die Probleme den anderen und nicht die deines Sohnes.
Ich weiß, daß negative Kommentare von anderen über den eigenen Körper Sch****-schwer zu ertragen sind. Ich bin selbst nur knappe 1.70, zu schwer und hab' noch ein paar Dinge an mir, die immer wieder das Potential haben, mich runterzuziehen. Aber ich glaube zumindest habe ich meinen Kindern beibringen können, niemanden wegen eines unveränderlichen körperlichen Merkmals zu bewerten oder gar zu beleidigen. Und ich habe selbst Jahrzehnte gebraucht um mich weitgehend so anzunehmen, wie ich nunmal bin.
Von daher wäre mein Rat: vergiss nichts, aber vergiss Deinen Fokus auf diese eine Entscheidung und sorge stattdessen dafür, daß für deinen Sohn sein "anders" zu seinem "normal" werden kann.
Wenn er später tatsächlich praktische Hilfe brauchen sollte, werden sich dann immer noch neue Türen finden.