Praxishandbuch der pädiatrischen Grundversorgung

  • Ulrich Fegeler, Elke Jäger-Roman, Klaus Rodens
    Elsevier Health Sciences, 14.08.2020 - 752 Seiten


    Kapitel "Jungenmedizin", Bernhard Stier:
    Unterkapitel Phimose/Zirkumzision

    Da wird u.a. der Fall eines Achtjährigen vorgestellt, der Schmerzen nach dem Urinieren hatte. Daraufhin wurde er zirkumzidiert - ohne Besserung.

    Die schließlich erfolgte Untersuchung führte zur Diagnose "Meatusenge", ein Verengung der Harnröhrenöffnung. Diese wurde durch eine Meatotomie (Schlitzung) vollständig behoben. Die Zirkumzision war also überflüssig wie ein Kropf.

    In dem Unterkapitel wird ausführlich ausgeführt, bei welchen Gegebenheiten alles NICHT zirkumzidiert werden sollte. Das ist eine ganze Menge.

    Zur Phimose schreibt Stier:

    Quote

    Nur in ganz seltenen Fällen ist eine vollständige Beschneidung (Zirkumzision) notwendig


    Dort heißt es auch:

    Quote

    Die meisten Zirkumzisionen werden ohne rechtfertigende Indikation durchgeführt, oftmals sogar im Rahmen anderer operativer Eingriffe (wie hier im vorgestellten Fallbeispiel oder z.B. bei Herniotomie [OP bei Leistenbruch] oder Orchidopexie [Fixierung eines Hoden im Hodensack])
    Besteht der Verdacht, dass das geschilderte Problem (z.B. Dysurie, akuter Harnverhalt) möglicherweise mit einer bestehenden Phimose zusammenhängt, müssen trotzdem andere Ursachen für dieses Problem vor einer Zirkumzision zwingend ausgeschlossen werden!


    Und:

    Quote

    Vor durhgeführter Zirkumzision soll darüber aufgeklärt werden, dass es durch den bei der Beschneidung resultierenden Hautverlust zu einem Sensibilitätsverlust kommen kann, der wiederum möglicherweise das spätere Sexualleben beeinflusst (ggf. auf die Möglichkeit der partiellen Zirkumzision aufklären)


    Die Zirkumzision kann zu Orgasmusproblemen und -störungen wie auch Dyspareunie ["Paarungsschmerz] führen.

    Ich finde, das hört sich alles sehr vernünftig an. Hoffentlich lesen das auch viele Kinderchirurgen und Urologen!

    Danke an die Autoren!

    https://www.amazon.de/Praxishandbuch…t/dp/3437212818

    There is no skin like foreskin

  • Quote from Bernhard Stier

    Kinderchirurgen führen nach eigenen Angaben rund 21.000 Beschneidungen im Jahr durch

    Allein die Kinderchirurgen! Und wie viele Jungen-Circumcisionen durch Urologen, Allgemeinmediziner und "Beschneider"?


    Quote


    Die Zahl der ambulanten Beschneidungen von Jungen unter fünf Jahren ist in den Jahren 2008-2011 um 34% gestiegen

    In nur vier Jahren!

    Quote

    Die Krankenkasse AOK verzeichnet für die Jahre 2006-2011 einen Zuwachs von 30% bei Vorhautoperationen obwohl die Zahl der versicherten Jungen um 5% sank

    Ist das nicht seltsam, dass man anscheinend nach 2011 keine Zahlen mehr findet?

    There is no skin like foreskin

  • Ist das nicht seltsam, dass man anscheinend nach 2011 keine Zahlen mehr findet?

    Für Jungen. Braucht niemand so genau zu wissen!
    Wäre wohl möglich schockierend.

    Für Mädchen und Frauen findet man sie, natürlich:

    Quote

    Die Zahl der weiblichen Genitalverstümmelungen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. 66.707 Frauen mussten hierzulande eine solche Menschenrechtsverletzung erleiden, hat eine neue Untersuchung ergeben, die Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey heute vorgestellt hat.

    Also "hierzulande" mussten sie das bestimmt nicht erleiden, dann hätte es ja schon etliche Prozesse gegeben, nach dem eigens geschaffenen §226a StGB.


    Quote

    Auch bei den Minderjährigen sind die Zahlen erschreckend hoch: Zwischen 2.785 und 14.752 Mädchen sind in Deutschland von weiblicher Genitalverstümmelung bedroht.

    Ob nun 2.785 oder 14.752 eine Faktor fünf macht ja kaum einen Unterschied.

    Wie kommt's? Man stochert einfach im Nebel:

    Quote

    Mädchen aus den Herkunftsländern Somalia, Eritrea, Ägypten, Nigeria und Irak sind dabei zahlenmäßig besonders in Gefahr. Die beiden sich stark unterscheidenden Zahlen liegen darin begründet, dass zwei verschiedene Szenarien berechnet wurden: Im Minimalszenario wird davon ausgegangen, dass in der zweiten Generation keine weiblichen Genitalverstümmelungen mehr durchgeführt werden. Beim Maximalszenario wurde angenommen, dass auch in der zweiten Generation weibliche Genitalbeschneidungen durchgeführt werden.

    Hauptsache, man kann Schockierendes raushauen:

    Quote

    Im Vergleich zu 2017 ist das ein Anstieg um bis zu 160 %.

    Besser wäre, man hätte verlässliche Zahlen über Kinder-Genitalverstümmelungen. Dafür würden sich die U-Untersuchungen anbieten.
    Dann könnte man auch gleich zur Strafverfolgung schreiten. Im Falle von Mädchen wie von Jungen.
    Denn: wo kein Kläger, da kein Richter.

    Nur das Wissen der Eltern, dass es Konsequenzen hätte schützt Kinder wirklich.

    Man konnte in der Vergangenheit ja auch bei den schulärztlichen Untersuchungen Jungen mit nicht-retrahierbarer Vorhaut rauspicken und zur sinnlosen Amputation schicken. Wenn das geht, dann kann man auch Kinder untersuchen um sie zu schützen.


    Quote from Frau Ohnedoc Giffey

    Weibliche Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung und eine archaische Straftat, die Mädchen und Frauen in ihrem Recht auf körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung verletzt.

    Ei, warum nur die weibliche? Und warum werden nur Mädchen in ihrem Recht auf körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung verletzt?

    https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuell…lung-vor/156804

    There is no skin like foreskin

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