Beiträge von werner

    Es ändert nichts an der Empörung über den Namensgeber des Preises, den Frau Merkel erhält, sondern soll nur der Korrektheit der zitierten Aussagen gerecht werden.

    "Rabbi Moshe Morsiano, chair of the Division of Circumcision for the Chief Rabbinate of Israel, emphasized in a letter dated April 22 that there is no justification for avoiding metzitzah b'peh "unless the mohel has a sore in his mouth, or some infectious disease."

    Der Ausdruck "preferred" taucht zwar immer wieder in Pressemeldungen auf, meint aber ein bisschen was anderes. Morsiano verlangt übrigens die Zustimmung der Eltern.

    Wie "Failed Messiah" berichtete, soll es vor einiger Zeit einen Brief des Chief Rabbinates gegeben haben, in dem dieser das Absaugen mit dem Mund untersagte, und nur das Absaugen mit einer Pipette erlaubte. Dieser Brief sei aber zurückgezogen worden.

    Die Kinder werden nicht von ihren Freunden gefragt, ob sie schon beschnitten sind und es wird ihnen auch nicht erzählt, was da passiert.

    Auf diesem Hintergrund klingt die Darstellung der von mir zitierten Türkin ja doch plausibel.

    Es handelt sich in der Tat um eine Türkin, die schon lange in Deutschland lebt, der ich jedoch eine intime Kenntnis der türkischen Kultur zutraue. Dass ich nicht behaupte, dass ihre Darstellung repräsentativ ist, habe ich versucht zu betonen.

    Auf alle Fälle danke ich Dir für Deine ergänzenden/korrigierenden Anmerkungen. Es ist gut, jemanden im Forum zu haben, der sich in der türkischen Kultur auskennt, und gegebenfalls "eingreifen" kann. :thumbup:

    Wo steht eigentlich, dass die Beratungen in den Ausschüssen des Bundestags "ergebnisoffen" sein müssen? Die dazu eingeladenen Experten werden von den Fraktionen vorgeschlagen. Wer im Bundestag mehr Stimmen hat, kann mehr Experten einladen als andere, also auch mehr Experten, die seine Meinung teilen. Die Expertenanhörungen stehen deshalb immer in der Gefahr, ein Meinungsbild zu bestärken, wie es auch im Bundestag besteht. Anschliessend kann dann die Bundestagsmehrheit behaupten, dass auch die Experten bestätigt hätten, dass sie Recht hätte. Wenn die Fraktionen nicht den Mut und die Selbstkritik haben, auch Experten einzuladen, die von ihrer Meinung abweichen, geraten die Expertenanhörungen zur Farce.

    Es gibt sicher irgendwo Angaben, wer wen zu der besagten Anhörung im Rechtsausschuss eingeladen hat. Ich kann dazu aber leider nichts finden.

    Ich hatte gestern wieder einmal ein Gespräch mit einer türkischen Muslima über die Beschneidung. Sie erzählte mir - wie schon etliche vor ihr -, dass die muslimischen Jungen in keinster Weise darauf vorbereitet werden, dass sie auf dem angekündigten grossen Fest beschnitten werden sollen. Geredet wird nur von Geschenken. Irgendwann während des Festes werden die Jungen beiseite genommen und "überfallartig" unter dem Hinweis, dass sie jetzt zum Mann gemacht würden, beschnitten. Die Jungen sollten mit diesem "Argument" mundtot gemacht werden. Etwaige Bedenken der Eltern der Jungen scheiterten an deren grundsätzlicher, "kulturell" bedingter Unfähigkeit, hier (wie auch bei anderen Konflikten) ihren eigenen Eltern zu widersprechen,

    Um das klar zu stellen: ich behaupte nicht, dass diese Muslimas, mit denen ich sprach, irgendwie repräsentativ für die türkische Gemeinde sind. Und natürlich sind es auch nicht Muslimas, die besonders gläubig sind. Ihre Aussagen deuten jedoch daraufhin, dass die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der religiösen Gemeinden grösser sind als ihre Religionsvertreter immer wieder behaupten.

    ...ihre eigenen Interessen befriedigen.

    Meine ganz persönliche Sicht ist, dass wir auch damit nicht "weiterkommen". Die Beschneidungsbefürworter sind ja felsenfest davon überzeugt, dass sie im Interesse des Kindes handeln, und sehen den "Griff in die Hose" als einen ebenso wenig schädlichen Eingriff wie z.B. ein Fernsehverbot bei mangelnden schulischen Leistungen. Aus ihrer Sicht sind die Vorteile der Beschneidung gerade nicht "angeblich". Darin kann also "der kleinste gemeinsame Nenner" zwar unter Kritikern liegen, aber nicht unter Kritikern und Befürwortern. Zwischen letzteren liegt der kleinste gemeinsame Nenner in der Akzeptanz von - wie auch immer begründeten - Ritualen. Überzeugt werden müssen die Befürworter davon, dass eine Beschneidung eben nicht mit einem Fernsehverbot verglichen werden kann, sondern ein ganz erhebliches ( wenn vielleicht auch nicht flächendeckendes) medizinisches und psychologisches Komplikationsrisiko in sich trägt, und ausserdem in eklatantem Widerspruch zur heutigen Erziehungsethik steht, wie sie auch gesetzlich vielfach festgeschrieben ist. Wir können es deshalb auch gar nicht verhindern, dass über ethische und medizinisch-psychologische Fragen diskutiert wird.

    Die Narrativbildung ist eine wichtige Komponente der Traumatherapie. Durch sie werden Erinnerungsfragmente strukturiert und zusammengeführt.

    Wenn aber wie bei der Säuglingsbeschneidung keine Narrativbildung möglich ist, wie soll dann in diesem Fall Traumatherapie funktionieren? Oder anders gefragt: wenn man davon ausgeht, dass das Trauma des Säuglings irgendwie im Gehirn/ in der Psyche "überlebt" (wenn auch nicht als Narrativ), wie wird es sich im Laufe des Lebens äussern?

    Zitat

    "Ich dagegen nehme das juristische Argument, dass Beschneidung immer auch eine Verletzung der körperlichen Unversehrtheit darstellt, durchaus ernst."

    Und was folgt aus diesem "Ernstnehmen"? Im Ethikrat hob Prof. Ilkilic die hohen medizinischen Standards bei muslimischen Beschneidungen hervor und kritisierte aus demselben Grund die Mohelim-Regelung. Er nannte das Doppel-Moral und Doppel-Juristerei.

    Es wäre interessant zu erfahren, wie das türkische Recht, das ja im wesentlichen aus dem mitteleuropäischen Recht stammt, die Beschneidung juristisch einordnet.

    ...vermaledeiten "Religionsfreiheit"...

    Ich wollte eigentlich nur ganz wertfrei und leidenschaftslos darauf hinweisen, dass "Kollektivschuldgefühle" nicht die einzigen Gründe sind, die Beschneidungsbefürworter bewegen, egal, für wie glaubwürdig man alle möglichen Begründungen hält, z.B. auch von denjenigen Verfassungsrechtlern, die das Gesetz für verfassungskonform halten. Darüber hinaus gibt es auch diejenigen, die , wie z.B. Reinhard Merkel, ohne die "Einknick-These" bemühen zu müssen, aus persönlichem Respekt vor der Geschichte des Judentums zwar nicht für das Gesetz plädieren, aber den dadurch entstehenden Konflikt artikulieren.

    (welcome)

    Deine Gedanken teile ich im Wesentlichen, auch wenn ich nicht so pessimistisch bin, im Beschneidungsgesetz einen "Dammbruch" zu sehen. Das damit verbundene Bild ist mir ein wenig zu martialisch.
    Kollektive Schuldgefühle haben bei vielen Befürwortern sicher eine Rolle gespielt, sie sind aber m.E. nicht die "alleinige Basis". Für nicht Wenige geht es um Religionsfreiheit generell.

    Man sollte die Wahl der Partei, die man wählt, nicht reduzieren auf ihre Einstellung zur erfolgten Legalisierung der Beschneidung.

    Allerdings. Sonst müsste man z.B. eine Partei wählen, die gegen Beschneidung, aber für die Todesstrafe ist. Nein, danke. Beschneidung ist zwar nicht " irgendein Thema", aber es gibt keine Partei, die 1:1 mit meiner Meinung übereinstimmt. (Die Linke schon dreimal nicht 8) ).

    "Put all these circumcision benefits together, and you have a 0.9% chance of UTI benefit, PLUS 0.0009% chance of cancer benefit, PLUS 0.012% chance of HIV benefit, EQUALS: 0.9129% chance of benefit from my foreskin having permanently cut off without my permission. Again, most of that is the 0.9% chance of preventing me from getting an injection of antibiotics for a UTI. The actual serious problems, IF true, currently have a 0.0129% chance of benefitting the male whose foreskin is cut off without his consent."


    http://np.reddit.com/r/AskMen/comme…r_penis/c9t1jg0