Brian D. Earp bereitet einen Artikel über die Morris-Studie vor. Bis dahin:
Choose Intact » Blog Archive » Journalists Doing Brian Morris Undeserved Favors
Brian D. Earp bereitet einen Artikel über die Morris-Studie vor. Bis dahin:
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Ich habe damit kein Problem.
Warum bekommt so jemand eine derartige Plattform?
Das ist in der Tat die Frage, wie es Morris geschafft hat, seinen Artikel in die "Proceedings" der Mayo-Klinik zu bringen. Von da ab ist es wegen des weltweiten Renommees der Klinik natürlich ein Selbstläufer.
Für den, der den Nerv hat, hier der Vortrag des Artikels als Video von Morris persönlich:
Und noch ein "Bonbon":
Die Festellung, dass die Beschneidung im Alter von unter einem Jahr einen kleinen, aber nicht signifikanten Effekt auf die Entstehung des Prostatakrebes hat, beruht auf dem Vergleich von 843 Personen. Die Festellung, dass sich die Entstehung dieses Krebses bei denjenigen, die jenseits der 35 beschnitten wurden, halbiert, beruht auf einer Kohorte von 60 Personen (nein, das ist kein Schreibfehler).
Auch Saudi-Arabien ist in der Moderne angekommen und verwendet jetzt Emla und Sucrose bei Säuglingsbeschneidungen. Kurzentschlossen hat man die Gelegenheit benutzt, um unter Beweis zu stellen, dass man auch Anschluss an das moderne Forschungswesen gefunden hat, und sich gefragt, ob die in westlichen Ländern bewiesenen Wirkungen der o.g. Stoffe auch bei einheimischen Kindern zu beobachten sind. Und siehe da, auch der saudische Säugling ist von der Kombination von Sucrose und Emla bei seiner Beschneidung begeistert, jedenfalls begeisterter als wenn er nur eines von beidem verabreicht bekommt.
Wird er nur unter Emla beschnitten, schägt sein Herz während der Beschneidung 199 mal pro Minute, mit Sucrose allein 205 mal, und wenn er beides bekommt, sinkt sein Herzschlag auf 193, d.h. man muss sich Sorgen machen, dass es nicht stehen bleibt.
Die Aussagen im Abstract dieser Studie sind schon mehr als frech.
Die OR für Weisse betrug 0.95, d.h. sie lag nur minimal unter dem Wert von 1.0, bei dem keinerlei Effekt der Beschneidung gegeben gewesen wäre.
Reingerissen haben diesen Wert nur die Schwarzen, deren OR bei 0.40 lag. Diese Schwarzen stammten zu 78% aus Jamaika. Gemindert wurden deren Werte wiederum durch die Asiaten, deren OR bei 1.09 lag, also eher nahelegten, dass Beschneidung zu Prostatakrebs führt, bei Asiaten jedenfalls.
Ein weiteres Bonbon stammt aus der Verteilung des Beschneidungsalters. Lag dies unter einem Jahr, war die OR 0.86, stieg aber in der Altersgruppe der zwischen 9 und 20 Jährigen auf 1.12 an. Das heisst, dass in der letzteren Gruppe der Zusammenhang genau umgekehrt war: bei diesen gab es einen positiven Zusammenhang zwischen Beschneidung und Krebserkrankung.
Die Autorinnen geben übrigens selbst zu, dass mündliche Befragungen ohne Untersuchung über den Beschneidungsstatus mit einer hohen Fehlerquote behaftet sind.
Dann ist der erste Satz des Artikels " Venstre stemte i formiddag imot omskjæring av gutter einfach falsch. "Imot" heisst nun mal "gegen".
Besten Dank für die Verständlichermachung!
Dann muss man das wohl so sehen, dass die Stärke der Minderheit verhindert, dass die Mehrheit ihre Meinung als Parteimeinung durchkriegt. Etwa so, wie wenn man manchmal eine Zweidrittelmehrheit statt einer einfachen Mehrheit braucht.
Was mir jetzt aber nicht einleuchtet, ist, warum die Einführung einer Altersgrenze, die die Minderheit doch offensichtlich gefordert hat, eine Unterstützung für Hoie bedeutet. Dieser hat doch nie von einer Altersgrenze gesprochen, sondern nur davon, dass die Beschneidung nur noch in Krankenhäusern stattfinden soll.
Die liberale Partei hat 5,3% der Stimmen und 9 Sitze (von 169) im Parlament.
Die Mehrheit innerhalb dieser Partei hat gegen Beschneidung votiert und eine Minderheit für eine Altersgrenze. Oder sehe ich da was falsch?
Mir ist das nicht klar, um wen es hier jetzt geht: um die Positionen im Bundestag oder die Positionen, die von Brian Earp und anderen im Practical Ethics Blog diskutiert werden. Bei ersteren geht es lediglich um die Altersgrenze, bei letzterem um die Frage, ob man (zum gegenwärtigen Zeitpunkt) überhaupt ein Verbot der Kinderbeschneidung anstreben sollte.
Sowohl Brian Earp als auch Julian Savulescu vom "Oxford Uehiro Centre for Practical Ethics" verneinen dies mit dem Hinweis vor allem auf zwei Gründe: man würde direkt und indirekt die Befürworter politisch stärken (siehe Gesetzgebungen in Kalifornien und Deutschland). Darüberhinaus würden die Befürworter Unentschlossene auf ihre Seite ziehen.Earp und Savulescu denken hier an die amerikanische Situation, in der ein Beschneidungsverbot Urängste vor dem Verlust der Religionsfreiheit und der Elternrechte berühren. Ein Angriff darauf könnte grössere Verwerfungen nach sich ziehen. Es wird aber auch auf die Wirkung jüdischer Verbände auf die amerikanische Politik verwiesen.
Der zweite Grund ist das bekannte "Hinterzimmer-Argument" als Folge eines Verbots: durch unsachgemässe Beschneidungen würde den Kinder noch grösserer Schaden zugefügt.
Aus diesen Gründen wird für einen "interkulturellen Dialog", Überzeugungskraft der Argumente und ein Dringen auf "Harm reduction" plädiert. Letzteres können wir zur Zeit in Skandinavien beobachten: kein Verbot, aber Beschränkung auf Krankenhäuser.
Brian Earp ist aus meiner Sicht schon ziemlich optimistisch, wenn er glaubt, die amerikanische Kultur durch Dialog verändern zu können. Auf alle Fälle werden bis dahin weiter Kinder beschnitten.
Diese Debatte ist m.E. überflüssig.
Das finde ich ganz und gar nicht, und ich rechne es Brian Earp hoch an, dass er sie in seinem Blog öffentlich führt. Ich habe dadurch eine Menge gelernt.
Brian Earp setzt auf eine Veränderung der Gesellschaft durch Einsicht und nicht durch Zwang.
Immer wenn man Zwang anwendet, gibt es nach der Änderung Verlierer und Gewinner und keine wirkliche Einsicht. Damit bleibt ein Ressentiment, das ein starkes Energiepotenzial birgt für reaktionäre Tendenzen.
Dann hätte man auch die FGM und vieles andere nicht verbieten dürfen. Mir fehlen auch Beispiele für diese Behauptung.
Die Veränderung in der Gesellschaft kann mehrfacher Natur sein:
Ärzte die den Eingriff verweigernEltern, die sich aufklären und ihn dann lieber vermeidenNiemand mehr kann von der Beschneidung der eigenen Kinder reden, ohne schief angesehen zu werdenusw.
Vielen geht das zu lange. Vielen denken dabei mehr an die Kinder, als an die Befindlichkeit beschneidender Gruppen. Das kann man so sehen.
Rücksicht auf die Befindlichkeit derer, die sich unethisch verhalten?
Ich kenne noch einen Promi, der von Backlash redet, wenn man hier zu harsch vorgeht.
Damit weckt man Widerstandskräfte der Integristen. Und man solidarisiert ev. moderate Teile mit den Integristen, weil Erstere sich indirekt angegriffen fühlen.
Ein konzertiertes Vorgehen, bestehend aus Ächtung und breiter gesellschaftlicher Verweigerung scheint auch mir mehr geeignet, das Problem dauerhaft und friedlich in die Nähe von Null zu reduzieren.
Ich denke mal, ich weiss, wer dieser Promi ist. Allerdings ist er mit seiner Meinung nicht an die Öffentlichkeit gegangen.
Auch für die Ansicht über die Solidarisierung fehlen mir die Beweise.
Die Entscheidung, wie man das Problem angeht bleibt eine Gewissens- und auch Glaubensfrage. Welche Strategie erfolgreicher sein wird, ist m.E. eine reine Glaubensfrage und wird sich zeigen, wenn unterschiedliche Länder unterschiedliche Wege einschlagen.
Welche Wege Politiker wahrscheinlich einschlagen, sieht man zur Zeit in Norwegen. Aber ich argumentiere ja nicht als Politiker. ![]()
Diskussionswürdig ist die Strategie von Earp allemal.
Auf alle Fälle!
Man muss schon aufpassen, dass man nicht mit dem Hinweis auf einen (angeblichen) "Backlash" durch die Forderung nach einem Beschneidungsverbot die gesamte amerikanische und einen grossen Teil der sonstigen (u.a. auch der deutschen) Intaktivistenbewegung in die Tonne tritt. Der Ärger von Dan Bollinger und Georganne Chapin auf der Practical Ethics Seite war deutlich genug. Niemand hat etwas gegen "change by cultural dialogue", aber mir ist das erstens nicht ausreichend und zweitens zu schwammig und drittens fehlt mir die für einen Dialog notwendige Bereitschaft auf der Befürworterseite. Darüberhinaus macht man sich unglaubwürdig, wenn man trotz besseren Wissens auf "harm reduction" hinarbeitet und entgegen aller bisherigen Argumentation einen Doppelstandard bei der Hinterzimmer-Beschneidung einführt.
Dan Bollinger formulierte es so:
Zitat"It is a mistake to abolish slavery, instead let’s just whip then less often.
It is a mistake to allow women the vote, instead we’ll just count every tenth vote.
It is a mistake to prevent children working in factories, instead we’ll just make sure they take a midday nap.
It is a mistake to outlaw female mutilation, instead let’s make sure they are cut with clean knives.
It is a good thing those activists didn’t take your advice."
Brian Earp hat in seinem Blog seine Antwort an den Kommentator "Helmut" nochmals in einem "Postscript" wiederholt. Fragt sich, warum.
http://blog.practicalethics.ox.ac.uk/2014/03/things…actical-ethics/
When is diminishment a form of enhancement? Rethinking the enhancement debate in biomedical ethics.
http://journal.frontiersin.org/Journal/10.338…2014.00012/full
Zitat"Poland’s Jewish community reacted warmly to yesterday’s decision to again allow them to practice shechita. A position paper issued by the Sejm, Poland’s parliament, and presented to the country’s Constitutional Tribunal, stated that “in its current form, Polish law does not permit penalizing slaughter for internal Jewish communities.”