Hallo TB 99,herzlich willkommen bei uns!
Ich denke, ich verstehe, wie es Dir gerade geht. Einerseits denkst Du nur sehr ungern an das zurück, was Dir widerfahren ist und spürst, dass es Unrecht war. Andererseits sind Tradition und Kultur derart tief in Dir verwurzelt, dass es Dir trotzdem schwer fällt, konsequent zu sagen: Das muss aufhören und zwar ganz!Diesen Konflikt spüren viele Menschen, die aus religiösen oder kulturellen Gründen ihre Kinder an den Genitalien "beschneiden". Sie wissen einerseits, dass es falsch ist, ein Kind zu verletzen, trösten sich selbst aber dann mit den Argumenten, es sei ja eigentlich doch nicht soooo schlimm und wenn es durch einen Arzt mit Betäubung gemacht wird, passiere ja nichts.
Diesen Schritt zu wagen und sich einzugestehen: "Doch, es IST schlimm und egal, wer es tut, er verletzt das Kind und schädigt es" ist sehr schwer und fällt vor allem denen schwer, die schon als Kind dran glauben mussten. Weil sie es nicht anders kennen.
Es geht - wenn man mal in Ruhe darüber nachdenkt - ja auch gar nicht darum, eine gesamte Kultur über den Haufen zu werfen, sondern einfach darum, ein Ritual ein wenig zu ändern: Die Entscheidung darüber dem Betroffenen selbst zu überlassen und nicht über ein Kind zu verfügen, sondern einem Erwachsenen die Wahl zu lassen zu sagen: "Ich will das für mich selbst!"
Das mag für viele schon zu viel zu sein, aber da müssen wir hin. Und dazu würde es fürs erste schon mal reichen, wieder dorthin zu kommen, wo wir bis 2012 schon waren: Wenn das Gesetz, das die Verstümmelung von Jungen ausdrücklich erlaubt, abgeschafft würde, wären wir schon einen großen Schritt weiter.
Du, TB 99, hast die große Chance, mitzuhelfen: Wenn Du selber mal einen Jungen hast, kannst Du aktiv dazu beitragen, dass wir eine Wende schaffen. Lass ihn ganz, lass ihn selbst entscheiden.
Was hältst Du davon? Wie siehst Du das?